Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.09.2013

LAMB OF GOD , IN FLAMES , SABATON , KADAVAR - SUMMER BREEZE 2013 - Kunst und Karneval

Das Summer Breeze ist traditionell das letzte der großen Metal-Open-Airs im Sommer und hat sich längst als gut organisiertes, fanfreundliches Festival mit professioneller Crew etabliert. Auch in diesem Jahr war das Gelände mit gut 35.000 Besuchern restlos ausverkauft, und dennoch gab es nirgendwo nennenswerte Wartezeiten, und man hatte nie das Gefühl, das Gelände wäre ZU voll. Auch hier gibt es inzwischen eine bestimmte Anzahl an Eventies, die nur wegen der Party kommen, und Narren, die in albernen Kostümen die Aufmerksamkeit erregen wollen, die man ihnen im normalen Alltag wohl nicht zugesteht. In erster Linie findet man hier aber nach wie vor Metalheads aller Altersklassen, die sich an dem wie immer sehr bunt gemischten Programm erfreuen.

Mittwoch

Traditionell ist der erste Tag des Summer Breeze eigentlich „lediglich“ ein Warm-up-Tag. Nachmittags wird in Form des „New Blood Award“ dem Nachwuchs auf der Party Stage eine Chance eingeräumt (die diesjährigen Gewinner STORMBORN aus London konnten die Jury mit hartem, traditionellem Melodic Metal überzeugen), und am Abend hat sich auf derselben Bühne auch schon seit einigen Jahren die „Nuclear-Blast-Label-Nacht“ etabliert, während auf den beiden Hauptbühnen der Spaß erst am nächsten Tag beginnt. Dieses Jahr bevölkern allerdings bereits am Mittwoch ca. 30.000 Besucher das Gelände, ein Ansturm, mit dem die Veranstalter anscheinend gerechnet haben: In weiser Voraussicht wurde eine große Leinwand direkt neben dem Zelt platziert. So können noch einige tausend Fans von draußen dem Geschehen auf der Bühne folgen, wenn spätestens bei Vader die Zeltkapazität mit 10.000 Besuchern erschöpft sein wird.

Doch zunächst skandieren einige tausend überwiegend sehr junge Kehlen lautstark BURY TOMORROW und bekommen kurz darauf genau das, was sie wollen: massive Breakdowns, Gebrüll, Klargesang und alles, was eine moderne Deathcore-Band ansonsten noch aufzieht, um dem Publikum u.a. eine recht ansehnliche Wall Of Death zu entlocken. Nur halt leider keine Songs - auch wenn ich wahrscheinlich der Einzige bin, der diese vermisst.

Das sieht auf der Camel Stage bei NASTY anschließend nicht viel anders aus. Der 08/15-Core mit Attitüde bringt zwar das Publikum in Wallung, liefert musikalisch allerdings wenig bis nichts Erinnerungswürdiges. (ah)

Bei DESERTED FEAR wird´s richtig voll vor der Camel Stage. Damit haben die Thüringer Old-School-Death-Metaller in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet, und sie bedanken sich mit einem astreinen 30-Minuten-Set, der alle Highlights ihres famosen „My Empire“-Debüts beinhaltet. (fa)

Als VADER mit ´Sothis´ und ´Vicious Circle´ ihren Set beginnen, ist das Zelt bis in die letzten Reihen gefüllt, und draußen versammeln sich noch einige tausend Zuschauer vor der Leinwand, um den ultratight agierenden Death-Metal-Veteranen um Bandleader Peter Wiwczarek (g./v.) mit Zehntausenden gereckten Fäusten den gesamten Gig über eine erstklassige Performance zu attestieren. Selbst das „Star Wars“-Outro ´The Imperial March´ wird vom Publikum noch mitgegrölt und unterstreicht, dass die Polen die Menge für EXODUS ordentlich in Wallung gebracht haben.

Daran hat der Bay-Area-Fünfer zunächst auch ordentlich zu knabbern. Zwar geht im vorderen Drittel bereits beim Opener ´The Ballad Of Leonard And Charles´ richtig die Post ab, aber der Rest des Publikums beschränkt sich zunächst auf Applaus zwischen den Songs. Dennoch lässt Frontrabauke Rob Dukes (v.) nicht locker, bittet erfolgreich ein ums andere Mal zum Circle-Pit und stachelt auch seine Sidekicks Lee Altus (g.) und den temporären Gary-Holt-Ersatz Kragen Lum (Heathen) mehr und mehr an, was in einem epochalen Verspieler von Lee während eines Solos mündet, als diesem Bünde und Saiten ausgehen. Scheißegal, spätestens nach dem Dreierpack ´Bonded By Blood´, ´A Lesson In Violence´ und ´The Toxic Waltz´ regnet es Adrenalin vom Zeltdach, und Exodus haben mal wieder unterstrichen, was es mit dem „good friendly violent fun“ auf sich hat.

Anschließend ärgert man sich über den ultramiesen Sound von YEAR OF THE GOAT auf der Camel Stage. Und nein, es liegt nicht an der Band. Steht man weit genug vorne, hört man, dass da tatsächlich drei beeindruckende Gitarren auf der Bühne zu hören sind, aus der P.A. kommen aber leider nur Gesang und Snare. Gott sei Dank lassen sich einige hundert mit einem Song wie ´A Circle Of Serpents´ bestens vertraute Zuschauer davon die Laune nicht verderben und honorieren den Auftritt der Schweden mit entsprechendem Applaus.

