Festivals & Live Reviews


Pics: Steve Thrasher

Festivals & Live Reviews 10.11.2021, 13:12

SLIPKNOT - Los Angeles, Banc Of California Stadium (Live-Stream)

SLIPKNOT tragen zwar seit jeher Masken, gegen Corona helfen sie allerdings nicht. Dementsprechend sah sich auch das Iowa-Kollektiv gezwungen, über eineinhalb Jahre auf den nächsten Auftritt zu warten. Für ihre erste Livestream-Übertragung hat die Band die bisher größte Headliner-Show im Rahmen der „Knotfest Roadshow“ auserkoren.

Bei einer riesigen Band wie SLIPKNOT scheint man kein Risiko eingehen zu wollen. Im Vorfeld des live gestreamten Los-Angeles-Gigs am 5. November hat die Truppe bereits bei 27 Konzerten die Gelegenheit gehabt, sich warm zu spielen. Zudem ist es ein kluger Schachzug, die einen Tag vorher veröffentlichte neue Single 'The Chapeltown Rag' erstmals live der Weltöffentlichkeit vorzustellen. Dennoch läuft bei der Übertragung nicht alles rund, aber dazu später mehr.

Das riesige „Banc Of California Stadium“ stellt natürlich eine beeindruckende Kulisse dar, auch wenn der Innenraum nicht vollständig gefüllt ist – vermutlich wegen Covid-19-Restriktionen. Zu Beginn des Konzertes ertappt man sich bei dem Gedanken, ob SLIPKNOT ihre Performance nach einer so langen Zwangspause und mit zunehmendem Alter (Clown ist dieses Jahr 52 geworden) noch mit der Intensität abliefern können, für die das Kollektiv bekannt ist. Schon die an zweiter Stelle positionierte „Iowa“-Abrissbirne 'Disasterpiece' gibt vollständige Entwarnung – die Band schafft es immer noch, ultra-aggressiv und heavy as fuck zu klingen. Auffällig ist lediglich, dass nach zwei oder drei Liedern Pausen eingelegt werden, die zumindest subjektiv länger als in der Vergangenheit wirken. Die Herren brauchen mittlerweile wohl doch ein paar Momente mehr zum Verschnaufen und um sich auf das nächste musikalische Armageddon vorzubereiten. Aber das sei ihnen gegönnt! Es gibt an der Performance eh kaum etwas zu mäkeln. Lediglich die Ansagen von Corey Taylor hat man in dieser Form schon zig mal gehört. Dass er das Publikum ständig als „Family“ anspricht, scheint gar ziemlich eindeutig bei Metallica entlehnt zu sein.

Für die Fans vor Ort war es sicherlich ein tolles Konzerterlebnis, bei dem die Gruppe am Ende sogar einen würdigen Weg gefunden hat, den verstorbenen (ex-)Mitgliedern Paul Gray und Joey Jordison zu gedenken (es werden während des vom Band gespielten Outros ''Til We Die' Banner mit Name, Foto und Todesdaten der beiden Musiker auf den riesigen Leinwänden eingeblendet). Die Zuschauer an den heimischen Bildschirmen bekommen allerdings weder beim Klang noch beim Bild das Optimum. Klar, das ist hier alles live, ohne Netz und doppelten Boden. Dennoch fällt der Sound reichlich pappig und dünn aus und lässt an Durchschlagkraft vermissen, da hat man bei Live-Streams anderer Bands in den letzten Monaten deutlich mehr Qualität geboten bekommen. Zudem wird man das Gefühl nicht los, dass das Kamerateam noch nie mit SLIPKNOT gearbeitet hat und die Bildregie hoffnungslos mit dem wilden Treiben auf der Bühne überfordert ist. Ein schönes Beispiel findet sich in 'Nero Forte', bei dessen Chorus neben Corey noch jemand anderes am Gesangsmikro zu hören ist. Es dauert allerdings bis zum dritten Refrain, ehe das Filmteam endlich mit Neu-Percussionist Michael Pfaff den passenden Musiker gefunden hat und einblendet. Dieses Irrlichtern durch die Kameraeinstellungen zieht sich leider durch das gesamte Konzert. Von den berüchtigten Faxen des DJs Sid Wilson bekommt man deshalb allenfalls am Rande was mit. Als Kenner der Band gelingt es einem, sich bei Sound und Bild die fehlenden Puzzleteile hinzu zu denken. Menschen, für die dieser Stream den SLIPKNOT-Erstkontakt darstellt, dürften hingegen wohl enorme Schwierigkeiten haben einigermaßen in der Welt der Rasselbande anzukommen.

Man sollte den Live-Stream nicht höher hängen, als er ist, aber für den Preis einer Live-DVD/Blu-ray ist man bei SLIPKNOT einfach mehr Qualität gewohnt. Dennoch stellt der Stream natürlich ein schönes Lebenszeichen und Trostpflaster für alle Fans dar, die die Band nun seit Ewigkeiten nicht live sehen konnten. Und der neue Song 'The Chapeltown Rag' stimmt mehr als versöhnlich: Die Nummer hätte in ähnlicher Form auch auf einem der beiden ersten Longplayer stehen können und heizt die Vorfreude auf ein neues SLIPKNOT-Album weiter an.


SLIPKNOT SETLIST

Unsainted
Disasterpiece
Nero Forte
Before I Forget
The Heretic Anthem
Psychosocial
The Devil In I
The Chapeltown Rag
Wait And Bleed
Vermilion
All Out Life
Duality
Spit It Out
--
People = Shit
(sic)
Surfacing

Bands:
SLIPKNOT
Autor:
Ronny Bittner

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