Review

Reviews 8.5

AMPLIFIER

Amplifier

Ausgabe: RH 203

(63:05)

Es zeugt von Mut und Integrität, in der heutigen Zeit eine Gruppe wie AMPLIFIER unter Vertrag zu nehmen. Gerade in Großbritannien, wo musikalische Trends noch exzessiver erzeugt und ausgeschlachtet werden als im restlichen Europa. Umso tiefer ziehe ich den Hut vor der Combo aus Manchester, deren gleichnamiges, von Steve Lyon (The Cure, Depeche Mode) und Chris Sheldon (Therapy?, Foo Fighters) ungemein erdig produziertes bzw. abgemischtes Debüt für die breite Masse so interessant sein dürfte wie die letzte Hammerfall für den Kollegen Mühlmann. Ohne den verführerischen Spießgesellen Zeitgeist auch nur eines Blickes zu würdigen, nimmt einen das Trio mit auf eine traumhaft schöne Reise durch mehr als 30 Jahre Rockgeschichte, die 1970 mit dem selbstbetitelten Black-Sabbath-Erstling ihren Anfang nahm und erst beim letzten Tool-Opus „Lateralus“ endete.

Da AMPLIFIER das Tempo nur geringfügig variieren - die Jungs bevorzugen getragene, sparsam instrumentierte Klänge - und wie Maynard Keenan & Co. Songs nicht nach Schema F - also Strophe/Bridge/Refrain - komponieren, muss man einiges an Geduld aufbringen, bevor sich einem die psychedelisch angehauchten Rocksongs der Engländer erschließen. Wahre Kunst ist eben eigensinnig.

Aber keine Angst: Selbst wenn Sel Balamir (v./g.) and friends großen Wert auf Authentizität und Improvisationstalent legen, ist „Amplifier“ keine nervige Endlos-Jam, sondern ein unter die Haut gehendes Manifest durch und durch zeitloser Mucke. Dafür sind das mit gut vier Minuten Spielzeit verhältnismäßig kurze ´Neon´ und die zum Schluss beinahe heroische Ballade ´UFOs´ nur zwei von zehn schlagenden Beweisen.

Autor:
Buffo Schnädelbach
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