Classic Albums

Classic Albums 15.12.2010

OMEN - Warning Of Danger (1985)

1985 und 1986 waren für Metal Blade goldene Jahre. Slayer hatten mit „Hell Awaits“ ein Meisterwerk veröffentlicht, und Bands wie Fates Warning, Hallows Eve, Helstar, Armored Saint, Nasty Savage, Lizzy Borden und OMEN waren mitten in einer Kreativphase. Wir baten OMEN-Mastermind Kenny Powell und George Call, Nachfolger des damaligen Sängers J.D. Kimball, zur Zeitreise.

Kenny, was sind deine ersten Gedanken bezüglich „Warning Of Danger“?

»Zunächst war ich lange Zeit sehr deprimiert. Ich habe unser zweites Album als den perfekten Nachfolger zu „Battle Cry“ empfunden und dachte, es trägt nachhaltig zur Evolution der Band bei. Viele Leute meinten aber, dass es nicht die Klasse des Debüts hätte. Dass wir heute, bald 30 Jahre später, über dieses Album sprechen, zeigt aber, welches das reifere Album ist. Bei unserer letztjährigen Tour durch Südamerika kamen die Songs von „Warning Of Danger“ auch wesentlich besser an als die älteren Nummern. Auch in Europa höre ich immer wieder, welche Bedeutung gerade dieses Album für die Fans hat. Was mir noch hängen geblieben ist, ist ein Albumreview aus Texas. Der Schreiber meinte, wir sollten die Musik lieber sein lassen, weil wir unsere Instrumente nicht beherrschen würden, keine Songs schreiben könnten und das Album das schlechteste wäre, das er je gehört hätte. Daraufhin habe ich ihn angerufen und ihm eine gehörige Portion Prügel angedroht, wenn ich ihn je treffen würde. Das tat ich später dann auch, aber ich hatte ihm zu danken. Er war nun Programmdirektor eines großen nationalen Radiosenders, der OMEN mehr als alle anderen Sender pushte. Eine wirklich seltsame Wandlung des Typen.«

Was ist der Hauptunterschied zwischen „Battle Cry“ und „Warning Of Danger“?

»Meiner Ansicht nach haben wir uns mit jedem der ersten drei Alben verbessert. Das lag vor allem daran, dass wir mit der Zeit mehr von der Studiotechnik und dem Produktionsprozess verstanden. „Battle Cry“ war ein sehr raues Album, das in kurzer Zeit aufgenommen wurde, aber überragende Songs hatte und von unserem Enthusiasmus und unserer Leidenschaft lebte. „Warning Of Danger“ war dagegen tighter, kontrollierter, durchdachter und vom Songwriting her anspruchsvoller. Wir wussten nun, wie man Songs schreibt, und konnten unsere Ideen besser umsetzen. „The Curse“ war dann das professionellste Werk. Wir hatten das Level erreicht, das wir erreichen wollten, und auch im Studio die Möglichkeit zu einer wirklich ausgereiften Produktion. Ein Lieblingsalbum habe ich aber nicht. Jedes der ersten drei Alben hat eine besondere Bedeutung für mich. Mein Lieblingssong ist allerdings von „The Curse“: ´Teeth Of The Hydra´. Auf „Warning Of Danger“ ist der Titelsong mein Favorit, eine Nummer, die J.D. von seiner alten Band mitbrachte. Der Song hatte eine klasse Melodie, aber es fehlte noch was, und so habe ich ihn total umgeschrieben und einen OMEN-Song daraus gemacht. J.D.s Gesang ließ ich dabei im Vordergrund.«

Wer kam auf die Idee mit der Kobra, die bald euer Markenzeichen wurde?

»Eigentlich war die Kobra schon für das Cover von „Battle Cry“ vorgesehen und seit der Bandgründung als Wiedererkennungsmerkmal geplant, aber es sollte erst auf dem zweiten Album so weit sein. Das zweite Cover und damit das erste mit der Kobra hat der Künstler Gerald McLaughlin aus Kanada gemalt; auf „The Curse“ führte er das Konzept dann weiter.« (Gerald hat übrigens auch Cover für Hallows Eve, Agent Steel und Nuclear Assault gemacht. - wk)

Für was steht der Songtitel ´V.B.P.´?

»Ich liebe es, Instrumentalstücke zu schreiben, aber auch die brauchen einen Titel. Dieser ist ein Insiderwitz. Wir fanden für die Nummer keinen richtigen Titel und machten einen Wettbewerb daraus, den Buchstaben Bedeutung zu geben. Nach zwei Monaten kam ein weiblicher Fan mit der Kombination „Vibrating Butt Plug“ an.«

Auf dem Cover werden euer Labelboss Brian Slagel und die Band als Produzenten angegeben. Entspricht das der Tatsache? Hast du noch Kontakt zu Brian?

