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REVIEW 8.0 26.05.2021

(Album, RH 408, 2021)

HELLRYDER - The Devil is A Gambler

Wer sich nicht in der Tiefe mit der Geschichte von Grave Digger beschäftigt hat, wird möglicherweise gar nicht wissen, dass deren Frontmann Chris Boltendahl auch in der Vergangenheit immer mal wieder abseits seiner Hauptband wilderte: Hawaii brachten es nach dem zwischenzeitlichen Aus von Grave Digger gegen Ende der Achtziger zwar lediglich zu einem Demo, aber mit The Fyredogs veröffentlichte der Shouter 2010 eine reinrassige Rock´n´Roll-Platte. In diese Kerbe schlägt nun auch das HELLRYDER-Debütalbum „The Devil Is A Gambler“. Der Vierer, der neben Boltendahl aus Grave-Digger-Gitarrist Axel Ritt sowie Steven Wussow (b., Orden Ogan) und Schlagzeuger Timmi Breideband (ex-Bonfire/Freedom-Call) besteht, tönt wie eine Mischung aus Motörhead und Black Label Society, garniert mit einem leichten Pantera-Touch. Abseitig genug, um nicht unter dem Grave-Digger-Label zu firmieren, im Kern aufgrund des unverkennbaren Stils der Protagonisten aber dennoch eindeutig wiedererkennbar. Chris singt ein ganzes Stück räudiger als bei den Totengräbern, was wunderbar zum rotzigen Touch der Produktion passt. Schickes Debüt, das demnächst auch auf den Bühnen der Republik stattfinden soll - und somit keinesfalls nur Projektcharakter hat. 3 Fragen an HELLRYDER-Frontmann Chris Boltendahl: Chris, wie ist es zur Gründung von HELLRYDER gekommen? Der Gedanke, neben Grave Digger eine Nebenspielwiese aufzumachen, bei der mit Axel Ritt auch ein Musiker aus deiner Hauptband mitmischt, erscheint erst mal nicht naheliegend. »Die Idee hatten Axel und ich im Grunde genommen schon 2017. Wir hatten für „Ballads Of A Hangman“ eine Coverversion des Motörhead-Klassikers ´Overkill´ aufgenommen, auf „Return Of The Reaper“ und „Exhumation“ stand jeweils ein Track, mit dem wir uns vor Lemmys Schaffen verbeugt haben. Diese Stücke aufzunehmen, hat uns enorm viel Spaß gemacht, weil Motörhead uns beide sehr geprägt haben. Der Gedanke, ein komplettes Album in dieser Richtung zu machen, lag also nahe.« Mit The Fyredogs warst du vor gut zehn Jahren schon mal in einer etwas rock´n´rolligeren Richtung unterwegs. Er lacht: »Stimmt. Ich hätte immer mal wieder gerne eine Reunion mit den Jungs an den Start gebracht, aber das hat leider nicht geklappt. Der Buchstabe „Y“ im Bandnamen von HELLRYDER ist in gewisser Weise eine kleine Hommage an Fyredogs-Tage. Axel und ich hätten eigentlich schon gerne früher losgelegt, hatten aber zu viel mit Grave Digger um die Ohren. Und dann kam die Pandemie, das änderte alles. Wir hatten auf einmal viel Freizeit.« Wie sind die anderen Mitglieder zur Besetzung gestoßen? »Steven Wussow ist ein alter Freund von Axel. Wir fragten ihn schon vor einigen Jahren, ob er Bock hätte, mitzumachen, damals lehnte er aber ab. Als es jetzt konkret wurde, haben wir ihn einfach mit alten Nacktfotos gezwungen (er lacht wieder). Timmi Breideband kannte ich von der „Bonfire & Friends“-Tour. Er ist nicht nur ein toller Typ, sondern auch ein unglaublicher Drummer - der deutsche Tommy Lee. Die beiden haben nicht nur das Album mit uns eingespielt, sondern sind auch in den Videos dabei, und sobald es wieder möglich ist, werden wir HELLRYDER auch live an den Start bringen.« (jp)

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REVIEW 26.05.2021

(Album, RH 408, 2021)

