Online-MegazineInterview

DELAIN

DELAIN - Holländische Melancholie

DELAIN heißt der neue Gothic-Metal-Export unserer holländischen Nachbarn. Gegründet von Martijn Westerholt, Ex-Keyboarder von Within Temptation, der die Band aus gesundheitlichen Gründen kurz vor ihrem "Durchbruch" verlassen musste, verschreibt sich die Band melancholischen Texten, die von Frontfrau Charlotte Wessels vorgetragen werden.

Auf "Lucidity" wird Martijn nicht nur von Ex-Bandkollegin Sharon den Adel unterstützt, sondern auch von dem finnischen Bassisten Marko Hielata (Nightwish, Tarot), dem Gitarristen Jan Yrlund (ex-Lacrimosa) und der norwegisch-deutschen Sängerin Liv Kristine (ex-Theater of Tragedy, Leaves' Eyes). Außerdem beteiligt waren Gitarrist Ad Sluyter (Epica), Drummer Ariën van Weezenbeek (God Dethroned) sowie Sänger George Oosthoek und Gitarrist Guus Eikens (ex-Orphanage). Deshalb zunächst die Frage nach dem Bandcharakter.

DELAIN begann als Projekt und nicht in festem Bandgefüge. Hat sich das mittlerweile geändert?

»Ja, wir sind jetzt eine richtige Band. Nachdem das Album im Kasten war, fühlte ich mich vor allem gesundheitlich besser und war sicher, dass ich endlich wieder live spielen konnte. An diesem Punkt wollte ich aus Delain eine Band machen.«

Der Name der Band stammt aus Stephen Kings "Das Auge des Drachen". Kannst du uns den Zusammenhang erklären, falls es einen gibt?

»Eigentlich gibt es keinen. Ich hab' nur das Buch gelesen und mir gefiel der Name des Königreiches "Delain" ziemlich gut. Es ist in etwa so wie mit dem Namen eines Kindes. Manche Eltern geben ihre Kinder Namen, die irgendetwas bedeuten, andere suchen einfach einen Namen aus, den sie schön finden. Mit meinem "Kind" ist es genauso. Ich mag den Namen und finde, dass er perfekt zur Musik passt.«

Wie sieht's denn mit 'ner Tour aus? Wen nimmst du alles mit, besonders im Hinblick auf die Riege an Gastmusikern auf "Lucidity"?

»Nunja, neben der Band an sich, ist es immer eine Überraschung, ob wir Gäste auf der Bühne haben werden. So werden wir es handhaben. Es besteht also immer die Möglichkeit, mal eine Show mit Sharon zu sehen, mal eine mit George oder eine ohne irgendeinen Gastmusiker. Damit werden wir übrigens spielend fertig. (lacht) Bisher haben uns Sharon, Ad Sluyter, George und Arjen auf der Bühne unterstützt. Das werden aber bestimmt noch mehr!«

Inwieweit haben all die Musiker den Sound von DELAIN beeinflusst? Hat jeder seine eigenen Ideen mitgebracht, obwohl du fast alles allein geschrieben hast?

»Ich habe tatsächlich fast alles im Alleingang geschrieben, habe den Musikern aber Spielraum für ihre eigenen Vorschläge und Ideen gelassen. Manchmal haben wir diese eingebaut, manchmal nicht. Aber eben weil die Musiker diesen Freiraum hatten, kamen wir zu manchen Ergebnissen, die so niemand erwartet hätte. Eine andere große Hilfe war unser deutscher Produzent Oliver Philipps. Er hat mich sehr bei den Arrangements unterstützt.«

Wie schreibst du deine Songs: Komponierst du alles mit dem Keyboard und lässt die anderen ihre Ideen hinzufügen? Oder ist es eher so, dass du den anderen eine Rohfassung eines Songs vorstellst, den diese dann spielen sollen?

