Classic Albums

Classic Albums 26.06.2013

KILLSWITCH ENGAGE - The End Of Heartache (2004)

KILLSWITCH ENGAGE haben den Metalcore zwar nicht erfunden, gehörten aber zu den ersten Bands, die verstärkt auf Stilmittel wie Klargesang und epische Refrains mit Pop-Appeal setzten und damit die Lücke zwischen melodischem Death Metal, zeitgemäßem Thrash und brutalem Hardcore schlossen. Nachzuhören auf dem dritten und bis dato besten Langeisen des Quintetts aus Westfield im US-Bundesstaat Massachusetts, „The End Of Heartache", das am 10. Mai 2004 von Roadrunner Records veröffentlicht wurde und seit diesem Tag zu den größten Klassikern des Genres zählt.

Adam Dutkiewicz (36) ist nicht nur ein überaus talentierter Gitarrist, Songwriter und Produzent (u.a. von As I Lay Dying, Caliban, Underoath, Parkway Drive und Unearth), sondern auch ein sympathischer Zeitgenosse mit einer ordentlichen Dosis schwarzem Humor. Leider zählt der schlaksige Backenbartträger nicht gerade zu den redseligsten Vertretern seiner Zunft, und auch um sein Gedächtnis ist es eher bescheiden bestellt. Obwohl seit der Veröffentlichung von „The End Of Heartache", auf dem Frontmann Howard Jones und Drummer Justin Foley ihren Einstand bei KILLSWITCH ENGAGE feierten, „erst" neun Jahre ins Land gezogen sind, kann sich Adam an viele Details nicht mehr erinnern.

»Es war großartig, das erste Mal mit Justin im Studio aufzunehmen, und auch Howard hat sein enormes Talent als Sänger von Anfang an unter Beweis gestellt. Der Mann hat eben nicht nur Stahl in der Kehle, sondern ist auch in puncto Intonation ein absolutes Naturtalent. Nur hinsichtlich des Songwritings und der Texte gab es hier und da ein paar kleinere Diskussionen«, gibt Adam zu Protokoll, der „The End Of Heartache" wie alle anderen KSE-Scheiben auch - einzige Ausnahme: das fünfte Studioalbum „Killswitch Engage", das Adam in Teamarbeit mit Starproducer Brendan O´Brien (u.a. AC/DC, Rage Against The Machine, Soundgarden) in Szene setzte - produzierte, während er den Mix in die Hände von Andy Sneap (u.a. Megadeth, Kreator, Machine Head) legte.

»Andy hatte ja schon die Scheibe davor zu meiner vollständigen Zufriedenheit abgemischt. Außerdem brauchte ich nach den vielen Wochen im Studio unbedingt ein paar frische Ohren. Allerdings habe ich ihm dabei in England über die Schulter geschaut und mein Veto eingelegt, wenn mir etwas partout nicht gefiel. Das war aber eher selten der Fall, zumal mich mit Andy ein sehr vertrauensvolles Producer-Mixer-Verhältnis verbindet.«

...das auch von keinerlei Eskapaden von Adam getrübt wurde, der nicht nur auf der Bühne gerne seinen Schabernack treibt und ansonsten als passionierter Biertrinker gilt.

»Wenn ich selber aufnehme bzw. hinterm Mischpult sitze, ist auf irgendeine Art und Weise auch immer Bier involviert. Allerdings nur in Maßen, denn wenn es um die Arbeit im Studio geht, bin ich doch eher der seriöse Typ. Ansonsten kann ich mich leider kaum noch an irgendwelche Anekdoten oder Details erinnern. Dafür liegt die Produktion schon zu lange zurück.«

Bei den Aufnahmen hatten mit Phil Labonte von All That Remains und dem Vorgänger von Howard am Mikrofon, Jesse Leach, der im letzten Jahr zu KILLSWITCH ENGAGE zurückkehrte, gleich zwei Sänger einen Gastauftritt.

»Wir waren der Meinung, dass es cool wäre, zwei befreundete Musiker als Gastsänger dabeizuhaben. Im Hinblick auf Jesse war das auch als Statement für die Öffentlichkeit gedacht, denn nach seinem Ausstieg haben uns vor allem die Medien immer wieder nach den Gründen gefragt bzw. teilweise mehr oder minder offen dazu aufgefordert, schmutzige Wäsche zu waschen. Die gab es aber nicht. Wir haben uns auch nach Jesses Abgang gut verstanden, und das wollten wir mit seinem Gastauftritt demonstrieren. Ich denke, das ist uns auch gelungen.«

Genauso gelungen ist der Tonträger selber, der bis auf ein, zwei kleinere Durchhänger melodischen Metalcore vom Allerfeinsten bietet. So jagen der Mörder-Titelsong, das grandiose ´Rose Of Sharyn´ und das sogar zu Soundtrack-Ehren gekommene ´When Darkness Falls´ („Freddy Vs. Jason") auch knapp zehn Jahre nach ihrer Entstehung bestimmt nicht nur meiner Wenigkeit noch wohlige Schauer über den Buckel.

