Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 29.08.2018

TRANCE , RAVAGE , BLAZON STONE , METAL INQUISITOR , LOUDNESS , WITCHFYNDE , TANKARD , MANILLA ROAD , ANVIL , SHADOWBANE , ANCIENT EMPIRE , DARKNESS , HITTEN , SPEED QUEEN , MORGANA LEFAY , SORCERER , TKO , SYRUS , RIOT V , PSYCHOPRISM - Rest in peace, Mark!

Das 21. HEADBANGER´S OPEN AIR im hohen Norden der Republik geht als das traurigste in die Geschichte der legendären Gartenparty ein. Der Tod von Mark Shelton, 60, der nach dem Konzert seiner Band Manilla Road in der Nacht zum Freitag, dem 27. Juli, einem Herzinfarkt erlag (siehe auch Story weiter vorne im Heft), warf einen Schatten über das Festival-Wochenende. Die Gemeinde trug Trauer, gedachte des Epic-Metal-Pioniers, ließ sich – ganz im Geiste Sheltons – aber nicht die Freude am Rock´n´Roll nehmen.

So bleibt im Gesamtrückblick das Bild einer schwierigen, wenngleich gelungenen Veranstaltung mit hervorragender Organisation, herausragenden Konzerten und Fans, die sich rege an der Sammelaktion für die Überführung von Sheltons Leichnam nach Wichita, Kansas, beteiligten. Schon am Sonntag war auf der flugs eingerichteten Internet-Plattform die Marke von 40.000 Dollar überschritten – ein Beweis mehr, dass Solidarität unter Metalheads mehr als nur eine wohlfeile Worthülse ist.

Donnerstag
 
Die Rolle des Festival-Eröffners am Donnerstag gebührt traditionell einer einheimischen Band. SHADOWBANE aus Hamburg nennen ihren Stil „Post Apocalyptic Power Metal“ und klingen angenehm nach US-Stahl der achtziger und neunziger Jahre. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad zockt das sympathische Quintett den Qualitätsstoff seiner beiden Veröffentlichungen ohne Fehl und Tadel und hinterlässt gereckte Fäuste nebst anerkennend nickenden Köpfen. Anheiz-Mission erfüllt.
SPEED QUEEN aus dem belgischen Limburg haben mit ihrer letztjährigen „King Of The Road“-EP für ekstatische Anfälle bei der klassischen Speed-Klientel gesorgt, und auch der HOA-Gig ist eine Energie-Demonstration erster Klasse: sauber gespielt, nicht zu thrashig, mit reichlich Bewegung auf der Bühne. Sänger Thomas Kenis schenkt den Fans in der ersten Reihe zwischendurch Bier nach – der Mann weiß, was sich gehört. Einziger Kritikpunkt: drei Coverversionen, darunter ein respektables ´Doctor, Doctor´, sind mindestens eine zu viel.
Mit Nachgespieltem müssen sich SEAX aus Worchester, Massachusetts, nicht über die zugeteilten 45 Minuten retten. Drei Alben bieten genügend Stoff für einen Top-Gig, bei dem das Publikum erstmals richtig in Wallung kommt. Geschmeidiger Speed mit dicken Keimdrüsen, das macht Laune – entsprechend begehrt sind hinterher die Shirts. Alles richtig gemacht!
Zeit für klassischen Metal, Bühne frei für RAVAGE. Die fünf Mannen aus Boston lassen keinen Zweifel aufkommen, dass sie es (endlich!) richtig wissen wollen. Speziell der eingängige, aber keineswegs banale Stoff der neuen EP „The Derelict City“ kommt blendend an beim dankbaren Publikum. Leider können der Sound und die Bewegungsfreude auf der Bühne nicht mit dem Songmaterial konkurrieren. Letzteres Manko könnte freilich auch mit den nach wie vor tropischen Temperaturen zu tun haben.
Damit zu einer Band, die die Gemüter wie keine andere an diesem Wochenende spaltet: BLAZON STONE. Während das Projekt des vielbeschäftigten Cederick Forsberg (u.a. Rocka Rollas, Breitenhold, Cloven Altar) für einen Teil des Publikums die letzte Ausfahrt für eine Verschnaufpause darstellt, sind die anwesenden Running-Wild-Fans größtenteils angetan vom Tribute-Sound der erstmals in Deutschland gastierenden Schweden. Alles erinnert an die guten Zeiten der Musikpiraterie (hoho!), Eigenständigkeit ist hier nicht wirklich gefragt. Treffendes Fazit meines Stehnachbarn: „Irgendwie komisch, aber irgendwie auch nicht ungeil.“
Über die Qualität der nun folgenden MANILLA ROAD-Show gibt es hinterher keinen Dissens. Auch Nicht-Fans des Wichita-Unikats sind gefesselt von der Wucht und Präzision, mit der Mark Shelton, Bryan Patrick, Phil Ross und Andreas „Neudi“ Neuderth an diesem Abend zu Werke gehen. Ohne Verklärung: Ich habe die oft gespielten Klassiker selten so intensiv auf den Punkt gezimmert gehört wie an diesem 26. Juli 2018. Auch Fans mit mehr als drei Dutzend Manilla-Road-Shows im Erfahrungsspeicher berichten in den Gesprächen unmittelbar nach dem Gig und an den Tagen darauf von einem außergewöhnlichen Konzert, einem Auftritt, der nun leider ein historischer ist. Danke für deine einzigartige Musik - ruhe in Frieden, Mark! „I was a rocker from birth, a rocker I´ll be till I die“ (´Dig Me No Grave´, 1990).
Die letzte Runde des Tages spendieren uns MORGANA LEFAY, die man hierzulande nicht alle Tage zu sehen bekommt. Sänger Charles Rytkönen und seine hervorragend eingespielten Mittäter saugen der unkaputtbaren Meute vor der Bühne die letzten Kraftreserven aus den Knochen, rundherum fordern Hitze und Kaltschalen nun merklich ihren Tribut. Ein Aufbäumen gibt´s praktisch nur bei den Debüt- und Frühneunziger-Klassikern – wer den Schweden daraus aber einen Strick drehen will, der sollte auch sich selbst nicht ganz außer Acht lassen. Ein würdiger Tagesabschluss, auf dem Zeltplatz nebenan steigen die Nachbetrachtungs-Partys. Niemand ahnt, was diese Nacht für eine niederschmetternde Nachricht bringen wird. (lk)
 
