Review

Reviews 9.0

ALICE IN CHAINS

Rainier Fog

Ausgabe: RH 376

BMG/Warner (53:56)
Der Arschleck-Anfang des Openers ´The One You Know´, gleichzeitig die erste Strophe des Songs, ist natürlich bewusst gewählt, das abgehackte, beinahe dissonante Riffing, das erst im brillanten Refrain aufgelöst wird, irgendwo auch eine Art Augenzwinkern, ein „Wir machen´s, weil wir´s halt können!“, das sicherlich sogar Kurt Cobain gefallen hätte, hätte Kurt Cobain irgendwas gefallen. Andererseits sollte man hier jetzt nicht direkt mit Nirvana kommen, das hilft ja keinem, denn ALICE IN CHAINS waren natürlich schon immer die metallischste Grunge-Band von allen, man muss das noch mal erwähnen, wenn es EIN Album gibt, das als Bindeglied zwischen den Achtzigern und Neunzigern fungiert, ist das ja „Facelift“. Überhaupt sollte man diese Diskussion aber höchstens abschließend führen, der „Retro-Rock“, der in derselben Ursuppe rührt wie die Sabbath-Okkupationen der Grunge-Szene, wurde von der Underground-Klientel eh längst in Beschlag genommen, und ich habe in den letzten Monaten, in Gesprächen bei Konzerten oder auf Festivals, KEINE einzige Stimme unter - ächz - „Echt-Metallern“ vernommen, die zumindest die gute alte MILF Alice NICHT geil findet, und sei es nur hinter vorgehaltener Hand.
Erwähnenswert ist das an dieser Stelle nicht, weil ALICE IN CHAINS nach mehr als fünf Jahren Pause generell mit einem neuen Album am Start sind, erwähnenswert ist das vor allem deshalb, weil ich mir nicht sicher bin, ob es sich bei „Rainier Fog“ nicht tatsächlich um ALICE IN CHAINS´ beste Platte überhaupt handelt, denn natürlich wird „Rainier Fog“ niemals die popkulturelle Relevanz des 1992er Schlüsselwerks „Dirt“ innehaben, aber im Gegensatz zu „Dirt“, das bei allen Hits ja auch zwei, drei echt langweilige, zähe Füller enthält, geht „Rainier Fog“ nach 54 Minuten als komplett konzentriertes (Alters-)Werk über die Ziellinie, das in seiner zweiten Hälfte mit u.a. dem entspannten Rocker ´Maybe´, dem Hookline-Monster ´Never Fade´ und dem hochemotionalen Abschluss ´All I Am´ sogar noch zulegt, selbst 30, 40 Durchgänge sind kein Problem, es bleibt tatsächlich spannend. Als Anspieltipp für Altfans sollte mit dem Proto-Doomer ´Red Giant´ trotzdem ein anderer Song fungieren - ein Stück nicht nur so geschmackvoll wie Cantrells Signature-Gitarre und DuValls Super-Vocals, sondern auch so gekonnt wie das wunderbare Artwork, welches alleine den Kauf der Vinyl-Version rechtfertigt.
„Rainier Fog“? Das bisher beste Album des Jahres! (Natürlich hinter Ghost.)

DISKOGRAFIE (Alben)

Facelift (1990)
Dirt (1992)
Alice In Chains (1995)
MTV Unplugged (live, 1996)
Live (2000)
Black Gives Way To Blue (2009)
The Devil Put Dinosaurs Here (2013)
Rainier Fog (2018)


LINE-UP

William DuVall (v./g.)
Jerry Cantrell (g./v.)
Mike Inez (b.)
Sean Kinney (dr.)


DIE PATEN

Wer auf folgende Acts steht, dürfte auch „Rainier Fog“ in sein Herz schließen:

Soundgarden * Black Sabbath * Mother Love Bone * Metallica * Temple Of The Dog * Mad Season * Nirvana * My Sister´s Machine * Screaming Trees * Tool * Pearl Jam * Kyuss * Down * Clutch * Pantera

Autor:
Boris Kaiser

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