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ToneTalk 27.03.2013

VOODOO CIRCLE , PRIMAL FEAR , SINNER - »Mutti, auf einer Saite Gitarre spielen kann ich auch!«

NAME: Alex Beyrodt
BANDS: Voodoo Circle, Primal Fear, Sinner, Rock Meets Classic
INSTRUMENT: Gitarre

Alex, was war für dich der Auslöser, mit dem Gitarrespielen anzufangen?

»(Lacht) Das ist mir jetzt ein bisschen peinlich. Als kleiner Knirps habe ich im Fernsehen Ricky King mit seiner weißen Strat und seinen schwarzen Klamotten gesehen und war begeistert. Ich habe mich zu meiner Mutter rumgedreht und meinte: „Mutti, auf einer Saite Gitarre spielen kann ich auch!“ Gott sei Dank habe ich aber kurze Zeit später den anderen Kerl in schwarzen Klamotten mit seiner weißen Strat für mich entdeckt. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre (lacht).«

Hast du dann Gitarrenunterricht genommen?

»Ich bin Autodidakt und habe mir eigentlich alles selbst beigebracht, abgesehen von ein paar Akkorden, die man am Anfang von Kumpels gezeigt bekommt. Als ich so ca. 15 Jahre alt war, bin ich dann doch mal zu einer Gitarrenstunde gegangen. Der Lehrer war ein ziemlich guter Gitarrist, der u.a. Sachen von Al Di Meola und Paco de Lucía draufhatte. Allerdings hat er mir ein Notenblatt vorgelegt und wollte, dass ich ´Alle meine Entchen´ spiele, was ich dann auch gemacht habe. Er meinte aber, das sei falsch gewesen, denn ich hätte ja nicht aufs Notenblatt geschaut, woraufhin ich ihn fragte, was das denn für einen Unterschied mache, wenn ich es doch schon spielen könne? Nein, das wäre falsch, ich müsse jeden Ton vom Blatt ablesen. Damit hatte sich dann das Thema Gitarrenunterricht nach dieser einen Stunde für mich erledigt (lacht).«

Verfügst du über viel Talent, oder gehörst du zu den Leuten, die sich alles hart erarbeiten müssen?

»Ich habe glücklicherweise eine Menge Talent in die Wiege gelegt bekommen, verfüge aber ebenso über eine Menge Ausdauer und Willenskraft. Gerade am Anfang habe ich sehr viel geübt, und es gibt viele Dinge, die ich mir hart erarbeiten musste. Einem Steve Lukather oder Steve Vai gehen einige Dinge sicherlich leichter von der Hand als mir. Ich muss mein Gehirn auch in mühevoller Kleinarbeit auf neue Fingersätze oder Skalen programmieren.«

Gab es ein Riff, einen Song oder ein Solo, das dich beim Üben in den Wahnsinn getrieben hat?

»Vor ca. sieben Jahren habe ich mal für die Firma Roland eine Workshop-Tour gespielt. Das Intro hierfür war irgendein Song von Dream Theater, dessen Titel mir gerade nicht einfällt. Der Song beinhaltete ein Wahnsinnssolo, bei dem ich mir jeden Abend die Finger verknotet und es wohl auch kein einziges Mal richtig gespielt habe.«

Was sind deine größten Einflüsse?

»Aufgewachsen bin ich mit Hendrix, Blackmore, Rory Gallagher und Alvin Lee. Aber auch Brian May auf der „Live Killers“-Tour hat mich sehr beeindruckt. Und natürlich Randy Rhoads, den ich glücklicherweise 1981 in der Saarlandhalle in Saarbrücken live gesehen habe. In dieser Nacht habe ich auch entschieden, dass ich ein professioneller Gitarrist und nichts anderes werden will.  Richie Kotzen, Doug Aldrich und John Sykes finde ich ebenfalls absolut genial, und ich mag den Powerblues von Philip Sayce oder Bonamassa.«

Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du zum ersten Mal Yngwie Malmsteen gehört hast? Stellte es für dich eine Zäsur im Rockgitarristenbereich dar, wie er zunächst bei Alcatrazz und dann später mit seinem ersten Soloalbum „Rising Force“ für Furore sorgte?

»Ich hatte vorher schon Al Di Meola, Paco de Lucía und John McLaughlin auf ihrer gemeinsamen Tour live gesehen, auf der auch das legendäre Album „Friday Night In San Francisco“ aufgenommen wurde. Von daher hatte ich schon vor Malmsteen mitbekommen, welche wahnsinnigen Geschwindigkeiten manche Gitarristen auf ihrem Instrument hinlegten und welche Wirkung harmonische Molltonleitern haben können. Natürlich hat Malmsteen das dann noch mal auf ein anderes Level gehievt, weil er deutlich rockiger und härter war. Ich muss aber zugeben, dass ich zunächst zu den Leuten gehörte, die ihn damals auf seine Geschwindigkeit reduziert haben und sich ansonsten wenig begeistert zeigten. Aber selbstverständlich war da eine Menge Neid im Spiel, weil ich so etwas eben nicht konnte. Malmsteen ist genauso alt wie ich, und da kann man es natürlich nicht so gut ab, wenn plötzlich jemand auftaucht, der 80.000-mal so schnell ist wie man selbst (lacht). Ich habe ihn neulich noch mal beim Marshall-Jubiläum in London live gesehen, und da hat er alle anderen weggeblasen. Er ist einfach unfassbar gut und agiert auf einem komplett anderen Level als fast alle anderen.«

Heutzutage zählst du auch nicht gerade zu den Schleichern auf dem Griffbrett. Gab´s da noch mal eine Initialzündung, bei der du dir dachtest: Jetzt muss mal Speed her?

»Ja, schon. Mitte der Neunziger wurde mir bewusst, dass ich einfach mehr an meiner Technik arbeiten muss, weil ich auch diese Sachen spielen wollte, die damals gerade im Metal ja fast schon technischer Standard waren. Auch wenn ich meine diesbezüglichen Ziele bestimmt zu einem großen Teil irgendwann erreicht habe, bin ich immer noch Lichtjahre von dem entfernt, was ein Yngwie Malmsteen und manch ein anderer spielt. Mittlerweile bin ich aber auch wieder da angekommen, wo ich eigentlich herkomme, und lege in erster Linie Wert auf melodisches und gefühlvolles Spiel.«

Also gehörst du zu den Leuten, die in jedem Fall dem Feeling einen höheren Stellenwert als der Technik beimessen?

»Feeling ist immer wichtiger, denn das Gefühl trifft die Zuhörer im Herzen. Technik ist sicherlich vonnöten, um gewisse Dinge sicher und selbstbewusst spielen zu können. Meiner Meinung nach ist es aber deutlich schwieriger, ein Solo aus wenigen Tönen schön zu gestalten, als viele Töne schnell zu spielen.«

Was war deine erste Gitarre?

»Eine Höfner, die sehr bald auch sehr leiden musste (lacht). Die wäre heute bestimmt ein gesuchtes Sammlerstück, wenn ich nicht auf die Idee gekommen wäre, sie abzubeizen, um ihr den Eddie-Van-Halen-Streifen-Look zu verpassen (lacht). Die gammelt immer noch irgendwo unspielbar als Zombie bei mir im Keller vor sich hin.«

Sammelst du Equipment?

»Ja, leider. Ich habe alleine ca. 40 Gitarren, wovon mir die eine oder andere schon viel bedeutet. Beispielsweise bin ich einer der Glücklichen, die das auf 100 Stück limitierte „Play Loud“-Fender-Signature-Strat-Modell von Malmsteen ergattern konnten. Dann liegt mir auch sehr viel an meiner Siggie Braun Strat, mit der ich jahrelang durch die Welt getourt bin. Mit der war ich z.B. mal an der Chinesischen Mauer und habe sie extra dagegengeknallt und mir den Kratzer im Lack als Souvenir mitgenommen (lacht). Aktuell liegt mir natürlich viel an meinen Signature-Les-Pauls von FGN, die wirklich erstklassige Instrumente sind. Zudem habe ich noch etliche Verstärker, Effektpedale usw. Insgesamt ist das schon ein ziemlich umfangreiches Sammelsurium in meinem vollgestellten Keller.«

Vor ein paar Jahren hast du mit den Guitar-Slinger-Modellen eine eigene Bodeneffektpedal-Serie aufgelegt. Besteht dein Live-Setup ausschließlich aus deinen eigenen Modellen?

