Interview

Interview 20.02.2019, 13:31

TORIAN - Keinen Bock auf BWLer

TORIAN aus Paderborn sind im Underground schon eine gefühlte Ewigkeit unterwegs. Mit neuem Album und neuem Label soll jetzt der nächste Schritt gemacht werden. Das könnte sogar funktionieren, denn das aktuelle Werk „God Of Storms“ ist ein echter Brecher geworden. Für uns Grund genug, Gitarrist und Bandkopf Carl Delius für ein Gespräch vor das Mikro zu zerren.

Euer Album „God Of Storms“ ist bereits ein paar Tage draußen. Wie zufrieden bist du mit den bisherigen Reaktionen in der Presse?

»Sehr zufrieden, ehrlich gesagt. Sicher, es sind immer ein paar „Sieben-von-Zehn-Punkte“-Wertungen dabei, aber das ist eigentlich auch noch ganz gut (lacht). Die meisten Reviews sind aber klasse und einige kratzen sogar an der Höchstnote. Das ist dann der Gegenpol. Gerade aus England haben wir viele sehr gute Reviews erhalten, was echt abgefahren ist. Auch wenn einem die positiven Reviews natürlich besser gefallen, wenn man selbst von einer Sache sehr überzeugt ist.«

Das klingt wirklich sehr selbstbewusst. Aber hast du so kurz nach Release auch schon Dinge gefunden, die du an „God Of Storms“ ändern würdest?

»Oft stellt sich die Frage nach der Produktion, aber das ist Geschmackssache. Man könnte das Schlagzeug beispielsweise etwas glatter produzieren oder einen anderen Gitarrensound nehmen. Das war mit Seeb (Levermann, Orden Ogan – cb) oft genauso. Er machte Vorschläge, die wir dann zusammen diskutiert haben. Macht man etwas so oder so? Am Endprodukt würde ich aber nichts ändern wollen.«

Du hast gerade Seeb Levermann von Orden Ogan erwähnt. Haben TORIAN das Album komplett bei ihm im Studio aufgenommen?

»Nein, wir haben teilweise bei ihm aufgenommen und anderes bei uns zuhause eingespielt. Gitarre und Bass, zum Beispiel, aber auch den Gesang. Wobei wir das unter ständiger Anleitung von Seeb gemacht haben. Von ihm haben wir viele wertvolle Tipps erhalten. Schlagzeug und Chöre wurden komplett bei ihm im Studio gemacht. Dafür hatten wir auch prominente Gastsänger wie Hagen von Van Canto eingeladen. Wenn ich mich recht entsinne, kamen die einfach mal im Studio zum Mitsingen vorbei (lacht). Für den Mix ging es dann auch wieder zu Seeb ins Greenman Studio.«

Mein Eindruck ist, dass ihr viele Nuancen in euren Songs habt, die man beim ersten Hören so gar nicht mitbekommt, sich dann aber bemerkbar machen. Plant ihr so etwas?

»Nee, würde ich nicht so sagen. Das ist ein ganz normaler Prozess beim Songwriting. Du kennst es selbst. Man experimentiert zuhause herum und mit der Zeit kommen verschiedene Nuancen zusammen. Im Proberaum geben die anderen noch ihre Ideen dazu und dadurch werden die Songs dann noch lebendiger und interessanter.«

Demzufolge bist du alleiniger Songwriter bei TORIAN?

»Ja, bin ich. Es ist aber so, dass die Songs noch durch den Bandreißwolf gedreht werden, wenn ich mit ihnen ankomme. Dadurch klingt das Ganze schon nochmal etwas anders und besser, als ich das ursprünglich geplant hatte. Klar steuern die Jungs hier und dort mal ein paar Riffs bei. Eigentlich ist es aber schon immer so gewesen, dass die wesentlichen Songstrukturen alle von mir stammen.«

Mein letzter Kontakt mit TORIAN war die Platte „Thunder Times“ von 2009. Erklär doch mal, wie ihr euch aus deiner Sicht in den Jahren weiterentwickelt habt und was in der Zwischenzeit alles passiert ist!

