Review

Reviews 9.0
Alternative Hardcore

ATREYU

In Our Wake

Label: Spinefarm/Universal
Dauer: 45:27
Ausgabe: RH 378

Seit ihrer Taufe 1998 haben ATREYU eine interessante Entwicklung durchgemacht. Nachdem die Kapelle um Frontmann Alex Varkatzas und Co-Sänger/Drummer Brandon Saller ihren melodischen Metalcore mit Screamo/Emo-Kante anfangs noch vergleichsweise genrekonform zelebrierte, vollzogen Orange County´s finest mit ihrem vierten Longplayer „Lead Sails Paper Anchor“ 2007 einen gewissen Stilbruch, indem man verstärkt auf Einflüsse aus den Bereichen (Alternative) Rock und Pop setzte. Mit ihrem siebten Studioalbum wenden sich ATREYU nach den beiden etwas härteren „Congregation Of The Damned“ (2009) und „Long Live“ (2015) wieder verstärkt ihrem süchtig machenden „Queen meets Disneyland meets E.L.O.“-Sound zu. Trotzdem ist auf „In Our Wake“ nicht alles Gold, was glänzt. So hätte sich das Quintett die Rap-Anleihen in ´Deaf Dumb & Blind´ und ´Paper Castle´ ruhig sparen können. Bei den restlichen zehn Songs handelt es sich aber samt und sonders um formidable Ohrwürmer mit fantastischen Gesangsmelodien und Gänsehaut-Vocals, die in den besten hymnischen Refrains gipfeln, die ich seit langem gehört habe. Dabei überzeugen ATREYU nicht nur mit stark popaffinen Balladen wie ´Terrified´ und ´Super Hero´, nein, auch deftigeres Material wie der Titelsong, ´House Of Gold´, ´Nothing Will Ever Change´, ´Safety Pin´ oder ´Anger Left Behind´ sind Metalcore/Modern Metal par excellence. Kurzum: Für mich ist „In Our Wake“ schon jetzt das Album des Jahres 2018!

5 Fragen an ATREYU-Bassist Marc „Porter“ McKnight:

Marc, stimmt es, dass euch die Selbstmorde von Chris Cornell und Chester Bennington zum Titeltrack inspiriert haben?

»Uns hat der Gedanke umgetrieben, dass man jeden Tag die Chance hat, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Entscheidet man sich dafür, den richtigen Pfad einzuschlagen, indem man andere Menschen inspiriert und mitnimmt, oder wählt man lieber den dunklen Weg, indem man sie schlecht macht und runterzieht? Diese Entscheidungen haben einen großen Einfluss auf unser Leben, unsere Gesellschaft, unser Land und sogar auf den ganzen Planeten. Seid nett, freundlich und großzügig, respektiert und liebt einander - und ihr werdet sehen, wie sich die Welt um euch herum zum Besseren ändert.«

Wie haben Alex und euer Drummer Brandon die Gesangsparts aufgeteilt?

»Eigentlich wie immer: Alex singt einen Großteil der Verse, Brandon die meisten Refrains, und die Bridges teilen sie sich.«

In ´Deaf Dumb & Blind´ experimentiert ihr mit HipHop-Vocals. Wer ist der Rapper bei ATREYU?

»Wir haben alle ein Faible für HipHop. Auf unserem letzten Album hatten wir mit ´Do You Know Who You Are?´ bereits einen Song mit Rap-Gesang. Für mich fühlt sich ´Deaf Dumb & Blind´ wie Run-DMC in den Neunzigern an, und ich liebe das.«

Was würdest du „deinen“ Präsidenten Donald Trump sagen bzw. fragen, wenn du die Möglichkeit hättest?

»Ich würde mich nie freiwillig mit ihm treffen. Wenn man mich dazu nötigen würde, würde ich ihm nahelegen, mit psychoaktiven Substanzen zu experimentieren, die es ihm ermöglichen, mehr Liebe in sein Herz zu lassen. Logik, Vernunft, Respekt und Menschlichkeit scheinen bei ihm ja nicht vorhanden zu sein.«

Du lebst in Deutschland. Was hat dich hierher verschlagen?

»Ich lebe für zwei Jahre in Darmstadt; meine Frau ist Deutsche. Ich liebe Deutschland! Ich kann es kaum erwarten, hier zu spielen.«

Autor:
Buffo Schnädelbach
AMAZON EMPFEHLUNG

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos