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Hardcore

AGNOSTIC FRONT

The Godfathers Of Hardcore

Label: McFarland & Pecci Films
Ausgabe: RH 383

Auch wenn man anderes vermuten könnte: „The Godfathers Of Hardcore“ ist keine weitere New-York-Hardcore-Doku. Genauer betrachtet ist es nicht mal ein Film über Agnostic Front. Regisseur Ian McFarland porträtiert in erster Linie Frontmann Roger Miret. Selbst Gitarrist Vinnie Stigma (immerhin das einzige Originalmitglied) spielt nur die zweite Geige und vervollständigt – genau wie andere gegenwärtige und ehemalige AF-Musiker, Familien und Freunde – vor allem das Bild, das der Film von Miret zeichnet. Roger (eigentlich Rogelio de Jesus Miret) emigriert als Kind von Kuba nach New York, flieht als Teenager vor seinem gewalttätigen Stiefvater, lebt auf der Straße und in besetzten Häusern, findet Anfang der Achtziger mit AF und der gerade startenden HC-Szene ein neues Zuhause. Er wird viel zu früh selbst Vater, versucht seine junge Familie als Drogenkurier zu ernähren und landet im Knast. Nach der Entlassung werden AF kontinuierlich erfolgreicher. Roger bleibt der Band immer treu, zieht jedoch nach Arizona, schraubt dort an Autos rum, gründet eine neue Familie, erleidet eine Herzattacke und trägt inzwischen einen Herzmonitor. McFarland zeigt Roger sehr privat – im Vergleich zu Stigma, der auch mit Mitte 60 wie ein ewiges Kind wirkt, regelrecht introvertiert, nahezu depressiv, zugleich immer unter Strom stehend. McFarland ist Beobachter, nicht sensationsheischend, sondern im klassischen Sinne dokumentierend, was dem gesamten Film seinen Stempel aufdrückt. Die Musik bleibt eher Nebensache. Die Prügel-Pit-Fraktion der Szene wird „The Godfathers…“ langweilig finden. Im Gegenzug muss man sich kein bisschen für Hardcore interessieren, um diesen Film zu mögen.

Autor:
Jan Jaedike
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