Review

Reviews 8.5

AHAB

The Divinity Of Oceans

Ausgabe: RH 267

AHAB

The Divinity Of Oceans

Napalm/SPV (67:34)

Auch auf dem mit Spannung erwarteten Nachfolger zu ihrem grandiosen Debütalbum vertonen AHAB die Grausamkeiten und Wunder der Ozeane, diesmal anhand literarischer Vorlagen von Nathaniel Philbrick und Owen Chase. Mit tiefgestimmten Gitarren, düsteren Growls und (manchmal) klaren Vocals pinseln AHAB tiefste Verzweiflung, nacktes Grauen und erhabene Finsternis auf die Innenseite eurer Augenlider. Ein depressiver Klang-Tsunami vom Feinsten. Zwar reichen die Songs nicht ganz an die Intensität des Erstlings heran, dafür ist der Sound umso wuchtiger und brutaler und verwandelt die kleine fanatische Funeral-Doom-Armee in sabbernde, lichtscheue Seeungeheuer, die dieses Kleinod mit ihren Tentakeln gierig in ihre nassen, schwarzen Wohnhöhlen zerren. Ahoi!

3 Fragen an AHAB-Gitarrist Christian Hector:

„Doom ist die Seele des Metal.“ Würdest du damit übereinstimmen, und was bedeutet dir diese Musikrichtung persönlich?

»Nein, nicht wirklich. Es gibt zu viele Bands anderer Metal-Subgenres, die für mich ebenso „die Seele des Metal“ grandios einfangen, und auch zu viele Doom-Bands, denen das überhaupt nicht gelingt. Wir haben genug Engstirnige, die anderen Musikrichtungen die Seele absprechen. Im Falle AHAB ist zwar der Generalkurs Doom, doch wir sind zu sehr auch vom klassischen Death Metal und anderen Stilen beeinflusst, als dass ich dem Statement zustimmen könnte, ohne heuchlerisch zu klingen. Funeral-Doom ist für mich eher eine Grundstimmung, Musik mit meditativem Charakter. Den strengen Regeln, die angeblich für diese Musik gelten, möchten wir uns nicht beugen. Extremer Doom ist außerdem ein eigenes Universum innerhalb des Metal, das den meisten noch recht unbekannt ist. Das ist für mich das Interessante an diesem Subgenre. Es gibt immer noch viel zu entdecken.«

Eure Lyrics drehen sich immer um literarische Vorlagen, die sich mit dem Walfang und der Seefahrt beschäftigen. Waren es die Bücher oder die geheimnisvollen Abgründe der See, die euch zu dieser Wahl inspirierten?

»Beides. Zum einen passt das Motiv der „Abgründe der See“ perfekt zu unserer Musik. Zum anderen stand bei AHAB am Anfang der Jahrhundert-Roman „Moby Dick“. Wir sind auch leidenschaftliche Geschichtenerzähler. Beim Schreiben der neuen Platte hat sich Daniel (Droste; v./g.) eng an den Beschreibungen der Bücher „Der Untergang der Essex“ und „In The Heart Of The Sea“ orientiert. Darum klingt die neue Platte auch anders als unser Debüt. „The Call Of The Wretched Sea“ ist eine fiktive Geschichte; „The Divinity Of Oceans“ handelt dagegen von wahren Begebenheiten: dem Tabu des Kannibalismus unter Schiffbrüchigen.«

Kannst du dir vorstellen, dass eine Doom-Band wie AHAB mal so richtig groß wird? Welche Erwartungen hast du an euren Werdegang?

»Ich denke, das kommt auf den Zeitgeist an. Wer den Nerv der Zeit trifft, kann durchaus bekannt werden. Ob extremer Doom ein solches Momentum entwickeln kann, sei dahingestellt. Als Band hat man ohnehin sehr wenig Einfluss. Wenn sich Erfolg einstellt, sagt keine Band nein oder löst sich auf. Eines kann ich jedenfalls sagen: Ich finde es völlig okay, wenn extremer Doom sein kleines Refugium am Rande des Metal behaupten kann. Trotzdem sind wir weit davon entfernt, Bands anzufeinden, die Erfolg haben. Ich kann diese Ausverkauf-Schreier überhaupt nicht leiden.« (bc)

Autor:
Bruder Cle

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