Interview

Interview 12.08.2020, 11:44

VALKYRIE - Die Familie hält zusammen

VALKYRIE aus Virginia haben fünf Jahre nach dem Vorgänger „Shadows“ einen traditionellen, doch passionierten Longplayer aufgenommen, der viel Raum für die zweistimmigen Leadgitarren lässt und das Rhythmus-Fundament besser den je integriert. Wir sprachen mit den Brüdern und Bandleadern Jake und Pete Adams über „Fear“ und die Lage im VALKYRIE-Camp in der Coronakrise.

Jake und Pete, zunächst einmal hoffe ich, dass bei euch und euren Familien alles in Ordnung ist. Gibt für euch als Band eine Möglichkeit, den Release des neuen Albums zu feiern, obwohl Live-Konzerte noch sehr weit weg scheinen?

Pete: »Danke dir! Ja bei uns ist alles bestens und das wünsche ich dir natürlich auch. Leider konnten wir zum gemeinsamen Feiern noch nicht zusammenkommen und auch nicht spielen. Das könnten wir alle als eine Therapie gebrauchen!«

Jake: »Ich hoffe, dass die Leute so heißhungrig auf Konzerte sind wie nie zuvor, wenn es wieder okay ist und es noch mehr Spaß macht als vorher.«

VALKYRIEs neues Album kommt fünf Jahre nach dem Vorgänger „Shadows“. Warum heißt es „Fear“? Ein Wort, das viel bedeuten kann und uns vielleicht mehr umgibt, als je zuvor.

Pete: »"Fear" wird genauso ausgesprochen wie das deutsche „Vier“, deshalb steht der Titel für unsere vierte Veröffentlichung, für den Song 'Fear And Sacrifice' und es passt eben in die aktuelle Zeit.«

Jake: »Warren (Hawkins, Drums – ms) hatte die Idee. Er hat deutsche Vorfahren und ist sehr mit der Kultur und Geschichte vertraut. Es machte einfach Sinn, da es ein lyrisches Thema ist. Das haben wir aber alles entschieden, bevor irgendjemand vom Coronavirus gehört hatte. Aber seitdem ist die Angst so präsent in der Gesellschaft geworden, dass es umso mehr passt.«

Auf dem Cover sehen wir einen alten Mann mit einer Sense und einem Haufen Krähen, die eine Sanduhr zerstören. Diese Krähen kamen schon auf dem Cover von „Shadows“ vor. Was könnt ihr über das Konzept berichten, das vom Künstler Jeremy Hush umgesetzt wurde?

Jake: »Wir hatten Jeremy für das Artwork von „Shadows“ kontaktiert, weil er sehr gut Vögel zeichnen kann. Wir wollen Krähen und einen roten Falken, weil wir vor den Aufnahmen ein paar Erfahrungen mit diesen Vögeln gemacht hatten. Also fühlte es sich richtig an, sie dieses mal wieder dabei zu haben. Die Figur mit der Sense ist Vater Zeit, auch bekannt als Saturn, Kronos oder Tod. Es steckt jede Menge Symbolik darin, auf die ich nicht zu tief eingehen will. Ich möchte den Betrachtern ihre eigene Sichtweise lassen.«

Auf musikalischer Ebene arbeitet ihr als Brüder schon sehr lange zusammen. Habt ihr in den letzten Jahren neue Differenzen und Ähnlichkeiten unter euch bemerkt, die Effekte auf das Songwriting hatten?

Pete: »Jake und ich haben immer unterschiedliche Weisen, in welchem Stil wir spielen wollen. Das gibt uns als Band mit zwei Gitarren die beste Dynamik und funktioniert sehr gut. Wenn es etwas Neues gibt, wäre es das Älterwerden, und dass wir den Songs mehr Tiefe verleihen wollen. Sie sollen gut geschrieben sein und wir wollen ehrlich mit uns und der Musik sein, die wir machen.«

Jake: »Ich finde es schön, dass Pete mit den Jahren eine aktivere Rolle im Songwriting übernommen hat. Seine Zeit mit Baroness hat ihm geholfen, verschiedene Sichtweisen auf das Schreiben von Songs zu bekommen. Das hat uns im gesamten Prozess mit Sicherheit nach vorne gebracht.«

Wie können wir uns eure Art und Weise des Zusammenkommens vorstellen? Wohnt ihr in der selben Stadt und jammt in regulären Abständen, oder spielt sich das mehr online ab?

