Interview

Interview 17.03.2021, 11:18

U.D.O. - Mit Abstand im Amphitheater

U.D.O. zählen zu den wenigen glücklichen Bands, die im vergangenen Coronajahr 2020 tatsächlich die Möglichkeit bekamen, ein Live-Konzert vor Publikum zu spielen. Da verwundert es nicht, dass Fronter Udo Dirkschneider und seine Mannen für den Social-Distancing-Gig vor 2.500 hungrigen Metalfans im historischen Amphitheater der bulgarischen Stadt Plovdiv kurzerhand die Kameras mitlaufen ließen. Herausgekommen ist dabei mit "Live In Bulgaria 2020 - Pandemic Survival Show" ein besonderes Live-Zeitdokument, für das die Gesangslegende sogar noch einmal einige seiner alten Accept-Meilensteine hervorkramte. Wir führten mit Udo Anfang Februar ein entspanntes Gespräch.

Udo, wie geht es euch als Band angesichts der derzeitigen Situation?
»Ich sage es mal so, es gibt schlimmere Sachen. Bevor wir die Wände anstarren, komponieren wir einfach. Das ist im Augenblick das einzige, was wir machen können. So viel Material wie möglich. Wenn das Touren wieder losgeht, könnten wir uns als Band auf eine immens lange Tour einstellen.«

Ihr hattet das große Glück, als eine von wenigen Bands letztes Jahr eine Live-Show auf die Bühne bringen zu können. Welche Erfahrung war es, dieses besondere Social-Distancing-Konzert im Amphitheater in Plovdiv zu spielen und als "Live in Bulgaria 2020 - Pandemic Survival Show" aufzuzeichnen?
»Es war eigentlich überhaupt nicht geplant, die Sache aufzunehmen und zu filmen. Wir bekamen das Angebot von der Regierung in Bulgarien und dem größten Promoter dort für Rock- und Metal-Musik und dachten uns: „Ok, wir sagen mal zu. Ob es dann wirklich stattfindet, werden wir sehen.“ Ziemlich kurzfristig kam dann die Zusage, dass wir anreisen können und auch die Location bekommen. Da war uns dann auch klar, dass wir das bei der Kulisse auf jeden Fall irgendwie mitfilmen müssen. Aufnehmen war sowieso kein Problem, wir sind technisch so ausgerüstet, dass wir fast überall jeden Tag aufnehmen und das als Album rausbringen könnten. Also haben wir alles vorbereitet und ein bulgarisches Fernsehteam aktiviert. Proben mussten wir auch, das ging Gott sei Dank letztes Jahr im September. Dabei haben wir direkt auch eine Fotosession für das neue U.D.O.-Studioalbum veranstaltet. Wissen die Götter, wann wir wieder zusammenkommen können. Wir haben geprobt und dann ging's nach Bulgarien.«

Hat bei der Anreise alles reibungslos funktioniert?
»Das war im September eigentlich alles ziemlich easy. Auch für unsere beiden Legionäre, einer aus der Ukraine – der eigentlich aus Russland kommt, jetzt aber in der Ukraine wohnt (Gitarrist Andrey Smirnov - sb) – und aus Slowenien (Bassist Tilen Hudrap - sb), war es zu dem Zeitpunkt Gott sei Dank einfach. Wir reisten also nach Bulgarien und dort war auch hygienemäßig alles vorbereitet. Es gab keine Probleme, weder im Hotel noch als wir dann mit der gesamten Crew zur Location gefahren sind. Da war auch alles vorbereitet, man hat die Leute nicht vor die Bühne gelassen. Das ist ein römisches Amphitheater, das heißt, alle haben gesessen. Alle Interviews, die daraufhin vom Fernsehen und Radio geführt wurden, fanden mit Maske und zwei Meter Abstand statt. Das war alles geregelt. Man bekam aber keine genaue Aussage, wie viele Tickets verkauft wurden, das war ein bisschen nebulös. Als wir dann für die Show zur Location kamen, war dort ein Höllenspektakel. Da müssen irgendwas zwischen zweieinhalb und dreitausend Leuten gewesen sein.«

