Festivals & Live Reviews


Pic: Kristian Reuter

Festivals & Live Reviews 20.11.2019, 12:27

SONATA ARCTICA - Bi Nuu, Berlin

Zum Auftakt der deutschen Dates ihrer „The Raven Still Flies Over Europe“-Tour haben sich die Jungs von SONATA ARCTICA mit dem direkt unter der U-Bahnstation „Schlesisches Tor“ gelegenen Bi Nuu eine gemütliche Location ausgesucht: Überschaubar, aber groß genug, um ein paar hundert Leuten die Gelegenheit zu geben, eine Party zu den Tönen der finnischen Melodic-Metaller zu feiern.

Unter dem Gesichtspunkt „Party machen“ erweist sich auch die Wahl der Finnen von TEMPLE BALLS als Opening-Act als exzellente Wahl. Die fünf Jungs servieren dem Berliner Publikum knackigen melodischen Hardrock und präsentieren Spielfreude vom ersten bis zum letzten Ton. Schon beim Betreten der Bühne schießt Frontmann Arde Teronen die Frage „Are you ready to fuckin‘ rock?“ an die Zuschauerinnen und Zuschauer heraus und bis zum Ende seines Gigs vergisst das Quintett es zu keinem Zeitpunkt, das Publikum miteinzubeziehen. So wird der Sänger bei der Performance von Songs wie 'Distorted Emotions' oder 'Hoist The Colours' nicht nur von der Doppel-Axt-Fraktion um Jiri Paavonabo und Niko Vuorela sowie Bassist Jimi Välikangas gesanglich unterstützt, sondern auch von Bandkennern wie „Neuzugängen“ bei diversen Singalongs begleitet. Somit liefern die sympathischen Jungs einen mehr als stimmungsvollen Einstieg in den Abend, der einfach gute Laune macht und zum Weiterfeiern anregt.

Leider können die Los-Angeles-Metaller EDGE OF PARADISE diesen Stimmungspegel nicht wirklich halten. Zwar kommt auch das Quintett um Frontfrau Margarita Monet sympathisch und spielfreudig rüber, dennoch ist deutlich wahrzunehmen, dass im Vergleich zum ersten Act Beteiligung und Applaus im Publikum abgenommen haben. Problematisch ist vor allem, dass die technisch sicherlich gute Stimme von Madame Monet durch den eher eigenwilligen Gesangsstil, der bei den heute präsentierten Songs viel Wert auf eher gehauchte Vocals legt, im klanglichen Bandkorsett durch die doppelte Gitarrenfraktion, Bass und Drums größtenteils einfach untergeht. Auch das Michael-Jackson-Cover 'Bad' als Rausschmeißer stellt sich als eher unglückliche Entscheidung für den Ausklang des Gigs heraus. Durch die auch hier eher gehauchten Vocals können kaum Emotionen geweckt werden und der Auftritt der amerikanischen Truppe endet mit einigen Fragezeichen.

In Kombination mit einer knapp vierzigminütigen Umbaupause könnte man an dieser Stelle also vermuten, dass der Stimmungspegel beim Auftritt von SONATA ARCTICA eher verhalten ausfällt. Doch weit gefehlt! Als die Finnen gegen 21.40 Uhr zu den Klängen von 'A Little Less Understanding' freudestrahlend die Bühne betreten, wird das Publikum von der ersten Sekunde an wieder abgeholt. Überhaupt: In jedem Moment des Auftritts entsteht das Gefühl, dass die 1996 als Tricky Means gegründete Combo inzwischen zwar auf über 20 Jahre Erfahrung im Musikbusiness zurückblicken kann, vor dem Publikum aber noch immer eine Band steht, die absolut Bock auf ihre Musik hat.

Ebenso wie auch die Alben der Finnen immer wieder stilistische Überraschungen bereithalten, mag auch die Setlist im ersten Moment überraschen. Immerhin stammen fünf der 14 performten Songs vom jüngst veröffentlichten Werk „Talviyö“ und lediglich drei Lieder aus der Zeit vor „Stones Grow Her Name“ (2013). Doch diese Entscheidung tut der Stimmung keinen Abbruch. Band-Oldies und „Frischlinge“ kommen gleichermaßen gut an und so werden Tracks wie 'Storm The Armada', 'Who Failed The Most' und vor allem 'Whirlwind' vom aktuellen Langdreher als starke Bandhymnen integriert, denen die knackige Live-Performance gut tut. Und auch das auf Platte etwas unterkühlt wirkende 'Cold' (Wortspiel nicht beabsichtigt) wird live zum ziemlichen Hit.

Der Combo um Frontmann Tony Kakko und seinen Mitstreitern gelingt es scheinbar mühelos, das Publikum bei bester Laune zu halten. Gegen Ende des Auftritts wird dann von den Berlinern stimmlich nochmal alles verlangt. Zur Piano-Ballade 'Tallulah' singt das Publikum mit den Finnen, zum Intro von 'FullMoon' übergibt Tony das gesangliche Zepter komplett der Zuhörerschaft. Auf dieser Stimmung aufbauend, lässt die Truppe zum positiven 'Life' (gefolgt vom obligatorischen Rausschmeißer 'Vodka') die Fans noch einmal das Leben und seine kleinen Momente feiern, bevor das Berliner Publikum in die Nacht entlassen wird. Somit endet ein Abend, der zwar im Mittelteil seine kleinen Längen gehabt haben mag, zum allergrößten Teil aber doch einfach Spaß, Spielfreude und Emotionen vermitteln konnte.

Setlist Sonata Arctica:

A Little Less Understanding

Closer To An Animal

Whirlwind

The Day

I Have A Right

Cold

Storm The Armada

X Marks The Spot

Who Failed The Most

Tallulah

Black Sheep

FullMoon
---

Losing My Insanity (Ari-Koivunen-Cover)

Life

Vodka (Outro)

Bands:
SONATA ARCTICA
EDGE OF PARADISE
TEMPLE BALLS
Autor:
Lukas Höpfner

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