Schwatzkasten

Schwatzkasten 25.10.2017

DENNER/SHERMANN - Schwatzkasten mit SNOWY SHAW

Als Drummer, Sänger und an diversen anderen Instrumenten spielte sich SNOWY SHAW bereits durch das Who´s Who der schwedischen und internationalen Metalszene. Dementsprechend hat der Musiker im Gespräch mit uns einige verblüffende, philosophische, irre, witzige und unanständige Geschichten zu erzählen. Leset und staunet!

Snowy, wo und wie bist du aufgewachsen?

»Devil´s Island, Goth-N-Burgh, Schweden. Wie? Na ja, erst war ich klein, dann wurde ich ein bisschen größer, und jetzt bin ich überdurchschnittlich groß, aber ich weigere mich, im konventionellen Sinne erwachsen zu werden.«

Wie warst du als Kind? Eher ein Unruhestifter oder ein Musterkind?

»Ich war ziemlich genau wie Astrid Lindgrens Charakter Michel aus Lönneberga.«

Welche sind deine schönsten und schlechtesten Kindheitserinnerungen?

»Ich habe nur gute Erinnerungen an meine Kindheit. Selbst die schlimmen Sachen hatten noch etwas Gutes, weil sie dich schließlich aufs Leben vorbereiten, wie in dem Sprichwort „Was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker“. Und Mann, ich bin stark! Insgesamt hatte ich eine tolle Kindheit, denke ich. Ich konnte vielleicht nicht alles haben, was ich mir wünschte, weil wir nicht gerade im Geld schwammen, aber das sehe ich nicht als negativ, da ich so die wahren Werte des Lebens kennengelernt habe: Wenn du etwas haben willst, musst du dich darauf einstellen, hart dafür zu arbeiten, und ein bisschen erfinderisch und clever sein.«

Hast du schon andere Instrumente gespielt, bevor du mit Schlagzeug angefangen hast?

»Nein, ich habe hauptsächlich Leute verhauen, bevor ich anfing, die Drumfelle zu vermöbeln.«

Erinnerst du dich noch an das erste Konzert, das du gespielt hast?

»Ja, sobald meine Band namens Gummiband es geschafft hatte, einen instrumentalen Zwölf-Takt-Rocksong zu spielen, organisierte ich unsere erste Show bei einem Flohmarkt im Jugendcenter des Vororts, in dem ich aufgewachsen bin. Wir landeten sogar in der Zeitung, mit Foto und so, und ich war unglaublich stolz.«

Was war das erste Album, das du dir selbst gekauft hast?

»Die erste Platte, die ich mir von meinem eigenen Geld zugelegt habe, war „Destroyer“ von Kiss im Frühling 1976, und es ist immer noch eines meiner Lieblingsalben. Es hat so ziemlich die Formel eines Albums, die ich als Modell nehme und an der ich meine eigene Arbeit messe. Hut ab für den genialen Mastermind Mr. Ezrin.«

Was hat dich zum Metal gebracht?

»Das ist schwer zu sagen. Ich hörte Sweet, Nazareth und Deep Purple, bevor ich Kiss entdeckte, und das veränderte mein Leben für immer. Um die Wahrheit zu sagen, war es nicht so sehr ihre Musik, sondern vielmehr das ganze Phänomen und ihr unvergleichliches, grandioses Image.«

Sind deine Eltern stolz auf dich, oder hätten sie dich lieber in einem regulären Job gesehen?

»Ich schätze, zu einem gewissen Grad war ihr größter Wunsch der, den wohl alle Eltern haben: dass ihre Kinder zu eigenständigen, anständigen Menschen heranwachsen, die auf ihren eigenen Füßen stehen können und ihren eigenen Weg gehen, damit sie glücklich werden. Ich erwartete aber nicht von ihnen, dass sie mich verstehen, und habe schon lange den Versuch aufgegeben, es ihnen zu erklären. Als sogenanntes Problemkind wusste ich, dass mein Vater befürchtete, ich würde als obdachloser Junkie oder tot enden, aber einige Monate bevor er vor 15 Jahren an den Folgen seiner Alkoholsucht starb, erfuhr er, dass ich meiner Mutter eine ziemlich große Summe Geld geliehen hatte, als sie sich ein Haus kaufte, und das hat irgendwie gereicht, ihn zu überzeugen. Ich war glücklich, weil er glücklich war. Aber es ist traurig, dass es nur diese eine Sprache gibt, die jeder versteht, und das ist Geld.«

Was war der schlimmste Job, den du je hattest?

