Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 22.05.2013

H.E.A.T. , THE QUIREBOYS , TESLA - SHOUT IT OUT LOUD FESTIVAL IV

Duisburg, Glückauf-Halle

Deutschlands größtes Hair-Metal-Indoor-Festival geht mit einem erneuten Wechsel der Location bereits in die vierte Runde. Nach mehr oder minder gut besuchten Ausgaben in der Mülheimer RWE-Sporthalle und dem Stadtsaal Lichtburg in Wetter haben die Veranstalter dieses Mal die Duisburger Glückauf-Halle als Veranstaltungsort gewählt.

Bei Ankunft macht sich erst mal Ernüchterung breit: Vor dem Venue, das von außen betrachtet in etwa den Charme einer Schulsporthalle versprüht, warten trotz des wie üblich geschmackssicher ausgewählten Festival-Billings grob geschätzt knappe 50 Nasen auf den Einlass.

Die guten Nachrichten zuerst: Offensichtlich haben sich die Veranstalter die (nicht nur von unserer Seite) deutlich geäußerte Kritik an den vergangenen Ausgaben des Shout It Out Loud zu Herzen genommen und in der Folge fleißig an den organisatorischen Rahmenbedingungen geschraubt. Sowohl Garderoben als auch Bierstände haben dieses Mal eine ausreichende Größe und sind mit genügend Personal bestückt, um selbst zu den Stoßzeiten eine unangenehm lange Warterei zu verhindern. Erfreulich ist außerdem, dass das Becherpfand Geschichte ist. Die Getränkekäufe werden zwar immer noch über ein Wertkartensystem abgewickelt, aber die Verwirrung bezüglich eines Pfands, das separat abgestrichen werden muss, bleibt dieses Mal aus. An die Raucher wurde ebenfalls gedacht: Auf dem Vorplatz der Halle gibt es einen teilweise überdachten Außenbereich, auf dem sich zudem einige Fast-Food-Stände befinden.

Gute Rahmenbedingungen und eine tolle Bandauswahl - da kann ja nicht viel schief gehen. Sollte man zumindest annehmen. An und für sich stimmt das auch, das Shout It Out Loud IV hat jedoch trotz der angesprochenen organisatorischen Verbesserungen mit zwei Problemen zu kämpfen: Die Halle ist selbst während der Headlinershows bestenfalls halb gefüllt, und der Sound ist über weite Strecken vor allem in den hinteren Bereichen des Venues deutlich zu leise und bassarm.

Offensichtlich wird beides bereits, als OLDS´COOL das Festival pünktlich um Viertel nach vier eröffnen: Die Herren müssen vor deutlich weniger als hundert Gästen aufspielen. Schade, denn die AOR-Truppe, die für ihren Opener-Slot extra aus Russland angereist ist und ihre erste Show in Westeuropa überhaupt spielt, gibt sich redlich Mühe und macht einen mehr als soliden Eindruck, der lediglich vom dünnen Sound ein wenig getrübt wird.

Auch bei ADAM BOMB, die im Vorfeld im Internet von vielen Besuchern des Festivals trotz ihrer inzwischen mehr als 20-jährigen Bandgeschichte als Geheimtipp gehandelt wurden, bessert sich die Lage nur unwesentlich. Sei´s drum: Adam und seine Begleitband machen das Beste aus der misslichen Lage, lassen sich die gute Laune nicht verderben und spielen eine unterhaltsame, knapp 30-minütige Show, die von den Anwesenden gebührend abgefeiert wird.

Eine erfreulich kurze Viertelstunde später starten BLACKRAIN in ihren Set. In Sachen Bühnenoutfits und Show könnte man glatt vermuten, dass man es hier mit einer jungen Ami-Band zu tun hat. Doch weit gefehlt, die Glam-Truppe kommt, wie allenfalls der charmante Akzent von Sänger Swan verrät, der heute Abend neben H.E.A.T-Fronter Erik Grönwall den Posten des Ober-Frauenschwarms innehat, überraschenderweise aus Frankreich. Musikalisch gibt sich das Quartett solide, leidet aber, wie eigentlich alle Bands des Festivals, unter dem suboptimalen Sound, der allenfalls in den ersten drei oder vier Reihen vor der Bühne richtig knallt. (jp)

Selbst gegen Abend füllt sich die Glückauf-Halle nicht so richtig. Gerade mal rund 150 Leute tummeln sich direkt vor der Bühne, als JETTBLACK mit relativ leisem Sound loslegen. Optischer Mittelpunkt des Quartetts ist der blond gelockte Sänger Will Stapleton, der sich regelmäßig zum Posen an seine Bandkollegen schmeißt, aber auch Gitarrist Jon Dow ist mit seinem nackten Oberkörper ein netter Hingucker. In Sachen Live-Performance geben die vier Briten zwar alles und bringen das Publikum beim letzten Song ´Raining Rock´, dem Titeltrack der aktuellen Platte, sogar dazu, in einer Art musikalischem Frage-Antwort-Spiel mitzusingen, von der Qualität der anschließend spielenden H.E.A.T sind JETTBLACK aber weit entfernt.