»Das ist verschieden. Ich passe mein Setup immer den Gegebenheiten an, je nachdem mit welcher Band ich gerade unterwegs bin. Mein Hauptbetätigungsfeld im Bereich Equipment hat sich allerdings in letzter Zeit dahingehend verschoben, dass ich mittlerweile der Generalimporteur für Montreux-Gitarrenparts bin. Von Montreux bekommt man eigentlich alles an Gitarren-Hardware, was man an Ersatzteilen oder Upgrades für unzählige Gitarrenmodelle gebrauchen kann.«

Was ist die hässlichste Gitarre, die du jemals gesehen hast?

»Die besitze ich selbst, und eigentlich ist sie eine wirklich fantastische Gitarre. Das Problem ist: Sie wurde mir vom Hersteller geschenkt, und deshalb kann ich den Namen nicht nennen, das wäre dann doch ein bisschen unfair (lacht). Das war ja wirklich gut gemeint, und er dachte sicherlich, er würde mir eine Freude machen, aber eigentlich wollte ich das Ding gar nicht haben.«

Dann beschreib doch wenigstens mal, wie sie aussieht.

»Wie ein schlecht gebautes Raumschiff (lacht).«

Spielst du lieber mit Kabel oder mit Sender?

»Ich spiele immer noch Kabel, auch wenn meine Bandkollegen mich auf der Bühne dafür hassen.«

Bodenpedale oder 19“-Effekte?

»Bodenpedale. 19“-Effekte hatte ich auch mal, aber analoge Bodenpedale klingen besser. Zudem kann ich damit auf der Bühne meinen eigenen Sound spontaner gestalten. Bei den 19“-Teilen hat man halt seine vorprogrammierten Presets und kann während des Auftritts eigentlich nichts mehr daran verändern.«

Röhren, Transistor oder Amp Modeling?

»Eindeutig Röhre und nichts anderes.«

Was ist cooler, Twin Guitars oder Einzelgitarristen?

»Puh, ich mache ja beides. Ich mag es durchaus sehr, wenn wir bei Primal Fear mehrstimmige Sachen spielen, auf der anderen Seite bin ich natürlich ein bisschen freier, wenn ich bei Voodoo Circle alleine Gitarre spiele. Beides hat seinen Reiz.«

Hast du ein Lieblingssolo?

»Das ist eine schwierige Frage, da gibt es unzählige. Ich mag z.B. ausnahmslos alles, was John Sykes auf Whitesnakes „1987“ gemacht hat. Wenn ich ein Solo rauspicken muss, entscheide ich mich für ´Gates Of Babylon´ von Rainbow. Was Blackmore da zaubert, ist meiner Meinung nach das Beste, was er je gespielt hat, und eines der besten Soli aller Zeiten.«

Welche Platte hat den besten Gitarrensound?

»Das ist schwer, aber in letzter Zeit fand ich die Gitarrensounds auf „All´s Well That Ends Well“ von Steve Lukather sehr geschmackvoll und songdienlich.«

Auf welcher Platte hättest du gerne gespielt?

»„Machine Head“ von Deep Purple.«

Welcher Gitarrist sieht auf der Bühne am coolsten aus?

»Von allen, die ich live gesehen habe, fand ich Randy Rhoads am coolsten.«

Die Gitarre auf Brusthöhe oder auf den Knien?

»Les Paul auf den Knien, Strat auf Bauchhöhe.«

Welcher Gitarrist ist unterbewertet?

»Richie Kotzen ist vielleicht nicht unterbewertet, hätte aber deutlich mehr Aufmerksamkeit und Erfolg verdient. Der Typ spielt unglaublich geil Gitarre, singt super, schreibt tolle Songs und sieht dabei auch noch gut aus.«

Welche Fehler machen Nachwuchsgitarristen deiner Meinung nach am häufigsten, und welche Tipps hast du für sie auf Lager?

»Es gibt viele, die eine schlechte Intonation haben und auf ungestimmten Instrumenten spielen, und das auch gerne mal stundenlang. Da weiß man dann manchmal nicht, ob sie´s nicht hören oder ob es ihnen einfach egal ist. Schlechte Intonation kann auch daher kommen, dass man zu fest auf die Saiten drückt. Als Nachwuchsgitarrist sollte man darauf achten.«

www.voodoocircle.de
www.matsinner.co 
www.montreuxguitars.com
www.fgnguitars.de

Bands:
SINNER
PRIMAL FEAR
VOODOO CIRCLE
Autor:
Andreas Himmelstein

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