ReviewAlbum des Monats

Band
BLUES PILLS 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #327 
Titel
Blues Pills 
Erscheinungsjahr
2014 
Note
9.0 

Nuclear Blast/Warner (42:46)
„Bei BLUES PILLS bin ich mir nicht sicher, ob die Musik mit hässlicher Sängerin noch genauso gut wäre“, schrieb mir vor ein paar Wochen ein hochgeschätzter Kollege (er heißt Jan Wigger), aber ein einziger Durchlauf des Debütalbums, das nun ENDLICH vorliegt, genügt, um alle Zweifel zu zerstreuen. Machen wir uns nichts vor: Es ist schwierig, bei dieser Band die sehr natürliche und gerade deswegen umwerfende Optik von Elin Larsson außen vor zu lassen - aber das Aussehen steht wohl selbst bei den größten Machos nie im Mittelpunkt. Was staunen lässt, ist das Selbstbewusstsein der jungen Schwedin, ihre eigene Art, die Errungenschaften der Großen aus Rock, Blues und Soul anzunehmen und daraus - schon jetzt - einen eigenen Ausdruck zu kreieren, der in den harten, kurz vor dem Überschlagen stehenden Momenten ähnlich beeindruckend anmutet wie in den ruhigen, nachdenklichen, vielleicht noch schwierigeren Passagen. Ob das wirklich einen Vergleich mit Janis Joplin zulässt, wie er oft zu lesen ist: geschenkt. Mich erinnert Elins Herangehensweise sowieso mehr an die der zu ihren Hochzeiten unglaublich guten Inga Rumpf, ihres Zeichens u.a. Frontfrau von Frumpy, deren vier Siebziger-Alben für Genrefans unverzichtbar sind.
Aber „Blues Pills“ offeriert noch viel mehr als Larssons Gesang: Alleine der offene, geschmackvolle Gitarrensound des französischen Wunderknaben Dorian Sorriaux, der gerade sein Abi macht, ist das Geld wert, und dann haben wir noch nicht über die Songs gesprochen. Wenn man feststellt, dass das an neunter Stelle platzierte ´Gypsy´, ein Chubby-Checker-Cover, eher verzichtbar wirkt, ist das keine Kritik, sondern es zeigt, wie umwerfend der komplette Rest ist. Von den energetischen Stücken (und wir reden hier in der Tat von HARDrock!) stellt das bereits jedem bekannte ´Devil Man´ nicht mal den Fixpunkt dar, denn der Opener ´High Class Woman´ wird sich als noch langlebiger entpuppen, und ´Ain´t No Change´ (hört es LAUT!) hat die beste Hookline der bisherigen (zugegebenermaßen noch überschaubaren) Bandgeschichte. Die zurückhaltenderen Songs, die von alten Seelen in jungen Körpern künden, gehen dagegen sehr zu Herzen: ´River´, ´No Hope Left For Me´ oder ´Astralplane´ sind mehr als „nur“ gelungene, nun ja, Balladen, es sind Talentproben, nein: Meisterbriefe, die diese Band auch im Mainstream richtig, richtig erfolgreich machen könnten.
„It´s better to burn out than to fade away“? Vielleicht. Noch größer wäre es allerdings, einer ganzen Szene dauerhaft Licht zu spenden. Eine Mammutaufgabe liegt vor euch, BLUES PILLS!

DISKOGRAFIE
Bliss (EP, 2012)
Black Smoke (Single, 2012)
Devil Man (EP, 2013)
Live At Rockpalast (Live-EP, 2014)
Blues Pills (2014)


LINE-UP
Elin Larsson (v.)
Dorian Sorriaux (g.)
Zack Anderson (b.)
Cory Berry (dr.)


DIE PATEN
Ihr solltet „Blues Pills“ anchecken, wenn ihr auf folgende Bands steht:

Frumpy * Graveyard * Horisont * Rival Sons * Zodiac * Scorpion Child * Kadavar * The Vintage Caravan * The Temperance Movement * Samsara Blues Experiment * The Tower * Janis Joplin * Led Zeppelin * Orchid * Witchcraft * Free * Bad Company


Boris Kaiser 9.0

AMAZONEMPFEHLUNG