H.E.A.T sind - zumindest in Sachen Zuschauerzuspruch - die heimlichen Headliner des Abends. Frontmann Erik Grönwall sieht mit seinem blond toupierten Iro und seiner Old-School-Offiziersjacke zwar aus wie ein Achtziger-Jahre-Popper, aber das ändert nichts an den Live-Qualitäten des 2009-Gewinners der schwedischen Talentshow „Idol“, der ein wenig an Tobias Sammet erinnert. Grönwall untermalt den poppigen Melodic-Rock/AOR-Mix seiner mit Bandanas und Hüten ebenfalls optisch nett in Szene gesetzten Kollegen mit kurzweiligem Posing und keck-charmanten Ansagen, die von einem süffeligen „Prooost!“ über ein schmeichelndes „You have the best beer and cars in the world!“ bis hin zu „After the show we also sign tits and asses!“ reichen. Musikalisch gelingt dem skandinavischen Sextett der Spagat zwischen ruhigen Momenten (´Downtown´: mit grünem Licht und dunkler Atmosphäre gut in Szene gesetzt) und nach vorne gehenden Rockern, bei denen die ganze Band mit abgeht. (cs)

Nach einer sehr kurzen Pause von etwa einer Zigarettenlänge eröffnen THE QUIREBOYS mit ´Tramps And Thieves´ einen Set, der sich im weiteren Verlauf als gerade mal ganz passabel entpuppen wird. Zum einen ist der Sound lediglich direkt vor der Bühne angemessen laut, zum anderen bekommen die Engländer die Sache heute irgendwie nicht richtig ins Rollen. Bestes Beispiel hierfür ist das eigentlich saucoole ´This Is Rock´n´Roll´, das zunächst mit einem nichtssagenden Gitarren-Intro langweilt und danach einfach nicht ins perfekte Tempo finden will. Außerdem nimmt die Band mit dem einen oder anderen neuen, bisher unveröffentlichten und dem Publikum somit unbekannten Song immer genau dann den Drive aus der Setlist, wenn die Zuschauer gerade mal ein bisschen in Wallung kommen. Schade. Zumindest beim obligatorischen Abschluss ´7 O´Clock´ ist dann aber tatsächlich „time to party“.

Hat man den Grund für den Zuschauerschwund bei The Quireboys bei deren eher mäßiger Performance vermutet, sieht man sich getäuscht, als TESLA mit ´I Wanna Live´ ihren Set beginnen. Auch die Amerikaner performen vor deutlich weniger Publikum als H.E.A.T und agieren ebenfalls zunächst (zumindest instrumental) deutlich zu leise, was in der Folge verdeutlicht, dass Sänger Jeff Keith ohne das Fundament einer kräftigen Backing-Band im Jahre 2013 wie eine rotzlöffelige Micky Maus klingt. Als aber nach drei, vier Songs die Lautstärke der Instrumental-Abteilung angepasst ist, stimmen die Vibes und der Drive, Frank Hannon und sein temporärer Sidekick Tommy Armstrong-Leavitt an der zweiten Gitarre agieren erstklassig und megasympathisch, und Klassiker wie ´Gettin´ Better´, ´Edison´s Medicine´ und ´Modern Day Cowboy´ (ohne Frage einer der besten Hardrock-Songs aller Zeiten) sorgen für einen Endorphin-Rausch im Publikum, der erst abebbt, als Tesla mit ´Little Suzi´ ein unter dem Strich doch gelungenes Festival abschließen. (ah)

Im kommenden November soll das Shout It Out Loud bereits in seine fünfte Runde gehen - wieder mal in einer neuen, zum jetzigen Zeitpunkt noch zur Diskussion stehenden Location. Bestätigte Bands bisher: Vain, Enuff Z´Nuff, Love/Hate und Hollywood Burnouts. Es bleibt nur zu hoffen, dass die nächste Ausgabe des Festivals mit einem deutlich größeren Publikumsandrang daherkommt, denn es wäre schade, wenn das Shout It Out Loud demnächst aus Mangel an Besuchern dauerhaft seine Pforten schließen müsste. (jp)

Auf dem Shout It Out Loud hatten Spaß, tranken Bier und lauschten einer gewohnt guten Bandauswahl: Andreas Himmelstein (ah), Conny Schiffbauer (cs) und Jens Peters (jp).

Pic: Axel Jusseit

Bands:
H.E.A.T.
THE QUIREBOYS
TESLA
Autor:
Conny Schiffbauer
Andreas Himmelstein
Jens Peters

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