Interview


Pic: Tim Tronckoe

Interview 18.06.2019, 11:20

TURILLI/LIONE RHAPSODY - Die Mysterien des Lebens

Als wir die beiden TURILLI/LIONE RHAPSODY-Gründer Luca Turilli (g.) und Fabio Lione (v.) in Düsseldorf zum Interview trafen, hatten die beiden Italiener so viel zu erzählen, dass wir euch hier ergänzend zum Interview in Rock Hard Vol. 386 weitere interessante Details zum kommenden Album „Zero Gravity (Rebirth And Evolution)“ und den Hintergründen der neuen Band liefern können.

Ihr habt das erste Mal seit langer Zeit wieder zusammen Songs geschrieben. Hat sich an der Art eurer Zusammenarbeit etwas geändert?

LUCA: »Nein, das war genau wie früher! Die Chemie zwischen mir und Fabio war fantastisch. Es war klasse, wieder mit ihm im Studio arbeiten zu können.«

FABIO: »Stimmt, das war sogar unsere beste gemeinsame Zeit im Studio. Nach so vielen Jahren wussten wir natürlich nicht, was uns erwarten würde. Ich denke, jeder von uns ist gewachsen und hat sich weiterentwickelt. Das waren zwar die gleichen Personen, aber auch wieder nicht die selben Personen, wenn du verstehst, was ich meine. Aber es war toll im Studio. Wir hatten Spaß, auch wenn einige Parts lange dauerten und nicht einfach waren. Aber trotzdem war es super, auch dank Simone Mularoni, unserem Sound Engineer. Er ist ein klasse Typ, ein sehr guter Gitarrist und Toningenieur.«

LUCA: »Außerdem ist es toll, wenn du einen Sänger wie Fabio hast! Dann musst du nicht die ganze Zeit in die Performance an sich investieren, sondern kannst an der Interpretation feilen. Fabio und ich waren fast die ganze Zeit im Studio, wir haben das Album auch produziert. Diesmal haben wir in Italien aufgenommen, oder um genau zu sein in San Marino. Dann kamen die anderen Bandmitglieder her, zum Beispiel flog Dominique aus Frankreich rüber, um seine Parts einzuspielen, und so weiter. Das Tolle bei Rhapsody ist auch, dass wir in 20 Jahren immer bis zur letzte Minute im Studio sein konnten, so lange, bis wir mit den Resultaten vollkommen zufrieden waren. Nicht viele Bands haben diese Möglichkeit.«

FABIO: »Genau, deshalb haben wir auch eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.«

Und die lief ziemlich erfolgreich.

FABIO: »Ja, das hatten wir nicht erwartet. Wir wussten eigentlich gar nicht, was wir überhaupt erwarten sollten (lacht). Aber nach acht oder neun Tagen hatten wir unser Ziel schon erreicht!«

Können wir davon ausgehen, dass TURILLI/LIONE RHASODY kein Projekt für ein Album wird sondern eine Band mit langfristiger Zukunft?

FABIO: »Ja, absolut! Wir haben sogar schon Songs für das nächste Album geschrieben. Ich glaube, wir haben schon um die 20 Minuten neue Musik zusammen.«

Die anderen Bandmitglieder Dominique Leurquin (g.), Patrice Guers (b.) und Alex Holzwarth (dr.) waren auch Teil von Luca Turilli's Rhapsody und der Rhapsody-Abschiedstour. Habt ihr direkt entschieden, sie zu TURILLI/LIONE RHAPSODY ins Boot zu holen?

LUCA: »Das war sofort klar und sie haben auch sofort ja gesagt. Sie haben sich total darauf gefreut, in eine neue musikalische Richtung zu gehen.«

FABIO: »Wir haben ihnen erklärt, dass wir uns musikalisch verändern wollen, dass wir eine neue Band mit neuer Musik sein wollen. Sie hatten also die Möglichkeit, uns direkt zu sagen, ob ihnen die Idee gefällt oder nicht. Aber sie waren alle ganz begeistert. Für uns ist das toll, weil wir alle befreundet sind und uns schon seit vielen Jahren kennen.«

Gibt es auf „Zero Gravity“, ähnlich wie bei den alten Rhapsody-Sagas, ein inhaltliches Konzept?

LUCA: »Es gibt zwar ein grobes Konzept, aber keines, das wie bei den Sagas die einzelnen Songs miteinander verbindet. Eher in dem Sinne, dass wir über die materiellen und spirituellen Aspekte des Lebens singen. In jedem Song behandeln wir verschiedene Gesichtspunkte. Wir haben zum Beispiel den Song 'Arcanum (Da Vinci's Enigma)' über das Genie Leonardo Da Vinci und die Mysterien in seiner Kunst. Dann gibt es den Song 'Amata Immortale', der sich mit einem großartigen Gedicht von Giacomo Leopardi beschäftigt, einem der größten italienischen Dichter. Es gibt also verschiedene Themen, aber sie alle sind verbunden von einem übergeordneten Konzept, das vermutlich alle Künstler der Welt interessiert. Man kann das ganz oberflächlich auslegen, oder sehr tiefgehend, oder aus einer wissenschaftlichen Sicht, was wir gern tun. Es geht um die Mysterien des Lebens, der Existenz. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Für jeden Künstler sind das wichtige Fragen.«

Auf dem Album habt ihr auch einige Gastmusiker versammelt, zum Beispiel Sascha Paeth (Avantasia) oder Elize Ryd (Amaranthe). Einer ist allerdings nicht gerade in der Metalszene zu Hause: Arne Wiegand von Santiano. Wie habt ihr ihn kennengelernt?

FABIO: »Durch Sascha. Er hat ihn uns vorgeschlagen.«

LUCA: »Genau, Sascha erzählte uns, dass dieser Typ und seine Band in Deutschland total bekannt sind.«

FABIO: »Und er ist richtig gut! Arne hat die Akustikgitarre und Mandoline auf unserem Bonustrack 'Oceano' eingespielt.«

LUCA: »Sascha spielte in dem Song Bass. Und wir lieben Elizes Stimme in 'DNA'!«

FABIO: »Das war witzig, denn zunächst schickten wir ihr eine Demoversion des Songs, in der ich ihre Parts sang (beide lachen). Aber Elize ist fantastisch, und ich finde, dass unserer Stimmen in Kombination sehr gut harmonieren.«

Fabio, wirst du auch weiterhin bei Angra singen?

»Ja, werde ich! Luca und ich finden es toll, verschiedene Sachen zu machen. Wenn ich gerade mit Angra beschäftigt bin, kann er sich seinen anderen Projekten widmen, und andersherum. Natürlich wollen wir bei unserer gemeinsamen Band 100 Prozent geben, aber ich singe auch weiterhin bei Angra. Mit Angra haben wir jetzt so viele Shows gespielt, dass die Band erst einmal Zeit braucht, um neuen Musik zu schreiben. Ich glaube, es waren um die 112 Konzerte. Ich denke nicht, dass es irgendwelche Probleme geben wird, wenn ich in beiden Bands singe. Ich kenne auch nicht viele andere Leute, die zwei verschiedene Bands auf zwei verschiedenen Kontinenten haben (lacht). Das ist wahrscheinlich das Schwierigste daran. Aber ich mache das schon seit sieben Jahren und denke, dass ich genug Energie habe, es auch weiterhin durchzuziehen.«

www.facebook.com/tlrhapsody

Bands:
TURILLI/LIONE RHAPSODY
Autor:
Alexandra Michels

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