Interview


Pic: Joel Adams

Interview 20.07.2021, 12:56

THE UGLY KINGS - Roboterliebe

Dass man förmlich von einer Band umgehauen wird, deren Name einem nichts sagt, kommt auch in der Veröffentlichungsschwemme der Gegenwart selten vor, doch THE UGLY KINGS haben genau das mit ihrem zweiten Album „Strange, Strange Times“ geschafft. Christos Athanasias meldet sich an einem sonnigen Sonntagmorgen aus Melbourne, um euch seine Blues-Garage-Grunge-irgendwas-Truppe näher vorzustellen.

Christos, „Strange, Strange Times wirkt wie Paukenschlag, woher kommt diese Abgeklärtheit?
»Na ja, uns gibt´s ja schon etwas länger. Ich jammte schon mehrere Jahre lang regelmäßig mit unserem Sänger Russell Clark, bevor wir einen festen Bassisten und Schlagzeuger fanden. Ich fing relativ früh mit dem Gitarrespielen an, hörte aber während meines Studiums damit auf und nahm das Instrument erst hinterher wieder in die Hand. Russell lernte ich ausgerechnet in einem Fitnessstudio kennen, und seine Stimme beeindruckte mich sofort. THE UGLY KINGS waren zunächst ein Akustikduo, dann spielte Russell Schlagzeug, während er gleichzeitig sang, und so schaukelte sich alles langsam hoch. 2015 veröffentlichten wir eine EP, das Album „Darkness Is My Home" erschien 2018 über das deutsche Label Kozmik Artifactz.«

Ihr habt also gleich vom Start weg alles richtig gemacht und den europäischen Markt fokussiert.
»Ja, bei euch Fuß zu fassen ist für eine unbekannte Band enorm wichtig. In Australien gibt es etliche starke Bands, doch über die Landesgrenzen hinaus etwas zu reißen fällt schwer, wenn man kein größeres Label hinter sich stehen hat. Mit Napalm Records befinden wir uns nun in einer idealen Situation, was das angeht. Davon abgesehen stammen unser Bassist Nicolas Dumont und ich aus Europa; er ist Franzose, ich bin Grieche und lebe seit ungefähr 20 Jahren in Australien. Demnach würden wir uns freuen, demnächst bei euch live zu spielen und unsere alte Heimat wiederzusehen.«

Könnte man sagen, dass „Strange, Strange Times" ebendies behandelt – die sehr seltsame Zeit, die wir gerade erleben?
»Richtig, das war unsere Überlegung, als wir den Titel wählten. Das Album ist gewissermaßen wie ein Buch, dessen Inhalt sich so zusammenfassen lässt. Der gleichnamige erste Song fungiert sozusagen als Einleitung und das darauffolgende ´Technodrone´ war ursprünglich seine zweite Hälfte, aber wir haben beschlossen, das Ding aufzuteilen. Gemeinsam mit ´Do You Feel Like You´re Paranoid?´ im Anschluss bringen die beiden Tracks die Themen des Albums auf den Punkt. Die traditionellen Medien, aber vor allem auch Social-Media-Plattformen schüren Ängste und Unmut innerhalb der Gesellschaft, wobei man langsam nicht mehr weiß, was man denken und glauben soll.«

Andererseits habt ihr auch für traditionelle Rockmusik typische Lyrics, die von zwischenmenschlichen Beziehungen handeln, beispielsweise ´Electric Lady (My Kryptonite)´.
»Die Nummer dreht sich genau genommen um unseren Optimierungswahn. Hier spricht jemand von der perfekten Lebensgefährtin, die man vermutlich nie findet, ohne gewisse Eingeständnisse zu machen, weshalb sich diese Person letzten Endes in einen Roboter verliebt, der nach seinen Vorstellungen programmiert ist. Wir nehmen das ein wenig von der humorvollen Seite, obwohl es sich um ein ernstes Problem handelt, das exemplarisch für den sich auflösenden sozialen Zusammenhalt steht.«

Wie hat man das Artwork der Platte im Kontext der Songtexte zu verstehen?
»Zuerst sollte es sich auf ´Last Man Left Alive´ beziehen, ein Stück über einen Astronauten, der völlig isoliert und hilflos im All schwebt, nachdem die Erde und die gesamte menschliche Zivilisation zerstört wurde; nun spielt es aber auf unsere Vernetzung und Abhängigkeit von moderner Technik an. In der Hülle der Vinyl-Version wird das anhand miteinander zusammenhängender Illustrationen besonders deutlich.«


Angesichts eures facettenreichen Stils zwischen Blues, Stoner und auch etwas Goth Rock: Welche Musiker haben dich als Hauptsongwriter am stärksten beeinflusst?
»Einfach gesagt drei Gitarristen: Tony Iommi, Jack White und Tom Morello. Sie alle haben zu ihrer Hochzeit die Grenzen dessen ausgeweitet, was im Rockbereich für möglich gehalten wurde. Als Komponisten schätze ich aber auch Josh Homme, denn alles, was er mit Queens Of The Stone Age gemacht hat, ist absolut tadellos, und seine Zusammenarbeit mit Iggy Pop auf „Post Pop Depression“ von 2016 gehört zu den stärksten Platten der letzten Jahre.«

www.facebook.com/theuglykings

DISKOGRAFIE
Of Sins (2015, EP)
Darkness Is My Home (2018)
Strange, Strange Times (2021)

Bands:
THE UGLY KINGS
Autor:
Andreas Schiffmann

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