Interview

Interview 14.02.2020, 16:45

STALLION - Klare Kante, die Zweite

STALLION sind eine junge Band mit frischem Sound, gehörig viel Motivation und vor allem auch mit Köpfchen. Das beweisen sie auch auf ihrer neusten Veröffentlichung „Slaves Of Time“, über die wir in Heft #394 mit Gitarrist Äxxl bereits gesprochen haben. Lest hier die Fortsetzung des Interviews.

Äxxl, hat man es als junge Band schwerer, eine Brücke zwischen Tradition und Innovation zu schlagen - und seht ihr die digitale Revolution aus der Band-Perspektive eher als Fluch oder Segen an?

»Für uns war das eigentlich nie ein Thema. Was zählt ist die Ästhetik und die Intention, ob das jetzt digital oder analog veröffentlicht wird, ist uns dabei erstmal egal. Zum Beispiel haben wir unsere erste EP auf Vinyl, aber mit Download-Code angeboten, so wie wir es eben gerne selbst konsumiert hätten. CDs sind unsexy (geworden?) und als bewusster Konsument nimmst du lieber eine Platte mit großem Artwork in die Hand, um den Vorgang des Musikhörens wieder zu zelebrieren, anstatt eine unpersönliche Plastikbox. Trotzdem braucht man seine Mucke auch mobil, darum der Download-Code. Viel praktischer als eine CD zu rippen, deshalb unser Motto damals: “Die CD ist tot”.
Ich stelle jetzt mal ´ne ganz steile These auf: Vermutlich hätte es die Band ohne digitale Medien gar nicht gegeben. Diese Filterblase (damals auf Facebook) hatte ganz maßgeblich ihren Anteil, dass wir draußen, in der großen weiten Welt, wahrgenommen wurden und aus dem ursprünglichen Projekt eine Band gemacht haben. Unser allererster Gig war auf dem Metal Assault Festival vor über 1000 Leuten in der Posthalle Würzburg, 300 Kilometer weit von zuhause entfernt. Ich denke, die wenigsten Bands können sich so glücklich schätzen.«

Eure Texte nehmen auch immer Bezug auf das aktuelle Weltgeschehen. Würdet ihr so weit gehen und sagen, dass es die Aufgabe eines Künstlers ist, politisch Stellung zu beziehen?

»Ja, speziell in solchen Zeiten kann man das definitiv sagen. Nur deshalb den Mund zu halten, weil man Angst hat, Fans oder Follower zu verlieren, ist schwach. Es geht auch gar nicht darum, immer zu allem seine Meinung abzugeben – das nervt zugegebenermaßen auch manchmal – oder nur noch gesellschaftskritische Texte zu schreiben. Es geht darum, Haltung zu zeigen - und Haltung ist eben etwas abstrakteres als eine Meinung. Einfach mal öffentlich zu sagen: „nicht mit mir“, wenn es um menschenfeindliches oder demokratiefeindliches Material geht, ist nicht zu viel verlangt, egal ob du liberal, sozialistisch, konservativ oder wie auch immer denkst. Das ist unser gesellschaftlicher Konsens. Steh dazu und stell dich denen entgegen, die das zerstören wollen.«

Der politische Aspekt ist allerdings nur ein Teil von STALLION, mit Songs wie ´All In´ liefert ihr auch einfach ein paar gutgelaunte, klassische Heavy-Metal-Nummern ab, die in einem frischen, aber nicht überproduzierten Soundgewand daherkommen. Äxxl, du hast dahingehend ja klare Visionen und bezeichnest dich selbst als totalen „Tone-Nerd“. Welche Bands, Gitarristen, Sounds und Equipments haben deine Soundästhetik-Vorstellung besonders geprägt? Worauf hast du gar keinen Bock?

