Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 21.09.2011

VADER , MARDUK , KATAKLYSM , PRIMORDIAL - SUMMER BREEZE 2011 - Das „Wacken des Südens“

In Dinkelsbühl trafen sich gut und gerne 40.000 meist jüngere Metalheads aller Schattierungen, um unter gemütlichen Bedingungen zu feiern, auszurasten und Trinkhörner zu schwingen. Wir besuchten das gut organisierte Festival diesmal mit größerem Team. Frank Albrecht ist seitdem verschollen. Gesehen wurde er zuletzt stark angeheitert fröhlich hopsend bei den Excrementory Grindfuckers und dann noch einmal ganz kurz vor Tarja.

Mittwoch

Nachdem wir uns überraschend staufrei gen Süden gekämpft haben und auch bei der Anfahrt zum Festivalgelände alles reibungslos funktioniert, stehen wir pünktlich zum Setbeginn von MELECHESH im bereits sehr gut gefüllten Partyzelt, das um einiges größer ausgefallen ist als in den Vorjahren und gut und gerne 10.000 Fans Platz bietet. Und die Leute sind ganz offensichtlich schon in Feierlaune, denn Altes (´Triangular Tattvic Fire´) wird genauso bejubelt wie das bärenstarke Material vom neuen Album (u.a. ´Sacred Geometry´, ´Ghouls Of Ninevah´). Die Band liefert dazu eine ähnlich engagierte und tighte Performance ab wie in der Vorwoche beim Party.San.

Für die Schweden SCAR SYMMETRY müsste nun normalerweise ein Triumphzug folgen, denn eigentlich befindet sich auf dem Summer Breeze so ziemlich exakt die komplette Zielgruppe dieser Band. Und so ist es dann wenig später auch. Das Zelt ist rappelvoll, und was immer die Band auch anstellt: Die Leute fressen ihr aus der Hand. Da scheint es auch nicht weiter zu stören, dass Lars Palmqvist bei seinem Klargesang maximal die Hälfte aller Töne trifft. Wenn man sich schon den Luxus von zwei Leadsängern gönnt, sollte man da eine höhere Quote erwarten können. Instrumental ist indes alles in bester Ordnung, die Mischung aus Härte und Melodie funktioniert bestens (u.a. im Programm: ´Morphogenesis´, ´Pitch Black Progress´, ´Rise Of The Reptilian Regime´), es bilden sich erste Moshpits - nur den ganz alten Track ´Reborn´ scheinen nicht übermäßig viele Fans zu kennen.

´Curse The Gods´, ´Mad Butcher´, ´Armageddonizer´, ´Life Without Sense´, ´Thrash Til Death´, ´Bestial Invasion´, ´The Butcher Strikes Back´ - gibt´s noch irgendwelche Fragen? DESTRUCTION fahren bei druckvollem Sound und amtlicher Bühnenperformance eine Best-of-Setlist vom Feinsten auf. Da kann eigentlich nix schiefgehen.

Das „Star Wars“-Intro läutet eine grandiose Stunde Death Metal ein. VADER haben mal wieder ein neues Line-up, und sie sind einmal mehr nahe an der Perfektion. Keine Ahnung, wo Bandkopf Peter jedes Mal aufs Neue solch talentierte Musiker ausgräbt. Zum Auftakt gibt´s mit ´Devilizer´ und ´Rise Of The Undead´ erst mal zwei Kracher vom famosen „Necropolis“-Album (das geniale ´Impure´ vom selben Longplayer wird später noch nachgelegt), bevor man mit ´Sothis´ und ´Crucified Ones´ zwei Uralt-Schinken rauskramt. Für den Zugabenblock hat man sich dann was Besonderes ausgedacht: Zuerst nehmen sich die Uptempo-Klopper die SloMo-Hymne ´Black Sabbath´ vor, bevor sie mit dem abschließenden ´Raining Blood´ das Zelt in Schutt und Asche legen.

Danach wird´s leider ziemlich leer im Zelt. Mit dem Bandnamen HELL können hier die wenigsten was anfangen. Die, die geblieben sind, werden Zeuge eines Holperstarts: Erst will eine der Gitarren nicht anspringen, dann vergisst Sänger David Bower, sein Kopfmikro anzuschalten. Und überhaupt: ein Sänger mit Kopfmikro? Ja, das ist hier angebracht, denn Bower agiert ausgesprochen gestenreich und theatralisch wie ein Schauspieler. Und singt absolut fabelhaft. Wie auch der Rest der Truppe den kauzigen und originellen Hardrock-Sound äußerst kompetent darbietet - auch wenn Drummer Tim Bowler manchmal den Eindruck erweckt, er könnte jeden Moment das Zeitliche segnen. Liegt sicher am Make-up.

