Classic Albums

Classic Albums 01.01.1970, 01:00

CORROSION OF CONFORMITY - Unendlicher Krieg

„In The Arms Of God“ ist der Kritikerliebling unter den CORROSION OF CONFORMITY-Alben. Platz drei in unserer Richterskala fuhr das Werk seinerzeit ein, kassierte vom Kollegen Thomas Kupfer opulente 9,5 Punkte und verewigte sich im Mittelfeld unseres Meilenstein-Schinkens „Die 500 stärksten Scheiben aller Zeiten“. Wir schnappten uns Pepper Keenan, den Sänger, Gitarristen und Hauptsongwriter der Scheibe, und plauderten mit ihm über den Klassiker.

Pepper, was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du an die Entstehungszeit von „In The Arms Of God“ denkst?

»Von allen CORROSION OF CONFORMITY-Alben, die wir bisher gemacht haben, ist das eine meiner Lieblingsplatten. Mit ihr haben wir unsere eigenen Erwartungen übertroffen. Trotz der widrigen Umstände wurde „In The Arms Of God“ bezüglich Sound und Songwriting zu einem wahren Monster. Es passte einfach alles perfekt zusammen. Ich bin sehr stolz auf dieses Album.«

Von welchen widrigen Umständen sprichst du?

»Es gab einige Probleme. Wir mussten einen Ersatzmann finden, weil unser langjähriger Schlagzeuger Reed Mullin nicht im Boot war. Stanton Moore, ein Jazz-Drummer, der einen wirklich tollen Job ablieferte und die ganze Band anfeuerte, sprang ein. Außerdem bedrohte der Hurrikan Katrina meine Heimat New Orleans, als wir in Europa auf Tournee gehen sollten. Ich musste den Trip wegen der Katastrophe absagen. In New Orleans herrschte ein einziges Chaos. Dadurch konnte ich den Album-Zyklus zu „In The Arms Of God“ nie richtig sauber abschließen.«

Welches ist deine lebendigste Erinnerung an die „In The Arms Of God“-Zeit?

»Während wir das Album einspielten, bekam ich einen Anruf, dass Dimebag Darrell erschossen worden war. Zu dem Zeitpunkt nahm ich im Studio gerade den Song ´In The Arms Of God´ auf. Das war sehr seltsam. Dimebag und ich waren sehr gute Freunde.«

Warum habt ihr euren Schlagzeuger Reed für die „In The Arms Of God“-Aufnahmen nicht zurück ins Boot bekommen?

»Er hatte die Band schon vorher verlassen und drehte zu dem Zeitpunkt sein eigenes Ding, während wir mit CORROSION OF CONFORMITY weitermachten. Ich habe erst vor drei Jahren zum ersten Mal seit seinem Ausstieg wieder mit ihm gesprochen. Es gab damals kein böses Blut. Wir gingen einfach nur eine Weile unsere eigenen Wege. Und jetzt spielen wir wieder zusammen, als wäre nie etwas gewesen. Das fühlt sich an wie eine kleine Zeitreise.«

Gab es damals ein Auswahlverfahren für den vakanten Schlagzeuger-Posten?

»Nein. Es gab zwar ein paar Jungs, die den Job gerne machen wollten, aber unser Material konnte nicht jeder so spielen wie Reed. Mein Kumpel Stanton kapierte glücklicherweise sofort, wie man die Songs spielen musste, woraufhin wir ihn für die Aufnahmen anheuerten. Ein anderer Freund von mir, Jason Patterson, ging mit uns auf Tour. Damals waren wir mit Clutch in Großbritannien. Das war das einzige Mal, dass wir mit „In The Arms Of God“ in Europa unterwegs gewesen sind.«

„In The Arms Of God“ ist aktuell das letzte Album mit CORROSION OF CONFORMITY, auf dem du gesungen und Gitarre gespielt hast. Wie beurteilst du heute mit ein wenig Abstand deine musikalische Leistung auf dieser Platte?

»Ich habe rund neun Jahre nicht live gesungen – abgesehen von einigen kleinen Gesangspassagen bei anderen Projekten. Tatsächlich habe ich aber das Gefühl, dass ich die Sachen heutzutage besser singe als damals. Mir war es wichtig, musikalisch eine komplett andere Richtung einzuschlagen als auf dem Vorgänger „America´s Volume Dealer“. Die Platte sollte dreckiger und bombastischer klingen. Dabei blieb nicht mehr viel Platz für den groovigen Kram.«

Welches war der erste Song, den ihr für das Album aufgenommen habt?

»Ich glaube, das war ´Stonebreaker´. Mir schwirrte auch schon der Albumtitel „In The Arms Of God“ im Kopf rum, als wir uns an das Songwriting machten. Dadurch hatten wir bereits eine grobe Idee, in welche Richtung es gehen sollte. Mit Stanton als Interims-Schlagzeuger öffneten sich für uns neue kreative Horizonte. Wir kontrollierten die Kompositionen nicht, sondern schauten einfach, in welche Richtung sie sich entwickelten.«

Was ist dein Lieblingssong auf dem Album?