Dass DESTRUCTION nach den erstklassigen Shows von Vader und Exodus keinen leichten Stand haben würden, ist nicht sonderlich überraschend. Dass sich allerdings nur noch ca. ein Viertel der zuvor anwesenden Zuschauer vor der Party Stage einfindet, als Schmier (v./b.) und seine Mannen ´Thrash ´Til Death´ propagieren, ist dann doch ein bisschen schade, zumal Mike mit dem besten, weil schön differenziert und fies aggressiv mittig in die Gehörgänge sägenden Gitarrensound des Tages aufwartet. Aber spätestens nach den vom Publikum mit Moshpits und euphorischem Applaus honorierten abschließenden Klassikern ´Bestial Invasion´ und ´Curse The Gods´ können auch Destruction ihren Gig als Erfolg verbuchen.

Mittlerweile ist es weit nach Mitternacht und schweinekalt, dass sich dennoch gut über tausend Besucher vor der Party Stage einfinden, um dem Gig von KADAVAR beizuwohnen, unterstreicht, welch exzellenten Ruf sich die Berliner Vintage-Rocker um Ausnahme-Drummer Tiger in den letzten beiden Jahren als Liveband erspielt haben. Dem werden sie auch heute absolut gerecht. (ah)

Donnerstag

Von den Straight-Edgern FIRST BLOOD kann man schon erwarten, dass sie früh am Morgen (12:45 Uhr) fit sind, und das sind sie auch. Überhaupt wird der Hardcore-Einschlag beim Summer Breeze immer größer, und mit den Kaliforniern, die auch gleich für die erste Wall Of Death und die ersten Circle-Pits des Tages sorgen, hat man eine klasse Wahl getroffen.

Dumm gelaufen: CULTUS FEROX wollten einen speziellen Rockset spielen, und da fängt sich der Drummer einen Zeckenbiss ein. So gibt es doch mehr oder weniger einen Mittelalter-Set. Die Berliner sorgen wie sonst In Extremo, Subway To Sally und Corvus Corax mit ihrer Instrumentierung und ihrem Auftreten für das besondere Flair des Festivals. Mit neuen Spielleuten wird es auf der Bühne zudem eng. Schlachtruf des Sets: „Ahoi!“

Es verwundert schon ein wenig, dass Cliff Richards ein großer Einfluss für THE BONES gewesen sein soll, zumindest wählt man eine Nummer des Briten als Intro und zeigt auch ein Porträtbild auf der Bühne. Ansonsten demonstriert das Quartett aus Karlskrona, was eine dreckige Rock´n´Roll-Party ist, und bringt überraschend mit ´I´m A Rebel´ ein Accept-Cover, bei man fast meinen könnte, dass es eine eigene Nummer ist.

Wie ihre Coveraufnahmen zeigen, stehen WINTERFYLLETH auf schöne Landschaften und sind damit in Dinkelsbühl perfekt aufgehoben. Image spielt im Black Metal eine große Rolle, was den Briten allerdings egal ist. Ungeschminkt und mit adretten Kurzhaarfrisuren zeigt das Quartett, dass man eine Nische in den Welten des melodischen Black Metal gefunden hat. Die Party Stage ist somit souverän eröffnet.

Keine Ahnung, in welchem Hafen ALESTORM angelegt haben, in Dinkelsbühl machen die Piraten allerdings einen großen Beutezug. Das textsichere Publikum feiert die spielfreudigen Schotten gnadenlos ab. Gleichzeitig zeigt sich aber die Problematik der Pain Stage: Auf der einen Seite fällt das Gelände stark ab, die Bühne ist zu niedrig, und auf der anderen Seite versperrt die VIP-Tribüne die Sicht. Zudem dürfte es wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Truppe (die ruhig mehr Wert auf ihr Outfit legen könnte) einen Werbedeal mit Captain Morgan abschließt.

Passend schreiben die Veranstalter auf der Summer-Breeze-Homepage, dass MUSTASCH vor jedem Publikum bestehen können, und das stellen die Schweden zweifelsfrei unter Beweis. Wirklich unbegreiflich, warum die Truppe nicht in einer höheren Liga spielt. Auch wenn es kein Metal ist: Besser als die Schweden kann man harten Rock nicht zocken. Schade, dass das noch nicht alle kapiert haben.

ILLDISPOSED beweisen eindrucksvoll, dass mit den Death-Metal-Veteranen noch zu rechnen ist. Dabei punktet Frontmann Bo Summer, der behauptet, 22 Kilogramm abgespeckt zu haben, mit deutschen Ansagen und zeigt, dass Death Metal und Humor kein Widerspruch sein müssen. Da der Auftritt der Dänen einer groovenden Walze gleichkommt und die Truppe vom rappelvollen Zelt begeistert aufgenommen wird, legt man die Messlatte für die nachfolgenden Genrebands recht hoch. (wk)

SOILWORK erwischen heute auf der Main Stage glücklicherweise einen wesentlich besseren Sound als bei ihrem Wacken-Gig. Das Sextett wählt mit ´This Momentary Bliss´ einen starken Einstieg, der im weiteren Verlauf mit Hits vom Kaliber ´Follow The Hollow´ und ´Tongue´ ergänzt wird. Trotz der starken musikalischen Leistung will der Funke nicht so recht überspringen. Während Fronter Speed und der Basser noch am ehesten als Aktivposten durchgehen, schielt die Gitarristenfraktion zu sehr auf die Griffbretter und nimmt zu wenig Kontakt mit dem Publikum auf.