Freitag
 
Klar, dass der Freitag erst mal vom Schock über Mark Sheltons Tod geprägt ist. PSYCHOPRISM haben die undankbare Aufgabe des Openers und werden im Programmheft mit Crimson Glory in Verbindung gebracht. Letztlich bieten die Ostküstler beeindruckenden Power Metal irgendwo zwischen Lethal, Symphony X und Queensryche mit (zu) kräftigem Keyboard-Einschlag. Im Mittelpunkt dabei Shredder Bill Wisser und Frontmann Jess Rittgers, der wohl mehr Zeit im Kraftraum als mit der Band verbringt, dafür aber über eine Ausnahmesirene verfügt, die er vor allem beim interessanten Cover von ´You´ve Got Another Thing Comin´´ zum Einsatz bringt. Cooler Opener!
SYRUS stehen für Classic-Texas-Metal und spielen ihren ersten Gig außerhalb ihres Heimatstaates. Der Auftritt hat es in sich, denn die Veteranen demonstrieren eindrucksvoll, dass man sich auf einem Niveau mit Helstar, S.A. Slayer und Militia bewegt – ein Demoklassiker reiht sich an den anderen. Unglaublich, dass es in den Achtzigern – obwohl man Ray Alder in seinen Reihen hatte – nicht zu einem Plattenvertrag gereicht hat. Optisch ragt bei der sympathischen Truppe der Basser heraus, der aussieht, als ob er in jedem Tarantino-Film einen mexikanischen Bösewicht spielen könnte, in Wirklichkeit aber ein überaus netter Zeitgenosse ist.
ANCIENT EMPIRE, die Quasi-Nachfolgeband von Hellhound, stellte ihre Setlist mit den Stücken ihrer vier Alben vorab auf ihre Facebook-Seite, und so weiß man, was einen erwartet. Toller US-Power-Metal, aber der Auftritt der Kalifornier leidet etwas unter der fehlenden Bühnen-Action.
Es folgen bewegende Minuten: Pastor Gerald „Preacher“ Warnecke (ex-Running-Wild), der regelmäßig beim HOA zu Gast ist, spricht vor einer Schweigeminute passende Worte zum Ableben von Mark Shelton. Die andächtige Stimmung im Publikum zeigt die Verbundenheit der Szene, nicht wenige Anwesende haben Tränen in den Augen.
TRANCE – aus gegebenem Anlass ohne ihren Drummer Neudi – haben dann die sauschwere Aufgabe, die Stimmung zu wenden, und schaffen es! Auslöser dafür ist in erster Linie der neue Sänger Nick Holleman (ex-Vicious-Rumors). Beeindruckend, wie der junge Holländer den Klassikern der Pfälzer neues Leben einhaucht und sich bewegt. Als Höhepunkt bringt er akrobatische Aktionen auf dem Absperrgitter und singt bei der Schlussnummer sogar mitten im Publikum. Kein Wunder, dass er anschließend in aller Munde ist und wie ein Honigkuchenpferd über das Gelände stolziert.
DESTINY haben es anschließend schwer, das Stimmungsniveau zu halten. Unklugerweise berücksichtigt die Truppe um Veteran Stefan Björnshög ihren Klassiker „Atomic Winter“ mit nur zwei Nummern. Und als Schlusstitel eine auf Schwedisch gesungene Nummer über ihren Lieblingsverein IFK Göteborg zu bringen, ist ebenfalls nicht die cleverste Idee der Band, was auch für ihre langärmeligen Bühnenklamotten bei der Bruthitze gilt.
