Review

Reviews 8.0

ALICE IN CHAINS

Black Gives Way To Blue

Ausgabe: RH 269

EMI

VÖ: 25.09.

Was von den anderen Grunge-Giganten (Nirvana, Soundgarden, Pearl Jam) noch übrig ist, macht heutzutage entweder gar keine oder deutlich andere Musik als Anfang der 90er. Nur ALICE IN CHAINS scheinen sich durch ein Zeitloch in die Gegenwart gemogelt zu haben. „Black Gives Way To Blue" klingt wie ein zeitnaher Nachfolger der letzten, selbstbetitelten Scheibe von 1995, allerdings glücklicherweise ohne plumpe Selbstzitate und dick aufgetragene Retro-Politur. Jerry Cantrells superbe Riffs - der Kerl ist immer noch der unangefochtene Tony Iommi des Grunge - walzen nach wie vor wie ein Bastard aus alten Black Sabbath, Blue Öyster Cult und depressiver Schwärze durch die Nacht, doch sie klingen noch schwerer, differenzierter und intelligenter miteinander verzahnt als früher. Am überraschendsten ist jedoch der Gesang. Cantrell und Neuzugang William DuVall schaffen es mit vereinten Kräften und den typisch melancholischen ALICE IN CHAINS-Melodielinien, den verstorbenen Layne Staley wenn nicht zu ersetzen, so doch zumindest würdig zu vertreten. Der von einem leicht dissonanten Bending-Riff angetriebene Überhit ´Check My Brain´ und die grandiosen Gänsehautballaden ´Your Decision´ und ´When The Sun Rose Again´ erreichen problemlos das Niveau der besten Bandklassiker, und auch der Rest der CD schlägt alles, was die zweite Grunge-Generation in die Welt gebläht hat, um Längen, denn selbst den erfolgreichsten Kopisten fehlt das, was ALICE IN CHAINS im Überfluss besitzen: Seele und Atmosphäre. „Black Gives Way To Blue" ist neben dem Chickenfoot-Debüt die zweite ganz, ganz große Revival-Überraschung des Jahres!

Autor:
Michael Rensen
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