Review

Reviews 7.5
Alternative Hardcore

ASKING ALEXANDRIA

Like A House On Fire

Label: Sumerian/Warner
Dauer: 52:38
Erscheinungsdatum: 15.05.2020
Ausgabe: RH 397

Nehmen wir an, man nähme einen Anhalter mit, der einen fragt, was man beruflich so treibe. „Unter anderem Journalist für Hardrock und Metal.“ Der Daumenwinker sagt: „Cool, spiel mal was ein!“ In der Playlist: das sechste Album von ASKING ALEXANDRIA, fünfter Song, ´I Don´t Need You´ mit Gastsängerin Grace Grundy, einem blutjungen Mädchen, das sich mit Coverversionen im Netz einen Namen gemacht hat. Der Anhalter würde lauschen, lachen und sagen: „Da sieht man´s mal wieder! Lügenpresse! Von wegen Metal!“ Klar, man könnte ihm andere Stücke vorspielen, mit wuchtigen Gitarren und rollenden Grooves, mit enorm unterhaltsamem Punch. Wäre er Drummer, würde er Luftschlagzeug spielen und Dinge sagen wie: „Das klingt ja so, als hätte man zur Jahrtausendwende King´s X, Fall Out Boy und Linkin Park gekreuzt.“ Als Freund guter Stimmen würde er den wirklich wunderbaren Soulschmelz von Danny Worsnop feiern, der auf seinen Soloalben aber auch nicht grundlos Shopping-Mall-Country mit Adventsstimmung spielt. Denn mehr noch als auf ihrem selbstbetitelten Album von 2017 etabliert sich die ehemalige Metalcore-Combo hier endgültig als Perfektionisten in Sachen Radio-Rock. Bestens gemacht, schlau arrangiert, die reichhaltige Elektronik atmosphärisch eingebaut, die kontrollierten Ausbrüche euphorisierend, die Na-na-nas und Uh-uh-uhs wiederum aufdringlich und penetrant. In raueren Zeiten hätte Worsnop sein charismatisches Organ als Gastsänger bei Fishbone, 24-7 Spyz oder Living Colour eingebracht. Heute trägt er damit eine Platte durchs Ziel, die als Middle-Of-The-Road-Power-Pop-Rock-Manifest wirklich begeistern kann - mit dem Kerngeschäft dieses Magazins allerdings in Teilen nichts mehr zu tun hat.

Autor:
Oliver Uschmann
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