Interview


Pics: Thorsten Seiffert

Interview 20.03.2019, 11:21

YASI HOFER - Interview mit dem Tipp des Monats 04/19

Die 26-jährige Gitarristin YASI HOFER hat mit „Freedom“ bereits ihr drittes Album veröffentlicht. Die Ulmerin hat mit der Violine begonnen, entschied sich mit zwölf Jahren aber für die E-Gitarre. Als ihr Gitarrenlehrer sie mit den Werken von Steve Vai bekannt machte, war es dann endgültig um sie geschehen. Wir schnappten uns die aktive Tierrechtlerin, um ihr einige Fragen zu stellen.

Yasi, mit „Freedom“ hast du jetzt bereits dein drittes Album eingespielt und toppst damit den exzellenten Vorgänger noch einmal. Siehst du das auch so?

»Dass ich mit „Freedom“ „Faith“ getoppt habe, würde ich so nicht sagen wollen. Für mich sind beide Alben zu verschieden, um sie überhaupt zu vergleichen. Ich sehe in „Freedom“ aber insgesamt mehr Potential, vor allem auch, um eine breitere Masse anzusprechen. Es klingt für mich insgesamt eingängiger und die Songformen sind klarer und verständlicher. Auf jeden Fall freut es mich, dass mir erneut ein gutes Werk gelungen ist.«

Den Vergleich mit Steve Vai musst oder darfst du weiter aushalten, Sound und Composing sind schon nah dran. Wie kam eigentlich damals der Kontakt zu Steve zustande?

»Ja, das stimmt. Es ist aber eigentlich auch total nachvollziehbar. Und da ich mich über viele Jahre mit Steves Musik auseinandergesetzt habe, wird man das wohl auch weiterhin hören. Er hat mich zu sehr geprägt, um das ganz ablegen zu können. Der Kontakt zu Steve kam über einen handgeschriebene Brief zustande. Ich habe als 12-Jährige einen Fan-Brief geschrieben, auf den tatsächlich von ihm eine ebenfalls handgeschriebene Postkarte zurück kam. Von da an waren wir immer wieder in Kontakt und ich habe ihm regelmäßig meine Youtube-Videos geschickt, in denen ich versucht habe, seine Songs zu covern. Persönlich kennengelernt habe ich ihn dann einen Tag vor dem gemeinsamen Auftritt im Ulmer Zelt 2007.«

Du bist auf der „She Rocks Vol. 1“-Compilation von Steve Vais Label „Favoured Nations“ mit einem 8-minütigen Track-Monster vertreten. Wie kam es dazu, dass du den Song zu der CD beisteuern konntest?

»Steve hat mich während der letzten Tour auf das Projekt angesprochen und gefragt, ob ich Lust hätte einen Song beizusteuern. Zu sowas sagt man natürlich nicht nein! Das Timing war auch ziemlich gut, da ich mitten in den Aufnahmen für mein zweites Album „Faith“ war. Ich habe Steve dann drei bereits fertige Songs geschickt und ihm die Entscheidung überlassen, welcher Track am Besten zum gesamten Album passt. 'Cosmic Stars' hat’s ihm dann richtig angetan.«

Foto: Thorsten Seiffert

Eine Yasi-Scheibe ist trotzdem nicht nur reine Gitarristenmucke. Ist es dir wichtig, eben nicht nur diese Zielgruppe zu bedienen, sondern auch die Nicht-Musiker?

»Natürlich freue ich mich über jeden, den ich auf meine Musik aufmerksam machen kann. Und je mehr, desto besser - egal, ob Musiker oder nicht. Aber ich muss schon sagen, wenn Nicht-Musiker etwas mit einem meiner Instrumentalsongs anfangen können, freut mich das sehr. Beim Songwriting beachte ich all das aber eh gar nicht. Will heißen, ich habe keine Songs mit Vocals auf dem Album, um damit mehr Menschen anzusprechen, sondern einfach, weil der Song zum Album gehört oder der Text eben wichtig ist und ich damit etwas sagen will. Ich mache mich beim Komponieren komplett frei von dem Gedanken, etwas für jemanden zu komponieren oder was anderen gefallen könnte.«

Du tourst ohne Ende durch Deutschland - seit einer Weile im Trio, meist als dein eigener Headliner in gut gefüllten aber kleineren Locations. Doch träumst du auch ab und zu davon, in Stadien als Gitarristin einer großen Band (wie Vai mit Whitesnake oder Satriani mit Deep Purple) zu rocken?

»Eher nicht. Ich wäre als Rhythmus-Gitarristin oder einfach auch grundsätzlich in einer anderen Band, in der ich nicht meine Musik spielen darf, wohl auf Dauer eher unglücklich. Und Stadien zu spielen, reizt mich auch nicht. Man verliert nämlich den Kontakt zu den Menschen, also den Zuschauern. Mir liegt immer viel daran, den Abend mit dem Publikum zusammen zu erleben und die Möglichkeit zu haben, sie direkt zu sehen und ihre Emotionen und ihr Feedback zu bekommen. Das verläuft sich in einem Stadion und fühlt sich einfach anders an. Den Platz als Gitarristin bei Steven Wilson könnte ich mir aber in der Tat gut vorstellen, haha.«

Stilistisch bist du nur wenig festgelegt und flitzt durch Fusion, Rock und manchmal etwas jazzigere Gefilde. Woher kommt die enorme Bandbreite?

»Ich habe einfach die letzen zehn Jahre extrem viel geübt und mich mit allen möglichen Stilistiken, zumindest oberflächlich, auseinandergesetzt. Ich höre auch Musik aus allen Stilrichtungen, ganz nach dem Motto, was gut ist, ist eben gut. Egal ob das Jazz, Pop, Blues oder Rock oder sonst was ist. Davon lasse ich mich dann gerne für Neues inspirieren.«

Nachdem du schon eine grandiose „Multicolour Suhr“-Signature-Gitarre hast, spielst du jetzt wieder eine Menge Ibanez. Die könnten auch langsam mal mit einer YASI HOFER-Signature herausrücken, oder? Was müsste eine solche Gitarre haben, um zu „deiner“ Gitarre zu werden?

»Ha, ja. Jetzt bin ich ja seit einem guten halben Jahr offiziell bei Ibanez. Über ein Signature-Modell würde ich mich natürlich freuen. Grundsätzlich muss die Gitarre sich einfach gut anfühlen und klingen. Ich mag ja eher einen warmen Klang und brauche die Möglichkeit, ein paar Sounds zu bedienen. Und natürlich sollte sie vom Look etwas Besonderes haben, so in Richtung der bunten Suhr zum Beispiel. Das hat schon gut gepasst zu mir finde ich, haha.«

Analog oder digital: Was bevorzugst du in Sachen Amptechnik und warum?

»Analog und echt. Ich habe zwar auch einen AXE FX daheim im Studio stehen, aber gerade für live braucht es in meinen Augen einfach einen echten Röhren-Amp. Soundtechnisch kommen Kemper und Co. den Röhren-Amps gigantisch nahe, aber mir fehlt da einfach das Feeling eines Röhren-Amps mit 4x12er Box im Rücken."

www.facebook.com/yasihoferofficial

www.yasihofer.com

Bands:
YASI HOFER
Autor:
Thorsten Seiffert

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