Review

Reviews 5.5
Hard Rock Heavy Metal

AMAHIRU

Amahiru

Label: Earmusic/Edel
Dauer: 56:24
Erscheinungsdatum: 27.11.2020
Ausgabe: RH 402

Eigentlich machte Frédéric Leclercq immer den Eindruck, dass er bei Dragonforce das Weite gesucht hat, weil ihm deren Zeug zu dudelig und kindgerecht klang. Dazu passen auch seine neuen Jobs bei Kreator und Loudblast. Bloß, was soll das dann hier? AMAHIRU sind der allerweltigste Allerwelts-Rock/Metal, den man sich vorstellen kann. Bei fast jedem Refrain weiß man nach der ersten Zeile, wie die nächsten klingen werden. Songwriting wie aus dem Malbuch. Aalglatt zwischen Tradition und Moderne balancierend, zwischen Shred und Plüsch, zwischen „Ich zeige, was ich kann“ und „Ich will ins Radio“. Wenn´s wenigstens geile Hooks wären. Aber das hier ist nur die Qualitätsstufe „okay“. Auch die handwerklich feinen Leads berühren einen nicht. Verantwortlich dafür ist Saki von den Nippon-Rockerinnen Mary´s Blood, die nicht nur, wie für JapanerInnen üblich, einen Hang zum Überperformen hat, sondern auch irgendwelche Flöten auspackt, die wohl ein Alleinstellungsmerkmal sein sollen, jedoch kaum Akzente setzen. Die Keyboards serviert der Tastenmann von Epica, und am Gesang ist ein unbekannter Engländer, der so stromlinienförmig klingt, dass er als Musicaldarsteller ´ne große Karriere haben könnte. Die Gastvocals von Amaranthes Elize Ryd passen da wie Arsch auf Eimer. Frédérics frühere Dragonforce-Kollegen Herman Li und Sam Totman drehen gerade witzboldige Videos, in denen sie zeigen, wie man innerhalb von zehn Minuten einen Nightwish- oder Alestorm-Track schreibt. Länger würden sie für ein AMAHIRU-Stück auch nicht brauchen. Wie begrenzt das Songwriting auf diesem Album ist, zeigt das abschließende Cover von Goblins großartigem „Dawn Of The Dead“-Smasher ´Zombi´, der kompositorisch meterweit über den eigenen Ideen steht.

Autor:
Jan Jaedike
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