SORCERER vertreten die wegen angeblicher Passprobleme nicht ausreisefähigen Amis Tyrant, und wenn man sich an den peinlichen HOA-Auftritt von deren Sänger Rob Lowe 2007 mit Candlemass erinnert, kann man das leicht verkraften. Die Schweden demonstrieren trotz atmosphärisch ungünstigen Hochsommerwetters eindrucksvoll, wie epischer Doom zu klingen hat. Gänsehautmomente sind garantiert.
Mit einem TKO-Auftritt hatte die letzten Jahre eigentlich niemand gerechnet, und nun der verspätete erste Europa-Gig der Truppe, bei der man im Vorfeld neugierig war, wen Brad Sinsel um sich scharen würde. Mit Evan Sheeley (Q5), Kendall Bechtel (Fifth Angel) und Tausendsassa Jeff McCormack (Q5, ex-Bloodgood etc.) hat der Sänger eine Allstar-Truppe zusammengestellt, die die komplette „In Your Face“- Scheibe (bei Encyclopedia Metallum als beste Glam/Sleaze-Metal-Scheibe aller Zeiten ausgezeichnet) mit dem Höhepunkt ´I Wanna Fight´ zelebriert und auch die anderen Platten berücksichtigt. Unnötig nur das abschließende ´Born To Be Wild´-Cover. Auch wenn der Frontmann etwas an eine jüngere Hardrock-Version von Donald Trump erinnert, führt er souverän durch den Set und besitzt immer noch Rockstar-Qualitäten, zum Beispiel, als er nach dem Auftritt stolz verkündet, dass Kurt Cobain seine Truppe einst in Seattle ganz sicher schon auf der Bühne gesehen habe.
Im Programmheft wird angekündigt, dass TANKARD die Bühne in Schutt und Asche legen werden. Mutigerweise verweigert der Veranstalter das von der Band geforderte Freibier für alle, aber trotzdem bleibt alles friedlich. Ansonsten bieten die Hessen ihre gewohnten Trademarks und sind die humorvollste und bewegungsfreudigste Band des Tages. Passenderweise bieten die vom Pokalsieg der Eintracht immer noch freudetrunkenen Frankfurter mit ´Minds On The Moon´ den idealen Soundtrack zur Blutmondnacht, die hier auf dem norddeutschen Land klasse zu verfolgen ist.
Die Headliner LOUDNESS sind Wiederholungstäter und wohl die erste Band in der HOA-History, die zwei Jahre in Folge am Start ist. Nachdem ihre Europatour nicht aus dem angekündigten Old-School-Set bestand, hatte man schon Zweifel, ob die Japaner ihre Setlist noch mal umstellen würden. Vollkommen unberechtigt, denn heute stehen die beiden Überscheiben „Disillusion“ und „The Law Of Devil´s Land“ im Mittelpunkt des Programms. Hammersache, der heutige Auftritt stellt den letztjährigen locker in den Schatten. Spielfreudig wie selten glänzen Akira Takasaki (einer der letzten Gitarrengötter) und Frontmann Minoru Niihara, der wohl eifrig Englisch gelernt hat und sich kommunikativ wie nie zuvor gibt. Ein überragender Auftritt, den an diesem Wochenende niemand überbieten kann. Gern darf man nächstes Jahr wiederkommen! (wk)
 