Der schnulzige Melody-Core von WE CAME AS ROMANS ist auf Platte gar nicht meins, aber live zeigen die fünf Jungspunde ihren schwedischen Kollegen, wie der Hase läuft. Die Burschen sind bis in die Haarspitzen motiviert, hüpfen wie wild über die Pain Stage, ohne dabei einen schiefen Ton zu produzieren. Wenn die Amis das ganze Keyboard-Gedudel über Bord werfen würden, könnte das noch eine richtig runde Sache werden.

FEAR FACTORY haben ihre Setlist im Vergleich zum Wacken-Auftritt vor zwei Wochen umgestellt und eröffnen nun wieder mit ´The Industrialist´ statt ´Demanufacture´. Doch nach wie vor gilt: Das Endzeit-Industrial-Geballer macht immer dann am meisten Spaß, wenn Burton C. Bell nicht zu cleanen Gesängen ansetzt. Wenn ihm, wie bei ´Shock´, wieder mal die Stimme wegbricht, kann man nur noch resigniert den Kopf schütteln. Dafür spielt die Band mit ´Archetype´ erstmals einen Song aus der Ära, als Dino Cazares nicht zum Line-up gehörte. Auf der Party Stage zündeln sich EVOCATION derweil mit reichlich Pyro-Action durch einen fett groovenden Death-Metal-Set, der mehr als einmal an Amon Amarth denken lässt.

Partytauglicher Metal mit Folk-Einschlag funktioniert auf dem Summer Breeze immer, und so ist es nicht sonderlich erstaunlich, dass bei KORPIKLAANI vor der Pain Stage so gut wie kein Durchkommen ist. Während ich mich mit einem extrem „süffigen“ Burrito vollkleckere, nutzen andere Zuschauer den Gig für Ringelreihen, Polonäse und andere Tänze.

Im Vergleich dazu hat DER W einen extrem schweren Stand: Einige tausend Stephan-Weidner-Fans feiern den ehemaligen Böhsen Onkel standesgemäß ab, aber hinter dem FOH-Turm sieht man eigentlich nur entnervte Gesichter. „Hau ab, du Wichser, dich will hier keiner!“ ist noch einer der netteren Sprüche, die zwischen den Songs immer wieder ertönen. Der zu einem starken Fronter gereifte Stephan lässt sich allerdings nicht provozieren und führt seine bestens aufeinander eingespielte Band durchs Programm.

Schon während des Der-W-Sets stauen sich die POWERWOLF-Anhänger vor der Pain Stage. Was während des Eröffnungstriples ´Sanctified With Dynamite´, ´We Drink Your Blood´ und ´Amen & Attack´ abgeht, ist unfassbar. Bis weit nach hinten werden die eingängigen Refrains aus voller Kehle mitgebrüllt, der Jubel zwischen den Songs ist ebenfalls ohrenbetäubend. Wenn´s so weitergeht, dauert es nicht mehr lange, bis die Combo an alteingesessenen deutschen Bands wie Helloween oder Gamma Ray vorbeizieht. (rb)

NECROPHOBIC liefern im ordentlich gefüllten Zelt eine gewöhnungsbedürftige Performance ab. Frontmann Tobbe kann nicht dabei sein, da er derzeit hinter schwedischen Gardinen sitzt. Ersetzt wird er von Naglfar-Schreihals Kristoffer Olivius, was stimmlich ziemlich gut passt. Allerdings fehlt Tobbes Charisma an allen Ecken und Enden, und auch die zweite Gitarre wird an vielen Stellen schmerzlich vermissst. Und dennoch funktioniert die bedrohlich-finstere Klangkunst bestens, vom Opener ´Blinded By Light, Enlightened By Darkness´ über ´Revelation 666´ oder ´Into Armageddon´ bis hin zu ´Black Moon Rising´, das dem verstorbenen Necrophobic-Gründungsmitglied David Parland gewidmet wird und bei dem wirklich alle Arme oben sind.

SÓLSTAFIR machen eigentlich keine Musik zum Ausrasten; man saugt die Intensität ihrer Songs eher in sich auf. Dennoch drehen einige Fans komplett durch und lassen ekstatisch ihre Dreadlock-Matten kreisen. Warum auch nicht? Was die Isländer hier bieten, ist absolut erstklassig, auch in Verbindung mit einer geschmackvollen Lightshow. Und der Magie von Nummern wie ´Fjara´ oder ´Goddess Of The Ages´ kann man sich nur schwer entziehen.

