Festivals & Live Reviews


Pics: Brigitte Calmund

Festivals & Live Reviews 22.01.2020, 13:56

URIAH HEEP - Frankfurt, Jahrhunderthalle

„Music & Stories“ - eine so noch nie da gewesene Veranstaltungsreihe sorgt schon im Vorfeld für große Aufmerksamkeit. Angesagt sind „3 Bands, 3 Concerts And A Bunch Of Backstage Secrets”. URIAH HEEP, NAZARETH und WISHBONE ASH können auf 50 Jahre Historie zurückblicken, hab jeweils noch ein Urmitglied in ihren starken Line-ups. Es ist klar, dass man unzählige Klassiker erwarten kann und die Herren einiges zu erzählen haben. Seltsam nur, dass die Show in Frankfurt zehn Euro teurer als in den meisten anderen Tourstationen ist.

Den Auftakt machen um 19 Uhr WISHBONE ASH. Für Andy Powell und seine drei Begleitmusiker ist es nach den Auftritten 1988 mit Rush in der Festhalle und ein Jahr darauf als Headliner in der Music Hall erst der dritte Auftritt in Frankfurt. Und der könnte nicht besser starten, denn die ersten Songs heißen 'The King Will Come', 'Warrior' und 'Throw Down The Sword' und auch die brandneue Nummer 'We Stand As One' bewegt sich auf ganz hohem Niveau. Im Mittelpunkt steht das bahnbrechende „Argus”-Album von 1972 mit vier Songs. Die Twin-Lead-Guitar-Pioniere - Andy Powell natürlich an seiner Gibson Flying V und bei guter Stimme - ziehen ihren Auftritt souverän durch und bieten als ruhigster Vertreter der Veranstaltung einen erstklassigen Auftakt für den langen Abend.

Wer dann ins Foyer verschwindet, verpasst was. Host bzw. Moderator des Abends ist Andy Scott von The Sweet und der nutzt die Umbaupausen für Interviews mit den Bands. Zunächst knöpft er sich Mick Box und Bernie Shaw von URIAH HEEP vor. Und natürlich haben die beiden - wie später auch Andy Powell und Pete Agnew - was über „Sex, Drugs und Rock'n'Roll“ zu erzählen. Andy liefert Stichwörter und die Herren plaudern hochamüsant über Sex mit der Ehefrau, Aspirin, Alkohol, Groupies, John Lennon, Rudolf Schenker, Joe Walsh, Namensverwechslungen, Konzerte in Bergwerken und auf Bergen. Zudem findet man im Foyer die „Magic Moments Of Rock“-Ausstellung des Bravo-Fotografen Didi Zill. Leider fällt diese mit nur zehn Bildern vom Umfang her recht dürftig aus. Aber die Exklusivbilder von Motörhead, Alice Cooper, Joan Jett, The Police, Iron Maiden, Little Richard, Ozzy Osbourne und den Bands des Abends sind ganz große Kunst und Musikgeschichte.


NAZARETH mit Urmitglied Pete Agnew und seinem Sohn am Schlagzeug sind die härtesten Vertreter des Abends und seit Jahren ohne Dan McCafferty unterwegs. Mit Carl Sentance, der schon für Krokus und Persian Risk aktiv war, hat man den bestmöglichen Ersatzmann gefunden, denn der Lockenkopf hat nicht nur ein Ausnahmeorgan, sondern ist auch ein begnadeter Entertainer und Stimmungsmacher. Kein Wunder, dass sich das Publikum sofort von den Stühlen - ja die Halle ist komplett bestuhlt - erhebt. Natürlich hat die Truppe aus Dunfermline ihre beiden Balladen (auf der Bühne Powerballaden) 'Love Hurts' und 'Dream On' im Programm, scheut sich aber nicht, selbstbewusst zwei Titel des aktuellen - überraschend abwechslungsreichen und harten - Albums in die Setlist einzubauen. In der finden sich gleich vier Fremdkompositionen ('This Flight Tonight', 'Beggars Day', 'Love Hurts' und 'Morning Dew'), die gekonnt gecovert werden und die Band seit Ewigkeiten prägen. Und war die Stimmung beim Opener noch etwas reserviert, ist dann das doch etwas ältere Publikum außer sich vor Begeisterung. Zurecht!

Als sich der Vorhang für den Headliner URIAH HEEP öffnet und die große Bühne freigibt, überrascht zunächst der Blick Richtung Keyboards. Denn da thront nicht wie gewohnt Phil Lanzon, sondern Don Airey. Grund ist der tragische Tod von Lanzons Sohn. Und wenn jemand dermaßen kurzfristig das prägende Instrument übernehmen kann, dann ist das der Ausnahmemusiker Airey, der schon für Rainbow, Deep Purple, Ozzy Osbourne, Black Sabbath, Gary Moore, UFO, Thin Lizzy, Whitesnake, Judas Priest, Saxon, Bruce Dickinson und die Michael Schenker Group auf den Tasten gezaubert hat. Und auch heute macht er einen klasse Job, liest die Noten teilweise ab, improvisiert und freut sich, eine weitere Band unterstützt zu haben. Ansonsten steht das Dreamteam Mick Box (72 Jahre!) und Bernie Shaw im Mittelpunkt der Show. Wie gewohnt strahlen die beiden wie Honigkuchenpferde, mischen ihre Klassiker mit dem superben neuen Material. Und klar, dass bei 'Lady In Black' (ja, da muss mal die Akustikgitarre ´ran) der Abend seinen Höhepunkt erreicht. Klar, dass sich die Band nicht mit einer Ballade verabschiedet, und so folgt nach 'Sunrise' mit 'Easy Livin' die härteste und schnellste Nummer der Band.

Nach vier Stunden endet ein außergewöhnlicher Abend zu den Wurzeln des Hardrocks, der definitiv zu den Highlights des Jahres zählen wird. Das britische Triumvirat lieferte Klassiker, Klassiker, Klassiker, die man anderswo wohl nicht mehr so gebündelt präsentiert bekommt. Es bleibt zu hoffen, dass die beteiligten Musiker gesund bleiben und weiterhin im Studio und auf der Bühne aktiv sein werden. Gespannt sein darf man, wie das Ganze nächstes Jahr fortgeführt werden kann, denn viele aktive Veteranen auf diesem Niveau gibt es (leider) nicht mehr.

SETLIST WISHBONE ASH

The King Will Come

Warrior

Throw Down The Sword

We Stand As One

Jail Bait

Phoenix

Blowin' Free

SETLIST NAZARETH

Miss Misery

Razamanaz

This Flight Tonight
Dream On 

Change

Beggars Day

Changin' Times

Hair Of The Dog

Tattooed On My Brain

Love Hurts

Morning Dew

SETLIST URIAH HEEP

Grazed By Heaven

Too Scared To Run

Take Away My Soul

Rainbow Demon

Gypsy

Look At Yourself

July Morning

Lady In Black

Sunrise

Easy Livin'

Bands:
URIAH HEEP
NAZARETH
WISHBONE ASH
Autor:
Wolfram Küper

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