»Zwischen „Thunder Times“ und „God Of Storms“ haben wir noch das Album „Dawn“ und eine weitere EP veröffentlicht. Beim „Dawn“-Album handelte es sich um ein Konzeptalbum, das schon eine schwierige Geburt war. TORIAN erhielten dafür zwar sehr gute Rezensionen, u.a. auch im Rock Hard. Wir hatten aber immer das Gefühl, dass bei uns noch mehr gehen kann. Nur waren die Produktionen bis dato leider nie so, wie wir uns das eigentlich vorgestellt hatten. Im Anschluss spielten wir etliche Liveshows und danach haben wir die EP mit einem Video zu deren Titelsong gemacht. Auch Seeb war der Ansicht, dass unsere Songs zwar geil klingen, wir aber noch eine vernünftige Produktion brauchen würden. Um daran etwas zu ändern, beschlossen wir, zunächst eine 4-Track-EP aufzunehmen. Damit wollten wir sehen, ob das Ganze funktionieren würde. Musikalisch kamen da noch viele unserer Thrash-Elemente durch. Aber der Weg hin zur „God Of Storms“ war so geebnet. Und ich muss dir ehrlich sagen, mein Fazit war: Ich brauche keine Konzeptalben Marke „Dawn“ mehr (lacht).«

Damit hast du mir die nächste Frage vorweggenommen.

»Ja, „Dawn“ war eigentlich geil und ich hatte das wirklich schon lange geplant. Seit ich 19 war, glaube ich. Also habe ich so um die fünfzehn Jahre daran gearbeitet. Das reichte mir dann aber auch. Ab jetzt nur noch Rock ‘n’ Roll (lacht). Bei „God Of Storms“ steht nun wieder jeder der Songs für sich und man kann wirklich nicht von einem Konzept sprechen (lacht). Es werden verschiedenste Themen abgehandelt, beginnend bei einem Überfall der Wikinger in 'Unbowed, Unbent, Unbroken', bis hin zum „Punisher“ Frank Castle (Marvel-Antiheld - cb) in 'Saint Of The Fallen'.«

Welche Einflüsse hat deine Musik generell? Bei dem von dir erwähnten 'Saint Of The Fallen' habt ihr neben dem typischen Power Metal eine ganz schöne Amon-Amarth-Schlagseite.

»Ja, das kann sein. Melodischen Death Metal höre ich seit vielen Jahren sehr gerne. Amon Amarth und vor allem auch Be’Lakor, falls du die kennst. Die sind für mich die geilste melodische Death-Metal-Band überhaupt. Ich finde die Combo sehr schöngeistig, melancholisch und eigenständig - für mich die Besten des Genres. Und ja, Amon Amarth sowieso. Bei denen kann man ja sogar Mittneunziger-Running-Wild heraushören. Die offenen Saiten, die auf Sechzehntel durchgetackert werden, kommen auch bei den Hamburgern gerne vor. Darum, wenn wir über Einflüsse sprechen, müssen hier eben noch Running Wild oder auch Blind Guardian genannt werden. Gerade auch deren Zeug aus den letzten Jahren. Und an Iron Maiden kommst du in einer Power-Metal-Band eh nicht vorbei (lacht).«

Das stimmt allerdings.

»Klar, Maiden nennt jede Power-Metal-Band als Einfluss. Vom krassesten US-Metal bis hin zum europäischen Symphonic Metal ist Maiden immer dabei. Generell würde ich im Fall von TORIAN sagen, dass die Einflüsse früher Iced-Earth-lastiger waren und heute eher europäischer sind. So würde ich es formulieren wollen.«

Ihr seid auch viel unterwegs. Wie lässt sich ein so zeitintensives Hobby mit euren Jobs und viel wichtiger mit der Partnerin/dem Partner vereinbaren? Wird dem Metal alles untergeordnet?

»Ja, wir versuchen so gut es geht alles miteinander zu vereinbaren. Meistens sind die Shows an den Wochenenden, da ist das kein Problem. Unsere Partnerinnen haben uns aber so kennengelernt. Die akzeptieren das und finden es stark, dass wir Musik machen.«

Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil…

»Ja, klar. Die Mädels finden es einfach schön, dass wir uns kreativ ausleben. Sie haben uns als kreative Menschen kennengelernt. Ich meine, die Frau, die einen BWLer-Typ haben will, der sonst keine Hobbys hat - mit der wären wir eh nicht zusammengekommen, möchte man meinen, oder? Unsere Mädels haben uns so kennen- und schätzen gelernt. Was den Job betrifft, muss man halt immer gucken, wie es passt. Vielleicht muss freitags mal ein halber Tag Urlaub genommen werden. Samstag ist sowieso kein Problem. Klar, bei unserem Tschechien-Abstecher mussten ein paar mehr Tage Urlaub dran gehangen werden. Mein Chef beispielsweise ist immer relativ entspannt, was das angeht. Ist aber auch logisch. Kein Chef will Mitarbeiter, die irgendwann mit Burn Out durch den Betrieb laufen. Von daher ist es gut, dass man auch vom Job mal etwas abschaltet. Wenn man am Wochenende eine coole Show gespielt hat, ist man montags immer tief entspannt.«

OK, entspannt zum nächsten Thema. Wie ich gelesen habe, ist TORIAN ein Begriff aus dem Hohlbein-Universum. Was fasziniert dich an Hohlbein, bzw. der Geschichte um TORIAN? Ich finde den ja etwas cheesy.

