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GRAVEYARD

Hässlich wie Satans Achselhöhlen

GRAVEYARD

Für die Heftausgabe stand Basser/Growler Julkan Rede und Antwort, aber auch GRAVEYARD-Gitarrist Javi Bastard hat einiges zum zweiten  Album „The Sea Grave“ zu berichten. Kein Wunder – er ist passionierter Fanziner, der mit dem „Hellspawn“ sein eigenes spanischsprachiges Heft herausgibt.

Javi, der Albumtitel erinnert unverblümt an den legendären, wieder aktiven Covermaler Dan Seagrave. Dessen bunter Stil würde allerdings nicht zur GRAVEYARD-Historie passen. Habt ihr deswegen erneut Matt Carr engagiert?

»Der Hauptgrund dafür ist finanzieller Natur. Ich weiß nicht, wie viel ein Gemälde von Dan kostet, aber es würde sicher unser kleines Budget sprengen. Aber es bleibt ein Traum, schließlich bewundere ich seine Werke seit über 20 Jahren in all ihren Details. Ich mag farbige Illustrationen tatsächlich nicht, aber wenn einer sie beherrscht, dann er. Wir hatten für „The Sea Grave“ sogar erstmalig ein solches Motiv anvisiert, den Plan dann aber aufgegeben, weil auch Matt Carr sich dabei nicht wohlgefühlt hat. Und das Resultat ist jetzt in seiner schwarz-weißen Eleganz perfekt.«

Gab es bereits Einschüchterungsversuche der schwedischen Graveyard oder ihres Labels? Würdet ihr bei einem juristischen Niederlage einen gänzlich anderen Namen wählen, oder einfach den jetzigen ergänzen?

»Als wir vor sieben Jahren loslegten, checkten wir, ob es noch andere GRAVEYARDs gab. Die drei oder vier, die wir fanden, waren alle längst aufgelöst. Als die Schweden auf einmal mit ihrem Deal bei Nuclear Blast in aller Munde waren, dachten wir von uns aus kurzzeitig daran, den Namen zu Graveyard of Doom zu verlängern. Aber offenbar wissen die gar nicht, dass es uns gibt – jedenfalls wurden wir nie kontaktiert. Wir würden nicht sinnlos dafür kämpfen, weil sie wahrscheinlich ihre eigenen Richter und Auftragskiller haben – und wir dagegen nur ein paar arme Schlucker sind, biersaufende Metal-Ratten, haha. Ehrlich gesagt halte ich das auch gar nicht für ein großes Problem: Wir spielen Death Metal, haben ein Death-Metal-Logo und sind hässlich wie Satans Achselhöhlen. Sie zocken Retro-Rock und und verkörpern attraktive nordische Hippies. Wer die Bands optisch und musikalisch verwechselt, ist ohnehin blind und taub.«

Wusstet ihr schon, dass euer 'Cult Of The Shadows' auf dem nächsten Album einen Nachfolger mit Gesang bekommt, als ihr 2010 die EP-Songs eingespielt habt?

»Wir brauchten noch einen Track für „Altar Of Sculptured Souls“ und haben das Instrumental improvisiert. Das Ergebnis war so großartig, dass wir einfach noch einmal Gesang dafür arrangieren mussten, einige Riffs ergänzten und andere modifizieren. Die Entscheidung dazu fiel direkt nach dem Mix des Originals. Julkarn, unser guter Freund Nasko von Teitanblood und ich arrangierten den Chorgesang, NSK steuerte die höllischen Schreie bei.«

In damaligen Interviews habt ihr bereits angekündigt, dass das zweite Album doomiger ausfallen würde. Ist diese Mischung aus mehr schleppenden Riffs und einigen Passagen am Rande des Chaos ein Resultat des Lovecraft-Konzepts?

