Review

Reviews 9.0

APOCALYPTICA

7th Symphony

Ausgabe: RH 280

Dragnet/Sony (47:51)

Kollege Rensen brachte es ziemlich knapp auf den Punkt: „Sehr gute Platte, die Vokal-Tracks passen aber nicht so recht zum Rest." Gemeint sind die Songs ´End Of Me´, ´Not Strong Enough´ und ´Broken Pieces´, die sich sehr am US-Zeitgeist orientieren. Auch wenn die Produzenten hier ganze Arbeit geleistet haben (aufgeräumte Songs, nette Details, einprägsame Refrains - „besser" und professioneller geht es kaum noch), so ist die Halbwertszeit dieser Songs für anspruchsvolle Hörer dennoch nicht allzu hoch. Als hätte man damit das Soll für die US-Plattenfirma erfüllt, klingt der Rest des Albums dafür ziemlich locker, kompakt, mitunter schrill und gar progressiv. ´Bring Them To Light´ mit Joe Duplantier (Gojira) ist z.B. eine starke Thrash-Achterbahnfahrt, die mit zum Aufregendsten gehören dürfte, was an harten Metalsongs in diesem Jahr rauskommt.

Einige Titel werden musikalisch gekonnt verbunden, und weil APOCALYPTICA keine unnötigen Längen produzieren, kann man durchaus von den besten Instrumentalstücken sprechen, die die Band bislang veröffentlicht hat. Ob jetzt der mitreißende Opener ´At The Gates Of Manala´ (gemeint ist eine Late-Night-Bar in Helsinki) oder das schöne, rein akustische ´Beautiful´: Die Band spielt stets mit Herz und Verstand. Nicht selten fallen harte Metal-Riffs in eine gekonnte Gänsehautmelodie mit feinsten Celloharmonien. ´2010´ mit Dave Lombardo klingt düster und bedrohlich, ´On The Rooftop With Quasimodo´ groovt mit ungewöhnlichen Klängen, und der Abschluss aus ´Sacra´ und ´Rage Of Poseidon´ bringt APOCALYPTICA tatsächlich einer Sinfonie verdammt nahe. Ruhe, Dynamik, Ekstase - alles drin! Objektiv geht´s nicht mehr besser, aber wo der Kollege Rensen Recht hat, hat er Recht: Format-Pop-Metal braucht diese Band hoffentlich bald nicht mehr.

Autor:
Holger Stratmann
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