»Das Ganze ist ein Witz - zumal es auch noch heißt, dass Bill Metoyer mitgearbeitet hätte. Ich habe das Album alleine produziert, von der ersten Note bis zum finalen Mix und dem Mastering. Mit Brian habe ich seit Jahren nicht mehr gesprochen.«

Das Album wurde mehrfach von Metal Blade wiederveröffentlicht. Inwiefern warst du daran beteiligt?

»Das ist genau die Frage, die mich zum Rasen bringt. Von dem Geld habe ich nie was gesehen, und wir reden besser nicht über das Thema.«

Wie war das Verhältnis zu den anderen Metal-Blade-Bands?

»Man kam ganz gut miteinander aus. Mit Lizzy Borden haben wir sogar eine Zeit lang den Proberaum geteilt, und Tom Araya von Slayer hat uns bei den Aufnahmen zu „Battle Cry“ mehrfach im Studio besucht. Mit Joey Vera von Armored Saint bin ich bis heute gut befreundet.«

Wie sah es mit Auftritten nach dem Album aus?

»Eine richtige Tour haben wir nie auf die Beine gestellt. Es gab sporadische Auftritte, und wenn wir auf Tour waren, dann nur für sechs oder sieben Shows. Meistens spielten wir Wochenend-Gigs an der Westküste und später dann noch mal drei Tage in Texas.«

Was fühlst du, wenn du die Nummern heute auf der Bühne spielst?

»Stolz. Zudem sind die Songs für mich eine feste Lebensbegleitung. Es tut gut, zu sehen, dass die Leute die Stücke heute noch zu schätzen wissen.«

Ein Mosaikstein des Erfolges war der einzigartige Gesang des leider verstorbenen J.D. Wie kamt ihr miteinander aus?

»Unsere Beziehung hätte besser sein können. Ohne Zweifel war er der talentierteste Sänger und Songwriter, mit dem ich bis heute gearbeitet habe. Ich bedauere es zutiefst, nicht genug daran gearbeitet zu haben, die Probleme, die wir hatten, anzugehen. Vielleicht hätte das vieles geändert. Manchmal weiß man erst, was einem fehlt, wenn es vergangen ist. Für mich stehen die Lyrics bei OMEN auf gleicher Höhe wie die Riffs. J.D. brachte immer tolle Melodien ein, die ich dann mit meinen Riffs verbinden musste. Heute schaffen es nur die wenigsten Sänger, eigene Gesangslinien zu bieten; sie orientieren sich fast ausschließlich an der Gitarre. Für das Debüt schrieb ich die meisten Lyrics, bei „Warning Of Danger“ war J.D. dann selbst so weit und hat für mächtigen Input gesorgt.«

George, wann hast du das Album das erste Mal gehört, und was sind deine Erinnerungen?

»Ich habe mir das Album gleich nach der Veröffentlichung zugelegt. Weil ich schon das Debüt mochte, war mir klar, dass auch der Nachfolger mein Fall sein müsste. Und das traf voll zu. Die zweite Scheibe führte das Konzept von „Battle Cry“ fort und wirkte noch etwas ausgereifter. Das Album steht für den Heavy Metal seiner Zeit wie kaum ein anderes. Für mich waren OMEN die amerikanische Antwort auf Iron Maiden, und es ist eine der großen Ungerechtigkeiten der Musikindustrie, dass es diese Band damals nicht bis ganz nach oben geschafft hat.«

Wie war es für dich, in die Fußstapfen von J.D. zu treten?

»J.D. hatte wirklich eine einmalige Stimme und war ein Original. Als „Escape To Nowhere“, das erste Album ohne ihn, erschien, war der Zauber weg. Ich habe das Album viele Male gehört, aber ohne J.D. konnte die Band nicht mehr dieselbe sein. Heute bin ich froh, dass gerade ich sein Vermächtnis fortsetzen darf. Bei Aska singe ich gänzlich anders, bei OMEN versuche ich, die Nummern im Sinne von J.D. zu interpretieren. Bald erscheint unser neues Album, und das wird den Spirit der ersten drei Platten atmen.«

www.omenbattle.com

www.myspace.com/omenofficial

DISKOGRAFIE

Battle Cry (1984)

Warning Of Danger (1985)

The Curse (1986)

Nightmares (EP, 1987)

Escape To Nowhere (1988)

Teeth Of The Hydra (Best-of, 1989)

Reopening The Gates (1997)

Eternal Black Dawn (2003)

Into The Arena - 20 Years Live (Live, 2008)

Das Line-up auf „Warning Of Danger“:

J.D. Kimball (v.)

Kenny Powell (g.)

Jody Henry (b.)

Steve Wittig (dr.)

Fakten, Fakten, Fakten

Songs: 10

Spielzeit: 40:58

Produzent: Brian Slagel & Omen

Studio: Eldorado-Studios (Los Angeles)

Cover: Gerald McLaughlin

Bands:
OMEN
Autor:
Wolfram Küper

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.