»Nein, die Entscheidung zum verminderten Tempo fiel bereits früher. GRAVEYARD haben nie um der Geschwindigkeit willen schnell gespielt, aber die früheren Songs waren schon auf ihre weise brutaler, straighter und schneller. Das neue Album sollte bedrückend und atmosphärisch klingen, mit kompakten Arrangements, Keyboards, unheimlichen Melodien. Aber keine Sorge: Wir sind immer noch eine pure Death-Metal-Band.«

Die beiden letzten Teile von 'R’yleh' haben symphonischere Strukturen, vergleichbar mit 'A Serande For The Dead' von Edge Of Sanity. Gab es Versuche, diesen Charakter durch weitere Schichten zu intensivieren?

»Ehrlich gesagt haben wir uns erstmals genauere Gedanken über die Songreihenfolge gemacht. „The Sea Grave“ ist tatsächlich eine Einheit und die Instrumentaltitel halten das Puzzle zusammen. Diese drei kurzen Zwischensiel und Intros sind episch und düster, ich bekomme immer noch Gänsehaut davon, uh! Der Ansatz dabei ist wie Bei Of Darkness, einer anderen Band von Julkarn und mir: Freiheit und totale Improvisation. Wir setzen uns hinter die Keyboards und lassen unsere gestörten Hirne den Rest besorgen. An Bombast hatten wir dabei nie gedacht, das würde nicht zu GRAVEYARD passen. Ein Video zu 'R’yleh II', 'Of He Who Sleeps' und 'R’yleh III' wäre fantastisch.«

Es juckt euch also nicht, einmal im Nocturnus-Stil für GRAVEYARD in die Tasten zu greifen?

»Wir haben dieses Instrument seit dem ersten Tag von GRAVEYARD genutzt und werden es vielleicht sogar in Zukunft häufiger einsetzen. Wir arbeiten gerne damit, halten es aber im Mix so weit unten, dass es nur den wenigsten Hörern überhaupt auffällt. Keyboardtexturen sollen nur eine Schicht hinter dem Gitarrenriff sein, um es zu unterstützen. Die Prozedur ist immer dieselbe: Wir nehmen alle anderen Instrumente auf und prüfen dann im Mix, wo sich noch ein zusätzlicher Keyboardhintergrund anbietet. Wir haben einige gute Ideen, sind aber leider miese Spieler, was die Tastenarbeit betrifft.«

Als Produzent in deinem Moontower-Studio und Multiinstrumentalist bist du so etwas wie der Dan Swanö von GRAVEYARD. Aber während jener zuletzt maximal mit Drummer Benny gegen den Rest der Band ankämpfte (als es auf dem Papier noch eine war), seid ihr eine Einheit, oder?

»Die Edge Of Sanity der ersten fünf Alben bis „Crimson“ sind definitiv in meiner Top Five der besten Death-Metal-Bands aller Zeiten. Ich verstehe ihre Zerrissenheit, es waren völlig unterschiedliche Charaktere mit auseinanderdriftenden Musikgeschmäckern. Bei uns ist das komplett anders und etwaige Unterschiede werden dadurch nivelliert, dass wir genau wissen, welche Einflüsse zu GRAVEYARD passen und welche nicht. Julkarn und ich lieben Kansas, Rush, Uriah Heep, Alice Cooper Ufo und Rainbow, aber das wird man dieser Band wohl nie anhören. Wobei vor allem betont werden muss, dass wir verglichen mit diesen Killer-Acts beschissene Musiker sind. In den 1990ern habe ich ein Zertifikat als Engineer bekommen und seither zwölf Jahre lang unter anderem im Film- und Musiksektor editiert und an Soundtracks mitgewirkt. Mein eigenes Studio existiert seit 2007 und in den letzten Jahren habe ich dort über 100 Metal-Produktionen gefahren. Das ist mein Beruf. Dabei habe ich nie versucht, ein Prog-Produzent zu sein, dafür bin ich auch nicht genügend bewandert.«

Um selbst ein eigenes „Moontower“ Projekt im Stile von Swanös gleichnamigen Soloalbum durchzuziehen müsstest du ohnehin noch das Schlagzeugspiel erlernen.

