Online-MegazineInterview

RED RAZOR

Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 03/16

RED RAZOR

Auf „Beer Revolution“ liefern die Brasilianer von RED RAZOR gnadenlosen Thrash Metal der alten Schule, der auf ganzer Linie überzeugt. Grund genug, die Jungs im Rock Hard Vol. 346 zum Tipp des Monats in der Rubrik „Demos/Eigenproduktionen“ zu küren. Gitarrist und Sänger Fabricio Valle erzählt uns im Interview alles über die Entstehung der Band und wann sich die Jungs in Europa blicken lassen.

Fabricio, wie seid ihr auf die Idee gekommen eine Old-School-Thrash-Band wie RED RAZOR zu gründen?

»Es war ein natürlicher Prozess, da es die Musik ist, mit der wir aufgewachsen sind. Thrash ist seit den späten Achtzigern die Eintrittskarte in die Extreme der Musik. Kids starten mit Bands wie Metallica oder Slayer und nach einiger Zeit graben sie tiefer nach obskuren Thrash-Bands oder Death und Black Metal. Wir haben uns für einen Old-School-Sound entschieden, weil es unserer Meinung nach authentischer ist.«

Vier Jahre sind zwischen der Gründung von RED RAZOR und eurem Debütalbum vergangen. Wir habt ihr euch in der Zeit als Band entwickelt und was unterscheidet eure erste EP „Shark Attack“ vom neuen Album?

»Wir haben uns in jeder Hinsicht weiterentwickelt. Unserer Songs sind sorgfältiger ausgearbeitet, unserer Shows sind tighter und unsere Texte sind erwachsener geworden. Außerdem sind wir hier in Brasilien bekannter geworden. Vor der Veröffentlichung unserer EP spielten wir auf kleinen Partys mit vier lahmen Coverbands und ich muss zugeben, dass wir alles andere als gut waren. Nach der Veröffentlichung hatten wir die Möglichkeit auf besseren Independent-Festivals zu spielen und konnten die Bühne mit internationalen Bands wie Havok, Skull Fist und Onslaught teilen.«

Plant ihr in Zukunft mit einem Label zusammenzuarbeiten oder soll RED RAZOR vollkommen „DIY“ bleiben?

»Ja, wir haben bereits einen Deal mit Slaney Records aus Irland für die Veröffentlichung von „Beer Revolution“ in Europa und sind außerdem offen für eine zukünftige Zusammenarbeit mit anderen Labels. Metal ist in Brasilien nicht besonders populär, deshalb ist es hier sehr schwierig, damit Geld zu verdienen. Bands wie Krisiun haben mehr als eine Dekade harte Arbeit gebraucht, um ihren Namen zu etablieren und ihre Rechnungen durch die Band bezahlen zu können. Deshalb können wir jede Hilfe gebrauchen. Aber sollte das nicht klappen, werden wir dem „DIY“-Pfad weiter folgen, wissentlich, dass so alles etwas länger dauert.«



Die meisten Thrash-Metal-Bands haben entweder humorvolle oder sehr ernste Texte. Mit Songs wie 'Controversial Freedom' auf der einen und 'Napalm Pizza' auf der anderen Seite, habt ihr von beidem etwas. Wie kam es dazu?

»Wir glauben das heutzutage alles im Metal zu extrem ist. Entweder ist man zu einhundert Prozent eine Witz-Band, oder so ernst, dass man in einem Foto nicht mal mehr lachen darf. In den Achtzigern konnte eine Band wie Sacred Reich einen funkigen Song wie '31 Flavours' aufnehmen und es war okay. Und sie schrieben trotzdem Tracks mit starken politischen Inhalten wie 'Surf Nicaragua' oder 'The American Way'. Anthrax haben mit 'Im The Man' einen Rap-Song aufgenommen, in 'I Am The Law' über Judge Dredd gesungen und in 'Indians' trotzdem der Welt von der Abschlachtung der amerikanischen Ureinwohner erzählt. Das ist die Art von lyrischer Freiheit, die wir möchten. Wir singen auch über Politik und unsere Liebe zum Bier, ohne uns für eine Seite zu entscheiden.«


Was inspiriert euch zu den Texten?