Leider mussten Benediction ihren Auftritt absagen und werden nun von ATROCITY ersetzt, was viele Leute offenbar nicht mitbekommen haben, denn das Zelt leert sich im Vergleich zu den zuvor aufgetretenen Acts deutlich. Die, die geblieben sind, bekommen eine gute Show geboten, die auf spielerisch hohem Niveau steht. Und ja: Rüder Death Metal der Marke ´Fatal Step´ gehört genauso zur Historie der Band wie stumpfe Absurditäten im Stile von ´Satans Braut´. Aber gerade dieses Fehlen einer klaren Linie, dieser stete Wechsel der Stilistik macht es einem schwer, bedingungsloser Supporter der Ludwigsburger zu sein.

SABATON schimpfen wie die Rohrspatzen, weil Air Berlin das Equipment der Band verbummelt hat und sie nun ihren Headliner-Gig mit geliehenen Instrumenten durchziehen müssen. Der allgemeinen guten Laune schadet das aber genauso wenig wie der Show der Schweden, die in Sachen Pyro alle Register ziehen und auch eine sehr feine Songauswahl auftischen, die erfreulicherweise mit ´Panzerkampf´ oder ´Price Of A Mile´ auch ein paar Tracks beinhaltet, die schon seit längerem nicht gespielt wurden. Bleiben die Fragen, wann der etatmäßige Drummer Robban zurückkehren wird (wobei gegen die Performance seines Vertreters Snowy Shaw nun wahrlich nix einzuwenden ist) und warum die Stimmung im Publikum angesichts der Unmengen von Sabaton-Shirt-Trägern nicht noch mehr explodiert.

Nebenan zelebrieren derweil CULT OF LUNA Postrock in Perfektion. Sound, Licht und Musik verschmelzen zu einer Einheit, der man sich auch dann nur schwer entziehen kann, wenn man gar nicht auf die Musik der Skandinavier steht.

DYING FETUS treffen da eher meine Geschmacksnerven mit ihrem ruppigen, aber auf den Punkt gespielten Deathgrind, der da hingeht, wo es wehtut. Immer wieder erstaunlich, wie viel Krawall dieses Trio veranstalten kann - und wie großartig Morgensterne wie ´Killing On Adrenaline´, ´Second Skin´ oder das mächtige ´One Shot, One Kill´ live funktionieren.

Abgerundet wird der Tag auf der Pain Stage von SALTATIO MORTIS, die zwar musikalisch gar nicht mein Ding sind, denen man aber für eine wirklich engagierte, unterhaltsame Performance Respekt zollen muss - wie auch dem Ensemble von HAGGARD, denen man zugute halten sollte, dass sie eben nicht wie viele andere Acts auf Samples setzen, sondern tatsächlich immer noch mit vier Streichern, zwei Bläsern und drei klassisch ausgebildeten SängerInnen auftreten. Das mag unökonomisch sein, ist aber auch ein klares Alleinstellungsmerkmal. (fa)

Freitag

Auch wenn Meister Himmelstein Sister Sin (recht exklusiv übrigens...) für eine „wahnsinnig geile Rock´n´Roll-Band“ hält, schaffen es die Summer-Breeze-Macher, ihn und alle anderen Fans mit den als Ersatz verpflichteten PSYCHOPUNCH zu entschädigen. Die Schweden haben gerade mal zwei Tage vor dem Festival von ihrem Glück gehört, müssen wegen der überstürzten Anreise jobbedingt auf ihren etatmäßigen Klampfer verzichten und während einer zweieinhalbstündigen Spontanprobe seinem Vertreter die Songs beibiegen, aber davon ist live nichts zu merken. Symphatisch-entspannt wie immer hauen die Punk´n´Roller den gut 200 Fans vor der Bühne akustische Lässigkeiten um die Ohren und strahlen eine Coolness aus, die dem jungen Mike Ness zu Ehren gereicht hätte. Musikalische Höhepunkte des Sets sind für mich ganz klar ´Emelie´  und ´Moonlight City´.

Auf der Main Stage, also nur 50 Meter weiter links, beginnt im Anschluss das extreme Kontrastprogramm. Vor geschätzten 10.000 Fans gibt sich „des Hauptmanns geiler Haufen“, FEUERSCHWANZ, die Ehre und trifft mit seinem Nonsens-Mittelalter-Rock genau den Nerv der Feierwütigen. Ich kann zu der frühen Uhrzeit partout nicht folgen und mit Refrains der Marke „Wir lieben Dudelsack, eyeyeyeyey, wir lieben Dudelsack, Spielmann sein ist geil“ mal gar nix anfangen. Nummerngirls auf der Bühne sowie debile Showeffekte und ein Publikum, in dem Event-Honks klar den Ton angeben, tun ihr Übriges und zwingen mich erstmals an diesem Tag in die Knie.

Besser wird es allerdings nicht, denn gleich darauf penetrieren einen LETZTE INSTANZ mit billigstem Düsterkitsch und einem Heldenbariton am Mikro, ehe NEAERA die Bühne in Schutt und Asche legen und von dem Teil der Anwesenden, der noch bei klarem Verstand ist, nach allen Regeln der Kunst abgefeiert werden. Das Münsteraner Melo-Death-Core-Kommando ist von den Publikumsreaktionen überwältigt und haut eine akustische Abartigkeit nach der anderen raus. So muss das sein.