»Dimmu Borgir, hahaha! Nein, war nur Spaß. Nach der High School hatte ich zwölf Jobs in zwei Jahren und wurde bei allen gefeuert. Ich war wirklich furchtbar und konnte mich nicht dazu motivieren, meine wertvolle Zeit damit zu vergeuden, diesen langweiligen Mist zu erledigen, wenn ich doch so gern Musik machen wollte. Ich habe alle möglichen normalen Jobs angenommen und sie ausnahmslos gehasst. Ich weiß noch, wie ich, nachdem ich bei meinem zwölften Job entlassen worden war, meiner Mom erzählte, dass ich die Schnauze voll hätte. Ich konnte diesen Scheiß nicht länger machen. Ich hätte mich eher an Ort und Stelle umgebracht, als einen weiteren Tag meines Lebens zu arbeiten. Ich studierte dann ein Jahr, bevor ich im Sommer 1989 bei King Diamond einstieg.«

Welcher Arbeit würdest du denn am ehesten nachgehen, wenn du kein Musiker wärst?

»Ich würde sicherlich irgendetwas Kreatives machen, wie Kunst oder Design. Was ich jetzt übrigens auch tue.«

Wenn du für einen Tag Präsident sein könntest, was würdest du tun?

»Heilige Scheiße! Erst mal würde ich die Dauer meiner Präsidentschaft auf acht Jahre ausweiten. Dann würde ich alles auf links krempeln und sozusagen mit einem Flammenwerfer die Schränke aufräumen, während ich ´Some Heads Are Gonna Roll´ von Judas Priest singe...«

Denkst du, dass Metalbands politisch sein sollten?

»Mehrdeutigkeit, Satire und clever versteckte Botschaften sind in Ordnung und der richtige Weg, wenn du mich fragst, aber geradeheraus politische Propaganda zu betreiben, gehört nicht in den Metal, finde ich. Sicher ist nichts Falsches dabei, für das, was du glaubst, einzutreten, und es sorgt für eine weitere Dimension, wenn deine Songtexte Substanz und einen tieferen Sinn für diejenigen haben, die sich gern damit beschäftigen.«

Was war das verrückteste oder coolste Geschenk, das ein Fan dir je überreicht hat?

»Ob du es glaubst oder nicht, da gibt es echt verrückten Scheiß! Einmal kam ein Mädchen mit einem kleinen Plastikbecher auf mich zu, sagte, sie hätte gern mein Sperma, und bot mir an, es abzusaugen, wenn du verstehst, was ich meine... Ich schätze, sie wollte sich damit selbst befruchten und mein Kind bekommen. Ich muss wohl nicht sagen, dass ich abgelehnt habe. Aber sie war echt sexy, eine echte Granate, also fickte ich sie letztlich... in den Arsch. Zur Sicherheit.«

Hast du irgendein Ritual, bevor du auf die Bühne gehst?

»Nö, nicht wirklich, abgesehen von dem üblichen satanistischen Ritual natürlich, bei dem wir uns gegenseitig anal fingerficken und dabei Bon-Jovi-Songs pfeifen.«

Was war das Verrückteste, das du je getan hast, um eine Frau rumzukriegen?

»Einmal habe ich versucht, meine Persönlichkeit zu verstellen und wie ein normaler Kerl zu wirken. Das waren die schrecklichsten fünf Minuten meines Lebens.«

Erinnerst du dich noch an das schlimmste Konzert, das du jemals gespielt hast?

»Ja, kleine Momentaufnahmen, bevor ich wegen massiven Alkoholkonsums ohnmächtig wurde und offenbar rückwärts von der Bühne gefallen bin. Später habe ich in den Swimmingpool gekotzt und ähnlichen Mist gemacht, wie man mir erzählte. Das passierte in meiner Teenagerzeit sehr oft, bevor ich weiser wurde und realisierte, dass D.U.I., also Drumming Under The Influence (dt.: Drums spielen unter dem Einfluss bewusstseinsverändernder Substanzen - Red.), die schlimmste Kombination aller Zeiten ist.«

Und was war das schlimmste Konzert, das du als Zuschauer gesehen hast?

