RH #362Interview

SAMSARA BLUES EXPERIMENT

Elektrische Magie

Samsara Blues Experiment

Einige Millionen YouTube-Clicks haben SAMSARA BLUES EXPERIMENT nicht davon abhalten können, weiterhin unabhängig zu bleiben, den Do-It-Yourself-Gedanken zu pflegen, klangliche Abenteuerreisen zu veranstalten und dem Musikgeschäft den harzverklebten Stinkefinger entgegenzustrecken. Ganz im Gegenteil – man fühlt sich bestätigt und im Einklang mit dem Universum.   

Lang ist´s her, dass ich eine zweimal achtstündige Autofahrt in Kauf genommen habe, um eine einzelne Band zu sehen, aber die Doppelshow von SAMSARA BLUES EXPERIMENT musste sein. Das vierte Album der Berliner Stoner/Psych/Progressive-Institution, „One With The Universe“, ist ein Monolith des Genres. Gerade weil das Werk musikalisch komplex und ausladend ist, aber gleichzeitig auch gefühlsbetont, ehrlich und dynamisch (von zart bis hart) Gegensätze vereint. Es ist sowohl das Gegenteil von den im Progressive-Bereich üblichen Fingerübungen als auch von den im Hippie-Stoner-Rock bekannten Zwei-Ton-Räuschen, die mit Effekten schöngemalt werden. Ein musikalisches Wagnis, das allerdings bereits auf einer beeindruckenden Serie von drei guten bis sehr guten Alben aufbaut. Und doch gehört zu einer solchen Lobpreisung auch die livehaftige Überprüfung. Nach der Reduktion auf Trio-Größe (Ex-Bassist Richard Behrens produziert die Band nur noch, Gitarrist Hans Eiselt ist an den Tieftöner gewechselt) hatten SBE zunächst Mühe, den Breitwand-Sound der Vergangenheit zu reproduzieren. Doch dass sich die Band damit inzwischen bestens arrangiert hat, zeigt bereits die erste Show im Kino „Zukunft am Ostkreuz“ Mitte Mai. In diesem alternativen, mit schönem Open-Air-Bereich umgarnten Künstlertreff präsentieren SBE eine Vertonung des weltberühmten Stummfilm-Epos „Metropolis“ von Fritz Lang. Typisch für das zurückhaltende Trio: Der Film steht im Vordergrund, die Band spielt links und rechts von der Leinwand im Dunklen. Am nächsten Tag wird das zehnjährige Bandjubiläum im ausverkauften Club gefeiert. Von allen Fesseln befreit, spielen sich SBE in einen knüppelharten Rausch. Drummer Thomas Vedder (ist er mehr John Bonham oder mehr Bill Ward?) und Bassist Eiselt verschmelzen zu einer dichten Soundwand, auf der Gitarrist/Sänger Christian Peters, der mit seiner neu entdeckten Liebe für Synthesizer den im Ausland beliebten Krautrock-Faktor weiter hochschraubt, eigentlich fast tun und lassen kann, was er will. Die Zweifel sind am Ende jedenfalls beseitigt, SBE funktionieren als Trio bestens und können in ihrer Sound-Nische weiterhin die Welt erobern. Beim Desertfest in London hat man schon das Underworld als Headliner beschallt, in Südamerika und Asien leckt man sich die Finger nach weiteren Shows. Solche Erfolge jucken die Band allerdings kaum. „One With The Universe“ erscheint auf Christians Electric-Magic-Label....

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