Das wohlige Klingeln in den Ohren können nicht mal LEAVES´ EYES mit ihrem Zuckerwatte-Gothic-Geknödel zum Verstummen bringen, aber bevor ich mich dieser Gefahr zu lange aussetze, mache ich mich lieber auf den Weg zur Zeltbühne, wo der Sänger der französischen Black-Metaller MERRIMACK auf den Monitorboxen herumrollt und ekstatisch ins Mikro röchelt. Goil - so muss (kaputter) Black Metal klingen!

Die ebenfalls aus Frankreich stammenden und bereits seit 1989 aktiven MISANTHROPE können mit ihrem theatralischen Death Metal nicht dagegen anstinken, wirken im direkten Vergleich eher bieder und werden danach von ROTTEN SOUNDs Grindcore-Attacken pulverisiert. Hätte nie gedacht, dass ich mich auf einem Festival mal bei Death- und Black-Metal-Bands am besten aufgehoben fühle. Wenn das meine Mutter wüsste... (tk)

AGNOSTIC FRONT sind live dermaßen überpräsent, dass man sie heute auf dem doch recht frühen 16-Uhr-Slot mal eben im Vorbeigehen mitnimmt. Hits gibt´s für ´ne dreiviertelstündige Abfahrt natürlich jede Menge, aber halt auch eine enorme Vorhersehbarkeit. Ohne die Warzone-Huldigung ´Gotta Go´ und das Iron-Cross-Cover ´Crucified´ bekommt man die Kerle nicht mehr von der Bühne. Dass Stigma mehr Luft- als Live-Gitarrist ist, ist ebenfalls kaum noch ´ne Meldung wert. Dafür widmet Frontmann Roger Miret sweeterweise seiner Frau einen Song zum Hochzeitstag, und ´Blitzkrieg Bop´ garantiert als Finale noch mal ´ne Menge Pit-Action.

END OF GREEN pendeln auf der Pain Stage zwischen gefälligem Dark Rock und einem gewissen Bauern-Grufti-Fremdschämflair. Die Truppe um Michelle „Ich wär gern so cool wie Pete Steele“ Darkness bemüht sich um eine recht rockige Setlist, „Highway“ und „69“ darf allerdings weiterhin nur Paul Stanley in einer Textzeile zusammenpacken.

Dann doch lieber EISBRECHER auf der Main Stage. Alexx Wesselskys Truppe ist unter den ganzen „Wir wären gern so berühmt wie Rammstein“-Kapellen immer noch die beste. Der Frontmann vereint wie gewohnt Großkotzigkeit und Selbstironie, und bei Hits wie ´Miststück´ (ich hätte ja lieber ´Vergissmeinnicht´ und ´Leider´ gehört) wird´s heute berechtigterweise zum ersten Mal richtig derbe voll vor der Bühne.

DER WEG EINER FREIHEIT wirken immer noch wie ´ne Studententruppe, die für ´ne RTL-II-Doku norwegischen Black Metal covert. Also Augen zu und durch.

WALLS OF JERICHOs Wutbündel Candace Kucsulain ist auch als Mutti die derbste Frontfrau dieser Festivalsaison. Sie stampfhüpft über die Bretter, brüllkreischfaucht durch einen Haufen Beatdown-gespickte Nackenbrecher, und wenn sie „Circle-Pit! Ciircle-Pit!! Ciiircle-Pit!!!“ keift, ist das ein Befehl.

Da klingt es eher niedlich, wenn FIREWINDs Gus G im Zelt das Publikum höflich fragt, ob es einen schnellen Song hören will, bzw. nett bittet, ein bisschen mitzuhüpfen. Das ständige Sängerchaos hat derzeit Kelly Sundown Carpenter (Adagio, Beyond Twilight) ans Mikro der Heavy-Rocker gespült. Er macht seine Sache super, wird aber von Gus´ Ego an der kurzen Leine gehalten, der sogar die Ansagen für ihn übernimmt. Außerdem sucht man wirkliche Hits bei der Kapelle immer noch mit der Lupe.

ORPHANED LAND sind in dieser Hinsicht ´ne ganze Liga drüber. Und nicht nur das: Die Ethno-Crossover-Band mag mit ihrer Völkerverständigungsideologie wie ein Haufen realitätsfremder Hippies wirken, versprüht aber neben der beeindruckenden technischen Finesse so viel Herzblut, dass sie zum Überraschungssieger des Tages avanciert. Es ist zudem schön zu sehen, dass sich ein Zelt voller Anthrax-Ignoranten zusammenfindet, um mit Kobi „Nein, ich bin nicht Jesus!“ Farhi einen gelegentlich etwas ungelenk mit dem Hintern wackelnden Mann in einem langen Kleid abzufeiern.