»Abgesehen von Sachen, die ich wirklich unbedingt sehen will, gehe ich schon seit einigen Jahren nicht mehr so oft zu Konzerten. Ich schätze, das kommt durch mangelndes Interesse oder ist eine Berufskrankheit. Vermutlich war es Lita Ford beim Sweden Rock vor einigen Jahren. Es war zum Zusammenkrümmen, und sie tat mir so leid. Generell habe ich es seit 20 Jahren rigoros abgelehnt, meine alten Helden wie Kiss und Manowar live zu sehen, weil ich lieber die Erinnerung an ihre besten Zeiten unbefleckt in meinem Kopf bewahre, als den Fall von ihrem hohen Podest zu beobachten, auf das ich sie einst gestellt habe. Okay, mir ist vollkommen bewusst, dass wir alle älter werden und die Zeit ihren Tribut fordert, aber ich sehe mir viel lieber alte Fotos von der Sexbombe Brigitte Bardot von 1970 an als aus der heutigen Zeit, wenn du verstehst, was ich meine.«

Hast du schon mal ein richtig schmalziges Liebeslied geschrieben, um eine Frau zu beeindrucken?

»Ich glaube nicht. Ich habe zum 60. Geburtstag meiner Mutter einen Song geschrieben und aufgenommen. Man könnte vielleicht sagen, dass das eine Art Liebeslied war. Sie war unglaublich glücklich und stolz, dass ich das für sie getan hatte, und das ist alles, was zählt.«

Bist du ein religiöser Mensch?

»Nein, muss man dafür nicht total hirntot sein? Das bin ich nicht.«

Mal angenommen, du könntest Gott oder den Teufel treffen, wen von beiden würdest du dir aussuchen, und was würdest du ihn fragen?

»Hey, Mister Teufel, bist du ein Fan von Rock´n´Roll und Metal? Du weißt, dass das seit den fünfziger Jahren als Teufelsmusik bezeichnet wird, oder?«

Mit welcher berühmten Person, egal ob tot oder lebendig, würdest du gern mal ein Schwätzchen halten?

»Schwere Frage. Vorausgesetzt, es passiert unter den richtigen Voraussetzungen mit gegenseitigem Respekt im Gegensatz zu Fanboy vs. Rockstar, und wenn wir einen ganzen Tag ohne Ablenkungen zur Verfügung hätten, würde ich wahrscheinlich Paul Stanley wählen. Ich habe ihn schon mal kurz getroffen und hatte die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, aber ich entschied mich dagegen. Was soll ich sagen, das er nicht schon eine Million Mal gehört hat? Steve Jobs oder Nostradamus wären auch nett.«

Was sind deine besten und schlechtesten Eigenschaften?

»Wahrscheinlich ist das ein und dasselbe. Es ist ein zweischneidiges Schwert, so wie jede Geschichte zwei Seiten hat. Ich würde sagen, meine Intensität, Hingabe und Ungeduld.«

Welche Musikrichtung kannst du absolut nicht ausstehen?

»Definitiv R&B, und ich rede hier nicht von James-Brown-R&B, sondern dem moderneren Zeug. Ich kann es nicht hören, also verstehe ich es auch nicht und sehe keinen Sinn darin, denn es gibt keine Hooks, an die man sich hängen kann, wenn man nicht gerade eine Entschuldigung sucht, um zu tanzen, und einen Beat braucht. Das einzig Gute daran sind die heißen Chicks, die ihren Hintern zeigen.«

Bevorzugst du CDs, LPs oder mp3s?

»Derzeit konsumiere ich Musik ganz bequem über Spotify oder YouTube, und ich höre selten Musik. Aber als Format bin ich absolut für Vinyl.«

Was sind die peinlichsten Platten in deiner Sammlung?

»Ich habe und mag alles mögliche Zeug, von dem ich denke, dass „Metalheads“ es nicht freiwillig zugeben würden, wie Boney M., Baccara, Abba, Depeche Mode, Mireille Mathieu, Tom Jones, Ultravox und so weiter. Ich kann nicht sagen, dass mir irgendwas davon peinlich ist, aber ich schätze, wenn du ein junger, unsicherer Metalhead bist, der das Bedürfnis hat, zu einer bestimmten Gruppe bzw. Subkultur zu passen und alles andere auszuschließen, würdest du dich schämen und nur heimlich andere Sachen hören. So pathetisch das auch ist, ich habe tatsächlich viele alte Freunde, die rückblickend zugaben, früher heimlich Alphaville, Dead Or Alive, E-Type und so weiter gehört und diese Platten vor ihren Metal-Brüdern und -Schwestern versteckt zu haben, hahaha!«

Gibt es außer der Musik etwas, ohne das du nicht leben könntest?

»Sex und Salzlakritze.«

Wärst du ein guter Hausmann?

»Hahaha! Teufel, nein.«

Wann hast du dich das letzte Mal komplett zum Deppen gemacht?

