Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews

LACUNA COIL , DESERTED FEAR , CIVIL WAR , KAMBRIUM , ASPHYX , KADAVAR , GRAVE DIGGER , LORD OF THE LOST , ICED EARTH , OST+FRONT , BLIND GUARDIAN , SERUM 114 , HEAVEN SHALL BURN , PAIN , THE NEW BLACK , MOONSPELL , ELUVEITIE , ARCH ENEMY , MANTAR , EWIGHEIM , BEYOND THE BLACK , TANK , MR. IRISH BASTARD , FIRKIN , IN EXTREMO , RAGE , DARK TRANQUILLITY , OHRENFEINDT , KORPIKLAANI , THE VINTAGE CARAVAN - ROCKHARZ OPEN AIR 2017

Sommerzeit ist Festivalzeit, und wenn das Rockharz Festival im Harz mit einem derart starken Line-up zum Tanz bittet, kann man als Metal-Fan natürlich unmöglich Nein sagen.

Bekanntlich gibt es zwei Motivationen, auf Festivals zu fahren. Entweder man will auf Teufel komm raus Party machen und die ein oder andere Lieblingsband beklatschen, oder man beschließt, möglichst viele Combos zu sehen und möglichst wenig Zeit mit der notwendigen Aufnahme von Lebensmitteln zu vergeuden. Wir entscheiden uns für die zweite Variante und sehen bereits um 12:25 Uhr die bestens aufgelegten APRON, die mit ihrem sympathischen Zirkus-Metal eine beachtliche Fanschar vor der Bühne versammeln können.

THE NEW BLACK aus Würzburg spielen sich solide durch ihr hardrockiges Set und fallen insbesondere durch ihren äußerst aktiven Bassisten Günter Auschrat auf. Die Dark-Metaller von NACHTBLUT eröffnen den Reigen der vielen geschminkten Theater-Metal-Bands und haben mit ihren atmosphärisch dichten Songs im hellen Sonnenlicht Schwierigkeiten, für entsprechende Stimmung zu sorgen.

Die Finnen WOLFHEART geben von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas, um die stetig größer werdende Menge vor der Bühne zu begeistern.

Sehr viele Fans sind bei CIVIL WAR zugegen, bei denen man insbesondere Drummer Daniel Mullback zu jeder Sekunde den Spaß an der Sache anmerkt. Spielfreude ist hier das Zauberwort und der Power Metal der Schweden sorgt für die ersten Crowd-Surfer des Tages.

Danach dann die norddeutschen Shooting Stars MANTAR, die trotz ihrer reduzierten Duo-Besetzung für mehr Energie auf der Bühne sorgen als manche Band mit fünf Musikern zu Wege bringt. Hanno und Erinc prügeln auf ihre Instrumente ein, als ob es kein Morgen gäbe und werden vom Publikum völlig zu recht gefeiert.

RAGE eröffnen mit 'Don't Fear The Winter' und von Beginn an fressen die Fans Sänger Peavy aus der Hand. Seit 33 Jahren hat Peavy seine Band jetzt schon am Start, und es verdient Respekt, wie viel Spaß der Mann offensichtlich immer noch hat. Wieder einmal hat er der Band eine Verjüngungskur verpasst und mit Marcos Rodriguez einen Gitarristen der Extraklasse am Start.

Es folgen die Bay-Area-Thrasher von DEATH ANGEL, die mit Sänger Mark Osegueda und Gitarrist Rob Cavestany immerhin noch zwei Originalmitglieder aus den Achtzigern in ihren Reihen haben. Völlig zu Unrecht blieb ihnen damals der große Durchbruch versagt, denn was sie hier und heute auf der Bühne zelebrieren, ist eine Thrash-Metal-Show der Extraklasse.

Danach haben es HAGGARD sichtlich schwer und hinterlassen mit ihrem orchestralen Metal einen zwiespältigen Eindruck. Zu konstruiert wirkt das Wechselspiel der düsteren Growls von Assis Nasseri und dem glockenklaren Sopran von Janika Groß. Was zu Hause auf der Stereoanlage gut funktioniert, muss also nicht zwangsläufig Festival tauglich sein.

Mit den Italienern LACUNA COIL geht es mit einer der populärsten Bands aus dem Bereich Gothic Metal weiter und nicht nur was den Theateraspekt betrifft, ist die Band um Sängerin Cristina Scabbia weit vorn, sondern hat auch musikalisch einiges zu bieten.



