ReviewAlbum des Monats

Band
NEVERMORE 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #161 
Titel
Dead Heart In A Dead World 
Erscheinungsjahr
2000 
Note
9.5 

"How did it come to this?", fragt Warrel Dane im Opener 'Narcosynthesis'. Keine Ahnung. Fakt ist allerdings, dass sich die Seattle-Metaller auf ihrem nunmehr vierten Album nochmals steigern konnten und ihre bisher ausgereifteste Scheibe vorlegen. Die Gitarren braten modern, verlassen aber nie metallische Pfade und klingen so heavy wie noch nie. Die Rhythmusfraktion pumpt wie Ralf Möller in seinen besten Zeiten, und Warrel Dane selbst zeigt sich erneut als musikalisches Chamäleon. Der charismatische Frontmann singt, schreit und wimmert sich durch die elf Tracks wie ein Psychopath und schafft es ohne Probleme, die gesamte Gefühlspalette umzusetzen. Den Boden bereitet ihm dabei das superbe Songwriting. 'Narcosynthesis' ist der vertrackte Opener, 'We Disintegrate', 'Inside Four Walls' oder 'The River Dragon Has Come' sind typisches und anspruchsvolles NEVERMORE-Kraftfutter, kommen aber eine Ecke eingängiger als in der Vergangenheit über den Teich. Dazu haben die melancholischen Vier mit 'The Sound Of Silence' den alten Simon & Garfunkel-Klassiker komplett zerstört, um ihn danach Stück für Stück zu einem eigenen Track zu machen. Als Anspieltipps sollten dagegen die beiden fast schon depressiven, nihilistisch angehauchten 'Evolution 169' und 'The Heart Collector' herhalten. Ersteres erinnert von der Atmosphäre her an allerbeste Psychotic Waltz-Sternstunden, und der "Herzsammler" ist das, was man gemeinhin als "Hit" bezeichnet. Zusammen mit 'In Memory' die besten Songs, die Dane, Sheppard, Loomis & Williams bisher verbrochen haben. "Dead Heart In A Dead World" bewegt, begeistert und macht nachdenklich. Das Meisterstück einer der begnadetsten Bands der Gegenwart.


Boris Kaiser 9.5

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