Danach laden WHITECHAPEL mit ihrem Standard-Deathcore höchstens noch zum Ohrendurchspülen, sammeln aber immerhin die genreüblichen „Boarg, können die geil spielen!“-Punkte. (jj)

Meine SB-Reviewstrecke beginnt mit einem echten Highlight: Über ANTHRAX kann man nach dem ständigen Sänger-Hickhack denken, was man will, aber mit Joey Belladonna sind sie live nach wie vor eine Macht. Sie spielen neben zwei neuen „Worship Music“-Songs nur ihre alten Klassiker - und drei Coverversionen. ´Got The Time´ und ´Antisocial´ erwartet natürlich jeder Anthrax-Fan, aber AC/DCs ´TNT´ ist trotz der „Anthems“-EP eine gelungene Überraschung. Joey, der noch nie gut im Reden war, singt die meisten seiner „Ansagen“, während sich der neuerdings vollbärtige Scott Ian mehrfach bei den Fans für die tollen Resonanzen bedankt. Insgesamt kommen Anthrax zwar nicht besser an als Eisbrecher, aber an ihrer Performance gibt es (auch ohne Charlie Benante) nicht das Geringste auszusetzen. Besonders ´Medusa´ treibt einem die Freudentränen in die Augen.

TIAMAT haben es danach schwer, das Energielevel hochzuhalten - was sie aber auch gar nicht wollen. Ihr melodisch-melancholischer Rock, der oft an die Sisters Of Mercy erinnert, ist eher eine bewusst eingelegte Ruhepause im Programm. Man hat Zeit, mal ein paar Worte mit Rock-Hard-LeserInnen zu wechseln, die Tiamat zwar interessiert, aber auch relativ teilnahmslos aus ein paar hundert Metern beobachten.

Bei LAMB OF GOD ist es dann vorbei mit der Gemütlichkeit. Der Platz vor der Hauptbühne füllt sich innerhalb weniger Minuten mit über 20.000 erwartungsfrohen Fans, die die Band bereits vor dem Intro laut feiern. LOG spielen heute ihre allererste Headlinershow auf einem europäischen Festival, was sie mehr als einmal betonen und was sich in ungeheurer Spielfreude niederschlägt. Natürlich erinnert die Band sowohl optisch als auch musikalisch an Pantera, Machine Head und Slayer - und sie hat ohne Zweifel das gewisse Etwas, um weltweit ganz groß zu werden, denn ihr moderner High-Energy-Techno-Groove-Metal ist von der Attitüde her nicht ZU amerikanisch. Dass es solche Festivals in den USA nicht gibt, weil dort niemals 35.000 Leute über mehrere Tage friedlich zusammen trinken und feiern würden, erklärt Sänger Randy Blythe vor ´Now You´ve Got Something To Die For´, und vor ´11th Hour´ wird noch einmal das deutsche Bier - auf sympathische Weise - gewürdigt. Zompf hat völlig Recht: Diese Band ist in Europa stark unterbewertet und kann den großen Vorbildern längst Paroli bieten.

Von EVERGREEN TERRACE, die im Zelt spielen, bekomme ich nur noch ´ne Viertelstunde mit. Die reicht aber, um festzustellen, dass der Sänger ziemlich besoffen, die Band ziemlich gut und das Publikum ziemlich wild ist. Zwischendurch setzt sogar ein Rollstuhlfahrer zum Crowdsurfing an. Er wird bis in die erste Reihe durchgereicht und rudert dabei begeistert mit den Armen. Sieht klasse aus!

Den Rausschmeißer machen heute MARDUK, denen sich spätestens bei ´Christraping Black Metal´ Tausende Pommesgabeln entgegenrecken. Kurz darauf gibt es einen Tumult auf der Bühne, und nur der Bass spielt weiter. Bandkopf Morgan schnallt sich seine nagelneue weiße Flying V ab und scheint einen Besoffenen unsanft von den Brettern zu stoßen. Ob es dabei zu heftigeren Gewaltausbrüchen kommt, kann ich von meinem Standpunkt aus allerdings nicht erkennen... (gk)

Samstag

Trotz der frühen Stunde und der Nachwehen der vergangenen Nacht hat sich am Samstagmittag vor der Party Stage bereits eine ansehnliche Menschenmenge versammelt, um NACHTBLUT in Empfang zu nehmen. In Feierlaune sind, mal abgesehen von einem hageren Typen, der im pinken Shirt, mit Schlafanzughose und Weihnachtsmannmütze aufgelaufen ist, zwar noch die wenigsten, die Band gibt aber dennoch alles. Spätestens beim abschließenden Die-Prinzen-Cover ´Alles nur geklaut´ geht die Mischung aus melodischem Black Metal und Comedy-Einlagen beim Publikum aber voll auf, und Nachtblut verabschieden sich unter tosendem Applaus.

ORDEN OGAN werden anschließend passend zur Thematik ihres aktuellen Albums „To The End“ von schwergerüsteten Sci-Fi-Kriegern auf die Bühne geleitet und legen einen soliden Gig hin, der jedoch auch ein großes Manko hat: Teile der Background-Gesänge, die Chöre und alle Keyboard-Parts kommen, wie auch schon auf anderen Sommerfestivals, vom Band. Schade, eigentlich hätten Seeb und seine Truppe das gar nicht nötig.

Ein Blick ins Programmheft offenbart, dass heute offensichtlich Karneval angesagt ist: Auf der Pain Stage geben sich ARKONA die Ehre. Die Melange aus Gejodel, Dudelsäcken, Growls, Flöten und verzerrten Gitarren ist in Kombination mit den Musikern, die trotz der Hitze auf Wikinger machen und sich in Felle und mittelalterliche Tuniken gewandet haben, so dermaßen schräg, dass sich nicht einmal der Typ im Krokodilskostüm, der es sich neben einem Kerl im Scheich-Outfit bequem gemacht hat, so richtig dafür begeistern kann.