Bei SYLOSIS wird´s dann noch leerer, und auch die Rock-Hard-Delegation lässt sich vom modernen, durchschnittlichen Thrash der Briten wenig beeindrucken. (fa)

Donnerstag

Schande über mich: Die ersten Bands des Tages verschlafe ich buchstäblich, erst zu THE SORROW stehe ich vor der Bühne. Die spielen bekanntermaßen Metalcore der besseren Sorte und sind eine quicklebendige Liveband, der es trotz hochsommerlicher Temperaturen gelingt, die zahlreich anwesenden Fans ordentlich in Bewegung zu bringen. Witzig: Frontmann Mätze fordert die Leute auf, ihre T-Shirts auszuziehen und ihm Luft zuzufächeln. Was sogar funktioniert, hunderte von Shirts werden geschwungen.

Bei SEVENTH VOID steht eine eher überschaubare Menge Mensch vor der Hauptbühne. Es hat sich wohl noch nicht rumgesprochen, dass dies die neue Band der beiden ehemaligen Type-0-Recken Kenny Hickey und Johnny Kelly ist. „Hello cocksuckers!“, röhrt Hickey zur Begrüßung ins Mikro, und los geht´s mit 45 Minuten doomigem, leicht alternativ angehauchtem Hardrock, der mit vielen feinen Melodien gespickt ist, auf die Dauer aber (noch) etwas zu eintönig klingt. Trotzdem: guter Gig.

Im prima gefüllten Partyzelt death-thrashen derweil CRIPPER, an denen man in dieser Festivalsaison offenbar nicht vorbeikommt. Aber es gibt durchaus unangenehmere Begegnungen, denn die Truppe aus der niedersächsischen Hauptstadt wirkt inzwischen routiniert, aber immer noch begeisterungsfähig.

Bei DEATH BEFORE DISHONOUR sind keine spielerischen Feinheiten zu erwarten, dafür gibt´s Hardcore-technisch ordentlich auf die Glocke, stets aufgelockert durch die unvermeidlichen Breakdowns. Frontmann Bryan Harris betont mehrfach, wie cool er dieses Festival findet und grüßt so ziemlich alle anderen anwesenden Hardrock- und Punkrock-Acts. Alles wie gehabt also, aber dabei durchaus unterhaltsam.

Kurz noch mal rüber ins Zelt zu 9MM ASSI ROCK´N´ROLL. Die sind bereits bei ihren beiden letzten Songs angelangt: ´Marmor, Stein und Eisen bricht´ und ´Mein Vater war ein Wandersmann´. Die Meute tobt, ich finde es furchtbar, aber diese beiden Lieder sind sicher nicht repräsentativ für die Truppe. Den Wandersmann hat Jürgen Zeltinger vor 30 Jahren aber schon mal deutlich giftiger gebracht.

Ich mag THE HAUNTED ausgesprochen gerne und freue mich vor allem, wenn sie Dum-Dum-Geschosse der Marke ´99´, ´D.O.A´ oder ´Bury Your Dead´ abfeuern. Genau bei diesen Tracks ist auch am ehesten Bewegung im Pit, während die stilistischen Irrfahrten des aktuellen Albums wie ´Never Better´ oder ´Unseen´ eher für Fragezeichen in den Gesichtern der Fans sorgen. Überhaupt wirkt die Truppe (abgesehen vom quirligen Frontmann Peter Dolving) ungewohnt lethargisch, selbst Klampfer Jensen bangt nur ab und zu. Ob er sich seine Kräfte für den späteren Auftritt mit Witchery spart? (fa)

Im Zelt dudeln DER WEG EINER FREIHEIT ihren, hüstel, Studenten-Black-Metal. Mit geschlossenen Augen funktioniert das Zeux halbwegs. Hingucken darf man bei den Bubis jedoch nicht.

Die uniformierten norwegischen Partisanen VREID geizen zwar ebenfalls mit schwarzmetallischen Klischees, sind aber immerhin erwachsen und fahren eine coole Mixtur aus Garstigkeit, Rock´n´Roll-Kante und Progressivität auf.

Das Duell mit den parallel die Pain Stage zum Beben bringenden COMEBACK KID verlieren sie allerdings. Die Kanadier knallen ihre frischen Hymnen in den per Feuerwehrschlauch gekühlten Pit und haben zudem mit ´Wake The Dead´ eine der besten Hardcore-Hymnen der letzten zehn Jahre im Gepäck.

Auf der Hauptbühne vergessen die SUICIDAL TENDENCIES, dass man bei Festivalgigs nicht mit endlosem Gequatsche und in die Länge gezogenen Songs punktet. Abgesehen vom dennoch schwer kultigen Mike Muir (v.) und dem fett riffenden Mike Clark ist die Performance darüber hinaus zu locker, zu funky, zu wenig schweißtreibend. Bei ´Pledge Your Allegiance´ krieg ick trotzdem ´ne Mördergänsehaut.

Die bekommen viele auch bei KVELERTAKs mit mehrstimmigen Gitarrenharmonien veredeltem Rock´n´Roll/Rotz-Punk/Black-Metal-Potpourri. Zu den schmierigen Haaren und Speckschwarten auf der Bühne würde gut der moderige Mief passen, der das Zelt im letzten Jahr heimsuchte.

IGNITE sind in Sachen Melo-Calicore immer noch weit vorn. Pelikanschützer Zoli thront mit seiner Klaus-Meine-Gedächtnis-Sirene über den Band-Hymnen und dem U2-Cover ´Sunday Bloody Sunday´. Zwischendurch wünscht er Norwegens Amokläufer Breivik unter dem Jubel der Massen, im Knast jeden Tag anständig in den Popo gepoppt zu werden.

Im Zelt sind KAMPFAR heute das authentischste Black-Metal-Kommando. Hoffentlich haben die Der-Weg-einer-Freiheit-Knilche ein Auge riskiert.

Während DEVIL SOLD HIS SOUL mit ihrer recht kernigen Post-Hardcore-Progressive-Melange vor ein paar hundert Fans verhungern, mobilisieren ARCH ENEMY das gesamte Festivalgelände. Schon zur Begrüßung gibt´s massive Schlachtengesänge und ´ne Wall Of Death. Später purzeln Crowdsurfer ohne Ende über die Absperrung. Der Amott-Gossow-Posse kann in Sachen Filigran-Arschtritt-Metal halt niemand was vormachen. Das von ein paar Unterbelichteten gekrähte „Ausziehen!“ kontert Frau Gossow souverän („Ich gebe es an Bassist Sharlee weiter, der zieht sich gern aus.“). Als Bonus geht während des Sets die Sonne unter, was Lightshow, Feuersäulen und Funkenregen bestens zur Geltung kommen lässt.

Bei DECAPITATED wird´s vor der Party Stage wieder voller. Denn auch wenn die Polen auf Platte etwas den Fokus verloren haben, sind sie live nach wie vor ein derbes Brett. (jj)

Gemessen an Kleidung und Alter hat es einen gesamten Cybergoth-Kindergarten nach Franken verschlagen, und SONIC SYNDICATE scheinen der heißeste Scheiß seit Neon-Netzstulpen zu sein. Es ist brechend voll vor der Pain Stage, und die teilweise in Knicklichterketten gewickelten Kids sehen bei Songs wie ´Revolution Baby´ aus wie frenetisch springende Weihnachtsbäume. Die Band gibt sich alle Mühe, aber in Verbindung mit ihrem Lala-Grunz-Metal und Sänger Nathan Biggs´ glattgebügelter Skatermontur wirkt die ganze Szenerie schlichtweg wie ein Kindergeburtstag.

Als IN EXTREMO fulminant in ihren Set starten, weiß man nicht mehr, wohin mit sich im Gedränge. Mit Pyros und den gewohnt sympathischen Ansagen macht der Auftritt trotzdem Spaß. Selbst sperrige Titel wie das altschwedische ´Herr Mannelig´ werden eifrig intoniert, Textunsicherheiten einfach weggeschunkelt. Spielfreude und Mitgrölsongs wie ´Vollmond´ und ´Mein rasend Herz´ bringen Metalheads, (Kiddie-)Gruftis und Mittelalter-Fetischisten tatsächlich unter einen Hut.

Auf der Party Stage prügeln sich HACKNEYED derweil sauber durch ihren Set und punkten mit Songs wie ´Deatholution´. Leider gleicht die Lichtshow eher einer Disco, aber spätestens bei den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS fällt das nicht mehr auf. Das Zelt platzt bis zum ´Final Grinddown´ aus allen Nähten, und selten reagierten Metaller so frenetisch auf den Satz „Also, eigentlich liebe ich Techno!“.

Die Panzerdivision MARDUK räumt derweil auf dem Hauptgelände den Kindergarten auf. Unterm Mond von Dinkelsbühl hagelt es Klassiker wie ´Azrael´, aber auch Neues wie ´Warschau 2: Headhunter Halfmoon´. Ein Moshpit ist dabei der einzige unstylische Zwischenfall.

Zurück im Partyzelt wirft sich Emperor Magus Caligula (ex-Dark-Funeral) für seine neue Band WITCHERY in eine Lederrüstung und malt sich ein Pandagesicht. Das sieht zwar grimmig aus, täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass er seine Parts dringend noch mal verinnerlichen sollte.

Der Tag endet deathig: ABORTED und POSTMORTEM bügeln bis um vier die letzten Feierwütigen auf zahmes Niveau zusammen. Auch ich husche ins Bett, bin ich doch am nächsten Morgen mit Kollegin Schiffbauer zu einer Wall Of Death im Schwimmbad verabredet. (ln)

Freitag

Gerade mal 200 bis 300 Nasen haben morgens um elf Bock, sich von TRIGGER THE BLOODSHED und ihrem technischen Death Metal den Schlafsand aus den Augen blasen zu lassen, und auch bei NERVECELL sieht es kurze Zeit später nicht viel besser aus. Die Araber bauen musikalisch ordentlichen Druck auf, aber leider hat der Gitarrist auf der rechten Bühnenseite die Sound-Arschkarte gezogen, und so gibt´s zwar das eine oder andere Solo zu sehen, aber leider nicht zu hören. Zu gerne hätte ich gewusst, wer denn jetzt wirklich gemeint ist, als Bassist und Sänger James Khazaal in einer kurzen Ansprache versichert, dass wir alle längst geblickt hätten, dass eine Handvoll Strippenzieher für das Elend dieser Welt verantwortlich ist und er ganz genau wisse, um wen es sich handeln würde. Götz? Mario Barth?? Tarja???

YOUR DEMISE springen, hüpfen und laufen so richtig jugendlich corig durch die Gegend, aber liefern trotz erstklassigen Equipments auf der Bühne nur Gitarrenmatsch ab, der aber zumindest von einem erstklassigen Drummer mit tightem Punch richtig schön ins Rollen gebracht wird. Dem Publikum gefällt´s.

Deutlich maskuliner und metallischer und auch verdammt geil gehen dann SKELETONWITCH auf der Main Stage zu Werke. Bassist Evan Linger überzeugt mit knurrigem Rickenbacker-Basssound, während Gitarrist Nate Garnett dieselbe Arschkarte gezogen hat wie sein Kollege von Nervecell zuvor. Soli gucken: ja. Soli hören: no way.

Die Finnen und ihr Keyboard-Fetisch. Warum müsst ihr eigentlich alles, was halbwegs harte Gitarrenparts hat, durch Kitsch aus der Konserve kastrieren? Schüttet ihr euch auch Zucker ins Bier oder schmiert Marmelade auf die Currywurst? Egal, das mittlerweile deutlich größere Publikum hat Spaß und eine ordentliche Portion Hohn auf Lager, als KALMAH-Sänger und Gitarrist Pekka Schalke 04, die am Tag zuvor gegen Helsinki eine 0:2-Pleite in der Qualifikation zum Verlierer-Cup kassiert haben, einen Song widmet.

Auf der Habenseite verzeichnen die EMIL BULLS einen guten Sound und ein nicht gerade kleines Publikum, das für richtig gute Stimmung sorgt. Nicht ganz so gut gefallen die vielen Einspieler vom Band, die auch mehr als einmal die Gesangsparts zu tatkräftig unterstützen.

Zwar verirren sich dann nur ca. 200 dunkle Gestalten ins Zelt, aber die bekommen eine musikalisch erstklassige, garstig-frostige Black-Metal-Abreibung von REV 16:8. Optisch ist das allerdings noch zu viel „X-Tra“-Katalog, und der häufige Blickkontakt unter den Musikern offenbart Unsicherheit und mangelnde Routine.

Das sieht bei HAIL OF BULLETS natürlich anders aus, die einen gewohnt starken Gig abliefern und die es auch nicht kümmert, dass sich parallel nebenan vor der Main Stage noch deutlich mehr Zuschauer einfinden, die bereits auf Saltatio Mortis warten.

Im Zelt herrscht immer noch gähnende Leere, als INTERMENT das Schwedentod-Fass anzapfen, mit ´Torn Apart´ eine Coverversion von Carnage zum Besten geben und dank einer ungehobelten Performance zumindest in kleiner Runde begeistern. (ah)

Die Mittelalter-Kapelle SALTATIO MORTIS ist die weniger massenkompatible Version von In Extremo. Nervig sind vor allem der schlechte Sound und der David Hasselhoff unter den Folkern, Fronter Alea. Als der aufruft, seinen Nachbarn zu umarmen, um die Verbundenheit der Szene zu demonstrieren, nehme ich vor dem schunkeligen Ringelpiez mit Anfassen Reißaus. (So kennt man dich hier in der Redaktion ja gar nicht... - Red.)

STAHLMANN stehen derweil im „Silver Surfer“-Look auf der Party Stage. So kommen sogar Neue-Deutsche-Härte-Fans auf ihre Kosten - wenn man sich an den omnipräsenten Rammstein-Einflüssen nicht stört. Feinsinniger sind ENSLAVED auf der Pain Stage: Selbst bei Tageslicht sorgt das epische Material der Norweger für Gänsehaut.

Die größtenteils kurzhaarigen FACEBREAKER geben auf der Party Stage zwar ein recht untypisches Bild für eine Death-Metal-Combo ab, dafür fällt die akustische Präsentation umso gewaltiger aus. Eine Nummer wie ´Slowly Rotting´ überzeugt mit purer Heaviness.

Das neue J.B.O.-Werk „Killeralbum“ feiert heute Release, die Fans begrüßen ihre Helden deshalb mit einem Meer aus rosa Fähnchen. Neben zwei neuen Nummern gibt´s viele Klassiker wie ´Bolle´ und ´Wir ham ´ne Party´ zu hören. Der eine oder andere vermisst allerdings „Explizite Lyrik“-Material.

HELRUNAR hauen derweil dem Volk vor der Party Stage völlig unaffekiert ihren Pagan-Black-Metal um die Ohren. Die Pagan-Connaisseure werden vom atmosphärisch dichten Gig bestens bedient, Götz schwärmt gar von einem Highlight des Festivals.

Warum TURISAS-Fronter Warlord sein Publikum derweil „fucking Herings“ nennt? An zu stiller Begeisterung kann es nicht liegen. Ob mit schwarz-rotem Battlepaint oder nur Schlamm im Gesicht, das neue Album und die Klassiker werden vom Publikum frenetisch abgefeiert.

MAD SIN bitten parallel auf der Party Stage zum Tanz. Leider fällt der Stand-up-Bass dem Sound im Zelt zum Opfer, weshalb der Psychobilly-Punkrock heute nicht so recht zünden will.

GRAVEYARD, ohne Roadies angereist, stimmen während des Gigs mehrfach ihre Instrumente. Das gesellt sich zum Feel-good-Gefühl handgemachter Musik mit Seele, das man mit schnellen Nummern wie ´Hisingen Blues´ und psychedelischen Songs wie ´Uncomfortably Numb´ ins Zelt zaubert. Auch die ausufernde Jam bei ´Thin Line´ sorgt aufgrund ihrer Brillanz für immer wieder aufbrandenden Applaus im Publikum. (rb)

Nachdem viele Besucher am Nachmittag außerhalb des Geländes Abwechslung gesucht haben, füllt es sich zu BOLT THROWER merklich. Kein Wunder, die Briten sorgen für geballte Energie, die sich innerhalb einer Stunde entlädt. ´...For Victory´ steht dabei nicht nur für eine der gespielten Nummern, der Auftritt ist ein einziger Siegeszug. Was fehlt, ist nur ein neues Album.

AMORPHIS sorgen auf der Nebenbühne für die melancholischste Stunde des Festivals. Hätten die Finnen nicht schon vor zwei Jahren ihre DVD in Dinkelsbühl gedreht, wäre heute der passende Tag. Die Truppe ist auf dem Höhepunkt ihres bisherigen Schaffens und räumt dementsprechend ab.

Im Zelt ist Massensport angesagt. Bei NEAREA gibt´s mehrfach beeindruckende „Rundläufe“ des Publikums. Wer dachte, Metalcore sei auf dem absteigenden Ast, wird eines Besseren belehrt. Bemerkenswert die Ansagen von Fronter Benny, die im Gegensatz zu seinem aggressiven Gesang zu nett sind.

Klassischer Heavy Metal ist traditionsgemäß nicht der Hauptstil auf dem Summer Breeze. Umso überraschender, dass HAMMERFALL heute Headliner sind. Das Experiment geht aber auf, und so dürften viele der Anwesenden die Schweden heute zum ersten Mal sehen. Geboten wird ein routinierter, nicht unbedingt mitreißender Set. Für wahre Metaller ist die Ansage, dass bei der Herbsttour Riot mit dabei sind, das Beste am Auftritt.

Zeitgleich gibt´s statt der angekündigten Tech-Deather Atheist VICIOUS RUMORS im Zelt. Dumm nur, dass das fast niemanden interessiert. Trotzdem geben Geoff Thorpe und seine Mannen wie immer Vollgas. Egal, wie oft man die Kalifornier in letzter Zeit gesehen hat, es ist stets lohnenswert. Im Direktvergleich mit dem Headliner auf der großen Bühne ist es für Genrefans sogar die bessere Wahl.

Bei POWERWOLF ist das Zelt dann zur Mitternachtsmesse rappelvoll. Die Wahltranssilvanier sorgen mit ihren eingängigen Nummern und der Theatralik ihres Frontpriesters für beste Stimmung. Wäre das nicht der Soundtrack für den Papstbesuch?

20 Jahre KATAKLSYM - da bietet sich das heutige Gastspiel als Feierlichkeit an, und aus diesem Grund wird auch eine DVD mitgeschnitten. Wer mit dem Nintendo-Hyperblast-Metal der Kanadier klarkommt, genießt eine Mischung aus Dauerkrawall und Walzen-Grooves. Andere sind froh, dass es auch heute nach dem Frühregen trocken bleibt.

Weiter geht´s nur noch im Zelt. EINHERJER können da aber nicht richtig zünden. Neben dem fehlenden Charisma der Truppe liegt das auch an den vielen Bandeinspielungen, die nicht immer harmonisch rüberkommen.

Anders dagegen SECRETS OF THE MOON. Bei Halbmond sorgt das Trio für anspruchsvollen Black Metal mit Atmosphäre. Klasse! (wk)

Samstag

Katerfrühstück! Wenn man wie im Falle MOTORJESUS als erste Band des Tages auf die Bühne muss, braucht es besondere Maßnahmen. Also verteilt der mit einem geschmackvollen Thin-Lizzy-Shirt bekleidete Fronter Chris Birx zwischen den Songs bereitwillig Bierdosen und belegte Brötchen (zwei mit Käse, zwei mit Salami) ans Publikum und schafft es mit dem einen oder anderen lockeren Spruch, auch die Frühaufsteher für den knackigen Rock´n´Roll des Mönchengladbacher Quintetts zu begeistern. Laute Zugaberufe am Ende des Sets sind der Lohn für einen extrem kurzweiligen Auftritt.

Ebenfalls kurzweilig, allerdings auf komplett andere Art und Weise geht´s beim französischen Deathgrind-Kommando BENIGHTED zu. Wenn der kahlrasierte Frontbrüll-Kreischer zum Extrem-Headbanging ansetzt, hat man Schiss, dass sein Schädel gleich über die Bühnenbretter rollt. Obwohl die Truppe seit gestern Abend mit einem viehischen Dauerbesäufnis den Junggesellenabschied ihres Klampfers Liem N´Guyen vollzieht, wirkt sie auf den Punkt topfit. Très chic!