Etwas mehr Schwung würde dafür sorgen, die Fans völlig zu begeistern. Die Überraschung am frühen Abend sind dann KADAVAR aus Berlin, die zwar eher Rock als Metal sind, aber mit ihrer unglaublichen Spielfreude an diesem Abend viele neue Fans gewonnen haben dürften. Welche Energie, welche Kraft, so dass man vor dem Hippie-Trio aus der Hauptstadt gern den Hut zieht.

Der erste Headliner des Festivals ist für viele Fans sicherlich ARCH ENEMY, denn schlagartig gibt es vor der Bühne kein freies Plätzchen mehr und die Fans hängen von der ersten bis zur letzten Sekunde an den Lippen von Alissa White-Gluz, die zugegebenermaßen eine Ausnahmeerscheinung in Punkto Stageacting und Gesang ist. Die Band ist extrem gut eingespielt und über die Fähigkeiten eines Michael Amott braucht man sicherlich keine Worte zu verlieren. Die Band spielt sich souverän durch ihr Schaffenswerk und weiß auch durch eine ansprechende Pyroshow zu begeistern.



In Sachen Pyros setzen dann jedoch IN EXTREMO noch einmal eins drauf, als sie für die ersten zehn Songs zunächst alle Fotografen aus dem Bühnengraben verbannen. Der Job der freundlichen Security-Mitarbeiter des Festivals besteht beim Gig der Folk-Metal-Helden hauptsächlich darin, zu verhindern, dass die immer zahlreicher werdenden Crowdsurfer Opfer der vor der Bühne platzierten Flammenwerfer werden. IN EXTREMO begeistern die Fans mit 'Feuertaufe', 'Zigeunerskat', 'Spielmannsfluch' und zahlreichen weiteren Hits, so dass kaum einer der Anwesenden das Festival vor der letzten Zugabe verlassen haben dürfte.
Der folgende Freitag beginnt mit einer großen Überraschung.

Die niedersächsischen Death-Metaller KAMBRIUM laufen um die Mittagszeit zu Hochform auf und versammeln überraschenderweise bereits eine große Menge Fans vor der Bühne. Der melodische Death-Metal der jungen Herren braucht sich zu keiner Zeit vor den Größen der Szene zu verstecken und lässt auf eine große Zukunft hoffen.

CYPECORE läuten die Flut der verkleideten Theaterbands des zweiten Tages ein und erstaunlicherweise wirkt das post-apokalyptische Konzept der Mannheimer trotz des grellen Sonnenlichtes recht stimmig und souverän vorgetragen.



EWIGHEIM wirken wie eine schlechte Eisbrecher-Kopie und bleiben blass. Für Abwechslung sorgen die Ungarn FIRKIN, die mit ihrem Ausnahmeflötisten und ihrer Teufelsgeigerin ein unglaubliches Feuerwerk an populären Folksongs und eigenen Hits abfeuern. 'Drunken Lullabies' und 'Whiskey In The Jar' sind nur zwei der zahlreichen Hits, bei denen Sänger Andy leichtes Spiel mit dem dankbaren Publikum hat.

Die Hamburger OHRENFEINDT werden von den Harzer Fans mit großen Jubel empfangen und rocken mit ihrem deutschsprachigen Hardrock richtig ab. Es muss eben nicht immer geballert werden, denn manchmal ist ein guter Song einfach mehr wert und lustig sind OHRENFEINDT allemal.

Neue Deutsche Härte ist nicht mein Ding und OST+FRONT sind weder spannend noch provokant, sondern musikalisch eintönig mit fragwürdigem Konzept. Auch VARG versuchen mit ihrer Version des kostümierten Death Metal zu punkten und wissen immerhin ihre Fans vor der Bühne zu begeistern.

Überraschend gut gefallen LORD OF THE LOST um den charismatischen Sänger Chris Harms, von denen ich nichts erwartet hatte und die mit druckvollen Dark-Rock und stimmigem Konzept zu begeistern wissen.

Dann betreten BEYOND THE BLACK die Bühne und machen deutlich, dass es in Deutschland doch eine wirklich gute Symphonic-Metal-Band gibt. Sängerin Jennifer Haben verfügt trotz ihrer zierlichen Statur über einen unglaublichen Stimmumfang und die Herren an ihrer Seite legen sich mächtig ins Zeug, um das Publikum auf ganzer Linie zu begeistern.