AMORPHIS - Live At Helsinki Ice Hall

Livealben sind heutzutage ein nettes Andenken an bessere Zeiten, als Konzerte noch nicht der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen sind. „Live At Helsinki Ice Hall“ wird von der Plattenfirma zwar als „eine Reise durch die Vergangenheit“ angepriesen, in der AMORPHIS „ihre besten Songs der letzten 30 Jahre zeigen“. Das Ergebnis ist dann aber doch ein anderes. Wenn Musiker von ihren aktuellen Outputs überzeugt sind, gehen bei der Setlist-Gestaltung gern mal die Gäule mit ihnen durch. Von 15 Tracks stammen sechs vom letzten Longplayer „Queen Of Time“, zwei weitere Nummern gesellen sich vom 2017er Vorgänger „Under The Red Cloud“ hinzu. Viel Platz für einen umfassenden Karriererückblick bleibt da nicht. Summa summarum beschränkt man sich bei der Songauswahl auf sechs der 13 veröffentlichten Longplayer. So vermisst man nicht nur eine gute Portion des Frühwerks, auch die meisten Tomi-Joutsen-Alben, die nach der 2010er Live-Auslese „Forging The Land Of Thousand Lakes“ veröffentlicht wurden, sind unterrepräsentiert. An der Performance gibt es hingegen nicht viel zu mäkeln, AMORPHIS sind live sowohl instrumental als auch stimmlich in der Lage, ihre Kompositionen nahe an der Albumvorlage abzubilden. Der Hall des großen Aufnahme-Ortes ließ sich im Mix allerdings nicht komplett eliminieren, während die Publikumsreaktionen kaum zu vernehmen sind. Ein solides Livealbum, aber kein Must-have. 3 Fragen an AMORPHIS-Gitarrist Tomi Koivusaari: Tomi, warum stammen stattliche sechs der 15 Tracks auf „Live At Helsinki Ice Hall“ von eurem letzten Album „Queen Of Time“? Das lässt nicht viel Platz für Hits und versteckte Perlen aus eurem Backkatalog. »Wir haben so viele „Queen Of Time“-Songs dargeboten, weil die Show auf der dazugehörigen Tour aufgenommen wurde. Wir spielen von unserem aktuellen Werk immer mehr Lieder, denn sonst würden wir ja stets mit einem Best-of-Programm durch die Lande tingeln. Ich halte „Queen Of Time“ aber auch für ein starkes Album, und die Songs lassen sich super live spielen. Zum Zeitpunkt des Gigs hatten wir noch keine Veröffentlichung der Aufzeichnung geplant. In der Zukunft können wir vielleicht weitere Live-Veröffentlichungen angehen, bei denen auch gefilmt und ein breiteres Spektrum an Songs geboten wird.« Welche Erfahrungen habt ihr mit den beiden Live-Streams gesammelt, die ihr im Juni 2020 absolviert habt? »Einerseits war es großartig, dass wir nach so vielen Absagen überhaupt auftreten konnten. Andererseits muss ich zugeben, dass es eigenartig war, ohne Publikum zu spielen. Aber wir hatten unseren Spaß bei der Sache, auch wenn der erste Gig um 15 Uhr startete und der nächste am selben Abend um 21 Uhr über die Bühne ging.« Ihr habt im Oktober 2020 in Finnland auch einige Gigs vor Publikum gespielt. Wie wurde das in Pandemie-Zeiten umgesetzt? »Der erste Gig war ein Rock-Festival in Pori. Ich weiß nicht genau, wie das Corona-konform organisiert wurde, aber ich glaube, in dem Teil von Finnland war die Lage damals nicht so schlimm. Zudem wurden besondere Vorkehrungen wie eine Limitierung der Zuschauermenge und die Prüfung des Sicherheitsabstandes durchs Sicherheitspersonal getroffen. Außerdem haben wir noch einige Gigs zu unserem 30-jährigen Jubiläum im Tavastia-Club absolviert. Am ersten Abend haben wir Material von 2010 bis 2020 gespielt, am zweiten waren Songs von 2000 bis 2010 dran, und der dritte Abend wurde mit Liedern aus der Zeit von 1990 bis 2000 bestritten. Die Kapazität der Halle wurde halbiert, die Zuschauer mussten Abstand halten und Masken tragen. Damit jeder, der im Vorfeld ein Ticket erworben hatte, auch die Gelegenheit bekam, uns live zu sehen, sind wir an allen drei Abenden jeweils zweimal aufgetreten. Die Fans haben die Maßnahmen sehr ernst genommen, weshalb alles gut lief. Aber es war natürlich schon seltsam, in ein völlig maskiertes Publikum zu blicken, das in kleinen Grüppchen verteilt in der Halle stand. Letztlich war es aber das Beste, was sich aus der Situation machen ließ, weshalb wir die Gigs als Erfolge verbuchen.« (rb)

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