Samstag
 
Mitte der Achtziger hätten EXISTANCE mit Sicherheit Schulter an Schulter mit Attentat Rock, Sortilège und Der Kaiser auf Devil´s Records ein Zuhause gefunden. 2018 ist alles eine Nummer kleiner. Die Band um Julian Izard (Sohn der kürzlich verstorbenen H-Bomb-Legende Didier Izard) bietet eine fantastische Performance, bei der eigentlich alles stimmt. Treibender Heavy Metal mit ein paar schönen Twin-Guitar-Passagen, dargeboten von einer soliden Einheit, die ganz genau weiß, wie man sich auf der Bühne zu bewegen hat, in ihren schwarzen Jeansklamotten traditionell aber ungekünstelt rüberkommt. Ein würdiger samstäglicher Auftakt des Headbanger´s Open Air 2018, das insgesamt mindestens eine Klasse besser besetzt ist als im Vorjahr.
Das Energielevel geht in der Folge bei MILLENNIUM allerdings leider ein paar Stufen in den Keller. Selbst die größten NWOBHM-Enthusiasten werden zugeben müssen, dass die ´84er Millennium-Scheibe auf Guardian Records lediglich Mittelklasse repräsentierte. Die Nordostengländer haben zwei relativ frische Comeback-Alben mit im Gepäck, die das eine oder andere Highlight beinhalten, so etwa den Titelsong der 2016er Platte „Caught In A Warzone“. Wie schon beim Brofest reicht´s für Millennium freilich nicht mehr für ganz oben.
Nach alten Engländern nun junge Spanier. Auf der Headbanger´s-Bühne ist bei HITTEN vom ersten Ton an viel Bewegung. Die Jungspunde aus Murcia präsentieren vor allem Material ihres aktuellen Albums „State Of Shock“, geben allerdings auch einen kleinen Ausblick auf die im September auf High Roller erscheinende neue Platte „Twist Of Fate“. So muss traditioneller Heavy Metal im Jahre 2018 klingen. Nur die Bühnenkluft der Spanier wirkt ein wenig zwanghaft retro, aber das ist sicherlich Geschmackssache. ´Eternal Force´ widmet der neue Sänger Alexx Panza Mark Shelton.
Manager Jess Cox hat auf sein gelbes Schlabbershirt (aus welchen Gründen auch immer) mit Edding „Death Metal“ gekritzelt und bringt am Bühnenrand fleißig Merch von den durch ihn vertretenen Künstlern unter die Leute. Diesmal hat er Luther Beltz´ WITCHFYNDE mit nach Brande-Hörnerkirchen gebracht. Diese kennen sich auf der Bühne des HOA bereits aus und fangen mit Stücken wie ´The Devil´s Playground´ oder ´Stab In The Back´ gewohnt routiniert an. Auch wenn es mir schwerfällt, dies zuzugeben: Bei ursprünglich von Steve Bridges gesungenen Titeln wie ´Moon Magic´ oder dem sagenhaften ´Leaving Nadir´ hat Beltz nach wie vor seine liebe Mühe. Eine Gewitterzelle über dem Festivalgelände sorgt mit starkem Wind und ergiebigen Regengüssen dafür, dass viele Besucher erst einmal damit beschäftigt sind, ihre Zelte zu sichern, während Witchfynde unbeirrt weiterspielen.
Im Vorfeld ihres Auftritts geht es bei der deutschen Thrash-Legende DARKNESS turbulent zu. Irgendwie scheint die 21. Ausgabe des HOA unter keinem guten Stern zu stehen. Auf der Anreise zum Gelände hat Bassist Dirk mit Kreislaufproblemen zu kämpfen und wird aus Sicherheitsgründen ins nahegelegene Krankenhaus gebracht. Aufgrund der Hitze kann er die Show nicht absolvieren. Darkness waren aber schon immer Kämpfer, und so geht es ohne Basser auf die Bühne, was erstaunlich gut funktioniert. Die beiden Gitarren sind im Live-Mix mehr mittig, und Schlagzeug-Ikone Lacky feuert aus allen Rohren. Vor allem ´Staatsfeind´ wird gnadenlos abgefeiert.
