Review

Reviews 9.0
Classic Rock Hard Rock

ALICE COOPER

Detroit Stories

Label: Earmusic/Edel
Dauer: 50:18
Ausgabe: RH 405

Es mag wie eine Plattitüde klingen, wenn man behauptet, dass es niemandem so gut gelingt, sich immer wieder neu zu erfinden, wie Großmeister ALICE COOPER. Aber tatsächlich ist das neue Album „Detroit Stories“ geradezu ein perfekter Anker für den gebürtigen Autostädter, um noch einmal sein gesamtes musikalisches Spektrum auszuleuchten. Die „Breadcrumbs“-EP von 2019 bot bereits einen gewissen Vorgeschmack, jetzt also das vollständige Album mit satten 15 Songs (und einer ganzen Menge helfender Hände). Wo soll man bloß anfangen? Vielleicht gleich beim Opener. Als Eröffnungsstück hätte womöglich auch die Neuaufnahme von ´Detroit City´ ganz gut funktioniert. Letztendlich fiel die Wahl freilich auf ´Rock & Roll´ aus der Feder von The Velvet Underground, eine von gleich drei Coverversionen des Albums (die anderen beiden sind ´Sister Anne´ von MC5 sowie am Ende ´East Side Story´, ein ganz früher Song aus der Feder von Bob Seger). Bei ´Hail Mary´ und vor allem ´Shut Up And Rock´ wird so gerockt, wie wir das etwa von „Trash“ kennen - vielleicht nicht ganz so bubblegum-süßlich. ´Go Man Go´ und ´I Hate You´ lassen eindeutig die Handschrift von Wayne Kramer erkennen, zwei packende Ausflüge in Proto- respektive ´77-Punk-Gefilde. Das zum Schmunzeln anregende ´Independence Dave´ klingt wie eine Kreuzung aus ZZ Top und der „Rocky Horror Picture Show“, während ´Drunk And In Love´ ein herrlich abgefuckter Blues-Rocker (allerdings mit lyrischem Tiefgang) ist - hier blüht die Kunstfigur ALICE COOPER richtig auf. Mit ´$1,000 High Heel Shoes´ geht man sogar noch einen Schritt weiter, indem R&B mit Soul und Funk kombiniert wird, es gibt eine ganze Menge Blech um die Ohren. Im Gegensatz dazu kommt ´Hanging On By A Thread (Don´t Give Up)´ gänzlich ohne Pauken und Trompeten aus, der Hoffnungsmacher zur Covid-19-Pandemie. Aber Balladen konnte Alice ja schon immer gut.

Wie schon im Falle von Deep Purple ist auch bei „Detroit Stories“ der Einfluss von Bob Ezrin nicht hoch genug einzuschätzen. Der gebürtige Kanadier hat nicht nur das Klangkostüm der Platte entworfen, sondern auch am Konzept mitgefeilt und aktiv zum wirklich herausragenden Songwriting beigetragen.

Autor:
Matthias Mader
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