Ganz anders sieht die Sache bei VAN CANTO aus, die im Anschluss auf der Main Stage aufspielen und vom Aufblaspimmel- und Gummi-Mistgabeln schwingenden Publikum so dermaßen in Grund und Boden gejubelt werden, dass man fast meinen könnte, es wäre schon Zeit für den Headliner. Zweifelsfrei sind die Damen und Herren exzellente Sänger, meiner Vorstellung von Metal entspricht die Sache aber nicht, weswegen ich einen kurzen Rundgang über das Gelände wage: Ein paar Kids vertreiben sich gerade die Zeit damit, eine menschliche Pyramide zu bauen, während nebenan irgendein Scherzbold eine verwaiste Kühltruhe zur Abkühlstation deklariert hat, die zum frostigen Liegevergnügen vermietet werden soll.

Im mäßig gefüllten Zelt rumpelgrunzen sich derweil CLITEATER durch ihren Set, während FIDDLER´S GREEN die Pain Stage abreißen und vom zahlreich vorhandenen Publikum nach allen Regeln der Kunst abgefeiert werden. U.a. Bestandteil der Show: eine „Wall Of Folk“, bei der sich die aufeinander zustürmenden Parteien nicht gegenseitig die Birne einschlagen, sondern lässig aneinander vorbeilaufen und sich dabei entkleiden sollen. Das klappt zwar nur bedingt, sorgt aber allseits für gute Laune.

DR. LIVING DEAD! präsentieren sich im Anschluss im (immer noch sehr mäßig gefüllten) Zelt zwar sehr motiviert, reißen die Anwesenden aber nur bedingt mit und verlieren im Laufe der Show immer mehr Publikum in Richtung Main Stage, Campingplatz und Fressbuden.

HATE haben hingegen mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Ein technischer Ausfall zwingt die Truppe nach dem zweiten Song zu einer fast zehnminütigen Pause, nach der kaum noch jemand vor der Bühne steht. Dumm gelaufen. (jp)

Nach drei heißen Tagen und bitterkalten Nächten sind am Nachmittag des vierten Festivaltages die Zeichen der Erschöpfung allgegenwärtig. Vor der Main Stage hat sich eine Anstandsmenge versammelt, um dem Auftritt von MOONSPELL beizuwohnen. Doch die Musik ist schlicht zu düster und getragen, und so hält sich trotz des leicht bewölkten Himmels und eines Gastauftritts von Tristanias Goldkehlchen Mariangela Demurtas bei ´Raven Claws´ der allgemeine Enthusiasmus in Grenzen.

Die Portugiesen hätten besser den Slot mit KNORKATOR getauscht, deren Auftritt im Anschluss nicht nur Lebensgeister wachrüttelt, sondern auch die Zuschauerkapazitäten der Pain Stage vollkommen ausreizt. Bis weit hinter den FOH-Turm versammelt sich das Publikum, das teilweise vermutlich nicht mal mehr die Bühne sieht, die Band aber abfeiert, als wäre sie der Headliner des gesamten Festivals. Zu den obligatorischen Covern (u.a. ´Ma Baker´) und eigenen Hits (u.a. ´Alter Mann´) crowdsurfen Teletubbies, Zigarettenverkäufer einschließlich Bauchladen, ein Fotograf und Dutzende Fans.

Die Stimmung ist so gut, dass DEVILDRIVER im Anschluss ein schwieriges Kontrastprogramm sind. Sänger Dez Fafara zeigt sich wie üblich von seiner angepisstesten Seite und fordert erst mal eine Wall Of Death, um die „fucking Teletubbies“ zu pulverisieren, die es nun in den Moshpit vor der Main Stage verschlagen hat. Die Amis prügeln sich durch einen ähnlich hitlastigen Set wie in Wacken, die neuen Songs ´Ruthless´ und ´The Appetite´ eingeschlossen, und haben zum Ende des Gigs die Meute doch auf ihrer Seite.

Zeitgleich wird die Party Stage vom GRAND SUPREME BLOOD COURT zu einer Dosis Death Metal verurteilt. Die besteht zwar nur aus dem bisher einzigen Album „Bow Down Before The Blood Court“, die Band konstatiert aber trotzdem verzückt: „Ey, das macht voll viel Spaß. Euch auch?“

Nicht ganz so gut gelaunt sind ENSIFERUM, die ebenfalls Opfer von Air Berlin geworden sind und deshalb ungewohnt leger gekleidet und mit geliehenen Instrumenten die Pain Stage entern. Unterstützt vom ehemaligen Bassisten Jukka-Pekka Miettinen, widmet die Band der Fluggesellschaft trotzig den Song ´Tale Of Revenge´. Angesichts der riesigen Menge feierwütiger Fans gerät der Gig dennoch zu einem finnischen Volksfest der Extraklasse. Überhaupt zeigt sich, dass das Summer Breeze zur angenehmen Wacken-Alternative avanciert. Die partyaffine, eher junge Menge auf dem Hauptfeld bevorzugt tanzbare Gigs und große Namen, während die Zeltbühne zur Paralleldimension für jene wird, die lieber handverlesenes Schwermetall und Hardcore goutieren.