»Freut mich, dass der Sound gefällt! Wie gesagt, unsere ästhetischen Vorstellungen sind sehr gefestigt. Die „From The Dead“ hab ich damals komplett selber produziert, das heißt auch gemischt, weil ich eine ganz konkrete Vorstellung davon hatte, wie die Platte klingen soll. Kommerzielle Mixing Engineers haben eine andere Perspektive, die müssen Platten nach einem gewissen Industriestandard abmischen und es ist vermutlich sehr schwer sich davon zu lösen, selbst wenn wir ganz genaue Anweisungen liefern.
Ich bin mit dem Sound der Platte auch immer noch zufrieden. Trotzdem merkt man, dass ich bis dato nur eine handvoll Produktionen pro Jahr gemacht habe. Außerdem verliert man etwas die Perspektive was die Musik an sich angeht, wodurch für mich als Hauptsongwriter ein Interessenkonflikt entsteht. Auf der neuen Scheibe wollte ich mehr Musiker sein können. Während den Arbeiten zu „From The Dead“ kam die „Victims To The Blade“-Demo von Vulture raus, wodurch ich auf Marco Brinkmann von Hellforge Studios aufmerksam geworden bin. Beim Hören hatte ich das Gefühl, dass da jemand meine ästhetischen Vorstellungen verstehen würde. Genau so war es dann auch - und wir sind sehr happy mit dem Mix!
Für die Drumrecordings haben wir uns eine zehn Kilo schwere Bronze-Snare geliehen, von uns liebevoll „Schädelspalter“ genannt. Die Gitarrenamps sind aus den Siebzigern und Achtzigern. Ich recherchiere viel, mit welchem Equipment diese und jene Scheibe aufgenommen wurden, welches Mikro-Setup, welche Hall- und Echo-Geräte, welche Konsole oder welche Bandmaschine genutzt wurde und versuche, das dann nachzustellen. Das sind Dinge, die den Hörer nicht unbedingt interessieren, aber mich inspiriert das, und es trägt subtil zur Authentizität einer Oldschool-Produktion bei. Meine Favoriten sind zum Beispiel: „Master Of Puppets“, „Black Album“ (Produktion), „Gates Of Purgatory“ und „Breaker“. Was mich speziell beim aktuellen Album besonders inspiriert hat, war die zweite Racer-X-Scheibe. Die Gitarrenarbeit von Paul Gilbert und Bruce Bouillet ist nicht von dieser Welt.
Ansonsten gibt es wenig Sachen, die ich komplett ausschließen würde. Es ist sowieso meist so, dass nicht das Werkzeug das Problem ist, sondern der Bediener. Beispiel Drums: Diese werden bei einer Produktion von der Stange oft komplett tot editiert, weil das einfacher und weniger zeitintensiver ist, als sich ganz genau anzuhören, was dort eigentlich vor sich geht. Oder es werden dieselben generischen Drum-Samples verwendet, wie auch auf 1000 anderen Platten. Hast du dich jemals gefragt, warum Kick Drums auf aktuellen Scheiben so ähnlich klingen? Weil es eben oft dieselben Samples sind. Auch hier ist das Werkzeug nicht das Problem. Ich benutze - wenn es die Situation fordert - auch Samples, um einer Kick Unterstützung zu bieten oder mit Bleed fertig zu werden, aber dann muss man sich eben auch die Mühe machen, diese Samples selbst aufzunehmen. Also ja: Mit tot editierten Drums mit 08/15 Samples kannst du mich mit jagen. Oder wenn Dinge zu trocken abgemischt werden, dass kann ich auch nicht brauchen, haha.«

Mit der Powerballade 'Die With Me' feiert ihr eine Premiere auf eurem neuen Album. Habt ihr lange darüber diskutiert, ob ihr das angehen wollt?

»Nee, das kam tatsächlich ganz natürlich. Eigentlich wollte ich schon immer mal was in der Richtung schreiben, ich liebe nämlich diese Theatralik und Dramatik, die man da rein packen kann, sofern es nicht zu schnulzig wird. Bei den vorangegangen Platten hatten wir den Fokus einfach mehr auf Vollgas. Als der Song langsam zusammen kam, waren sich alle einig, dass er aufs Album muss.«

Und was sind deiner Meinung nach die fünf stärksten Powerballaden?

»Puh, nur fünf? Ich könnte dir schon fünf von den Scorpions nennen, haha. Okay, ich versuch's mal: ´Always Somewhere´ von den Scorpions, ´Can’t Stand The Night´ von Accept, ´A Tale That Wasn’t Right´ von Helloween, ´Life's Like A River´ ebenfalls von den Scorpions und ´Lonely´ von Crimson Glory.«

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Bands:
STALLION
Autor:
Mandy Malon

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