»Auch schon mit zwölf, dreizehn (lacht)?«

Nein. Da habe ich Stephen King gelesen und bin dann direkt auf „Herr der Ringe“ umgestiegen.

»Dann hattest du die Hohlbein-Phase also nie? Ok. „Herr der Ringe“ habe ich erst mit 17 gelesen. Hohlbein habe ich mit „Der Greif“ kennengelernt, da war ich zwölf. Danach entdeckte ich „Drachenfeuer“, und für einen jungen Menschen an solche Bücher zu kommen, war schon cool. Irgendwann kam dann die „Garth & Torian“-Saga, da fand ich die Geschichte ganz cool. Es ging dabei um eine Sword-&-Sorcery-Geschichte, mit Krieger im Conan-Style. Dazu ist schließlich ein Song namens 'Torian' entstanden, den ich damals für meine alte Band Deadly Sin geschrieben habe. Nachdem ich dort ausgestiegen bin, nahm ich den Song mit, benannte meine eigene Band danach und bis heute spielen TORIAN ihn auch immer noch live. Wenn ich heute wieder eine Band gründen würde, weiß ich nicht, ob nochmal ein Hohlbein-Krieger der Namensgeber sein würde (lacht). Damals fand ich das aber geil.«

Ihr seid bei Ram It Down Records unter Vertrag. Das ist ein noch ganz junges Label. Wie seid ihr daran gekommen? Haben die euch live gesehen oder habt ihr da klassisch etwas hingeschickt?

»Weder noch. Timo Hoffmann, der eigentlich als A&R bei AFM Records arbeitet, gründete ein neues Label, mit dem er sich unabhängig von AFM Records noch mehr auf Power Metal konzentrieren wollte. Da liegt es in der Natur der Sache, dass Timo sich von Seeb auch mal aktuelle Sachen vorspielen lässt. Timo kennt uns außerdem schon eine Ewigkeit und hat bereits das erste Mal bei der „Phantoms Of The Past“-EP aufgehorcht. Dann haben wir telefoniert und er hat uns relativ schnell einen Deal zugeschickt, den wir sehr gut fanden. Hinterher ging alles sehr, sehr fix. Wir haben einen sehr guten Kontakt zu Timo und stehen in regem Austausch mit ihm. Er war es auch, der für das Artwork den Kontakt zu Claudio Bergamin (u.a. verantwortlich für das aktuelle Judas Priest-Cover) herstellte, der das Cover entworfen hat. Wir hatten zwar schon ein Artwork im Auge, allerdings machte Timo den Vorschlag, eventuell doch jemand anderen zu wählen. Da „God Of Storms“ erst sein erster oder zweiter Release auf dem Label war, wollte er da nichts anbrennen lassen. Wir haben diesen Schritt bislang nicht bereut. Das Album wird weltweit vertrieben. Ich denke, dass das eine gute Entscheidung war. Ich habe auch Material an andere Labels geschickt. Da ich aber keine Lust hatte, wochenlang auf eine Standardabsage zu warten, haben wir uns gesagt, wir machen den Deal jetzt mit Timo.«

Also bist du keiner der Menschen, die sagen, dass es reicht, eine Promoagentur für sich arbeiten zu lassen, weil man die Knete für die Produktion sowieso selbst aufbringen und dem Label im ungünstigen Fall noch die fertigen CDs abkaufen muss? So höre ich es jedenfalls von etlichen Musikern.

»Hmm… ja, es geht aber auch um den Vertrieb. Label ist jetzt auch nicht gleich Label. Man kann besser die Finger davon lassen, wenn es so aussieht, als ob ein Label einem nur das Geld aus der Tasche ziehen will. Dann kann man die physischen Tonträger besser selbst pressen lassen und das Geld in eine Promoagentur stecken. Wobei sich die Frage stellt, ob diese Agenturen auch Vertriebswege haben. Ram It Down haben beispielsweise diese Kontakte und unser Album steht auch bei Media Markt und Saturn im Regal. Von daher macht der Deal bei einem Label für uns absolut Sinn. Manchmal kann aber auch die andere Variante sinnvoll sein. Man muss sich halt sicher sein, was man will.«

www.torian-legion.de

www.facebook.com/torianlegion

Bands:
TORIAN
Autor:
Colin Büttner

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.