Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 24.09.2014

GRAND MAGUS , CHILDREN OF BODOM , HYPOCRISY , TESTAMENT , DIE KASSIERER , WATAIN , UNLEASHED , THE HAUNTED , HEAVEN SHALL BURN , DECAPITATED , INSOMNIUM , TWILIGHT OF THE GODS , BIOHAZARD - SUMMER BREEZE 2014

Into the pit

Für viele markiert das Summer Breeze in Dinkelsbühl den Abschluss der Festivalsaison - und der hat es dieses Jahr in sich. Zwischen Unwetterböen und strahlendem Sonnenschein weiß das neu konzipierte Festival-Gelände mit mehr Platz und Top-Acts zu überzeugen.

Mittwoch

Es sind viele kleine Gesten auf dem Summer Breeze 2014, die an den im letzten Jahr verstorbenen Mitveranstalter Michael „Mike“ Trengert erinnern - Bilder, Ansagen und die Zeltbühne, die zu seinen Ehren in „T-Stage“ umbenannt wurde. Dort wird seiner gedacht, indem man musikalisch nach vorne schaut, und so eröffnen LOST SOCIETY dieses Jahr die „Nuclear Blast Label Night“ mit einer Spielfreude wie zu besten Bay-Area-Zeiten. Der Sound der Nachwuchs-Thrasher ist laut und garstig, die Band publikumsnah und der Moshpit amtlich. Auch THE VINTAGE CARAVAN drehen im Anschluss die Verstärker auf. So Old School der Name klingen mag, so progressiv ist ihre Attitüde - die blutjungen Isländer zeigen, dass der Retro-Rock-Trend langsam eine Kehrtwende zu mehr Härte nimmt. Zu den jungen Vorzeigerebellen im Billing gehören an diesem Tag auch ENFORCER mit ihren arschtighten Posen und markerschütternden Schreien. Die Schweden im engen Spandex stehen für schnellen Heavy Metal und können bereits eine Meute textsicherer Fans vorweisen, die zu Songs wie ´Live For The Night´ die Matte kreisen lassen.

Trotz Platz vier in den Albumcharts waren im Vorfeld nicht alle Festival-Gänger begeistert davon, eine Bluesrock-Band im Billing des Summer Breeze vorzufinden. BLUES PILLS kontern mit einer besonders soulig-kratzigen Performance von Sängerin Elin und charmanter Bescheidenheit. Mit Erfolg: Auf eine Dame, die neben mir nicht aufhören kann, zu buhen, kommt ein vollgepacktes Zelt begeisterter alter und neuer Fans, die zum Schluss lautstark Zugaben fordern. Inzwischen hat der periodisch auftretende Regen aus der Wiese des Vorplatzes eine braune Schlammlandschaft gemacht. Besonders der Ausgang des Zeltes wird dabei zur gelebten Slapstick-Einlage, wenn große Männer mit reichlich Atü auf dem Kessel versuchen, gleichzeitig der Schwerkraft zu widerstehen und ihr Bier nicht zu verschütten. Eine gute Zeit, um mit GRAND MAGUS den Altherrenabend einzuleiten. Zuerst noch etwas steif in der Hüfte, hat spätestens bei ´Valhalla Rising´ auch die hinteren Reihen das Wikinger-Pathos gepackt. Da passt es gut, dass im Anschluss die Normannen UNLEASHED übernehmen. Die Death-Metaller haben eine musikalisch solide Visitenkarte zum 25-Jährigen dabei, und bei ´If They Had Eyes´ vom 1991er Debütalbum „Where No Life Dwells“ gibt sich Fronter Johnny Hedlund nur wenigen Illusionen hin: „Ich spekuliere mal, dass einige von euch da noch nicht mal geboren waren!“ Musikalisch etwas anspruchsvoller, aber im selben Genre geht´s bei DECAPITATED weiter. So richtig zündet der Auftritt der Polen nicht - vor allem im Vergleich zu TRAGEDY direkt danach. Gegen die Partytauglichkeit von Disco-Hits im Metal-Gewand ist aber auch kaum ein Kraut gewachsen. (ln)

