Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 30.08.2019, 14:27

RIOT V - Mannheim, 7er Club

Es ist immer noch kaum zu glauben, dass RIOT V nach dem siebten Todestag ihres früheren Bandleaders aktiver denn je sind. Gerade erst ist das aktuelle Album zur letztjährigen „Thundersteel“-Tour aus Japan erschienen, ist man wie 2018 in unseren Breitengraden als Headliner unterwegs.

Wie im Vorjahr tritt man im Innenhof des Clubs auf und das ist eine wirklich tolle Location mit einer perfekten Bühne. Ärgerlicherweise beginnt die fast zweistündige Show des Headliners mit technischen Problemen, was umso mehr verwundert, weil die beiden Vorbands mit einem klasse Sound aufwarten können. Geboten wird eine Zeitreise durch die umfassende Diskografie der Band, die acht Alben streift und insgesamt 21 Songs bietet. Die ganze Truppe besticht zum Ende der Europatour durch absolute Spielfreude und eine Menge Herzblut.

Im Mittelpunkt der Show steht natürlich Frontmann Todd Michael Hall, der es sich zum Ende des Sets nicht nehmen lässt, sich oberkörperfrei zu präsentieren, ansonsten mit seinem Ausnahme-Stimmorgan beeindruckt und auch die Nummern seiner Vorgänger – wie gewohnt – perfekt interpretiert. Den Namenszusatz "V" hat sich die Truppe wegen der Anzahl ihrer bisherigen Sänger gegeben, die Phase mit Rhett Forrester („Restless Breed“ und „Born In America“) wird aber bedauerlicherweise einmal mehr ausgeklammert. Dafür gibt es mit 'Victory', 'Bring The Hammer Down', 'Magic Maker', 'Altar Of The King' und 'Destiny' selten gespielte Perlen. Höhepunkt des Abends – der eigentlich nur Highlights bietet – ist 'Swords And Tequila', bei dem – wie üblich – das mexikanische Agaven-Getränk vernichtet wird, ein brennendes Schwert zum Einsatz kommt und die Musiker der anderen Bands zum Grande Finale auf die Bühne kommen und Party feiern.

Das Problem der Show, die definitiv zu den besten zählt, die die Anwesenden dieses Jahr gesehen haben dürften, ist der Vergleich zum Auftritt der Amerikaner im Vorjahr. Da standen das „Thundersteel“-Meisterwerk im Mittelpunkt, 25 (!) Songs auf der Setlist und die Spielzeit belief sich auf über zwei Stunden. Bleibt zu hoffen, dass die Veteranen auch im nächsten Jahr wieder im Mannheimer Hafen anlegen und dann bitte in der Setlist auch Material aus der Rhett-Forrester-Phase im Programm haben.

Im Vorprogramm gehen überraschend zuerst INDIAN NIGHTMARE auf die Bühne. Die Multi-Kulti-Truppe aus Berlin ist – auch wenn ihr Debüt auf 2016 datiert – so etwas wie der Newcomer des Jahres. Einmal mehr bietet das Quintett eine coole Show und eine räudige Mischung aus Heavy Metal, Speed Metal und Punk; irgendwo zwischen Infernal Majesty, Razor, Motörhead und Toxic Holocaust zu verorten. Auch wenn Frontmann Poison Snake mit seinem Knochen-Mikro so aussieht, als wenn er täglich einer Tantra- oder Voodoo-Zeremonie beiwohnt, kommt der Mexikaner ultrasympathisch rüber und kann seine Freude über die Publikumsreaktionen kaum verbergen. Zwar braucht die geschminkte Truppe wohl ebenso lange in der Garderobe wie man Bühnenzeit erhält, besser hätte der heutige Abend aber nicht eröffnet werden können.

Motörhead sind leider Vergangenheit und so stellt sich die Frage, wer das Erbe von Lemmy & Co. am besten weiterführt. Wie wäre es mit ASOMVEL aus Harrogate/UK? Das Trio bietet nahezu alles, was Motörhead ausmachte: Bassist und Sänger Ralph geht problemlos als unehelicher Sohn von Lemmy durch und könnte dessen Stiefeletten und Patronengurt abgestaubt haben, bewegt sich allerdings wesentlich mehr als das Original auf der Bühne und kann keine Warzen neben dem Backenbart bieten. Gitarrist Lenny Robinson (vormals auch bei Solstice aktiv) übernimmt den „Fast“-Eddie-Clarke-Part souverän, während der neue finnische Drummer Jani Pasanen eher an Rat Skates von Overkill erinnert. Songs wie 'The Nightmare Ain't Over', 'Every Dog Has It's Day', 'The Law Is The Law', 'Payback's A Bitch' lassen den Motörhead-Spirit erahnen und klingen auch so. Ein cooler Auftritt, der Spaß macht.

Eigentlich hätte der heutige Abend als Festival über die Bühne gehen sollen. Die auf dem Tourplakat angekündigten Night Demon ziehen es heute aber vor, auf der Gamescom in Köln (sehr Metal…) ein Gastspiel zu geben und spielten dafür am Vorabend der heutigen Show ihr eigenes Konzert an gleicher Stelle. Aber auch so endet ein klasse Abend am Merchstand mit einem sensationellen Angebot: Die drei Archives-Doppel-Alben gibt es zusammen für sagenhafte 20 Euro!

SETLIST RIOT V

Armor Of Light
Flight Of The Warrior
Bring The Hammer Down
On Your Knees
Metal Soldiers
Fall From The Sky
49er
Destiny
Johnny's Back
Storming The Gates Of Hell
Bloodstreets
Take Me Back
Altar Of The King
Angel´s Thunder, Devil's Reign
Magic Maker
Heart Of A Lion
Swords And Tequila
+++
Warrior
Thundersteel
Victory
Road Racin'



Bands:
RIOT V
ASOMVEL
INDIAN NIGHTMARE
Autor:
Wolfram Küper

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