»'Controversial Freedom' handelt davon wie die kapitalistische Gesellschaft Freiheit als Argument für ihre eigene Sklaverei benutzt. Dir steht es „frei“ zwei Tage in der Schlange zu stehen, um ein neues Smartphone zu kaufen, das beinahe dasselbe kann wie das alte. Dir steht es „frei“ die Umwelt zu zerstören. „Frei“, den Überschuss an Nahrung wegzuwerfen, den die Lebensmittelindustrie produziert, um die Preise niedrig und den Profit hoch zu halten. 'Napalm Pizza' wurde durch den Film „Apocalypse Now“ inspiriert. Und obwohl der Refrain eher witzig ist, war die Idee dahinter: „Wir sitzen abends zu Hause, entspannen uns und essen Pizza, während unsere Länder Unschuldige in Kriegsgebieten bombardieren.“«

Schreibt ihr eure Songs im Kollektiv oder gibt es eine Art von „Mastermind“?

»Alle Texte werden von mir – Sänger und Leadgitarrist Fabricio – geschrieben. Was die Musik angeht: Hier darf jeder seine Ideen miteinbringen und wir formen bei unseren Proben Songs daraus.«

In den letzten Jahren sind viele junge Thrash-Metal-Bands in der Szene aufgetaucht. Wenn du eine Sache benennen müsstest, die RED RAZOR vom Rest abhebt, was wäre das?

»Ich denke, was uns abhebt ist, dass wir uns nicht in eine bestimmte Nische drängen lassen. Wir haben einige Crossover-Einflüsse, einige aus der Bay-Area, etwas NYC-Thrash, Teutonen Thrash und natürlich brasilianische Thrash-Einflüsse und mixen all das zusammen. Viele Bands kopieren einfach nur die frühen Sodom oder Kreator, andere versuchen die neuen D.R.I. zu sein oder das „Master Of Puppets“ des neuen Jahrhunderts zu schreiben. Einige machen das sogar richtig gut, aber das könnten wir nicht. Wir haben all diese Einflüsse und mehr, doch wir versuchen unser eigenes Bild zu malen, mit unseren eigenen Farben.«

Wie entstand die Idee für das old-schoolige Coverartwork von „Beer Revolution“? Hattet ihr Einfluss darauf oder hat Ed Repka alles im Alleingang entworfen?

»Die Brücke auf dem Cover ist das wichtigste Markenzeichen unserer Heimatstadt Florianópolis. Also haben wir Ed gefragt, ob er sie in das Artwork einfügt und einige seiner typischen Monster in den Vordergrund stellt, die Flaggen, Schilder und Bierdosen in den Händen halten, die die „Beer Revolution“ ankündigen. Das war unser Einfluss. Er hat es mit seinem Talent angefertigt und wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis.«

Wie sind die Reaktionen auf „Beer Revolution“ bislang? Seid ihr zufrieden?

»Ja! Wir sind sehr zufrieden. Wir haben gute Reviews von einigen Fanzines und Magazinen aus vielen verschiedenen Ländern wie Australien, Frankreich, USA, Italien, Türkei, Niederlanden und anderen bekommen. Wir haben unserer CD direkt in Ländern verkauft, in die wir noch nie Promomaterial geschickt haben wie El Salvador, Hong Kong, Russland und der Ukraine. Und hier in Brasilien wurde „Beer Revolution“ bei einer Abstimmung der größten Magazine und Webzines zum viertbesten brasilianischen Metal-Album des Jahres gewählt. Und jetzt haben wir die Möglichkeit dem Rock Hard, einem der wichtigsten Metal-Magazine der Welt, ein Interview zu geben. Dankeschön!«



Wie sieht nach der Veröffentlichung von „Beer Revolution“ der nächste Schritt für euch aus?

»Wir haben bereits fünf Songs für das nächste Album geschrieben und weitere fünf sind derzeit in Arbeit. Aber da wir alles selbst bezahlen müssen, dauert das Ganze noch etwas länger. Außerdem spielen wir in Brasilien so viele Konzerte wie wir können, um unsere Musik unter die Leute zu bringen.«

Siehst du irgendeine Möglichkeit für RED RAZOR zukünftig Gigs in Europa zu spielen?

»Ja, das ist unser Plan für 2017. Europa hat eine große Metalszene mit vielen Festivals, Kneipen und Metal-Clubs und die meisten Bands hier in Brasilien träumen von diesen Festivals und legendären Orten. Wir hoffen alles hinzukriegen, um es nächstes Jahr angehen zu können. Das wird großartig!«

www.redrazor.bandcamp.com

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