Weiter geht es mit den schwedischen PAIN, dem Projekt des Erfolgsproduzenten Peter Tägtgren, die sich mit ihrem abwechslungsreichen Alternative- und Industrial-Sound erfreulich vom Rest des Festivalprogramms abheben und für ein weiteres Highlight des Tages sorgen.

MONO INC. aus Hamburg kommen, sehen und siegen und hatten mit Katha Mia auch noch die einzige Schlagzeugerin des Festivals am Start, die ihren Job ebenso souverän wie kraftvoll erledigt. Auf Dauer sind die Songs der Band doch zu wenig abwechslungsreich, so dass der Auftritt doch an Schwung verliert.

ICED EARTH sind nun auch schon seit dreizig Jahren im Geschäft und auch wenn von der Originalbesetzung nur noch Gitarrist Jon Schaffer übrig ist, kommt der Power Metal der Band ebenso zeitlos wie kraftvoll rüber. Wenn Bands mit so viel Freude alt werden, haben sie auch nach vielen Jahrzehnten Bandgeschichte noch ihre Daseinsberechtigung.

Die Abräumer des Jahres sind dann erwartungsgemäß HEAVEN SHALL BURN, die mit ihrem Auftritt deutlich machen, wer hier und heute Chef im Ring ist. Die Power dieser Band auf der Bühne ist einfach unglaublich und kaum mit Worten zu beschreiben. Tonnenweise Pyros werden abgebrannt, so dass die Temperatur auf der Bühne kaum zu ertragen gewesen sein darf und trotzdem legen Marcus Bischoff und seine Mannschaft ein Tempo vor, dass einem Angst und Bange wird. Hit folgte auf Hit und HEAVEN SHALL BURN sind definitiv die Nummer eins der deutschen Metalcore-Szene.

Der dritte Festivaltag wird für uns von DESERTED FEAR eingeläutet und es ist verblüffend zu sehen, wie groß der Fanclub der Dresdner Death-Metaller zur Mittagsstunde schon ist.

Die Veteranen von TANK schalten ein bis zwei Gänge zurück und rocken sich durch die fast vier Jahrzehnte ihres Schaffens, wobei aber auch deutlich wird, warum ihnen der große Erfolg stets versagt bleibt. 'This Means War' und andere Songs kennt man zwar, aber irgendwie bleiben nicht zu viele Lieder der britischen Urgesteine im Kopf hängen.

Die große Überraschung des Tages sind THE VINTAGE CARAVAN aus Island, deren psychopathischer Sänger und Gitarrist Óskar Logi Ágústsson in Anbetracht der Tageszeit für eine sensationell euphorische Stimmung beim Publikum sorgt. Nicht wenigen der Anwesenden bleibt der Mund offen stehen, bei der psychedelischen Power, die das Trio aus dem hohen Norden mit ihrem Bluesrock entfesselt.



Für den irischen Aspekt sorgen am Sonnabend MR. IRISH BASTARD, deren Auftritt zu einer großen Party ausufert, zumal der Irish Bastard und seine Band vom Publikum fleißig mit frischem Bier versorgt wird, da das Bandbier im Backstageraum vergessen wurde. Die Band donnert einen Hit nach dem anderen ins Publikum und sind zu diesem Zeitpunkt sicherlich Sieger der Herzen.

Die Berliner SERUM 114 sollen auf dem Festival wohl die Fahne des Punk hochhalten und schlagen sich vor den versammelten Metallern durchaus achtbar. Mir sind die Songs der Band allerdings zu sehr Stadionrock und eher auf Mitsingen, als auf Inhalt ausgelegt, aber das ist sicherlich Geschmackssache.

Die Holländer ASPHYX liefern dann das ultimative Death-Metal-Massaker ab. Sänger Martin van Drunen sorgt mit seiner Ansage „Wir sind nicht hier zum Party machen, wir sind hier um zu vernichten!“, eindeutig für das Zitat des Festivals.

Die Portugiesen MOONSPELL feiern ihr 25-jähriges Bestehen und rocken mit entsprechend guter Laune kräftig ab. Die eingängige Stimme von Fernando Ribeiro trägt bis in die hintersten Reihen und irgendwie fühle ich mich an Justin Sullivan von New Model Army  erinnert.

