RH #366Titelstory

TYPE 0 NEGATIVE

Grün war die Hoffnung

Peter Steele

Vor genau zehn Jahren erschien das letzte Album von TYPE 0 NEGATIVE, einer der schillerndsten und einflussreichsten Bands der neunziger Jahre. Ihre Karriere war von unglaublichen Höhen und noch tristeren Tiefen gekennzeichnet – eine Achterbahnfahrt, die mit dem Tod von Fronthüne Peter Steele ihr jähes Ende fand.

1. Juli 2007, Zagreb, Boogaloo Club.

Es ist ein heißer Sommertag in der kroatischen Hauptstadt, und in der stickigen Location in der Nähe des Stadtzentrums steht die Luft. Erstmals werden TYPE 0 NEGATIVE in dem Land ein Konzert geben, die Stimmung ist dementsprechend aufgeregt, auch Besucher aus den Nachbarländern, Italien und Österreich haben sich angesagt. Die circa 1.500 Fans warten. Und warten. Dann gehen die Lichter aus, Jubel brandet auf – und aus der P.A. dödelt der Vogeltanz in einer nervenzerfetzenden Bontempi-Version. 20, 30 Minuten geht das in einer Dauerschleife so dahin, einige Fans verlassen den Club, die ersten Bierbecher fliegen auf die Bühne, bis schließlich eine höllisch laute Feedback-Orgie dem Spuk ein Ende bereitet. Peter Steele wankt auf die Bretter, schnauft, hält sich am Mikrofonständer fest, schaut kurz in die Menge – und verlässt die Bühne. Nach zehn Minuten Ratlosigkeit und Stille (immerhin ohne Vogeltanz) kommt er schließlich in Begleitung der anderen Bandmitglieder doch noch zurück, knurrt ein kurz angebundenes „Sorry for that!“ ins Mikrofon, und los geht es mit dem Beatles-Cover ´Magical Mystery Tour´, das allerdings kaum jemand erkennt. Auch bei Eigenkompositionen wie ´Profits Of Doom´ oder ´These Three Things´ muss man sich mitunter fragen, was hier eigentlich gespielt wird, und der Gig scheint ständig auf der Kippe zu stehen, woraus er eine eigentümlich fragile Spannung bezieht. Petes Shirt ist von der ersten Minute an durchgeschwitzt, oft lallt er neben der Spur, wirkt desorientiert, beschimpft seinen Roadie – bis er schließlich ganz am Ende doch noch zurück in den Ring findet. Mit zwei Hammerversionen von ´Christian Woman´ und ´Black #1´ verabschiedet er sich. Es wirkt wie eine abschließende Ironie, eine Andeutung, was denn alles hätte sein können an diesem Abend. ...

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