»Ich persönlich finde den Titeltrack am stärksten. Alleine schon deshalb, weil er auf unseren Konzerten jeden Abend lautstark mitgesungen wird, also die besten Publikumsreaktionen erzielt. Der schwächste Song? Meine Güte, du stellst Fragen! Ich weiß aus dem Stegreif ehrlich gesagt nicht so genau, welche Stücke auf der Scheibe überhaupt drauf sind. Ist nicht auch ´Wasted Sacrifice´ dabei? Das ist für meine Begriffe nämlich ein ziemlich überflüssiger Song. Anscheinend haben das meine Bandkollegen damals aber etwas anders gesehen, sonst wäre er nicht auf dem Album gelandet. Wir sind nämlich eine durch und durch demokratische Gruppe.«

...die es mit „The End Of Heartache" nicht nur bis auf Platz 21 der amerikanischen Albumcharts schaffte - in Deutschland war Position 42 die höchste Notierung -, sondern im folgenden Jahr auch noch mit dem Titelstück für einen Grammy in der Kategorie „Best Metal Performance" nominiert wurde.

»Wer gewonnen hat? Wir nicht. Ich glaube, Slayer oder Motörhead. In jedem Fall irgendeine alte Metalband (laut Wikipedia gewannen Lemmy & Co. den Award mit ihrer Adaption des Metallica-Klassikers ´Whiplash´ - buf). Wir waren bei der Verleihung der Grammys dann auch persönlich vor Ort, obwohl ich solche Veranstaltungen eigentlich nicht mag. Letztlich wurde ich in meiner Meinung auch bestätigt, denn das war einer dieser peinlichen Kommerz-Events der Musikindustrie, in der es den meisten Teilnehmern nur um ihre Selbstdarstellung geht. Ich für meine Person habe mich reichlich deplatziert gefühlt und deshalb lieber ein paar Bierchen an der Bar gezischt, als Smalltalk mit Prominenten zu treiben. Ich vermeide es allerdings auch aus Prinzip, irgendwelchen wichtigtuerischen Promis über den Weg zu laufen«, lacht der Bandleader des Quintetts, das mit „The End Of Heartache" sogar Goldstatus in den USA erreichte, also mehr als eine halbe Million Exemplare absetzen konnte. Eine Stückzahl, von der man heutzutage noch nicht mal mehr zu träumen wagt.

»Keine Ahnung, ob das bis dato unsere erfolgreichste Platte ist. Für Details wie Verkaufszahlen habe ich mich noch nie sonderlich interessiert. Weil wir Gold für die Scheibe bekommen haben, kann das aber gut hinkommen. Oder der Nachfolger „As Daylight Dies", für den wir meines Wissens nach auch mit Edelmetall ausgezeichnet wurden. Auf jeden Fall war „The End Of Heartache" das wichtigste Album in unserer Karriere, weil wir damit nach dem Achtungserfolg von „Alive Or Just Breathing" den endgültigen Durchbruch geschafft haben. Und das nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und anderswo. Dass uns nachgesagt wird, dass wir damit einige andere Bands beeinflusst haben, ist zwar schmeichelhaft, lag aber nie in unserer Absicht. Uns ging es in erster Linie immer darum, unser Ding durchzuziehen. Zumal es da draußen zahllose andere Metalbands gibt, die viel einflussreicher waren und sind. Zum Beispiel Carcass, Metallica, In Flames, At The Gates und eine ganze Reihe weiterer Acts aus Schweden. Ohne diese Gruppen würde es KILLSWITCH ENGAGE vermutlich nicht geben. Zumindest nicht in der jetzigen Form.«

www.facebook.com/killswitchengage

DIE SONGS

A Bid Farewell
Take This Oath
When Darkness Falls
Rose Of Sharyn
Inhale (Instrumental)
Breathe Life
The End Of Heartache
Declaration
World Ablaze
And Embers Rise (Instrumental)
Wasted Sacrifice
Hope Is...

DAS LINE-UP AUF „THE END OF HEARTACHE"

Howard Jones (v.)
Adam Dutkiewicz (g.)
Joel Stroetzel (g.)
Mike D´Antonio (b.)
Justin Foley (dr.)

FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN

Songs: 12
Spielzeit: 42:34
Produzent: Adam Dutkiewicz (Zing Studios, Westfield)
Mix: Andy Sneap (Backstage Productions Studio, Derbyshire)

DISKOGRAFIE (nur Studioalben)

Killswitch Engage (2000)
Alive Or Just Breathing (2002)
The End Of Heartache (2004)
As Daylight Dies (2006)
Killswitch Engage (2009)
Disarm The Descent (2013)

Bands:
KILLSWITCH ENGAGE
Autor:
Buffo Schnädelbach

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