METAL INQUISITOR merkt man ihre Liebe zum Heavy Metal vom ersten Ton ab an (und das nicht nur wegen des Metalucifer-Shirts). Ähnlich wie Sacred Steel gelingt es den Koblenzern, die Trennung zwischen Band und Publikum nahezu komplett aufzuheben. Metal Inquisitor sind einfach nur Metal-Fans, die für diese eine Stunde auf der Bühne stehen und nicht davor. Nach den Auftritten in den Jahren 2003 und 2011 vertiefen die Überzeugungstäter an diesem Nachmittag ihre Liebesbeziehung zur norddeutschen Provinz und werden von den wie immer extrem fachkundigen Zuschauern mit reichlich Beifall verabschiedet.
Um kurz nach 19 Uhr ist nun endgültig Legendenzeit. Kim McAuliffe hatte backstage nicht einmal Zeit, sich ihrer bequemen Badelatschen zu entledigen, bevor das Blitzlichtgewitter auf sie und ihre Kolleginnen einprasselte. Kaum jemand, der nicht ein Autogramm oder einen Schnappschuss fürs Fotoalbum haben wollte. Auf der Bühne steht die Frontlady von GIRLSCHOOL dann aber doch noch standesgemäß ganz in Schwarz und mit Lemmy-Tribute-Shirt. Schulfreundin Denise Dufort hat einen wahnsinnigen Punch, ihre Anschläge treffen genau in die Magengrube (zur Freude der restlichen Bandmitglieder macht Denise diesmal allerdings nichts kaputt). Das Zuschauer-Areal ist am heutigen Tag zum ersten Mal pickepackevoll, der Sound zudem wirklich satt. Aber wie immer brauchen Girlschool ein paar Nummern, um wirklich auf Betriebstemperatur zu kommen. Wiederholt gibt es zwischen den Songs lautstarke „Girlschool!“-Chants der Fans zu hören, die Kim sichtlich rühren. Frau verlässt sich allerdings glücklicherweise nicht ausschließlich auf die Greatest Hits, mit ´Never Say Never´ (von „Believe“) sowie ´Come The Revolution´ und ´Take It Like A Band´ (vom drastisch unterbewerteten aktuellen Album „Guilty As Sin“) gibt´s auch neues Ohrenfutter. Nach der Quasi-Oi!-Hymne ´Emergency´ setzt es mit der ersten Single ´Take It All Away´ die vehement geforderte Zugabe.
Es ist ein wahres Wunder, dass Lips von ANVIL an diesem Abend überhaupt noch einen Ton herausbekommt. Drei Tage lang hat er sich unters Volk gemischt, überall und mit jedem Smalltalk betrieben und sämtliche Autogrammwünsche erfüllt. Lips lebt Heavy Metal und ist nicht nur in Brande-Hörnerkirchen, um für sich und seine Kollegen die Gage abzuholen. Da verzeiht man auch, dass der Set kaum Neues zu bieten hat: Die Songauswahl ist relativ statisch, die Improvisationsteile sind rigide eingeübt und zu lang, die Ansagen zwischen den Stücken repetitiv. Aber Metal-Legenden wie Anvil dürfen das.
Auch Riot besitzen Heldenstatus. Nur mit dem Unterschied, dass wir es als Headliner des diesjährigen Headbanger´s Open Air mit RIOT V zu tun haben. Aber Sänger Todd Michael Hall, Gitarrist Mike Flyntz und Bassist Don Van Stavern verwalten das Erbe der Band (mittlerweile) adäquat. Vorbei sind die Zeiten, als alte Stücke wie ´Swords And Tequila´, ´Road Racin´´ und ´Warrior´ in der aktuellen Live-Präsentation noch wie Fremdkörper gewirkt haben, mittlerweile klingt alles wie aus einem Guss, selbst ´Heavy Metal Machine´ aus der Forrester-Ära. Weiterer Pluspunkt an diesem Abend: Die Songs des kompositorisch durchaus passablen neuen Albums „Armor Of Light“ kommen auf der Bühne ohne den pappigen Bassdrum-Sound der Studioaufnahme aus und gewinnen so eindeutig an Qualität. (mm)

In Brande-Hörnerkirchen schwitzten, feierten und trauerten: Matthias Mader (mm), Ludwig Krammer (lk) und Wolfram Küper (wk).

Pic: Ludwig Krammer

Bands:
HITTEN
SPEED QUEEN
TANKARD
TKO
LOUDNESS
TRANCE
ANVIL
SHADOWBANE
SORCERER
PSYCHOPRISM
RIOT V
BLAZON STONE
SYRUS
RAVAGE
WITCHFYNDE
ANCIENT EMPIRE
DARKNESS
MORGANA LEFAY
METAL INQUISITOR
MANILLA ROAD
Autor:
Wolfram Küper
Ludwig Krammer
Matthias Mader

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