Online-MegazineInterview

GAMMA RAY

Von alten Songs und neuen Drummern

GAMMA RAY

Was lange währt, wird endlich fertig: In Kürze veröffentlichen GAMMA RAY ihren lang erwarteten Mitschnitt der letztjährigen „Skeletons & Majesties“-Tour auf CD, DVD und Blu-ray. Wir unterhielten uns mit Bandkopf Kai Hansen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Skeletons & MajestiesKai, von den Aufnahmen bis zur Veröffentlichung eurer DVD habt ihr etwas mehr als anderthalb Jahre gebraucht, und schlagt damit die Produktionszeit von so manchem Hollywood-Blockbuster. Was war da los?

»Eigentlich gar nichts - außer, dass ich keine Zeit hatte, weil ich zu sehr mit Unisonic beschäftigt war. Die Videofirma hat sich zwischenzeitlich auch noch mit anderen Projekten beschäftigt und die Fehlerkorrektur hat sich von unserer Seite auch etwas gezogen. Ich wusste nicht, wann ich das überhaupt erledigen soll. Henjo (Richter, Gitarre – jp) hat darauf gewartet, dass ich fertig bin, und die Filmfirma ihrerseits darauf, dass wir fertig sind, und so weiter. Wie dem auch sei, jetzt ist alles gut, alles fertig, und das Ergebnis ist prima.«

Ich habe mir damals eure Show in der Bochumer Zeche angesehen und war ehrlich gesagt ziemlich platt, als auf einmal Michael Kiske auf der Bühne stand. Dass ihr Kontakt hattet, war wegen Unisonic klar – aber wie kam es dazu, dass ihr Michael bei GAMMA RAY auf die Bühne geholt habt?

»Das war einfach so eine spontane Idee. Wir sind auf Tour gegangen, und Michael erzählte mir, dass er momentan nur zu Hause rumhängt und ihm langweilig ist. Ich dachte mir, wenn wir schon eine DVD machen, wäre es doch cool, wenn er auch mit drauf ist und habe ihn dann einfach gefragt, ob er Lust hat. Die hatte er. Das war eine feine Sache, und das Gute daran ist, dass es sich auch nicht mit unserer Unisonic-Geschichte beißt, weil wir einen ganz anderen Background und ganz andere Songs haben.«

Wo wir grade bei Unisonic sind, was gibt’s da neues?

»Wir sind gerade mit der Tour durch. Meine Priorität ist jetzt erst mal GAMMA RAY, und die anderen Jungs sind auch gut beschäftigt. Dennis (Ward, Bass – jp) ist als Produzent tätig und sitzt quasi als Kellerassel im Studio. Michi hat vor, ein Soloalbum aufzunehmen – das ist er sozusagen noch jemandem schuldig. Außerdem wird er, soweit ich weiß, auch wieder mit Avantasia auf Tour gehen. Leider werde ich mir das dieses Mal nicht gönnen können. Kosta (Zafiriou, Schlagzeug – jp) ist nach wie vor mit Bottom Row Management beschäftigt. Mandy Meyer ist irgendwo in der Schweiz unterwegs. Im Prinzip haben wir im kommenden Jahr Pause. Gegen Ende des Jahres werden wir mit dem Songwriting für ein neues Album beginnen. Aber all das ist für mich erst mal zweitrangig, ich kümmere mich jetzt in erster Linie um GAMMA RAY.«

Wirst du für die kommende Avantasia-Scheibe auch wieder einen Gastbeitrag leisten – oder darfst du dazu noch nichts sagen?

»Ich darf dir was dazu sagen: Dieses Mal bin ich nicht dabei.«

Die neue GAMMA RAY-Platte soll ja schon im Frühjahr kommen, wie gehen denn die Arbeiten voran?

»Relativ gut. Momentan schreiben wir noch an den Songs und proben auch sehr regelmäßig. Vor unserer gemeinsamen Tour mit Helloween im Frühjahr wird es leider etwas eng, das Album noch fertig zu kriegen, aber vor der Tour kommt auf jeden Fall eine EP mit neuen Songs und ein paar Extras, die wir noch in petto haben. Derweil arbeiten wir konstant weiter an neuem Material und sehen zu, dass wir die Scheibe irgendwann nach dem Sommer draußen haben.«

Kannst du uns zu der Platte schon was erzählen? Wird es wieder ein Konzeptalbum, oder eine ganz reguläre Scheibe?

»Wir haben einen konzeptionellen Hintergrund, zu dem ich aber noch nichts sagen möchte, weil es bis zur Veröffentlichung noch eine Weile hin ist. Es wird aber ganz geil, denke ich. Bei uns ist es ja sowieso immer so, dass nicht jeder Song auf dem Album zum textlichen Konzept passen muss.«

Nachdem sowohl die „Skeletons & Majesties“- als auch die „Skeletons In The Closet“-Touren erfolgreich waren, könntet ihr euch vorstellen, so was nochmal zu wiederholen?

»Na klar, warum nicht? Ich finde, das ist eine tolle Sache. Wenn ich mir unseren Backkatalog anschaue, dann gibt es immer noch so viele Songs, die wir geil finden, und die wir live entweder noch nie oder nur ganz selten gespielt haben. Ich finde auch, dass viele der Stücke, die wir für „Skeletons & Majesties“ ausgegraben haben, im Vergleich zur ursprünglichen Albumversion deutlich gewonnen haben. Die Sachen wirken live viel lebendiger, haben aber auch einen ganz anderen Bandsound gekriegt. Mir gefällt das total.«

Gamma Ray Live in Bochum

Es ist ja auch eine tolle Sache für Fans, mal nicht nur die typischen Hits zu hören. Wäre aber interessant, mal zu wissen, wie das Fans finden, die vorher noch nie auf einer eurer Shows waren, und eigentlich eher die Hits erwartet haben.