»Man glaubt es kaum: Seit einem halben Jahr versuche ich genau das, bin aber ein miserabler Drummer. Trotzdem hoffe ich, eines Tages auch den Teil der Aufnahmen alleine hinzubekommen. Abgesehen davon haben wir alle weitere Bands, nicht nur Of Darkness. Ich bin auch noch bei Lux Divina, Julkarn bei Banished From Inferno und Devotion. Gusi trommelt noch bei Insulters und Morbid Flesh und Mark spielt bei Körgull The Exterminator. Julkarn zog vor einigen Jahren von Barcelona nach Valencia und es ist nicht leicht, mit einem 400 Kilometer entfernten Sänger zu arbeiten. Weil er wegen seines Jobs bei manchen Gigs absagen musste und Proben ohne Gesang tödlich langweilig sind, haben wir ein Arrangement mit unserem Freund Fiar von Foscor getroffen. Sonst lernt man die Songs nackt und die klingen fremd, wenn plötzlich die Stimme dazukommt. Aber Julkarn, Gusi und ich haben die Band gegründet, GRAVEYARD sind unsere Priorität. Für Heavenshore habe ich zwei Alben komponiert, benötige aber die richtigen Musiker, um sie einzuspielen. Mit Lux Divina sind wir übrigens im Mai auf dem Dark Troll Fest und im September beim Fimbulfest in Deutschland auf der Bühne.«

Mark Wild hat SBE bereits mehrfach bei Gigs vertreten und ist nun permanenter Gitarrist bei euch.

»Er hat das Material in Rekordzeit gelernt und vor allem ist er ein richtiger GRAVEYARD-Hooligan, er liebt die Band fast mehr als wir. SBE verließ uns aus vielen Gründen, die im Privaten liegen und ihn im letzten Sommer arg zusetzten. Ich vermisse ihn als Freund und Musiker, aber das Leben muss weitergehen. Mark hat dafür jede Menge positive Energie in die Band gebracht.«

Ihr habt die starken Schwedentod-Einflüsse nie geleugnet, seid aber zunehmend verärgert gewesen, darauf reduziert zu werden.

»Man findet auch auf „The Sea Grave“ jede Menge dazu passende Riffs, dazu aber auch Einflüsse von Morbid Angel, Candlemass, Bolt Thrower, Necros Christos, Iron Maiden, Celtic Frost,... Dies ist das erste Album, welches eine eigenen Identität zeigt. Jede Band benötigt einige Jahre, um dahin zu kommen.«

Als echte Underground-Band veröffentlicht ihr immer wieder Split-EPs und Alben mit anderen Bands, die schnell zu gesuchten Sammlerstücken werden, wie das Tape mit den Italienern Necro. Aber einige über die Jahre angekündigte Kooperationen harren immer noch ihrer Veröffentlichung.

»Alter, Italiener sind so krank... Ich erinnere mich gerade an den Club Alcolisti Millenarie, die Belusconis des Metal, haha. Die Jungs von Horrid sind auch verrückt, der Gig mit ihnen vor ein paar Jahren in Mailand war ein Schlachtfest. Antichristian Front sollten eine Split mit unseren thrashenden Landsleuten Redimoni veröffentlichen, aber ich habe keinen blassen Schimmer, wie es darum bestellt ist. Die Split mit Winterwolf war von unserer Seite fertig, aber die Finnen kamen nie aus dem Quark. Also nutzen wir unseren Part für eine 12“ mit Körgull The Exterminator, die ebenfalls bei Doomentia erscheint. Sie wird „La Germandat De La Nit Prodfunda“, katalanisch für „Die Brüderschaft der tiefsten Nacht“, heißen und vier Songs jeder Band beinhalten wird. Unter anderem covern wir uns gegenseitig. Weitere konkrete Pläne existieren nicht, aber wir diskutieren Interpretationen von Sodom, Venom, Slayer und Bathory – klassischer Stoff. Einen Coverset könnten wir aber nicht spontan spielen, da wir nur Bolt Throwers 'Cenotaph' regelmäßig zum Besten geben. «

 

www.graveyardofdoom
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06.05.2018
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