19.04.2017, 13:33

Woe und Ultha wegen Auftritt mit Inquisition vom Droneburg-Festival ausgeschlossen

WOE und ULTHA wurden kurzfristig aus dem Billing des Droneburg-Festivals im Hamburger Hafenklang entfernt, da die Black-Metal-Bands den Betreibern der Location zufolge mit INQUISITION zu Ostern auf dem Festival Conspiracy Of The Damned in Rotterdam auftraten, "welche wir dem NSBM [National Socialist Black Metal - 'Nationalsozialistischer Black Metal'] zurechnen. Wir werfen den Bands keine rechten Tendenzen vor, allerdings durchaus ein Reinwaschen rechtsradikaler Bands. Dem möchten wir im Hafenklang keine Bühne bieten."

Vorgeworfen wird INQUISITION in diesem Zusammenhang unter anderem, dass sie einige Alben bei der NSBM-freundlichen Plattenfirma No Colours veröffentlichten. Zudem ließen INQUISITION Cover-Artworks von Antichrist Kramer gestalten, der auch für NSBM-Musiker Grafiken erstellte. Auch wurde vermutet, der Name des Nebenprojekts 88MM hänge mit "88", dem Code für "HH", sprich dem Nazigruß "Heil Hitler" zusammen. Dies wurde von INQUISITION-Sänger Dagon in einem Interview mit dem "Decibel"-Magazin dementiert.

Das Droneburg Festival selbst veröffentlichte in diesem Zusammenhang folgendes Statement:

"Das wichtigste gleich zu Beginn, weil es wohl immer noch viele nicht so richtig mitbekommen haben:?Wir, das DRONEBURG FESTIVAL, haben NICHTS mit der Entscheidung zu tun, dass ULTHA und WOE am Freitag beim DRONEBURG VII nicht spielen durften. Diese Entscheidung hat das Hafenklang getroffen und wir als Veranstalter sind nur Gast und müssen daher leider mit dieser Entscheidung klarkommen.?Wir bedauern es sehr dass es letztlich zu solch einer Entscheidung gekommen ist und vor allem dass diese Entscheidung des Clubs uns erst am Veranstaltungstag um 15 Uhr mitgeteilt wurde. Daher tut es uns wirklich leid, dass einige Leute von außerhalb einen teils weiten Weg auf sich genommen hatten um dann evtl. genau auf jene Bands verzichten zu müssen, wegen denen sie hauptsächlich angereist waren…das ist echt Scheisse.?Wir bedauern es auch sehr, dass ULTHA und WOE so kurzfristig um ihren Auftritt gebracht wurden, und das aus Gründen, die wir zwar nicht mittragen können, aber eben letztlich akzeptieren müssen.
Unser Dank gilt allen, die dazu beigetragen haben, dass das DRONEBURG VII trotz der schwierigen Situation ein super Abend wurde, allen voran den Zuschauern und den Bands."



"Diese Situation ist vollkommen absurd", so WOE, die mehrheitlich aus jüdischen Musikern bestehen, in einem Statement. "Wir äußern seit Jahren ganz klar unsere politische und soziale Einstellung. Wir sind nie davor zurückgeschreckt, in Interviews oder online darüber zu sprechen, wir haben einen klassischen antifaschistischen Punk-Song gecovert, vor extrem unpolitischem Black-Metal-Publikum, und mit Songs wie 'No Blood Has Honour' auf unserem neuen Album fuhren wir diese Schiene weiter. Nebenbei zeigten wir unzähligen Black-Metal-Fans, die nie über Politik nachgedacht haben, dass es möglich ist, einen antifaschistischen Standpunkt zu haben, ohne die brutale, aggressive Haltung einer Black-Metal-Band aufzugeben. Diejenigen, die uns für unsere liberale Denkweise hassen, sollen das tun. Wir fänden das Ganze lustig, wenn es nicht gerade so schmerzlich wäre. WOE und unsere Tourkollegen ULTHA existieren, um Kunst zu schaffen, und nicht, um zu missionieren, aber wir sind auch unnachgiebig darin, dass es sehr wichtig ist, auf explizit unpolitischen Veranstaltungen mit verschiedenen Billings aufzutreten, um unsere sozialen und politischen Denkweisen zu repräsentieren. Der Black Metal ermuntert Leute dazu, Systeme zu hinterfragen, die anzugreifen die an der Macht sind und sich über veraltete Denkweisen hinaus zu entwickeln. Wenn wir nur vor Mengen mit blütenreiner Weste spielen würden, würde sich nichts ändern, niemand würde sich weiterentwickeln. Wir wollten bei diesem Event spielen, weil wir zuversichtlich waren, dass es nicht beeinträchtigen würde, wer wir sind."

Auch ULTHA negierten die Vorwürfe: "ULTHA ist eine Band von fünf Individuen, die für ihre Ideale einstehen. Auch wenn für uns in erster Linie die Liebe zur Musik im Vordergrund steht, so ist unsere linkspolitische Herkunft und Einstellung immer klar gewesen. Es steht außer Frage, dass wir diese jemals verraten oder verkaufen werden. Es ist unsere Überzeugung und entspricht unseren Idealen, vor Ort Stellung zu beziehen, denn nur so kann man auf Missstände aufmerksam machen. Dies wollen wir auf unsere Art und Weise tun. Mit der Zusage zu besagtem Festival haben wir uns weit aus dem Fenster gelehnt und für eine Kontroverse gesorgt, deren Ausmaß wir unterschätzt haben. Die mehr als zweifelhafte Vergangenheit von INQUISITION war uns im Vorfeld nicht gänzlich bewusst. Wie in unserem vorigen Statement schon erwähnt, verlassen wir uns auf Aussagen von Menschen, denen wir vertrauen. Auch wenn es nach außen so gewirkt haben mag, war es nicht unser Anliegen, INQUISITION zu verteidigen, aber wir glauben daran, dass Menschen sich ändern können. Klar ist und bleibt für uns – wir werden Rassismus und Rechtsradikalität niemals tolerieren."

Autor:
Onlineredaktion

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos