Schwatzkasten

Schwatzkasten 18.02.2004

GODSMACK - SULLY ERNA (Godsmack)

Auf der Bühne macht Godsmack-Frontmann SULLY ERNA gerne einen auf dicke Hose, aber privat zieht der Rocker mit dem Italo-Charme Spielnachmittage mit seiner Tochter wilden Groupie-Orgien vor. Die Kleine ist der beste Beweis, dass man es auch trotz verpatzter Dates, lebensgefährlicher Drogenpartys und Aufklärung per Flimmerkiste zu Vaterfreuden bringen kann.

Wo wurdest du geboren, und wie bist du aufgewachsen?

»Ich bin in einer kleinen Stadt 20 Minuten nördlich von Boston unter sehr ärmlichen Bedingungen aufgewachsen. Die Gegend, in der ich wohnte, war sehr kriminell, und es gab viele Gangs. Überleben konnte ich nur deshalb, weil ich mir selbst die rauen Regeln der Straße aneignete. Mit dem Schlagzeugspielen habe ich schon im Alter von drei Jahren begonnen, und als Teenager stieg ich endlich bei einigen Bands ein. Als ich 18 war, hatte meine Mutter die Nase von der üblen Nachbarschaft voll und zog mit mir nach North Carolina. Viele meiner alten Freunde starben oder endeten im Knast, und es sah lange Zeit so aus, als würde es mir nicht anders ergehen. Glücklicherweise entdeckte ich meine Leidenschaft für die Musik. Sie rettete mich vor diesem Schicksal.«

Warst du in der Schule ein Frauenschwarm oder eher der Typ, der keine Freundin abbekommt?

»Mit den Girls lief es eigentlich immer ganz gut. Ich war ziemlich wählerisch, wenn es darum ging, mit welchem Mädchen ich mich verabredete. Um die Mädels habe ich mir aber eigentlich nie große Sorgen gemacht. Ich habe nie begonnen, in Bands zu spielen, nur um Girls abzubekommen. Musik spielte schon in meiner Familie eine wichtige Rolle. Alles andere waren Dinge, die einem als Teenager eben im Kopf herumschwirren.«

Wie verlief das schlimmste Date deines Lebens?

»Eigentlich verliefen meine Verabredungen immer chaotisch oder peinlich, hahaha. Im Alter von 16 Jahren hatte ich ein Date mit einem Mädel, das ich wirklich sehr mochte. Sie holte mich ab, und wir fuhren ins Grüne, in die Nähe eines Flusses. Dort hingen wir ein wenig rum, tranken ein paar Bier und rauchten einen Joint. Ich habe keine Ahnung, ob das Ding mit irgendetwas gestreckt war oder wir einfach nur tierisch gutes Dope erwischt hatten. Auf jeden Fall haute mich das Kraut total um, und ich rastete völlig aus. Plötzlich konnte ich es nicht mehr ertragen, alleine mit diesem Mädchen in der Dunkelheit zu sitzen. Es war eine sehr komische Erfahrung für mich, weil ich auf einmal keine Kontrolle mehr über mich hatte. Schließlich brachte mich das Girl nach Hause. Ich glaube, dass sich die Kleine den Abend etwas anders vorgestellt hatte.«

Wie wurdest du aufgeklärt?

»Die wichtigsten Dinge über Sex habe ich auf der Straße von meinen Kumpels gelernt. Damals war ich etwa zwölf Jahre alt. Außerdem habe ich mir viele Sachen - zum Beispiel, wie man ein Mädchen küsst - im Fernsehen abgeguckt. Dafür muss man sich nicht unbedingt einen Porno reinziehen. Mein Vater hat uns verlassen, als ich noch sehr jung war, und meine Mutter, die mich zusammen mit meiner Schwester aufzog, war nie sehr streng. Sie passte zwar immer sehr gut auf mich auf, ließ mich aber eigentlich immer das machen, was ich wollte. Meine Aufklärung lief im Endeffekt so ab, dass ich hier und da etwas aufschnappte oder mich einfach per „learning by doing“ weiterbildete.«

Wie alt warst du bei deinem ersten Mal, und wie ist die Nummer gelaufen?

»Bei meinem ersten Sex war ich etwa 13 Jahre alt und ziemlich aufgeregt. Für das Mädchen war es auch das erste Mal. Obwohl ich genau wusste, was ich tat, war ich sehr unsicher. Wenn ich mich recht erinnere, verlief alles sehr chaotisch.«

Hast du schon mal im Gefängnis gesessen?

»Ich war ein paar Mal in Untersuchungshaft wegen irgendwelcher kleiner Jugendsünden. Ich habe zum Beispiel unbefugt fremde Grundstücke oder Häuser betreten, war in Straßenkämpfe verwickelt und habe Diebstähle begangen. Meistens wurde ich für ein paar Tage unter Arrest gestellt, aber richtig im Gefängnis gesessen habe ich nie.«

Was war der übelste Job, den du je hattest?

»Ich habe mit so einigen miesen Jobs mein Geld verdient. Den wirklich schlimmsten Arbeitsplatz hatte ich auf einem kleinen Flughafen. Ich war davon ausgegangen, dass ich zusammen mit den Mechanikern in einer Halle an den Maschinen rumschrauben würde; stattdessen musste ich die Flieger mitten im eiskalten Winter draußen mit einer Bürste abwaschen. Ich war schon nach zwei Stunden so dermaßen abgefuckt, dass ich mich heimlich aus dem Staub machte, als meine Vorgesetzten zum Mittagessen gingen.«

Wie sieht ein perfekter Tag für dich aus?

»Ich wache morgens auf, dusche mich, putze mir die Zähne, nehme meine Vitamine ein, frühstücke gut und entspanne mich ein bisschen. Danach gehe ich shoppen, weil ich gerne Geld für irgendwelchen Kram ausgebe. Abends spiele ich eine Show, gehe gut essen und ziehe mir ein Video rein. Natürlich ist meine zweijährige Tochter immer mit von der Partie. Wenn sie bei mir ist, ist der Tag automatisch perfekt. Ich kann Stunden damit verbringen, einfach nur mit ihr zu spielen, ohne das Gefühl zu haben, irgendetwas zu verpassen.«

Wäschst du deine Klamotten selbst?

»Auf Tournee kümmert sich aus Zeitgründen jemand anderes um meine Wäsche, aber zu Hause erledige ich das selber. Ich kann normalerweise sehr gut für mich selbst sorgen.«

Reichen deine Kochkünste über das Bestellen beim Pizza-Service hinaus?

»Na klar, ich habe doch Italo-Blut in mir! Ich bin ziemlich gut darin, geile Saucen zu kreieren oder italienische Speisen zuzubereiten. Es gibt eigentlich kein Gericht, das ich nicht hinbekomme, und meine Hühnersuppen schmecken fantastisch.«

Was ist die außergewöhnlichste Sache, die du dir je gekauft hast?

»Ich habe mir vor kurzem einen brandneuen Maserati gekauft. Von diesem Modell wurden weltweit nur 500 Stück produziert. Es ist also quasi eine Art Limited Edition. Der Wagen hat eine außergewöhnliche Farbe, spezielle Reifen und ist eine echte Rarität. Für mich ist die Karre etwas ganz Besonderes, weil sie sehr schön aussieht und eine Menge Kohle gekostet hat. Normalerweise werden diese Autos nur einem ausgewählten Kundenkreis angeboten, der diese Marke schon seit Jahren fährt, aber in diesem Fall habe ich den Wagen sogar noch vor ihnen bekommen.«

Wie würdest du deine persönliche Traumcombo besetzen?

»John Bonham von Led Zeppelin sitzt hinter dem Schlagzeug, Joe Perry von Aerosmith spielt Gitarre, Sid Vicious von den Sex Pistols bedient den Bass, und ich singe natürlich, hahaha!«

Was ist deine beste Charaktereigenschaft?

»Großzügigkeit.«

Und die schlechteste?

»Manchmal fehlt mir die Willenskraft, Dinge sein zu lassen, die ich besser nicht tun sollte, weil sie einfach nicht gut für mich sind. Ich nehme mir zum Beispiel oft vor, nicht zu viel zu trinken oder mit dem Rauchen aufzuhören, und halte es im Endeffekt doch nicht durch.«

Hast du Angst vor dem Tod?

»Manchmal habe ich Angst davor, zu sterben, bevor ich die Dinge erledigen kann, die mir wichtig sind. Ich würde gerne mitbekommen, wie meine Tochter aufwächst und später heiratet. Die Angst, das zu verpassen, ist viel größer als meine Furcht vor dem Tod selbst.«

Bist du ein religiöser Mensch?

»Ich bin nicht religiös, sondern spirituell. Das ist ein sehr großer Unterschied. Ich bete nicht Jesus oder eine einzige Religion an, und ich stelle mir Gott nicht als einen alten Mann mit einem weißen Bart vor. Stattdessen glaube ich an die Macht des Universums, an die Erde, an Schicksal und etwas, was größer ist als wir alle. Ich denke, dass es da draußen etwas gibt, was uns beschützt und immer über uns wacht.«

Wann und weswegen hast du das letzte Mal geweint?

»Das letzte Mal so richtig geweint habe ich vor ein paar Jahren in New Orleans. In dieser Stadt spürte ich sehr starke Vibes und eine ungeheure Energie. Ich fühlte mich ständig depressiv und verstand nicht, warum. Plötzlich wurde mir klar, dass ich in einem früheren Leben dort schon einmal gelebt hatte. In einer Vision sah ich, wie mich Menschen hintergingen und schließlich ermordeten. Auf einmal verstand ich die Zusammenhänge. Der Song ´Re-Align´ auf dem Album „Faceless“ handelt von der Erfahrung, an dem Ort zu stehen, an dem man einst lebte und starb. Dieses Erlebnis war so bewegend für mich, dass mir die Tränen kamen - weniger aus Angst, sondern vielmehr, weil ich ganz unvorbereitet mit meiner eigenen Vergangenheit konfrontiert wurde.«

Was war der emotionalste Moment deines bisherigen Lebens?

»Der definitiv emotionalste Moment war die Geburt meines Babys. Es war einfach unglaublich bewegend, zuzusehen, wie meine kleine Tochter geboren wurde.«

Was war der peinlichste Moment deines Lebens?

»Ich war noch nie ein Mensch, der schnell in Verlegenheit gerät. Diesbezüglich bin ich ein ziemlich tougher Typ. Ich bin sehr offen und scherze gerne mit Leuten rum. Es gehört schon eine Menge dazu, mich aus der Fassung zu bringen. Ich werde noch nicht mal aus Scham rot. Ganz ehrlich, ich kann mich nicht erinnern, jemals in einer peinlichen Situation gewesen zu sein.«

Musstest du dich jemals zwischen einer Frau und der Musik entscheiden?

»Ich musste mich mein ganzes Leben lang zwischen den Frauen und meinem Job entscheiden. Lust hatte ich nie, aber ich wurde immer dazu gezwungen. Es war immer das Gleiche. Zuerst erzählen einem die Girls, dass sie meinen Job toll finden, es lieben, mich auf der Bühne zu sehen, und mich jederzeit unterstützen werden. Nach etwa einem Jahr fangen sie an, sich darüber zu beschweren, dass ich ständig auf Tour bin oder ihnen nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird und dass sie so nicht weitermachen können. Die Entscheidung über den weiteren Verlauf der Beziehung überlassen sie mir. Was soll ich in dieser Situation tun? Ich kann nicht das aufgeben, was ich liebe und womit ich mein Geld verdiene, auch wenn es mir das Herz bricht, einen Menschen zu verlieren, der mir viel bedeutet. Ich betrachte es als ein großes Geschenk, dass ich schon in jungen Jahren wusste, was das Wichtigste in meinem Leben ist. Für meine Bands habe ich die Schule, meinen Job, die Familie und diverse Beziehungen geopfert. Es ist nichts Neues für mich, vor diese Entscheidung gestellt zu werden. Natürlich tut es mir weh, einen Menschen zu verletzen, aber ich fühle mich nicht schuldig. Jede Frau, die eine Beziehung mit mir anfängt, weiß, worauf sie sich einlässt.«

Was hältst du von Groupies?

»Eigentlich habe ich gar keine richtige Meinung über Groupies, weil ich mich nicht wirklich mit ihnen abgebe. Irgendwie ist dieser Begriff doch auch veraltet. Meiner Meinung nach sind diese Mädels doch nur eine Art temporäre Medizin. Musiker, die mit Groupies was anfangen, spüren eine gewisse Leere in sich, die sie für einen Moment ausfüllen wollen. Sie sind gelangweilt oder suchen nach einer kurzzeitigen Befriedigung. Nach der Nummer sind sie verlegen und fragen sich, was sie mit dem Girl eigentlich anfangen sollen. Es ist so, als würde man mit einem Kater nach einer durchzechten Nacht aufwachen. Diese Frauen braucht man im Grunde genauso wenig wie Alkohol und Zigaretten. Sie sind ein vorübergehender Ersatz, den man als Musiker nicht wirklich benötigt. Fans sind wichtig, aber nicht Groupies.«

Was war dein verrücktestes Drogenerlebnis?

»Ich nehme schon seit 13 Jahren keine Drogen mehr. Das gefährlichste Erlebnis hatte ich mit Anfang 20. Damals habe ich sehr viel Kokain genommen und wäre fast daran gestorben. Mit ein paar Kumpels habe ich drei Tage lang ununterbrochen geraucht, geschnupft und gesoffen. Erst in der vierten Nacht bin ich endlich pennen gegangen. Während ich schlief, schwoll plötzlich mein Gaumenzäpfchen an, und ich bekam keine Luft mehr. Ich wäre vermutlich ins Koma gefallen oder erstickt, wenn sich meine Freundin nicht um mich gekümmert hätte. Diese furchtbare Erfahrung hat mir die Augen geöffnet.«

Was würdest du bei einer Schönheitsoperation an deinem Körper ändern lassen?

»Nichts. Ich würde nie etwas an meinem Aussehen ändern.«

Würdest du für „Playgirl“ posieren?

»Das ist eine schwierige Frage. Ich würde es nicht grundsätzlich ablehnen, weil ich mich nicht für den Körper schäme, den Gott mir gegeben hat. Auf der anderen Seite wüsste ich nicht, was mir das persönlich geben sollte. Das ist keine Sache, die ich unbedingt mal in meinem Leben gemacht haben muss. Warum sollte ich mich ausziehen? Um berühmter zu werden oder mehr Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen? Ich betrachte mich auch nicht gerade als Sexsymbol. Vielleicht würde ich es tun, wenn man mir genug Geld anbieten würde, obwohl das eigentlich auch kein Grund ist. Finanziell geht es mir zurzeit sehr gut. Ich kann mich nicht über mein Leben und meine Karriere beklagen. Momentan wüsste ich nicht, warum ich für „Playgirl“ posieren sollte.«

Gab es eine Situation, in der dich die Medien falsch dargestellt haben?

»Auf MTV gab es mal eine Show, die sich „The Ugliest Rock Stars“ nannte. In dieser Sendung wurde der hässlichste Frontmann des Rockbusiness gesucht. Neben dem Sänger von Saliva und Aaron Lewis von Staind, der eine Glatze hat, war auch ich nominiert. Vermutlich hat mich irgendein Hänfling mit Brille vom „Rolling Stone“-Magazin vorgeschlagen. Ich weiß, dass ich nicht perfekt aussehe, aber trotzdem war ich ganz schön beleidigt und fragte mich, wie man ausgerechnet auf mich gekommen ist...«

Bands:
GODSMACK
Autor:
Onlineredaktion

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