Donnerstag

Der nächste Morgen beginnt mit einer Runde über das Infield, das mit einem zusätzlichen Zugang erweitert wurde und allgemein größer wirkt. Auf der Pain Stage rumpeln ABORTED den Frühaufstehern die müden Knochen durch, bevor THE UNGUIDED die Main Stage eröffnen. Der Melodic Death der Schweden grenzt an Körperverletzung - vor allem dank der kitschigen Keyboards vom Band. Und weil unglücklicherweise Keyboarder Martijn Westerholt anderweitig beschäftigt ist, kommt auch bei DELAIN auf der Pain Stage im Anschluss das Gedudel aus der Konserve. Die Symphonic-Metaller versuchen, das Beste daraus zu machen, aber so richtig souverän klingt das Endprodukt nicht. In einer ganz anderen Liga spielt der Shoegaze-Klangteppich von HERETOIR. Gemeinsam mit Alcest sind die Augsburger der Post-Black-Metal-Rahmen der T-Stage an diesem Tag - atmosphärisch-düster und hochtalentiert. Und während SKELETONWITCH als Kontrastprogramm mit exzellent finsterer Laune einen Moshpit initiieren, um die letzten Entrückten zurück in die Realität zu prügeln, veranstalten ELUVEITIE vor vollem Haus ihre Folk-Metal-Party auf der Main Stage. Nach einem sonnigen Vormittag kommen jetzt wieder unwetterschwangere Windböen auf, die crowdsurfenden Fans mit nacktem Körper und Schottenrock könnte aber sichtlich nichts weniger scheren. Die Schweizer zeigen wieder mal, dass besonders tanzbare Musik auf dem Summer Breeze funktioniert. CALIBAN beanspruchen dagegen im Anschluss mit ihrer Metal-Nachwuchserziehung meine Fremdschäm-Grenze: „Circle-Pit um den FOH-Turm! Nein, nein, nein - da drüben!“, „Wo sind die Crowdsurfer?“, „Wem gehört dieser Schuh, Größe 42?“ Ein Glück, dass ARCH ENEMY nicht zu lange auf sich warten lassen. Die Energie, die die Schweden mit ihrer neuen Frontfrau Alissa White-Gluz an den Tag legen, ist brachial. Jede Bewegung sitzt, es hagelt Klassiker sowie drei Titel vom jüngsten Werk „War Eternal“. Ein Triumphzug, den der Blauschopf später am Abend als Gast noch auf einer anderen Bühne fortsetzen wird. (ln)

Anschließend folgt mal wieder ein Paradebeispiel für die Dichotomie (Ferkel! - Red.) des Summer-Breeze-Billings: Während Equilibrium auf der Pain Stage das Party-Volk bedienen, versorgen THE OCEAN auf der T-Stage die etwas anspruchsvolleren Hörer. So mancher Fan würde statt der acht dargebotenen „Pelagial“-Kapitel allerdings lieber einige alte Songs hören, bei denen man so richtig die Kuh fliegen lassen kann, aber das „Pelagial“-Material regt - im Zusammenspiel mit den stimmigen Videoprojektionen - eher zum Träumen und Abtauchen in andere Welten an. Bevor DOWN die Bretter betreten, verlässt das Equilibrium-Publikum in Strömen das Gelände, doch es finden sich immer noch genügend Leute, die dem gewohnt starken Gig der Kultband aus New Orleans beiwohnen. Allerdings ist Phil Anselmo auf dem besten Weg, den eigenen Legendenstatus einzureißen. Der ehemalige Pantera-Sänger ist teilweise erschreckend schwach bei Stimme und macht alles andere als einen nüchternen Eindruck. Dementsprechend rangieren die Ansagen zwischen witzig („We´re the cutest band in the history of cute!“) und dämlich (man sollte als professioneller Performer Stinkefinger einfach ignorieren, anstatt die Leute zum Kampf herauszufordern). Dennoch: Die wabernden Riffs, die starken Kompositionen und das ´Bury Me In Smoke´-Finale, bei dem die Machine-Head-Gitarristen Robb Flynn und Phil Demmel auf die Bühne gebeten werden, lassen den Daumen am Ende doch in die Höhe schnellen.