»Ich mag ´Never Turns To More´, weil es eine bombastische Heavy-Nummer ist, mit einem ausgebremsten Mittelteil, guten Textzeilen und einem Killer-Groove.«

´Crown Of Thorns´ enthält kurze, verzerrte Sprach-Samples.

»Das bin ich mit unserem Produzenten John. Wir sind auf LSD und Acid abgedreht.«

Auf ´Rise River Rise´ hört man hingegen fernöstliche Klänge, und du spielst auf einer Mandoline.

»Ich stamme aus Louisiana. Da spielt man oft solches Mandolinen-Zeug. Das Instrument passte einfach zu dem Song. Ich schreibe tatsächlich eine Menge Riffs auf der Mandoline. Bei mir zu Hause liegen auch noch eine Ukulele und andere kleine, seltsame Gitarren rum.«

Warum hast du die Platte „In The Arms Of God“ genannt?

»Ich glaube, dass mir damals irgendein Junkie erzählte, dass er sich so fühle, als läge er in Gottes Armen. Das fand ich ziemlich abgefuckt. Außerdem fand ich reizvoll, dass das Wort „arms“ auch für „Waffen“ steht. Als wir das Album aufnahmen, wohnte ich eine Weile im Haus von Woodys Großmutter in North Carolina. Die alte Dame lebte damals im Altenheim. Das ganze Haus dieser Frau war voll mit Bibeln und anderen religiösen Büchern. Manchmal schnappte ich mir eines der Bücher und las darin. Es war echt eine schräge Atmosphäre. Im Album-Artwork sieht man auf einem Foto die Band in einem Flur stehen. Das war im Haus von Woodys Großmutter.«

Lass uns ein wenig über die Songtexte reden. Wie bist du auf den Titel ´Stonebreaker´ gekommen?

»Das ist der Familienname meines guten Kumpels Mike Stonebreaker. Ich fand den Namen total bizarr und fragte mich, woher er wohl stammt.«

Was inspirierte ´Infinite War´?

»Die algerische Nationalhymne. Aus ihr stammen einige Songtextzeilen.«

Wie kommt man denn auf so eine Idee?

»Ich reise und lese viel – auch sehr bizarre Sachen.«

´Paranoid Opioid´ klingt ziemlich verdrogt.

 »In dem Song geht es um einige Freunde, die in der Drogenwelt verloren gegangen sind.«

Wovon handelt ´Crown Of Thorns´?

»An diesen Textzeilen habe ich lange gesessen. Es ist ein antireligiöses Stück, in dem es um organisierte Religion geht.«

Wo warst du, als der Hurrikan Katrina tobte?

»Zu Hause. Die Situation war verrückt. Es herrschte Anarchie, Brände loderten, und Kriminalität machte sich breit. Es war drei Wochen lang stockdunkel, weil wir keinen Strom hatten. Drei Tage nach dem Sturm sollte eigentlich unsere Europa-Tournee mit Motörhead beginnen. Ich erinnere mich noch, wie ich mit Lemmy telefonierte und ihm absagen musste. Das brach mir wirklich das Herz. Ich hatte noch nie zuvor so etwas gecancelt. Lemmy hatte Verständnis. Er verfolgte die Geschehnisse selbst auf CNN. Er fragte mich sofort, ob ich irgendwelche Waffen benötigen würde. Er hätte einige Biker-Kumpels in Texas, die mir diesbezüglich aushelfen könnten (lacht). Verrückterweise handelt der Song ´Rise River Rise´ von der Fantasie, dass die ganze Stadt überflutet wird. Dabei wurde er VOR Katrina geschrieben. Das war damals echt komisch.«

Von 2006 bis 2010 legte die Band eine Pause ein. Seit dem 7. März 2015 bist du wieder mit an Bord. An dem Tag hast du in Manchester deine erste CORROSION OF CONFORMITY-Show seit neun Jahren gespielt. Auf der Setlist standen auch die „In The Arms Of God“-Songs ´Paranoid Opioid´ und ´Stonebreaker´. Wie war es?

»Cool. Ich kannte den Club und wusste, dass er eine gute Anlage hat. Wir hatten ordentlich geprobt und gingen bestens vorbereitet auf die Bühne.«

Warst du nervös?

»Ich war nur ein wenig nervös wegen meiner Stimme. Mir war zwar klar, dass ich singen kann, aber ich war mir nicht sicher, ob meine Stimme vier Shows in Folge durchhält. Das hatte ich eine Weile nicht gemacht.«

www.facebook.com/corrosionofconformity

Pic: Marc Villalonga

Bands:
CORROSION OF CONFORMITY
Autor:
Conny Schiffbauer

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