»Genau! Es ist generell eher selten, dass sich zu unseren Shows mal jemand verirrt, der uns noch nicht kennt oder nicht mag. Wenn das aber doch mal passiert, bekommen wir von den Leuten, auch wenn sie eigentlich normalerweise gar keinen Metal hören, meistens trotzdem positive Reaktionen.«

Auf der DVD sieht man eine eurer letzten Shows mit eurem langjährigen Drummer Daniel Zimmermann. Wie hat sich denn euer Neuling, Michael Ehré, bisher eingelebt?

»Sehr gut! Und eben weil er sich so gut eingelebt hat, ist Michael ja unser Neuling geworden. Wir hatten für das vergangene Jahr schon Shows gebucht, als Daniel uns gesagt hat, dass er raus ist. Deshalb brauchten wir dringend einen Ersatzmann, weil Daniel mit der Sache abschließen und deshalb auch die Konzerte nicht mehr spielen wollte. Von Michael wussten wir, dass er sowohl ein sehr guter Trommler, als auch zeitlich flexibel ist, weil er nicht mit einer eigenen Band eingespannt ist. Wir hatten auch keinen Bock, Auditions zu machen, obwohl Daniels Ausstieg gerüchteweise schon durchgesickert war. Es gab zu diesem Zeitpunkt noch kein offizielles Statement von uns, weil wir völlig perplex waren und den Ausstieg gar nicht wahrhaben wollten. Wir hatten immer noch die leise Hoffnung, dass Daniel sich noch einmal umentscheidet. Als die Sache dann durchsickerte, bekamen wir die ersten Anfragen. Unter anderem waren da renommierte Drummer aus Südamerika dabei. Wir haben das abgelehnt, weil wir jemanden haben wollten, der auch aus unserem Umfeld kommt. Derjenige sollte nicht zu weit von Hamburg weg wohnen, damit wir zukünftig mal wieder ein bisschen konstanter proben konnten. Die Entfernung war unter anderem einer der Gründe für Daniels Ausstieg.«

Ihr seid aber nicht im Streit auseinander gegangen?

»Nein, absolut nicht. Zwischen uns ist alles gut. Daniel war ausgebrannt, er hatte nicht mehr den Enthusiasmus. Er wollte auch nicht mehr ewig durch die Weltgeschichte gurken und viel Zeit in Bussen und auf Flughäfen verbringen, um dann am Ende nur relativ wenig Spielzeit zu haben – und das ist ja leider bei uns so. Daniel hat sich dazu entschieden, ein wenig sesshafter zu werden. Michael hat die Shows übernommen, und das fühlte sich für uns gut an. Nach den Shows sollte es dann wieder an die Proben gehen, um neue Songideen auszuarbeiten, und wir hatten noch keinen dauerhaften Drummer. Wir haben Michael gefragt, ob er nicht mal bei einer Probe mitmachen möchte – und so hat sich alles gefügt. Er hatte Lust, dauerhaft bei uns einzusteigen, und wir fanden das auch klasse, weil wir mit ihm sehr gut zusammenarbeiten können, und er auch sehr inspiriert spielt. Es ist ja immer so eine Sache, wenn ein „Winning Team“ auseinander bricht, aber ich denke, wir haben die Kurve gut gekriegt. Wir schreiben die Songs jetzt wieder direkt im Proberaum, und können es uns sparen, Demos vorzubereiten und hin- und herzuschicken. So ist die Arbeit viel spontaner, und das tut der Sache ganz gut.«

Wenn du euer neues Material mit den Scheiben aus deinem Backkatalog vergleichen müsstest, wo ginge die Reise dann musikalisch hin?

»Das ist verdammt schwer zu beantworten. Ziemlich weit zurück, würde ich sagen. GAMMA RAY machen immer ihre Sidesteps in alle möglichen Gefilde, und das werden wir mit Sicherheit auch in Zukunft so machen. Am ehesten kommt mir grade die „Walls Of Jericho“ in den Sinn, wenn ich über die neuen Songs nachdenke.«

Demnächst seid ihr auf dem „Full Metal Cruise“ unterwegs – ich nehme mal an, ihr hattet Spaß bei euren Shows auf dem „70.000 Tons Of Metal“-Kreuzfahrtschiff?

»Ja, das war grandios! Wir haben auf dem Schiff zwei Konzerte gespielt. Die Show im Ballsaal hat sich eigentlich nicht großartig von Clubkonzerten unterschieden. Es schaukelt halt alles ein bisschen und die Durchschnittsquote der Betrunkenen ist vielleicht ein wenig höher. Außerdem ist die Fluktuation des Publikums etwas höher. Man hat einen festen Kern, der sich die ganze Show ansieht, und eine Anzahl von Leuten, die kommen und gehen. Der Auftritt an Deck war ein bisschen komisch, weil wir einerseits alle schon ein wenig angetrunken waren, und andererseits das Schiff wie verrückt geschaukelt hat. Dirk (Schlächter, Bass – jp) sagte mir am Ende, dass ich immer einen halben Takt vor der Band gespielt hätte. Keine Ahnung, ob das wirklich stimmt, hahaha.«

 

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Pics: Jens Peters

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