Festivals & Live Reviews


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Festivals & Live Reviews 26.10.2020, 11:51

TANKARD - Groove Bar, Köln

Bis kurz vor knapp war ich mir nicht sicher, ob das Konzert angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen stattfinden kann. Und egal, ob das Daumendrücken geholfen hat oder die Anrufung des Bier-Gottes: pünktlich stehen die Frankfurter Thrasher TANKARD auf der Bühne der Kölner Groove Bar. Unter strengen Auflagen geben sie ihr drittes Konzert in diesem Jahr – und das vor 60 Leuten statt der üblichen Kapazität von 300 Personen. Wer keines der stark limitierten Tickets ergattern konnte, hat die Möglichkeit, den Gig im Live-Stream von zuhause aus zu verfolgen.

Direkt beim Einlass bekommt jeder seinen Platz zugewiesen, an dem den ganzen Abend über die Maske getragen werden muss. Und wer bei der Einweisung in die Corona-Maßnahmen quatscht, wird auch mal ermahnt, was die übrigen Metal-Fans mit Applaus quittieren. Falls jemand seine Maske vergessen haben sollte, schafft der Merch-Stand mit TANKARD-gebrandeten Masken Abhilfe. Für den ein oder anderen Schluck Bier darf die Maske natürlich kurz zur Seite geschoben werden – und so steht einen feucht-fröhlichen Abend mit metallischen Klängen nichts mehr im Wege. Einen Vorteil hat das Ganze: Die Getränke werden direkt an den eigenen Platz gebracht. Das dient nicht nur der Sicherheit und Gesundheit aller, sondern ist auch ein super Service, wie ich finde.

Die Frankfurter Combo gibt 90 Minuten lang Vollgas, allen voran Fronter Gerre, der zwischendurch auch mal die Schnürsenkel nachziehen muss. Er meint schmunzelnd: „Das erinnert mich an die Zeiten, als die Leute so nah an der Bühne standen, dass sie mir während der Show die Schuhe aufmachen konnten.“ Ein neues, aber bekanntes Gesicht sitzt hinter der Schießbude: HOLY MOSES-Drummer Gerd Lücking springt für den gesundheitsbedingt ausfallenden Olaf Zissel ein. Auch wenn TANKARD dieses Jahr noch nicht viel Gelegenheit zu Live-Auftritten hatten, wirkt das Quartett gut eingespielt und liefert eine gewohnt unterhaltsame und energiegeladene Show ab.

„Wenn ich heute Abend schon nur ein Bier trinke, dann zu diesem Song“, kündigt Lockenkopf Gerre den Song 'Die With A Beer In Your Hand' an. Ob der Kasten Bier auf der Bühne einen anderen Schluss auf den Bierkonsum zulässt, darf jeder für sich entscheiden. Und da die „hässlichste Band“ – O-Ton Gerre – ohnehin nicht alles bitterernst nimmt, wird für alle, die am heutigen Samstag Geburtstag haben 'One Foot In The Grave' performt.

Danach ist etwa die Hälfte des Sets erreicht und eine Frischluftpause angesetzt. Während die Türen geöffnet sind und Ventilatoren die Luft nach draußen befördern, nutzt George Schindler, Inhaber der Groove-Bar, die Zeit für ein kurzes Intermezzo auf der Bühne. Er spricht mit Gerre über die aktuelle Situation, der sich darüber freut, dass TANKARD wieder auf einer Bühne stehen können: „Besser so als überhaupt nichts“, und wirft einen Blick in die Zukunft: „Bis April geht vermutlich nichts mehr.“ Um die heutige Show auf die Beine stellen zu können, packen ein Dutzend Leute mit an: hinter der Kamera, auf und hinter der Bühne bis hin zur Bar. Seit der Pandemie ist es schwierig für die Veranstaltungsbranche: „Für die vielen Selbstständigen kommt das quasi einem Berufsverbot gleich. Unsere Branche braucht mehr Hilfe,“ sagt der Frontmann und distanziert sich gleichzeitig von den „Aluhut-Trägern“. George stimmt ihm zu: „Es muss dringend was passieren.“

Nach der kurzen Pause geben TANKARD nochmal alles. Zu hören gibt es heute vor allem die Klassiker. Nicht fehlen dürfen daher 'A Girl Called Cerveza', 'Freibier' und der finale Party-Hit '(Empty) Tankard'. Zwischendurch meldet sich auch Bassist Frank Thorwarth zu Wort und bittet eine der Kellnerinnen um eine Runde Kölsch – schließlich muss das lokale Bier getestet werden, wenn man schon mal da ist. Gerres Fazit: „Kölsch schmeckt ganz gut.“ An alle Kölsch-Kritiker: Ja, das hat er gesagt, und ich habe es genau gehört! Gegen Ende des Abends geht der Sänger immer mehr auf Tuchfühlung mit dem Mikrofon, das dem Schweiß-Angriff tapfer standhält. Das Publikum lässt es sich nicht nehmen: Es wird mitgefeiert, Haare propellern, Hände ragen in die Luft und eingefleischte Fans versuchen sich an Crowdsurfing am Platz. Auf den verschiedenen Online-Plattformen rocken laut Aussage von George den Abend lang durchschnittlich 2.000 Zuschauer mit.

Die Groove Bar ist trotz Corona-Zeiten eine zuverlässige Adresse. Im Gespräch mit uns erklärt George: „Wir haben nach kürzester Zeit ein Konzept aufgestellt“. Als eine in Köln beheimatete Bar bietet sie sowohl Metal-Bands als auch Kölschen Künstler eine Plattform. „Wir wollen Künstler und Selbstständige unterstützen.“ Die Veranstaltungen werden gut angenommen, aber noch sei nichts in trockenen Tüchern. Sein Appell lautet deshalb: „Kauft CDs, Schallplatten und Merchandise. Unterstützt Bars, Clubs und unsere Branche.“ Unter Anbetracht der steigenden Fallzahlen bleibt abzuwarten, wie lange Veranstaltungsstätten geöffnet bleiben dürfen. Aufgrund der Sperrstunde ist heute in der Groove Bar um 23 Uhr Schluss. Wer bis dahin noch nicht genug hat, muss auf ein Bier im heimischen Kühlschrank zurückgreifen und die Boxen der eigenen Musikanlage aufdrehen.


SETLIST TANKARD

Rectifier
The Morning After
Metal To Metal
Rapid Fire
Acid Death
Die With A Beer In Your Hand
Rules For Fools
One Foot In The Grave

– Pause –

Time Warp
Chemical Invasion
Octane Warriors
We're Coming Back
A Girl Called Cerveza
Freibier
--
R.I.B. (Rest In Beer)
Zombie Attack
(Empty) Tankard

Bands:
TANKARD
Autor:
Lisa Scholz

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