Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.05.2016

MOTORJESUS , ATTIC , METAL INQUISITOR - Rock Hard Festival: Warm-Up

Lünen, Lükaz

Partytime! Excellent! Dieses Review kann ohne kleine „Wayne´s World“-Referenz nicht auskommen, denn der Auftritt, den der Kollege Peters in Lünen aufs Parkett legt, ist so Eighties as fuck, dass man das Grinsen schwer aus dem Gesicht bekommt. Frisch toupiert und blondiert und mit einer gefühlt quadratmetergroßen Sonnenbrille auf der Nase stakst die Cowboystiefel tragende Föhnwelle zwischen knapp 300 Besuchern im heimeligen Lükaz herum und kann sich so gar nicht erklären, warum er bei seiner Ankunft am Bahnhof von einem lokalen Flaschensammler mit dem Spruch „Machst ja voll auf Rock´n´Roll, oder?“ begrüßt wurde. Dear Jens: This is fuckin´ Lünen, not L.A., Hellweg statt Sunset Strip, okay?

Spätestens als sich in die Düfte der extra vor dem Club aufgebauten Pommes-Schmiede eine eigenartig süßliche Note mischt, ist es dann aber an der Zeit, sich mit dem Wesentlichen zu befassen und den Platz vor der Bühne einzunehmen. ATTIC, deren Debüt „The Invocation“ im Underground seine Kreise gezogen und die Jungs zum wahrscheinlich heißesten Newcomer-Tipp der einheimischen Szene hat avancieren lassen, legen sich mächtig ins Zeug und liefern nebenbei eine Bühnenshow, die diese Bezeichnung tatsächlich verdient. Es gibt Kerzenständer, in denen Weihrauch vor sich hin müffelt (daher die süßliche Note), Backdrops, Kirchenbänke und – natürlich – ein umgedrehtes Kreuz samt Jupp am Hochreck. Die perfekte Atmosphäre für den Auftritt der Mercyful-Fate/King-Diamond-Verehrer, die als besonderes Bonbon sogar zwei neue Songs präsentieren, die Lust auf das zweite Attic-Album machen. Schön auch, dass Gitarrist Katte nach der Show grinsend gesteht, die Bühnen-Devotionalien bei eBay Kleinanzeigen von einer Pfarrerstochter im Rahmen einer Kirchenauflösung geschossen zu haben.
Pünktlich zum METAL INQUISITOR-Gig stolpert mir Peters vor die Füße und schwenkt triumphierend einen Plastikbecher voller Sangria, den er bei der Tanke um die Ecke ersteigert hat, vor meinem Gesicht hin und her. „El Rojo, verstehste, ne? Gnihihihi…“ Ja, ich verstehe. Wahnsinnswitz, den der Sleaze-Pudel über den Fronter der Koblenzer Echtmetall-Institution reißt, der die Jungs und das gut abfeiernde Publikum aber nicht die Bohne juckt. Einzig als der Gitarrenamp von T.P. abraucht und auf der Bühne gefixt werden muss, gibt es kurzfristig Leerlauf, den Sänger El Rojo im Stile eines Vollprofis und sympathischen Entertainers problemlos überbrückt. Wenig später spielt die Technik wieder mit, und das Quintett bringt einen soliden Gig zu Ende, der der Band einige neue Fans beschert haben dürfte.
MOTORJESUS müssen aus familiären Gründen heute auf ihren etatmäßigen Drummer Oliver Beck verzichten. Ersetzt wird er von Martin Below, der aus der Thrash- und Death-Metal-Szene kommt, seine Sache an diesem Abend aber mehr als gut macht und den Mönchengladbachern den oft zitierten zusätzlichen Tritt in den Hintern verpasst. Den kassiert dann endlich auch Peters, als er sich – passenderweise bei ´Fist Of The Dragon´ – in meiner Nähe blicken lässt und den Rest der Show sichtlich angeknockt erlebt. Den Schlusspunkt unter einen rundum gelungenen Abend setzen Motorjesus mit dem gefeierten ´A New War´, ehe sich Bands und Fans das eine oder andere Feierabendbierchen gönnen und gemeinsam an der Bar fachsimpeln. Rock-Hard-Festival-Warm-up-Party im Lükaz? Immer wieder gerne. Am besten schon im nächsten Jahr.

Pic: Jörg Müller

Bands:
ATTIC
MOTORJESUS
METAL INQUISITOR
Autor:
Thomas Kupfer

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