Weitaus weniger schick sind die Amis TOTAL CHAOS, die ohne Unterlass Exploited-Riffs vergewaltigen, ENGEL, die ihren melodischen Göteborg-Death-Metal diesmal ohne den inzwischen bei In Flames angeheuerten Niclas Engelin unters Volk pfeffern und von Fanboy Marcus Schleutermann die Absolution erhalten, sowie die Mühlmann-Faves DEADLOCK. Der konstruiert wirkende Death-Metal-Core des Sextetts ist nicht Fisch, nicht Fleisch und passt demzufolge hervorragend zur veganen Philosophie der Band. Trotzdem können Deadlock für sich verbuchen, weitaus mehr Zuschauer zu mobilisieren als die hochgelobten GRAND MAGUS. Die wirken auf der großen Bühne vor einem überschaubaren Publikum etwas deplatziert, machen aber das Beste aus der Situation und begeistern ihre Hardcore-Fans mit wuchtigem Epic Metal. Und das, obwohl auf der Nebenbühne SMOKE BLOW auf die glorreiche Idee kommen, während der Show ihren Soundcheck durchzuziehen.

Nachdem ich also während eines Konzerts zwei Bands gleichzeitig sehen und hören durfte, geht´s flugs zur Zeltbühne, wo CRIMINAL mit ihrem kompromisslosen Thrash Metal punkten. Auch wenn es erschreckend leer ist, geben die Chilenen Vollgas und holzen sich mit reichlich Spaß in den Backen durch ihren Set. Info am Rande: Wusstet ihr eigentlich, dass Frontmann Anton Reisenegger der erste chilenische Rock-Hard-Abonnent war? Nein? Gut, dann wäre das ja auch geklärt. Die folgenden ADEPT können mit ihrem Emo-Death-Metalcore jedenfalls nicht wirklich gegen diese Urgewalt anstinken. (tk)

Zum ersten Mal seit ihrem letzten Auftritt im Dezember 2008 zocken die FARMER BOYS wieder ein Konzert. Bei den später auf der Main- bzw. Pain Stage spielenden Acts ist zwar deutlich mehr los, aber die Fans der Schwaben verharren trotz Mittagshitze treu vor der Bühne und lauschen den kurzweiligen Ansagen von Frontmann Matze. Abzüge gibt´s für den teilweise schiefen Gesang. Alles in allem legen die Jungs aber einen gelungenen Auftritt hin. Man darf gespannt sein, ob die Band wirklich - wie angedeutet - Blut geleckt hat und ein neues Album aufnehmen wird.

Kurz zur Party Stage ins Zelt, wo die schwedischen Death-Metaller DEMONICAL vor einer kleinen, aber begeisterten Schar von Zuhörern einen coolen Set hinlegen, und dann geht´s schon wieder zur Pain Stage, vor der die Hölle los ist. Wie alle Mittelalter-Bands kommen auch CORVUS CORAX bestens auf dem Summer Breeze an. Die selbsternannten Könige der Spielleute springen, turnen und rasseln, was das Zeug hält, während das Publikum gut gelaunt zu den Rhythmen tanzt und klatscht.

Zeitgleich geht´s vor der Party Stage ein wenig ruhiger zu. WOLF zelebrieren dort überzeugend klassischen Heavy Metal der NWOBHM-Ära, wenngleich das Zelt nicht gerade aus allen Nähten platzt.

Richtig voll ist es hingegen bei AS I LAY DYING. Die Metalcoreler beenden auf dem Summer Breeze ihre Sommer-Saison und lassen es auf der großen Bühne mit hochschießenden Flammen und einer Wall Of Death noch mal krachen.

Inzwischen ist auch das Zelt bis zum Anschlag gefüllt. Man kann den Piraten-Look und die überdrehte Show von SWASHBUCKLE albern finden, Fakt ist aber, dass die Thrasher tierisch gut beim Publikum ankommen. Frontpirat Admiral Nobeard & Co. sind gute Entertainer, die zum krönenden Abschluss drei verkleidete Unbekannte im Papageien-, Haifisch- und Krebs-Look über die Bühne springen lassen.

Apropos springen: Damit hat Andreas Dörner ein wenig Pech. Der CALIBAN-Frontmann knickt auf der Bühne mit dem Fuß um und feuert fortan die zahlreichen Diver und Circle-Pits tapfer humpelnd an. Das Quintett legt eine fette Show mit Pyros hin und gehört zu den Publikumslieblingen des Tages.