Angesichts der Umstände eine wirklich ordentliche Anzahl.
»Ich glaube das war mit eine der größten Shows, die 2020 gespielt wurden. Wir konnten uns wirklich glücklich schätzen. Das war eine Atmosphäre... wie soll ich das beschreiben? Ich habe ja nun schon viel erlebt in über 40 Jahren, aber das war sensationell. Die Leute waren hungrig, wir waren hungrig. Das war eine richtige "Night To Remember", wenn man es so sagen will. Das war eine Atmosphäre, die kann man nicht beschreiben. Ich glaube, die kommt auch auf dem Live-Album recht gut rüber und bei der DVD bekommt man mit Sicherheit noch mehr Gefühl dafür. Natürlich hatten sie uns davor gefragt, ob wir für diesen speziellen Abend nicht noch ein paar Accept-Songs spielen können. Eigentlich habe ich ja bei U.D.O. gesagt, das mache ich nicht mehr. Da haben wir uns dann aber, wie man so schön sagt, bequatschen lassen und uns gesagt: „Komm, ist egal, das ist wirklich ein spezieller Abend, der einzige in 2020. Was soll's!“ Die Reaktionen darauf waren auch sensationell. Wie gesagt, ich kann diesen Abend wirklich nicht so richtig in Worte fassen. Als wir wieder zurück in Deutschland waren, haben wir uns auch erkundigt, ob sich in irgendeiner Form Leute angesteckt haben. Unser Stage Manager wohnt in Sofia, in Bulgarien, deshalb konnten wir auch ziemlich sicher sein, dass dabei wirklich nichts passiert ist. So ist faktisch ungewollt ein neues Live-Album und eine neue DVD entstanden. Es hat sich ausgezahlt. Im Nachhinein ist das für mich wirklich ein Dokument.«

Für November und Dezember 2021 habt ihr den ersten Teil eurer "Game Over Tour" geplant, die 2022 fortgeführt werden soll. Wie blickst du dem Ganzen im Moment entgegen und worauf freust du dich beim Touren wieder am meisten?
»Ganz platt gesagt, darauf, endlich wieder "in front of people" zu spielen. (Lacht) Wir fiebern der ganzen Geschichte wirklich entgegen. Nach dem Sommer wird ein neues U.D.O.-Album kommen. Eigentlich ist es fertig, wir basteln noch an ein paar Kleinigkeiten herum. Und dann hoffen wir, dass wir im Herbst mit Touren loslegen können, nachdem wir wegen Corona alles absagen mussten. Die Amerika-Tournee ist ins Wasser gefallen, genauso wie Kanada und Russland. Südamerika steht immer noch, auch wenn ich nicht glaube, dass die stattfinden wird. Die erste Show soll laut den Herrschaften in Südamerika am 16. April in Mexiko stattfinden. Da glaube ich aber tatsächlich weniger dran.«

Das ist tatsächlich optimistisch.
»Das wäre sehr optimistisch. Das sind alles Sachen, die wir nachholen müssen. Das wird 2022 noch ganz schön extrem werden. Zudem wollen wir natürlich auch noch ein paar Shows mit dem Bundeswehrorchester spielen. Ob Wacken dieses Jahr stattfindet... machen wir mal ein Fragezeichen daran. Wenn man mich persönlich und auch andere fragt, wir glauben nicht daran, dass es einen Festivalsommer geben wird.«

Klar, schwer vorstellbar im Moment.
»Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass irgendwo 50.000 oder mehr Leute zusammenkommen. Kleinere Festivals vielleicht, mit 3.000 oder 4.000 Leuten. Wird man sehen. Wir haben da noch so einiges vor der Brust, wenn es wieder losgeht. Wir stehen natürlich in den Startlöchern und harren der Dinge. Bis dahin komponieren wir, wie man so schön sagt, auf Halde. Man hat also schon etwas zu tun, aber nicht in der Form, wie man es sich eigentlich wünscht.«

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Bands:
U.D.O.
Autor:
Simon Bauer

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