Interview

Interview 15.03.2019, 17:56

ZEBRAHEAD - Kein Gehirn, kein Verständnis

Mit ihrem neuen Album „Brain Invaders“ im Gepäck gehen die fünf Jungs von ZEBRAHEAD schnurstracks in Richtung eines großen Jubiläums: 2021 können die Orange-County-Punks immerhin auf ihr erstes Vierteljahrhundert Band-Geschichte zurückblicken. Fronter Ali Tabatabaee gibt uns im Interview genauere Auskünfte über Zukunftspläne und die weltweite Notwendigkeit, Orte für den konstruktiven Austausch zu schaffen.

Ali, euer letztes Studioalbum „Walk The Plank“ erschien 2015. „Brain Invaders“ stellt mit einem Abstand von vier Jahren also die bislang längste Pause zwischen euren Alben dar. Was war bei euch in den letzten Jahren so los?

»Mit „Walk The Plank“ im Gepäck sind wir ungefähr zwei Jahre rund um die Welt gereist. Gegen Ende des Tour-Zyklus haben wir angefangen, uns gegenseitig Song-Ideen zuzuschicken. Nachdem wir dann wieder zuhause waren, haben wie die Entscheidung getroffen, uns voll und ganz auf die Fertigstellung und Aufnahme des neuen Albums zu fokussieren. Ursprünglich waren es 50 Songs, an denen wir gearbeitet haben. Nachdem wir die Demos fertig hatten, haben wir die Anzahl der Songs auf 30 reduziert und sind mit Paul Miner, der auch schon „Walk The Plank“ produzierte, ins Studio gegangen. Dieser ganze Prozess hat ungefähr eineinhalb Jahre gedauert. Wir waren also überwiegend im Studio und sind gelegentlich mal ausgeflogen, um ein paar Shows zu spielen. Es war wirklich schön, mal so lange zuhause zu sein und ich denke, das wissen wir alle inzwischen sehr zu schätzen.«

Wo siehst du im Vergleich zu euren bisherigen Alben die größten Unterschiede bei „Brain Invaders“?

»Ich habe angefangen, mit Loops zu arbeiten und viele meiner Songwriting-Anteile an „Brain Invaders“ darauf abgestimmt. Es war eine ganz neue Erfahrung für mich, außerdem konnte ich hierdurch in meinen Reimschemen und Tempowechseln kreativer werden. Meiner Meinung nach ist das Album auch etwas härter als einige seiner Vorgänger ausgefallen. Unser Ziel war es auch, einfach mal Songs zu schreiben, die wir selbst gerne von uns hören würden und nicht über Singles oder die Meinungen Anderer nachzudenken, was für Lieder wir zu schreiben haben. Außerdem haben wir das Album überall außer in Japan selbstständig veröffentlicht und wollten generell mehr Kontrolle über alle Vorgänge haben.«

Soll das Geräusch am Anfang von 'When Both Sides Suck, We’re All Winners' die Alien-Entführung des Gehirns darstellen, die auf dem Cover dargestellt wird?

»Das war nicht beabsichtigt, aber jetzt, wo du es sagst, höre ich an der Stelle nichts anderes mehr! Wie zuvor erwähnt, habe ich viel mit Loops und Soundeffekten gearbeitet und dachte mir, das wäre eine coole und interessante Art, den Song starten zu lassen.«

Bei 'You Don’t Know Anything About Me' steigt die Ska-Party. Wer ist für die Bläser auf dem Track verantwortlich?

»Dahinter stecken unsere guten Freunde Matt Appleton, Jonny Christianson und Dan Regan von Reel Big Fish. Als wir den Song schrieben, hatten wir die Drei dabei im Hinterkopf. Witzige Tatsache am Rande: Jedes Mal, wenn wir zusammen auf Tour sind, spielen sie den Song 'Anthem' live mit uns.«

Eine verzerrte Stimme am Anfang eurer Materialismus-Abrechnung 'Take A Deep Breath (And Go Fuck Yourself)' sagt: „Consumption is the cornerstone of our society.“ Wer steckt hinter der Ansage?

»Der Song behandelt die Erschöpfung von Ressourcen und das Bedürfnis einiger Menschen, ständig auf Kosten anderer mehr haben zu wollen. Der Sprecher am Anfang kann theoretisch jeder sein. Das könnte zum Beispiel die Erde sein. Die Aussage kann auch als Warnung wahrgenommen werden, aber sie entspricht auf jeden Fall den Tatsachen.«

Als Produzenten habt ihr euch Paul Miner ausgesucht, der unter anderem auch schon mit Atreyu und Death By Stereo gearbeitet hat. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

»Wir sind jetzt schon seit einigen Jahren mit Paul befreundet. Er war auch Mitglied der eben genannten Death By Stereo, der anderen Band unseres Gitarristen Dan Palmer. Wir haben mit Paul schon an „Walk The Plank“ zusammengearbeitet und er hat unserer Meinung nach einen fantastischen Job abgeliefert. Deshalb haben wir ihn gefragt, ob er auch „Brain Invaders“ produzieren möchte.«

Ihr wart während eures 20-jährigen Bandjubiläums 2016 mit Skindred auf Tour. Gibt es schon Pläne für 2021, euer erstes Vierteljahrhundert als Band?

»Wir werden diesen Sommer erstmal auf vielen Festivals, wie zum Beispiel dem Southside, Hurricane, Open Flair, Taubertal oder Die Festung Rockt, spielen. Danach legen wir mit unserer Welttour zu „Brain Invaders“ los, die uns wahrscheinlich noch durch einen Großteil von 2021 bringen wird.«

Also stehen die Chancen gut, euch demnächst mit der neuen Platte im Gepäck auch auf Europa-Tour zu sehen?

»Ganz sicher. Obwohl die Termine bislang noch nicht bestätigt wurden, sind wir auf jeden Fall im Herbst auf Headliner-Tour durch Europa zu sehen. Sobald alle Termine bestätigt wurden, werden wir sie auf zebrahead.com mit euch teilen.«

Letzte Frage mit Verknüpfung zu 'When Both Sides Suck, We’re All Winners': Gibt es noch eine irgendeine Seite, die nicht scheiße ist?

»Meiner Meinung nach wäre es am wichtigsten, dass eine Linie der offenen Kommunikation geschaffen wird, wo beide Seiten zusammenkommen und ein sinnvolles Gespräch führen können, das zu einem besseren Verständnis der gegenüberstehenden Perspektive führt. Solange das nicht passiert, werfen sich die Leute nur gegensätzliche Meinungen an den Kopf. Leider scheint das der Punkt zu sein, an dem wir uns gerade befinden.«

Die letzten Worte gehören dir. Möchtest du uns noch etwas mit auf den Weg geben?

»Ich möchte mich einfach bei unseren Fans für die Unterstützung während der letzten 23 Jahre bedanken. Wir können es kaum erwarten, mit „Brain Invaders“ im Schlepptau bei euch vorbeizukommen und mit euch Party zu machen!«

Bands:
ZEBRAHEAD
Autor:
Lukas Höpfner

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