Nicht minder überzeugend sind OBSCURA, die zeitgleich auf der Party Stage ihren ultratight gezockten technischen Death Metal zelebrieren. Ebenso sehenswert, wenngleich manchmal ein wenig langatmig sind die anschließend spielenden THE OCEAN mit ihrer intensiven Lichtshow und ihren atmosphärischen Songs. (cs)

Während nun alle KollegInnen ins Nirwana abtauchen, sich gnadenlos abschießen oder wie Herr Albrecht mit plötzlicher Erkältung das Weite suchen (wie der auf einmal rennen kann!), muss ich mutterseelenallein vor die Hauptbühne, um dort dem Gejohle und Gehopse der bezaubernden TARJA beizuwohnen (womit das kollektive Verschwinden unserer Crew erklärt wäre). Sie gibt sich Mühe, legt extra ihr „Metal-Outfit“ an, freut sich ein Loch in den Wanst, dass sie vor einem soooo tollen Publikum steht, kassiert eine Goldene (die ihr ein überaus devoter Gunnar Sauermann auf der Bühne überreicht) - und ist doch musikalisch vollkommen belanglos. Nightwish hatten ja zugegebenermaßen gute Songs, Tarja solo klingt aber eher nach einem „rockenden“ Dieter Bohlen.

Parallel spielen SODOM (große Bühne) und TYR (Zelt). Ich entscheide mich zunächst für die Ruhrpott-Rüpel, die ich wegen der unglaublichen Fanmassen aber nur auf der Leinwand sehen kann. Auch wenn locker 30.000 Nasen vor mir stehen, hört man zwischen den Songs verhältnismäßig wenig Applaus. Scheinbar gelten Bands wie Sodom auf dem Summer Breeze als alte Säcke.

Bei TYR bricht das Zelt dagegen aus allen Nähten. Jeder Trinkhorn-schwingende „Heide“ Europas hüpft hier anscheinend durch die Botanik, und ich kann das rüde Geschehen nur noch von außerhalb des Zelts beobachten. Die Albrecht-Faves klingen wie eine 70-Prozent-Version von Falconer: instrumental ganz gut, aber mit konstant schiefem Gesang. Meine Tasse Tee isses nicht unbedingt, wie die Queen zu sagen pflegt.

Dann schon eher GOD DETHRONED und VOMITORY, zwei coole Death-Metal-Abrissbirnen, von denen besonders die Holländer begeistern. Kein Wunder: God Dethroned spielen heute ihre letzte Show außerhalb Hollands und geben wirklich alles. Klasse Sound (SO müssen Gitarren klingen), tolle Songs - und ein dankbares Publikum.

HATEBREED dagegen waren beim With Full Force deutlich besser; hier haben sie zwar auch genügend Fans, knallen aber nicht so richtig. Selbst Hardcore-Papst Jaedike und seine Päpstin finden das heute nur mittelprächtig.

Richtig geil sind PRIMORDIAL, die zwar einen großen Teil des inzwischen müden Publikums erst überzeugen müssen (was sie wie immer problemlos schaffen), die aber einen besonders guten Tag erwischt haben. Besonders Frontmann Alan singt heute besser, als ich ihn JEMALS vorher erlebt habe, und fühlt sich von den anfangs laschen Reaktionen eher angestachelt. Zum Schluss der Show blickt er dann zufrieden auf ein Meer von gereckten Pommesgabeln. So was nennt man wohl einen echten Triumph! Primordial begeistern mich so sehr, dass ich meinen Notizblock zusammen mit meiner imaginären Tarja-Plattensammlung in den Schlamm von Dinkelsbühl feuere und diesen ganzen Quatsch hier aus dem Kopf schreiben muss, weshalb sämtliche Songtitel fehlen. Bitte verzeiht! Falls ihr euch trotzdem gezwungen seht, jemanden zur Strafe zu verprügeln, nehmt Himmelstein. (gk)

Auf dem Summer Breeze richtig cool drauf: Götz Kühnemund (gk), Frank Albrecht (fa), Thomas Kupfer (tk), Andreas Himmelstein (ah), Ronny Bittner (rb), Jan Jaedike (jj), Conny Schiffbauer (cs), Wolfram Küper (wk) und Laura Niebling (ln).

Bands:
PRIMORDIAL
KATAKLYSM
MARDUK
VADER
Autor:
Wolfram Küper
Thomas Kupfer
Laura Niebling
Andreas Himmelstein
Götz Kühnemund
Frank Albrecht
Ronny Bittner
Jan Jaedike

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