»Tja, das passiert schon ab und zu. Besonders wenn man wie ich diesen kleinen Filter zwischen Hirn und Mund nicht hat. Ich muss mich ständig daran erinnern: „Pass auf, was du sagst, damit du nicht sagst, was du denkst“, und deshalb habe ich mir auch das Wort „IDIOT!“ auf meinen linken Unterarm tätowieren lassen.«

Was für Filme siehst du dir gern an?

»Gute, egal aus welchem Genre. Das gilt auch für Musik. Einige meiner Favoriten sind „Big Fish“, „Omen“, „Forrest Gump“, „Warrior“ mit Tom Hardy, „Happy Gilmore“ und „Die fabelhafte Welt der Amelie“, um nur ein paar zu nennen.«

Wenn du einen Superhelden oder einen Bösewicht spielen müsstest, wen würdest du dir aussuchen?

»Interessante Frage. Ich könnte wohl zwei oder drei Dutzend nennen, die ich gern darstellen würde. Thor, Wolverine, Dracula... Vielleicht nicht unbedingt Catwoman oder Wonder Woman, aber ansonsten würde ich so ziemlich alles gern spielen.«

Gibt es ein anderes Land außer Schweden, in dem du gern leben würdest?

»Ja, es gibt tatsächlich sogar mehrere Länder, in denen ich gerne für eine Weile leben würde, um zu sehen, ob es für einen dauerhaften Aufenthalt reicht. Ich habe die Nase von Schweden aus unterschiedlichsten Gründen ziemlich voll.«

Was würdest du tun, wenn du einen Tag lang unsichtbar sein könntest?

»Hahaha, witzige Frage! Fast wie in einem Teenie-Magazin, wo die Jungs antworten würden: „Ich würde mich in die Garderobe der Mädchen schleichen.“ Aber wenn ich heutzutage unsichtbar wäre, jedoch trotzdem Dinge berühren und bewegen könnte, würde ich vermutlich rumlaufen und einige Leute windelweich schlagen, Banken ausrauben, riesige Summen Geld auf einige meiner geheimen Konten überweisen und schließlich einige Politiker-Arschlöcher umbringen. Ich würde diesen Tag definitiv gut durchplanen, um so viel davon zu haben wie möglich.«

Wie würde dein perfekter Tag aussehen?

»Ohne Verpflichtungen in meiner Einsamkeit, ich würde Songs schreiben und hätte einen kreativen Schub. Dann würde ich mit den Hunden an einem sonnigen Nachmittag im Wald spazieren gehen, bevor ich das selbstgekochte Abendessen meiner Frau esse und ein paar Drinks in einer netten, ruhigen Bar mit guten Freunden nehme, nur um dann nach Hause zurückzukehren und uns das Hirn wegzuvögeln, bevor ich einschlafe.«

Was ist dein schlimmster Alptraum?

»Was gerade in der Welt passiert.«

Wenn du nur noch eine Woche zu leben hättest, was würdest du tun?

»Hmm, rollen wir das mal von hinten auf. Ich würde die größte Abschiedsparty aller Zeiten schmeißen, zu der alle Leute eingeladen sind, die ich kenne, und in den frühen Morgenstunden würde ich versuchen, alle Drogen zu konsumieren, die es gibt, und eine Überdosis nehmen. Vorher in der Woche würde ich Zeit mit meiner Frau verbringen, all meine noch unveröffentlichte Arbeit sammeln und ihr zeigen, wie sie sichergeht, dass alles richtig fertiggestellt und posthum veröffentlicht wird. Vermutlich würde ich ein „Danke und auf Wiedersehen“-Video drehen, das rauskommt, nachdem ich weg bin. Irgendwann zwischendurch würde ich versuchen, der Welt einen Gefallen zu tun, und einige niedere Kreaturen umbringen, die es nicht verdienen, auf der Erde zu wandeln. Ich merke gerade, dass in meinen Antworten jede Menge Morde vorkommen, wie bei der Serie „Dexter“, aber es ist ein schmutziger Job, und irgendjemand muss ihn machen. Und so, wie ich das sehe, tut es momentan keiner.«

Welcher Song soll bei deiner Beerdigung gespielt werden?

»Tatsächlich habe ich bereits eine Playlist in meinem Testament vermerkt, inklusive ´Gates Of Valhalla´ von Manowar, ´Return To Fantasy´ und ´Sweet Freedom´ von Uriah Heep und ´Bridge Over Troubled Water´ von Simon & Garfunkel. Und wenn es möglich ist und ich früh sterbe, möchte ich, dass Candlemass auf meiner Wikinger-Beerdigung ´Samarithan´ spielen. Mit oder ohne Messiah.«

www.facebook.com/snowyshawofficial

Bands:
DENNER/SHERMANN
Autor:
Alexandra Michels

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