Nach einer kurzen kulinarischen Pause stehen dann GRAVE DIGGER auf der Bühne. Mit alten Helden ist das ja immer so eine Sache. Man freut sich im Vorfeld auf den Auftritt und kann eigentlich nur enttäuscht werden. Nicht so bei Herrn Boltendahl, der mit diesem Gig seiner Band die Messlatte in Sachen Spielfreude in unerreichbare Höhen schraubt. Natürlich tobt er nicht mehr wie ein Zwanzigjähriger über die Bühne und 'Heavy Metal Breakdown' kommt auch nicht mehr so schnell wie 1984 daher, aber die jederzeit spürbare Freude der Band macht diese Kleinigkeiten mehr als wett. Hits hat die Band genug am Start und da die Fans eh jeden Song auswendig kennen, hätte sich Chris Boltendahl zwischendurch auch gern mal eine Pause gönnen und seinen Erfolg genießen können.

Die Finnen KORPIKLAANI sind für mich weder Fisch noch Fleisch. Zu konfus wirken ihre Songs, obwohl sie bei ihren Fans natürlich großartig ankommen. Bei mir will der Funke trotz des finnischen Sympathie-Bonus nicht überspringen und so bildet glücklicherweise 'Iron Fist' einen versöhnlichen Abschluss.

DARK TRANQUILLITY-Sänger Mikael Stanne ist eine Frohnatur und zeigt sich von den Reaktionen, die seine Band bei den Fans auslöst, ehrlich begeistert. Die Schweden brennen ein regelrechtes Hitfeuerwerk ab und können mit ihrer energiegeladenen Performance auf der ganzen Länge ihres Gig überzeugen.



Danach haben die Schweizer Folk-Metal-Helden ELUVEITIE leichtes Spiel und können bei einsetzender Dunkelheit – unter vollem Einsatz ihrer Lightshow – auf die wahrscheinlich nahezu komplett anwesende Menge der 15.000 Festivalbesucher herunterblicken. Ein riesiges Meer an hochgereckten Armen streckt sich der Band entgegen und Frontmann Christian Glanzmann dirigiert die Menge der Fans souverän durch das Programm der Band. Das neunköpfige Orchester ist perfekt eingespielt und dürfte in dieser Form sicherlich niemanden enttäuscht haben.



Headliner des Tages sind BLIND GUARDIAN, auf deren Auftritt sicherlich nicht wenige Fans sehnsüchtig gewartet haben. Leider hat die Band sich dazu entschlossen, das „Imaginations From The Other Side“-Album komplett zu spielen und so auf das erwartete Hitfeuerwerk bewusst verzichtet (kann man natürlich auch anders sehen – Red.). Über die moderne Unsitte, dass Bands meinen, irgendwelche Alben am Stück live spielen zu müssen, könnte man an andere Stelle lange diskutieren. Fakt ist jedoch, dass sicherlich jeder Fan sein eigenes Lieblingsalbum der Band hat und somit an diesem Abend viele Songs vermisst haben dürfte (jeder Fan? - Red.). Nach dem der Plan umgesetzt ist und Hansi Kürsch und Co. ihre Sache wirklich gut gemacht haben, hat die Band dann ein Einsehen und es gibt mit 'Mirror Mirror', 'The Bard's Song' und 'Valhalla' zumindest noch einige Klassiker zum Abschluss dieses großartig organisierten Festivals zu hören.

Pics: Christoph Lampert

Bands:
ASPHYX
TANK
PAIN
ELUVEITIE
KAMBRIUM
EWIGHEIM
OST+FRONT
LACUNA COIL
CIVIL WAR
DARK TRANQUILLITY
THE NEW BLACK
KORPIKLAANI
MOONSPELL
BLIND GUARDIAN
KADAVAR
FIRKIN
GRAVE DIGGER
DESERTED FEAR
MANTAR
RAGE
MR. IRISH BASTARD
IN EXTREMO
HEAVEN SHALL BURN
LORD OF THE LOST
ARCH ENEMY
OHRENFEINDT
BEYOND THE BLACK
ICED EARTH
THE VINTAGE CARAVAN
SERUM 114
Autor:
Christoph Lampert

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