Pete: »Wir leben alle ein bis zwei Stunden von einander entfernt und müssen das Beste daraus machen, wenn wir gemeinsam proben. Wenn wir in einem kreativen Modus sind, spielen wir wöchentlich in Alans (Fary, Bass – ms) Keller. Zu anderen Zeiten treffen Jake und ich uns unter der Woche und arbeiten an Songs. Virginia ist groß genug, um sich räumlich zu verteilen, so dass wir viel auf die wenige Zeit setzen, die uns zum Proben bleibt. Selbstverständlich spielen wir auch jeder für sich zuhause, um nicht aus der Übung zu kommen.«

Jake: »Wir schicken uns manchmal kleine Riffs über die Mikrofone unserer Handys, aber nicht viel mehr als das. Pete und ich schreiben viel zusammen und bringen die Songs in die Band. Anschließend arbeiten wir alles ganz klassisch aus.«

In der Geschichte von VALKYRIE haben einige Bassisten und Drummer in der Band gespielt und sie wieder verlassen. Seit längerer Zeit gibt es Stabilität und die Bass-Lines und Schlagzeug-Details von Alan und Warren sind sehr auffällig bei „Fear.“ Sie fallen nicht hinter die Vocals oder beide Lead-Gitarren zurück – sehr ausbalanciert für jeden, oder was meint ihr?

Pete: »Klar, ich stimme dir zu. Wir wollten, dass die Rhythmus-Sektion auf „Fear“ mehr Aufmerksamkeit bekommt. Alan und Warren sind tolle Musiker und haben super viel anzubieten. Das ist ein gutes Beispiel dafür. Eine Band kann nur so gut sein, wie ihre Rhythmus-Fraktion. Ohne die beiden hätten wir das Album nicht schreiben können und es wäre live auch nicht machbar. Ich liebe es, mit Warren zusammen zu spielen, weil er immer ein neues Fill bringt oder kleine Ideen, die deine Perspektive verändern. Alan ist ein souveräner Gitarrist und Bassist. Er bringt sich mühelos ein, ohne separate Aufforderung. Es geht um uns vier in VALKYRIE, die ihr ohne Tricks, Gimmicks und Fassaden hören sollt.«

Manchmal finde ich es schwierig, „Fear“ in meinem Kopf zu sortieren, weil alle Tracks und Instrumente miteinander verwoben und in einer Strömung sind, in die man eintaucht. Auf der zweiten Hälfte des Albums gibt es 'Brings You Down' und 'Exasperator'. Die Tracks lassen viel Raum für weniger Verzerrung und die Sounds sind tief im Classic Rock der 70er verwurzelt. Wie eng haltet ihr euch an Arrangements und Equipment aus dieser Zeit?

Pete: »Außer dass wir von vielen Bands aus dieser Zeit beeinflusst sind, haben wir keine Motivation, „korrektes“ Equipment zu benutzen. Warren hat ein großartiges Ludwig-Drumkit. Ein Modell, dass John Bonham regelmäßig gespielt hat. Wir halten uns so oder so nicht an diese Periode, es ist einfach die Art und Weise auf der alle Musik basiert, die wir spielen oder die wir gern hören.«

Jake: »Ich denke als wir anfingen, haben wir uns ein paar Sachen von Sabbath und Maiden abgeschaut, aber seitdem haben wir unser eigenes Ding gefunden. Grundsätzlich beginnen unsere Songs oft düster und entwickeln sich in eine positive, aufbauende Art. Wir versuchen das nicht immer zu machen, aber meistens kommt es von selbst. Wir sind keine Sklaven bestimmter Instrumente, aber wir mögen gewisse Sounds, unabhängig davon welche Technik uns dahin führt.«

In einem eurer Social-Media-Beiträge dankt ihr ausdrücklich einer Frau, die am Schreibprozess der Texte beteiligt war. Bitte erzählt uns mehr über die Hintergründe dieser Partnerschaft und wie ihr miteinander gearbeitet habt!

Jake: »Vor ein paar Jahren habe ich in einer komplizierten Beziehung gelebt und in dieser Zeit sind die Texte und Gesangsmelodien entstanden. Ich erwähne sie, weil sie mir in diesem Prozess immens geholfen hat. Sie war an den Schlüsselphrasen von 'Afraid To Live' beteiligt. Ihre Familie stammt aus dem Mittleren Osten und sie glauben sehr stark an das 'Evil Eye'. Das war eine direkte Inspiration für den Song, der sich an die regionalen Gebräuche dort richtet.«

Seid ihr aktuell noch in andere musikalische oder allgemein kreative Projekte involviert, da Konzerte und Festivals für Musiker und Fans bis auf weiteres nicht stattfinden?

Jake: »Während Alan an den Songs für seine andere Band Earthlings arbeitet, die eine Art rockigen Blackened Thrash spielen, sind wir anderen meistens mit unseren Jobs beschäftigt. Alan hat in einer Firma gearbeitet, die Schilder designed und installiert. Ich habe an einer öffentlichen Schule als Lehrer für alte Geschichte gearbeitet, Pete baut selbst entworfene Küchen und Warren konzentriert sich auf Möbelbau und Holzarbeiten, die mit soviel Handarbeit wie möglich entstehen.«


https://valkyrieband.com

https://www.facebook.com/thevalkyrierides

Bands:
VALKYRIE
Autor:
Meredith Schmiedeskamp

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