PRO-PAIN sind eben dort für Letzteren verantwortlich. Während neben mir GSBC-Fronter Martin van Drunen die Ein-Mann-Windmühle probt, zocken sich die New Yorker, genau wie ihre nachfolgenden Death-Metal-Kollegen GRAVE, technisch sauber durch ihre Setlist.

ENSLAVED treten danach kein schweres Erbe an. Mit Hammond-Orgel-Klängen und dem cleanen, atmosphärischen Backing-Gesang hüllen die progressiven Black-Metaller das Zelt in einen sphärischen Soundmantel. (ln)

HATEBREED übernehmen übergangslos die Fans, die sich bei Pro-Pain im Zelt aufgewärmt haben, und haben eine gut ausgewogene Setlist mitgebracht, die das neue (starke) Album „The Divinity Of Purpose“ nicht zu sehr in den Vordergrund rückt und mit ´Ghosts Of War´ noch einen schönen Slayer-Tribute enthält.

AMORPHIS sind dagegen auf Schmusekurs. Die Finnen haben vor langem die Romantik der tausend Seen für sich entdeckt, und der verträumte Sound ist nach dreieinhalb Tagen Krachmatismus eine schöne Abwechslung, die viele Fans sehr zu schätzen wissen. Die Reaktionen auf Songs wie ´House Of The Sleep´ oder ´The Smoke´ sind keineswegs so verhalten, wie es vielleicht zu erwarten gewesen wäre.

Zwiespältig fällt der Besuch bei TRISTANIA aus: Packt Sängerin Mary ihren rauchigen Alt aus, passt das super, ihr Soprangejaule sollte sie dagegen sein lassen. Ärgerlicher ist allerdings, dass bei solcher Musik das Keyboard vom Band kommt.

Hier bekennen sich auch IN FLAMES schuldig. Wobei der Auftritt vermutlich auch sonst reichlich statisch wirken würde, denn lässt man die - zugegebenermaßen mehr als ansehnliche - Pyro- und Lichtshow mal kurz außen vor, sind Gigs der Schweden Schlaftabletten. Dass die Alben seit mindestens zehn Jahren eher Quecksilber als Schwermetall sind, macht die Chose auch nicht interessanter. Fans (und von denen gibt es einige) werden von einem gutklassigen Auftritt reden, ich spreche von gepflegter Ödnis.

Dagegen sind ARCHITECTS Springmäuse und bieten einen zumindest unterhaltsamen Auftritt, selbst wenn die Musik nicht so recht mein Fall ist. Es fehlen ein bisschen die zwingenden Momente. Dass ausgerechnet der vorgestellte neue Song mit ein paar schönen Melodien auftrumpft, macht Hoffnung.

Dagegen ist der Zug für DARK FUNERAL längst abgefahren. Den Schweden fehlt einfach alles, was einen ordentlichen Black-Metal-Gig ausmacht (und was Marduk einen Tag zuvor vorexerziert haben): Boshaftigkeit, Brutalität und finstere Atmosphäre. In ihren albernen Panzern haben die Musiker definitiv etwas von schwarzen Hummern kurz vor dem Wurf in den kochenden Wassertopf. Interessant wird der Gig erst, als der Bildschirm dank einer Funktionsstörung nette psychedelisch-verzerrte Bilder zeigt. Sänger Caligula kündigt zum zweiten Mal seinen Abtritt an, und der Rest der Band kann ihm meinetwegen gerne folgen.

Die Auftritte von PRIMORDIAL sind auch in diesem Jahr Höhepunkte der Festivalsaison. Und obwohl Fronter Alan heute verdächtig nüchtern wirkt und viele Gesangsspuren stark variiert, entfacht er ein Feuer der Begeisterung unter den Fans, dem sich nur wenige Kulturbanausen ernsthaft entziehen können. Mit der inzwischen gewohnten Hitsetlist (plus der Überraschung ´Heathen Tribes´) stecken die Iren so ziemlich das ganze restliche Festival in die Tasche und machen mal wieder Bock auf eine Headlinertour.

Den perfekten Abschluss bilden LONG DISTANCE CALLING, deren friedlicher Postrock die wenigen Nachtschwärmer in süße Träume geleitet. (fp)

Auf dem Summer Breeze schwitzten, froren, feierten und fühlten sich pudelwohl: Felix Patzig (fp), Laura Niebling (ln), Jens Peters (jp), Götz Kühnemund (gk), Jan Jaedike (jj), Thomas Kupfer (tk), Frank Albrecht (fa), Ronny Bittner (rb), Wolfram Küper (wk) und Andreas Himmelstein (ah). Die schicke Bebilderung stammt von Daniela Adelfinger.

Bands:
SABATON
LAMB OF GOD
KADAVAR
IN FLAMES
Autor:
Wolfram Küper
Felix Patzig
Thomas Kupfer
Andreas Himmelstein
Götz Kühnemund
Laura Niebling
Jens Peters
Jan Jaedike
Frank Albrecht
Ronny Bittner

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