Schwatzkasten


Foto: Stefan Hackländer

Schwatzkasten 17.04.2019, 08:00

GAAHLS WYRD - Schwatzkästchen: Gaahl

Mit der norwegischen Black-Metal-Kapelle Gorgoroth sorgte GAAHL neun Jahre für Furore. Die Band zerstritt sich, landete vor Gericht, und Gaahl verließ die Band. Nach einigen Nebenprojekten, auch außerhalb der Metal-Szene, ist Gaahl nun mit einem neuen Projekt namens Gaahls Wyrd zurück auf der Bühne. Zeit, dem eigenwilligen Norweger etwas auf den Zahn zu fühlen.

Gaahl, du bist in Espedal aufgewachsen, und in der Doku „True Norwegian Black Metal“, die 2007 erschienen ist, hieß es, dass dort zu dieser Zeit nur zwei Kinder lebten. Ist das richtig?

»In Espedal ist es wirklich nur meine Familie. In der Gegend, aus der wir kommen, gibt es tatsächlich nur ein paar Leute. Aber ehrlich gesagt ist das ziemlich normal für Norwegen, deswegen sehe ich das als nicht sonderlich spektakulär an.«

Wie war dein erster Kontakt zu Metal oder im Spezifischen zu Black Metal?

»Black Metal hat ja damals noch gar nicht existiert bzw. nicht das, was ich heute als Black Metal bezeichnen würde. Er wurde eigentlich erst geformt und benannt, nachdem ihn jemand wahrgenommen hatte. Die Norweger hatten damals eine Menge unterschiedlicher Individuen, und es war irgendwie der Zeitgeist. Aber davor waren es natürlich Celtic Frost und Black Sabbath, die diesen Musikstil mitgeprägt haben.«

War es da, wo du gelebt hast, überhaupt möglich, an Musik zu kommen?

»Oh ja! Wenn du eine Menge Zeit mit dir selbst verbringst, was die meisten Menschen im ländlichen Norwegen machen, entwickelst du ein gutes Talent dafür, Musik aufzuspüren.«

Aber es gab in deiner Nähe keine Plattenläden?

»Das meiste passierte damals per Post, aber auch durch Magazine, die Bands empfohlen haben. Musik war eigentlich immer zugänglich, und gerade Metal und Hardrock waren besser zu bekommen, als du erwarten würdest.«

Wenn man auf deine bisherige Laufbahn blickt, welche Band hat die größte Veränderung bei dir als Person bewirkt?

»Die erste Saat ist immer die wichtigste. Hier in Essen, wo wir gerade sitzen, habe ich beispielsweise 1998 die erste Show mit Gorgoroth gespielt. Mit Trelldom wollte ich nie Live-Shows absolvieren, sondern das Ganze eher auf den Proberaum beschränken. Als ich die Gruppe auflösen wollte und die Bandmitglieder rausgeschmissen habe, beschloss ich dann doch irgendwie, die Musik aufzunehmen, und danach habe ich neue Musiker gefunden. Alles hat seine Bedeutung und seinen Zusammenhang, z.B. sind God Seed eine direkte Fortsetzung von Gorgoroth. Bei den Texten würde ich sagen, dass Trelldom ein Einfluss auf alle Bands hatten, in denen ich gespielt habe. Sowohl Gorgoroth und God Seed als auch Wardruna sind textlich auf Trelldom zurückzuführen. Somit sind Trelldom auf jeden Fall die Wurzel von allem.«

War es eine harte Zeit für dich, als ihr all den Ärger um den Namen Gorgoroth hattet und King Ov Hell und du euren Gitarristen Infernus rausgeschmissen habt?

»King und ich hatten schon vor dem Album „Ad Majorem Sathanas Gloriam“ überlegt, die Platte unter dem Namen God Seed zu veröffentlichen, was ja auch der Name eines Songs auf dem Album ist. Ich wollte meine Verbindung zu dieser Band töten, sonst wünschen sich die Leute dich immer zurück in die Band. Ich spielte dann also die Rolle von Loki in diesem Prozess. Ich wollte diese Band Gorgoroth in keiner Weise mehr, auch den Namen nicht. Ich habe ehrlich gesagt schon 2004 darüber nachgedacht, die Gruppe zu verlassen. Aber wenn du etwas liebst, ist es hart, zu gehen.«

Verfolgst du Gorgoroth und ihr Treiben eigentlich noch?

»Nein, aber ich stehe in Kontakt zu vielen Menschen, die mit der Band zu tun haben. Beispielsweise mit Ørjan von Taake, der ja bei den Live-Konzerten von Gorgoroth singt. Ich höre generell keine Musik. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich schlecht darin, überhaupt etwas zu verfolgen.«

Also gibt es keine Plattensammlung bei dir zu Hause?

»Ich hatte mal eine. Aber ich glaube, ich habe seit 1999 kein Album mehr gekauft.«

Welches Album war das?

»Puh, keine Ahnung. Vermutlich etwas von David Bowie.«

Also brauche ich dich nach YouTube oder Spotify gar nicht erst zu fragen?

»Nein, nichts davon. Das ist nicht meine Welt.«

Würdest du dich denn selbst überhaupt als Musikfan bezeichnen, oder magst du es nur, sie zu erschaffen und zu spielen?

»Ich würde mich als Erschaffer bezeichnen. Ich bin nicht wirklich ein Zuhörer.«

Malst du denn noch? In der damaligen Doku konnte man deine Bilder sehen, und wenn ich es richtig mitbekommen habe, hattest du auch einige Ausstellungen.

»Natürlich! Und ja, ich hatte Ausstellungen. Eine war bei einer Metal-Tattoo-Convention im Jahre 2015. Und dann wurde ich zur norwegischen Botschaft nach London eingeladen und hatte auch dort eine Ausstellung. Jetzt gerade arbeite ich an meiner eigenen Galerie, aber da werde ich natürlich auch andere Künstler ausstellen. Das ist im Bryggen-Viertel in Bergen.«

Und ein Weinliebhaber bist du auch immer noch?

»Oh ja, sehr!«

Hast du dir schon mal überlegt, da auch etwas zu erschaffen wie Satyr von Satyricon, oder bist du in dem Bereich nur ein passiver Genießer?

»Ich habe wirklich den größten Respekt vor Leuten, die Wein produzieren, und wir haben ja keinen Traubenanbau in Norwegen. Es verlangt einfach einen Riesenhaufen Arbeit, und ich überlasse das lieber den Leuten, die wissen, was sie da machen. Das ist wirklich ein Full-Time-Job. Ich trinke den Wein lieber.«

Als weitere Aktivität neben der Musik hast du ja auch mal geschauspielert. Wie war das für dich?

»Ich habe im Film „Flukt“ mitgespielt. Als ich eine Zeit lang mit Metal aufgehört habe, wurde ich eingeladen, im Theater zu spielen, also dachte ich mir, dass ich wirklich etwas machen kann, das ich nicht selbst erschaffe. Das führte dann irgendwie zu diesem Film. Das Problem bei diesen Sachen ist, dass du eine ewig lange Zeit eingespannt bist, wenn du so was machst. Du musst ja in dem Film immer gleich aussehen, und wenn ich mal etwas an mir verändern wollte, ging das nicht. Aber diese Freiheit brauche ich. Auf der anderen Seite war es eine gute Erfahrung.«

www.facebook.com/gaahlswyrd

Bands:
GAAHLS WYRD
Autor:
Stefan Hackländer

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