Danach darf das polnische Abrisskommando BEHEMOTH auf der Pain Stage ran. Mit jeder Menge Rauch, Feuer und Schminke ausgestattet, rast die Band durch ihren Blastbeat-lastigen Set. Immer wieder beeindruckend: Nergals tiefes Organ. Selbst wenn er fragt „Wie geht es euch, Deutschland?“, klingt es, als würde er den Atomkrieg ausrufen. TWILIGHT OF THE GODS spielen derweil vor ein paar hundert Leuten auf der T-Stage. Alan Averill sorgt mit seinem intensiven Gesang für Gänsehautmomente und verkündet nebenbei, dass dies wohl der letzte Gig für Gitarrist Patrik Lindgren sein wird. CHILDREN OF BODOM bieten auf der Main Stage einen derart überraschungsarmen, routinierten und vor allem leisen Auftritt, dass es mich nach kurzer Zeit ins Zelt zu THE HAUNTED verschlägt. Die Schweden zelebrieren ihre Rückkehr mit reichlich Feuer unterm Hintern und präsentieren auch zwei Songs des neuen Albums „Exit Wounds“. Der einzige Wermutstropfen: Marco Aro sollte mal die Wolldecke aus dem Mund nehmen. Man versteht kein Wort von dem, was er singt. TESTAMENT bekommen in diesem Leben wohl keinen guten Festival-Livesound mehr hin. Zwar ist der Klang nicht ganz so katastrophal wie auf dem Rock Hard Festival, doch auch auf der Pain Stage scheint alles bis zum Anschlag aufgedreht zu sein, während Chuck Billy mit reichlich Echo auf dem Mikro die stimmlichen Makel zu kaschieren versucht. Immerhin wird das Publikum Zeuge eines exklusiven Gastauftritts, als Arch-Enemy-Fronterin Alissa zu ´Into The Pit´ die Bühne entert. (rb)

Freitag

Der morgendliche Kater wird noch schlimmer, als das Wacken des Südens an diesem Tag von STAHLMANN eröffnet wird, einer drittklassigen Rammstein-Kopie. Wenn einen die uninspirierten Songs noch nicht schaffen, dann spätestens die unbeholfenen bis peinlichen Ansagen. CRUCIFIED BARBARA sind da in direktem Anschluss natürlich eine Wohltat für Auge und Ohr. Die attraktiven Damen rocken synchronbangend derart wie Sau, dass das Konterbier dazu wieder schmeckt. Warum DEADBOLT auf der Pain Stage die mit Abstand lauteste Band des gesamten Nachmittags sind, weiß wohl nur der Soundmischer. Lautstärkemäßig wieder im Rahmen geht´s bei PRIMAL FEAR mit Doublebass und Doppelsoli weiter.

Muss man so auch mal sagen dürfen: Ziemliche Fehlplanung, den Auftritt von WOUND auf der Camel Stage parallel zu dem von Benediction zu legen. Die Hessen machen mit ihrem groben Gehölz jedenfalls Alarm wie kaum eine andere Band des Billings, ziehen im Durchgangsverkehr dabei aber nur ein paar vereinzelte Schaulustige. BENEDICTION bewegen sich derweil artverwandt zwischen „Punk as fuck“ (O-Ton Dave Hunt, breit grinsend bester Laune) und Old-School-Death-Metal, was ziemlich bockt.
Der Verfasser dieser Zeilen versteht danach die Welt nicht mehr, als sich diese Karnevalsveranstaltung namens J.B.O. als der heimliche Headliner entpuppt. Der massenwanderungsartige Publikumsandrang spottet genauso jeder Beschreibung wie das, was inklusive pinker Nebelschwaden eine Stunde lang als Marathon der Unlustigkeiten auf der Bühne abgeht.

