Review

Reviews 8.5
Black Metal Progressive

ALCEST

Spiritual Instinct

Label: Nuclear Blast/Warner
Dauer: 40:59
Erscheinungsdatum: 25.10.2019
Ausgabe: RH 390

Lobeshymnen hat Neige mit seinem Kumpel Winterhalter in diesem Magazin schon etliche kassiert, meistens mit dem Hinweis versehen, dass die Massen für diese Art von Musik noch nicht bereit sind. Man wird sehen. „Spiritual Instinct“ erscheint nach einer immer erfolgreicheren Untergrund-Karriere unter Mithilfe von Prophecy Productions nun bei Nuclear Blast, und das Auftaktdoppel ´Les Jardins De Minuit´ und ´Protection´ dürfte unumstritten zum besten Metal dieses Jahres gehören. 14 Minuten harte Riffs, Abwechslung und bestechende Melodien. Dass die Band trotz des Labelwechsels stur ihrem Konzept treu bleibt, spricht für sie. Der schamanenhafte Gesang und das Postrock-Geschrammel gehören zu ALCEST wie der Black-Metal-Blastbeat und die eleganten Delay-Gitarren aus der Killing-Joke-Schule. Noch interessanter als diese Stilmittel ist das Songwriting, das entweder gekonnt psychedelisch anmutende Klangwände auftürmt oder die wenigen Wiederholungen gerade mal in unterschiedlichen Tempi zulässt. Mit dem fast schon düsterpoppigen ´Sapphire´ und dem subtilen Zwischenspiel ´Le Miroir´ finden sich auf dem kurzweiligen Sechserpack zudem zwei originelle Verschnaufpausen. Der Rest des Albums ist ein fließender Strom an stimmungsvollen Klängen, die mitunter in wilden Kaskaden in die Tiefe stürzen oder von berührender Schönheit sind. Ein Vergleich, der den französischen Naturmystikern bestimmt gefallen würde. Tatsächlich haben sich ALCEST über die Jahre ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet. Man kann sie in der Tradition von Bands wie Tiamat oder Anathema sehen und liegt doch zur Hälfte daneben, weil das sinfonische Element des Black Metal und der betont zarte Gesang als Kontrast wichtige Bausteine des ALCEST-Universums sind. Vielleicht ist es besser, weniger zu beschreiben, als die mitunter soundtrackartige Musik auf sich wirken zu lassen. Innere Einkehr anstelle von Kickbox-Training. Gelegenheit dazu bietet diese Rock-Hard-Ausgabe ja. Eine hochoriginelle Band, die in einem Ozean immergleicher Standard-Musik wie eine einsame Insel heraussticht.

Autor:
Holger Stratmann
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