Review

Reviews 7.5
Progressive Speed Metal

ALLEGAEON

Apoptosis

Label: Metal Blade/Sony
Dauer: 56:18
Ausgabe: RH 384

Spätestens mit seinem letzten Album „Proponent For Sentience“ (2016) hat sich das Colorado-Quintett ALLEGAEON weitgehend vom Death Metal entfernt. Lediglich die Vocals erinnern noch an die ursprüngliche Stilausrichtung, ansonsten ist man mittlerweile zu einer mehr als ernstzunehmenden Tech/Prog-Thrash-Combo mutiert, die sich musikalisch irgendwo zwischen Nevermore, Arch Enemy und Soilwork eingenistet hat. Technisch sind die Amis voll auf der Höhe, und die an Jeff Loomis und Michael Amott angelehnte Gitarrenarbeit (hartes, ausgetüfteltes Riffing meets Highspeed-Soli) ist wahrhaft „state of the art“. Was den Burschen leider immer noch fehlt, sind die ganz großen Hook-Momente und Refrains, die oben genannte Bands unter anderem auszeichnen. Ausnahme: die erste Videoauskopplung ´Stellar Tidal Disruption´, endlich mal ein Song mit „Hit-Potenzial“. Sänger Riley McShane variiert seine Vocals mittlerweile deutlich offensiver und setzt auch mal auf sehr ordentliche Clean Vocals (z.B. in ´Tsunami And Submergence´), die ganz tiefen Death-Metal-Growls passen nämlich nur noch bedingt zur technischen Edel-Mucke. Hier sollten ALLEGAEON in Zukunft den Hebel ansetzen.

3 Fragen an ALLEGAEON-Gitarrist Greg Burgess:

Greg, „Apoptosis“ ist euer fünftes Album, und ich gehe mal davon aus, dass du mir zustimmst, dass es euer bislang reifstes ist. Eure Kritiker sagen, dass die Death-Metal-Vocals nicht mehr zu eurem technischen, progressiven Thrash-Sound passen. Auf „Apoptosis“ sind die Vocals diesmal noch variabler ausgefallen. Wollt ihr diesen Weg zukünftig intensiver beschreiten, weg von den Growls, hin zu mehr cleanem Gesang?

»Wir würden gerne, aber es macht keinen Sinn, cleane Vocals nur der cleanen Vocals willen einzusetzen. Es gibt viele Stellen auf „Apoptosis“, wo wir überlegt haben, auf cleane Gesangsparts zu setzen, aber im Endeffekt hat es einfach nicht richtig gepasst. Manchmal klang es zu sehr nach Killswitch Engage, manchmal zu sehr nach Faith No More. Nichts gegen diese Bands, aber so wollen wir mit ALLEGAEON nicht klingen. Die Entwicklung muss natürlich voranschreiten, nicht erzwungen.«

„Apoptosis“ ist im Medizinischen eine Form von programmiertem Zelltod und hat in der Krebstherapie für Furore gesorgt. Seid ihr Kerle nun zu Medizinern und Ärzten mutiert?

»Nein, auf keinen Fall. Aber wir haben schon immer Interesse gehabt an Forschung und wissenschaftlichen Themen. Manchmal ist es einfacher, über solche Dinge zu schreiben als über persönliche Themen. Ich finde es unglaublich spannend, wie schnell sich Forschung und Wissenschaft heutzutage entwickeln. Es gibt Theorien, über die wir geschrieben haben und die vom Zeitpunkt der Aufnahmen bis zum Album-Release schon wieder komplett widerlegt wurden. Das ist doch der Wahnsinn (lacht).«

Auf eurem letzten Album „Proponent For Sentience“ hattet ihr eine überragende Coverversion von Rush (´Subdivisions´) an Bord. Gehören Rush zu euren größten Einflüssen? Werdet ihr noch immer von anderen Bands beeinflusst?

»Rush sind unglaublich, da lass ich keinen Widerspruch gelten. Wir alle sind große Rush-Fans, aber als Einfluss würde ich sie nicht listen. Rush haben Bands beeinflusst, die uns inspiriert haben, aber eine direkte Verbindung sehe ich nicht. Generell werden wir natürlich noch von anderen Bands beeinflusst. Als Künstler bist du das Ergebnis deiner Umgebung, und je mehr Bands und Künstler dich inspirieren, desto einzigartiger klingst du.«

Autor:
Patrick Schmidt
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