Im Zelt der T-Stage weiß ANNEKE VAN GIERSBERGEN mit ihrem Charme zu versöhnen. Die Holländerin hüpft, tänzelt, joggt und schlängelt im Glitzeroberteil über die Bühne, trällert, schmettert und jauchzt zur kraftvoll rockenden Begleitband, hat zwischendurch eine Ballade aus The-Gathering-Zeiten in petto und ist nicht einfach nur happy, sondern „very metal-happy“. Wir auch.
Auf der Pain Stage punkrocken IGNITE zeitversetzt Eigenkompositionen wie ´Bleeding´ oder das neue ´Oh No, Not Again´ sowie die U2-Covernummer ´Sunday Bloody Sunday´ runter, und Frontmann Zoli spricht sich für den Weltfrieden aus. GAMMA RAY ziehen sich solide samt einer mit Reggae-Zwischenteil in die Länge gezogenen Version von ´I Want Out´ aus der Affäre.
Unsägliche Karnevalstruppe, Nummer zwei: Auch bei den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, deren Show samt Tannenbaum-Deko und Nikolauskostüm unter dem Motto Weihnachten zu stehen scheint, ist der Andrang im T-Zelt ziemlich groß. So was sollte in Zukunft bitte dennoch dorthin verlegt werden, wo es hingehört: auf den Schlagermove. (sd)

Kaum haben wir Herrn Hansens gut sitzende Frisur zu Ende bewundert, ballert das Christen-Metalcore-Kommando AUGUST BURNS RED auf der Pain Stage los. Der Sound der Amis wirkt aufgrund der stilistischen Entwicklungen der letzten Jahre nahezu antiquiert, aber die Mischung aus latenter Sperrigkeit und einem dennoch guten Flow macht Spaß. Auch nicht schlecht: Einer der Gitarristen trägt trotz der ungemütlichen Witterung Flipflops. CARCASS mussten in Wacken gegen Motörhead antreten, und auch diesmal schläft die Konkurrenz nicht. Wir gönnen uns eine überzeugende Viertelstunde, während der die Typen unverbissen, aber technisch brillant zu Werke gehen und Jeff Walker sich wieder britisch schrullig zeigt („Mein Deutsch ist kaputt!“). Dann geht´s rüber zur T-Stage, wo Nordhausens Brutalo-Walze MAROON zum letzten Mal in den Pit lädt. Die fünf freuen sich über ein volles Zelt und bedanken sich mit dem einen oder anderen „bei Carcass geklauten“ Song. Frontmann Andre Moraweck übt sich in lasziven Tanzeinlagen, verbittet sich Abschiedstränen („Wehe, es heult einer!“), ist aber von der Abfeierei der Fans sichtlich gerührt. Mit ´Wake Up In Hell´ und einem Bad im Publikum verabschiedet sich die ehemalige Vegan-Straight-Edge-Truppe aus der Szene. Macht´s gut!

HYPOCRISY mögen ihren Erfolgsradius inzwischen komplett ausgeschöpft haben. Aufgrund einer souverän runtergeballerten Setlist mit den klassischen Midtempo-Boliden ´Fractured Millenium´ und ´Roswell 47´ sowie aktuellen Schädelspaltern wie ´The Eye´ reicht´s aber problemlos für eine der Top-Positionen auf der Pain Stage. Die Chefs sind heute natürlich MACHINE HEAD. Hypocrisy sind noch am Ackern, da füllt es sich vor der Hauptbühne bereits ansehnlich, und die ersten „Machine fucking Head!“-Chöre gehen los. Der Blick in die gigantische wogende Masse ist selbst für die erfolgsverwöhnten US-Profis ein absoluter Gänsehautgarant. Sie revanchieren sich mit einer gut strukturierten, nicht nur auf Härte setzenden Headliner-Show, der auch der erneut einsetzende Regen nix anhaben kann. Das Finale mit ´Halo´, jeder Menge Feuer, Rauch und Konfetti ist verdammt fett.

Parallel füllt eine gut gelaunte Geschmacksminderheit das mittlerweile verschlammte Zelt beim KASSIERER-Auftritt, kratzt sich begeistert wegen ´Blumenkohl am Pillemann´ im Schritt und weiß genau, dass es ´Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist´, denn man hat schließlich ´Kein Geld für Bier´. Frontmann Wölfi Wendland lässt wie immer seine Flöte an die frische Luft („Wenn ihnen mein Hodensack gefallen hat, liken sie uns bitte auf Facebook!“), so dass wir jetzt alle wissen, dass er den Hit ´Mein Glied ist zu groß´ verdammt ernst meint. Danach gibt´s hier einen hundertprozentigen Publikumsaustausch (von ein paar bewegungsunfähig im Modder feststeckenden Bierleichen mal abgesehen), und man freut sich um kurz vor ein Uhr nachts auf den perfekten Absacker: INSOMNIUM rocken mit viel Energie durch ihre Dunkel-Metal-Epen und erzeugen - im positiven Sinne - die nötige Bettschwere. (jj)