»Beides. Manchmal steht ein kompletter Song, den ich mit Keyboard und Gitarre geschrieben habe. Manchmal habe ich aber auch nur eine Idee oder ein anderer kommt mit einem Part, den wir dann ausarbeiten. Letztendlich habe ich aber mit allen Songs zu tun.«

Inwieweit nimmst du Einfluss auf Charlottes Gesang? Ich denke, ein Song steht und fällt mit einer eingängigen Gesangslinie und interessanten Melodien ...

»Nunja, ich habe Charlotte schon sehr gezielt ausgesucht. Ich habe eine Stimme gesucht, die einzigartig klingt und einen eigenen Charakter mitbringt. Die Stimme sollte zur Musik passen, aber auch einen klaren Kontrast bilden. Sie sollte nicht zu kraftvoll sein, das ist die Instrumentierung bereits. All die Elemente, die ich gesucht habe, vereinen sich in Charlottes Stimme. Ich bin sehr froh darüber, denn es war nicht einfach, jemanden zu finden, der alle stimmlichen Anforderungen erfüllt.«

Wir kamt ihr denn in Kontakt, Charlotte und du?

»Ich habe das ganze Land abgesucht, gut, Holland ist jetzt nicht sooo groß ... (lacht) ... trotzdem hat es recht lange gedauert. Ich wollte schon aufgeben, da traf ich Charlotte in meiner Heimatstadt, sie wohnt sogar in der Straße meiner Eltern. Es gab da ein lokales Musikprojekt, da hab ich sie gebeten, mir einfach ein paar Texte zu schreiben. Das hat sie gemacht, und als sie mir die Texte gezeigt hat, habe ich sie gefragt, ob sie sie mir nach ihrer Vorstellung vorsingen könnte. Als ich ihre Stimme gehört habe, war meine Suche beendet.«

Wie war das Arbeiten mit drei weiblichen Simmen? Sind drei Frauen anstrengender als drei Kerle??

»(lacht) Nein, überhaupt nicht. Das lief alles problemlos, leider waren nie alle drei gleichzeitig im Studio (daran mag's gelegen haben -sn).«

Ihr habt euch kürzlich von eurem Gitarristen Ray van Lente getrennt. Habt ihr schon Ersatz?

»Nein. Es hat nicht mehr so richtig gestimmt zwischen Ray und uns. Aber wir haben noch immer einen guten Kontakt miteinander. Glücklicherweise lässt sich unsere Musik hervorragend auch mit nur einer Gitarre umsetzen, wir suchen also nicht nach einem Ersatz.«

Hast du keine Angst, dass DELAIN mit all den anderen Gothic-Metal-Bands mit Frauengesang in eine Schublade gesteckt wird? Immerhin hast du ein paar Jahre bei Within Temptation in die Tasten gegriffen, und jetzt ist Sharon wieder mit an Bord ...

»Nein, ganz und gar nicht. Ich finde unsere Musik schon verschieden. Dank Charlotte haben wir unseren eigenen Stil. Wenn uns jemand mit Within Temptation vergleicht, macht mir das nichts aus. Ich werte das als Kompliment. Hauptsache, es vergleicht uns niemand mit deutschem oder holländischem Schlager! (lacht)«

Was ist dein Lieblingssong auf "Lucidity"?

»,Frozen'. Hier sind alle Elemente des Albums in einem Song vereint. Er repräsentiert Delain am besten.«

Im Booklet finden sich Dankesworte für eure Klamotten. Das mutet schon ein wenig seltsam an, oder?

»(lacht) Kann ich mir denken. Wir haben von der Firma die Klamotten für lau bekommen, die wir gerne tragen wollten. Naja, da haben wir uns halt revanchiert ...«

Und hier wieder die Möglichkeit, eine Frage zu beantworten, die ich dir nicht gestellt habe.

»Öhh, was ist deine Lieblingsfarbe? Rot.«

Gut, dann hätten wir auch das geklärt.

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