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ALICE IN CHAINS

Live

Ausgabe: RH 165

(66:11) Diese Live-Scheibe präsentiert eine der besten Bands der Grunge-Welle so, wie sie wirklich ist (oder eher war, man hört ja so gut wie nix mehr von ihr): mal genial, mal total von der Rolle, mal wohltuend harmonisch, mal dilettantisch krachig. Mit Ausnahme der "nur" guten dritten CD "Alice In Chains" haben die Seattle-Nasen ausschließlich famose Scheiben abgeliefert, live kam's bei ihnen aber immer auf die Tagesform an. "Live" enthält Ausschnitte aus diversen Gigs zwischen '90 und '96, bei denen Heroinheuler Layne Staley absolut phantastische, zweistimmige Gänsehaut-Vocals mit Gitarrist Jerry Cantrell durch die P.A. jagt, nur um beim nächsten Lied übel neben der Spur zu liegen. Die sechs von der BBC '93 in Glasgow mitgeschnittenen Tracks (das Herz dieser Compilation) sind soundtechnisch ohne Fehl und Tadel, während bei anderen Gigs das Schlagzeug wie eine brüchige Pappschachtel vor sich hin knistert - ein einheitliches Klangniveau sucht man hier vergeblich, was die Platte aber nur authentischer macht. Die Songauswahl stimmt hingegen von vorne bis hinten, da von 'Angry Chair' über 'Man In The Box', 'Rooster', 'Would?' und 'Them Bones' bis hin zu 'Dam That River' fast alle Hits der ersten beiden Longplayer in Szene gesetzt werden und der geneigte Fan darüber hinaus mit 'Queen Of The Rodeo' und 'A Little Bitter' noch zwei auf keinem Album zu findende Tracks vorgesetzt bekommt. Und natürlich ist die Ketten-Alice auch in ihren vernebeltsten Momenten immer noch gut genug, um diesen Einstünder nicht aus der Kategorie "für treue Anhänger auf jeden Fall akzeptabel" herausrutschen zu lassen.

Autor:
Michael Rensen
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