Samstag

Am Samstag sollte man bereits um zwölf Uhr seinen Kadaver vor die Pain Stage wuchten. Süddeutschlands kleine Crowbar-Brüder UNDERTOW witzeln dort „Guten Tag, Winter Freeze!“ in eine ansehnliche Zahl von wetterresistenten Frühaufstehern und überzeugen trotz technischer Probleme und des nächsten Regengusses mit Volltreffern wie ´Threedouble Chime´, dessen Gänsehaut-Bridge mir noch einen Tag später im Kopf klebt. IWRESTLEDABEARONCE verlieren wegen eines verpeilten Nightliner-Fahrers, der sie viel zu spät zum Gelände bringt, fast 20 Minuten ihres Sets. Ihr nerdiger Stresser-Core sorgt aber auch in Kurzfassung für ´ne Menge Fan-Action. Frontfrau Courtneys Haare sehen allerdings aus, als hätte sie am Tag zuvor heimlich bei Deutschlands unwitzigster Band J.B.O. vorbeigeguckt. KAMPFAR wirken auf der Pain Stage und bei gleißendem Tageslicht - ja, die Sonne scheint ausgerechnet bei den Black-Metallern - zunächst ziemlich verloren, lassen aber auch in diesem ungewohnten Ambiente immer wieder ihre atmosphärische Magie aufblitzen. Das gilt genauso für THYRFING, die sogar auf der Main Stage randürfen und deren Pagan Metal eher in Richtung progressiverer Elemente schielt, als sich dem ganzen Bierschiss-Gehoppel anzudienen.

Bevor im Zelt mit IMPERIUM DEKADENZ, ROTTING CHRIST und SEPTICFLESH die völlige Verdunkelung angesagt ist, versprühen TEXAS IN JULY mit ihrem Sound zwischen Post-Metalcore, Modern Metal und latenter Pop-Affinität noch ein paar nahezu positive Vibes unter der Plane. Die Leadgitarren können echt was. Das können natürlich auch die von BRAINSTORM. Außerdem gehört Andy B. Franck zu den besten Stimmen der deutschen Kraftmetall-Szene und beweist sich auf der Pain Stage als supersympathischer Fan-Animateur. Definitiv eines der Tageshighlights. John Tardy brüllt sich hinter seinem Backdrop noch warm, da fängt der Rest der OBITUARYs fünf Minuten vor Showtime einfach schon mal an. Die Redneck-Death-Metal-Haarmonster sind heute nicht die Leidenschaft in Person, haben aber genügend Hits in petto. Unbeeindruckt von dem Gerumpel, macht der Tarja-Cellist nur ein paar Meter entfernt ein paar Fingerübungen an seinem Instrument, und auf der dieses Jahr mit diversen echten Highlights beeindruckenden Camel Stage schießen CRIPPER ruppigen Teutonen-Thrash in die große Meute. Britta Görtz röhrt ohne Verluste, ihr Spitzname Elchkuh wirkt aber nach wie vor etwas befremdlich. Zum Abschied verabredet sie sich mit den Fans zum Saufen. Der Kontrast zu unserer liebsten Diva TARJA könnte somit kaum größer sein. Die Grande Dame des Kitsch-Rock hat aber allen Schmähungen zum Trotz inzwischen eine imposante Bühnenpersönlichkeit entwickelt, lässt sich in teils strömendem Regen abfeiern, hat mit Drum-Poser Mike Terrana noch ´ne weitere Primadonna dabei, präsentiert ein paar Killer-Highheels und verschiedene Kostüme zwischen Las-Vegas-Dekadenz und Post-Goth-Lady, wirft aber leider mit dem jamesbondigen ´In For A Kill´ und dem ersten Post-Nightwish-Befreiungsschlag ´I Walk Alone´ zwei ihrer größten Hits aus dem Programm. (jj)

MONO INC. sind uninteressant, und bei dem aufkommenden Regen passt es gut, dass IMPALED NAZARENE im Zelt spielen. So richtig zünden wollen die Finnen aber nicht und laufen erst mit dem finalen Doppelschlag ´Sadhu Satana´ und ´Total War - Winter War´ zur Normalform auf. Im Vergleich zu den später spielenden Watain ziehen sie aber gnadenlos den Kürzeren, da sie kaum Atmosphäre verbreiten. Auf dem Weg zur Hauptbühne gilt es, unbedingt an der Camel Stage Station zu machen. SCREAMER sind beim Rock Hard Festival unter ihren Möglichkeiten geblieben. Hier auf der kleinen Bühne, wo das Festival fast noch Underground-Flair hat, sind sie aber voll in ihrem Element und begeistern mit unbändiger Spielfreude, purem Heavy Metal und den doppelläufigsten Gitarren des Festivals. IN EXTREMO haben ihren angestammten Headliner-Status verloren, lassen sich das aber nicht anmerken. So bietet das Septett einen gewohnt kurzweiligen Auftritt, bei dem die vier neuen Nummern von „Kunstraub“ nicht recht gegen älteres Material wie ´Spielmannsblut´, ´Vollmond´ und ´Liam´ anstinken können. Optisch ist natürlich der Marsch der Hörner der Blickfang, und die Feuer- und Pyroeffekte sorgen auf dem saukalten Gelände für etwas Wärme.
WINTERSUN sind nicht die tourfreudigste Band, zuletzt waren sie 2005 beim Summer Breeze. Mittlerweile hat sich der Status der Finnen um Jari Mäenpää enorm gesteigert, und sicherlich dürfte er seinen Ausstieg bei Ensiferum zu keiner Sekunde bereut haben. Mit unbändiger Spielfreude demonstriert das Quartett, dass es zu groß für jede Schublade ist. Dementsprechend wird es abgefeiert. Allerdings sollte man über einen Tour-Keyboarder nachdenken. Vor dem Headliner lohnt sich noch mal ein Besuch der Camel Stage, auf der Death-Metal-Urgestein Paul Speckmann mit MASTER inklusive seiner tschechischen Musiker einen mächtigen Auftritt bietet. Einzigartig seine Mimik, und sein Bart hat weiterhin ZZ-Top-Dimensionen.

HEAVEN SHALL BURN beeindrucken zunächst mit ihrem mächtigen, detailverliebten Bühnenbild einer Straßenkampfszene. Einmal mehr beweisen die Thüringer, dass sie die etwas andere Metalcore-Band sind. Neben einem Querschnitt ihres Schaffenswerks gibt´s noch zwei Coverversionen von Edge Of Sanity und abschließend von Blind Guardian. Letztlich ein würdiger Headliner-Auftritt, der seinen emotionalen Höhepunkt mit dem gigantischen Gedenkbanner an Mike Trengert findet. WATAIN headlinen anschließend die Pain Stage und stellen eindrucksvoll unter Beweis, warum sie mittlerweile die Genre-Könige sind. Atmosphäre ist angesagt, und neben dem Dauerfeuer und dem höllischem Bühnenbild können die Schweden das verbleibende Publikum mit ihrem Ritual in ihren Bann ziehen. Krank nur der Typ, der mehrfach versucht, die Bühne zu stürmen und dann von einer Horde Security-Männer dingfest gemacht wird. Auf dem Heimweg lohnt es sich noch, kurz im Zelt bei BIOHAZARD und ihrer „lesson in Hardcore“ reinzuschauen, um sich dann auch über die ersten angekündigten Bands für 2015 zu freuen. (wk)

Auf dem Summer Breeze rockten wie Hulle: Ronny Bittner (rb), Simon Dümpelmann (sd), Jan Jaedike (jj), Wolfram Küper (wk) und Laura Niebling (ln). Im Fotograben unterwegs: Peter Kupfer

Bands:
DIE KASSIERER
GRAND MAGUS
BIOHAZARD
HYPOCRISY
TWILIGHT OF THE GODS
WATAIN
HEAVEN SHALL BURN
CHILDREN OF BODOM
TESTAMENT
DECAPITATED
UNLEASHED
THE HAUNTED
INSOMNIUM
Autor:
Wolfram Küper
Simon Dümpelmann
Jan Jaedike
Ronny Bittner
Laura Niebling

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